Microsoft-Allianz mit Verlegern:
Ein Schritt zu einem
schlechteren Internet?
Microsoft plant angeblich eine Allianz mit den von Existenzängsten geplagten Inhalteanbietern gegen Google. Ein Schritt weit weg von den Interessen der Nutzer.
Google dominiert viele Bereiche des Netzes. Grund genug, das Treiben des Internetgiganten nicht nur durch die rosarote Brille des Web-Enthusiasten zu sehen, sondern auch kritisch zu hinterfragen. Wenn Anwender für einen Großteil ihrer Aktivitäten im Internet auf einen Google-Service zurückgreifen, dann führt das zwangsläufig zu einer Abhängigkeit. Eine Abhängigkeit, die sich an dem Tag negativ auf sie auswirken könnte, an dem Google aus welchem Grund auch immer nicht mehr seinem Motto “Don’t be evil” (Sei nicht böse) folgen kann.Doch so wichtig eine gesunde Skepsis im Bezug auf die Google-Übermacht auch ist, so sehr muss man sich eingestehen: Auch im zwölften Jahr seines Bestehens treibt Google die digitale Innovation voran wie kein anderer und forciert gleichzeitig Offenheit und freien, möglichst unabhängigen, kostenlosen Zugang zu Informationen und Kommunikationswerkzeugen. Android, Google Wave und Google Books sind einige Beispiele. Google hat die Entwicklung des Webs in den vergangenen zehn Jahren geprägt wie kein anderer Dienst, und das trotz aller Datenkrake-Bedenken in enorm positiver Weise.
Aus diesem Grund bin ich äußerst beunruhigt über die jüngsten Geschehnisse rund um Bing, Microsofts überarbeiteter und mit einem Achtungserfolg (und einer 100-Mio-Dollar-Kampagne) gestarteten Suchmaschine, mit welcher der Software-Konzern neuen Einfluss im Web erlangen möchte.
Im Gegensatz zu Google scheint Microsoft für seine Internet-Strategie jedoch den Fokus nicht vorrangig auf Offenheit und Unabhängigkeit gelegt zu haben, sondern stattdessen auf Kooperationen und Deals mit denjenigen, die sich vom freien Web derzeit ganz ordentlich bedroht fühlen.
So jedenfalls muss man Gerüchte rund um eine Allianz zwischen Microsoft und Verlegern deuten, die darauf hinauslaufen würde, dass deren journalistische Inhalte über Bing, jedoch nicht mehr über Google auffindbar wären – womöglich sogar gegen Bezahlung. Microsoft würde sich mit solch einem Schritt die allseits bekannte Unzufriedenheit einiger Medienmogule zu Nutze machen, die sich durch Google ausgenutzt und betrogen fühlen.
Käme es zu einem solchen Bündnis, wäre das meiner Ansicht nach ein fatales Zeichen für die Zukunft des Internets.
Anders als Google hat Microsoft sehr wenig zur Evolution des Webs beigetragen. Während Google permanentes Experimentieren und konsequentes, innovationsgetriebenes Brechen mit Konventionen in seiner Firmenkultur verankert hat, ist Microsoft seit jeher ein eher traditionell agierendes, stark marketingfokussiertes Unternehmen, das sich bis heute mit der Dynamik und DNA des Webs schwer getan hat.
Genau auf die zu einem solchen Image passenden Art und Weise versucht Microsoft nun, sich ein Stückchen Macht im Markt der Zukunft zu erkaufen. Und will dies zusammen mit den von Existenzängsten geplagten Verlegern tun, die momentan wahrscheinlich alles machen würden, um Google im Suchmaschinenmarkt zu schwächen.
Ich gehörte noch nie zu den Leuten, die aus Prinzip in den Anti-Microsoft-Chor eingestimmt haben. Ich bin seit jeher Windows-Nutzer und selbst mit dem viel kritisierten Vista-Betriebssystem relativ zufrieden. Meine Kritik an einer möglichen Kooperation zwischen Microsoft und Inhalteanbietern ist vollkommen frei von Vorurteilen gegen die Redmonder.
Sie basiert auf meiner Überzeugung, dass die gesamte Menschheit einen Nutzen aus dem von Google geschaffenen freie Zugang zu Informationen zieht – im krassen Gegensatz zu einer Allianz von Microsoft und Inhalteanbietern, bei der zwei andere Parteien die alleinigen Nutznießer wären: Microsoft und die Inhaltenanbieter.



















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Hab ich den Deal richtig verstanden? Die Inhalte von Verleger werden bei Bing verfügbar aber nicht bei Google? Wozu braucht es da einen Deal? Das gleiche Ergebnis bekäme man bei einer geringfügigen Änderung der robot.txt hin.
Oder bekommen die Verleger dafür Geld? (Ich fand die Passage „womöglich gegen Bezahlung” nicht eindeutig: Bezahlt MS die Verleger, die Verleger MS, der Nutzer die Verleger?).
So oder so, es hätte den positiven Nebeneffekt, dass die Verleger ändlich nicht mehr öffentlich wegen Google-News und Co rumjammern können.
Sind bisher nur ja nur Gerüchte, daher unklare Informationslage. Aber wonach es aussieht: Verlage könnte Google bzw. Google News (oder beide) via Robots.txt oder auf anderem Weg aussperren und gleichzeitig eine gesteuerte, maßgeschneiderte Indexierung durch Bing erreichen. Und offenbar scheint Microsoft auch bereit zu sein, für diese Art des Exklusivzugriffs zu zahlen (wie das genau ablaufen würde, ob pauschal oder per Beteiligung der Verlage an Werbeeinnahmen – unklar). Also Microsoft zahlt an die Verlage.
Für den Nutzer würde das bedeuten, dass bestimmte Quellen bei Google nicht mehr gefunden werden können.
Wovor genau hast du jetzt Angst?
Das war doch das, was alle (und ich bin der gleichen Meinung) gefordert haben: die sollen ihre robots.txt ändern und dann Ruhe geben. Jetzt machen sie das und es ist auch nicht richtig?
Im Moment kann ich den großen Nachteil für die Endnutzer auch (noch) nicht sehen. Wenn bestimmte Quellen statt über Google dann über Bing aufgerufen werden, bedeutet das für mich keine nennenswerte Benachteiligung… wenns dabei bliebe, dh. solange Microsoft zahlt und nicht irgendwelche halbgaren Ideen ausgebrütet werden, nach denen der Enduser bitteschön zahlen soll. Und eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, daß jetzt noch ernsthaft jemand glaubt, die Uhren zurückdrehen und ein Bezahlinternet etablieren zu können… naiv?
“Meine Kritik an einer möglichen Kooperation zwischen Microsoft und Inhalteanbietern ist vollkommen frei von Vorurteilen gegen die Redmonder.”
Ich finds nicht schlimm, aber – mit Verlaub – sie HABEN Vorurteile gegen Microsoft. :-)
Ich glaube auch nicht das Google den freien ( gemeint ist wohl kostenlos ) Zugang zu Informationen schafft. Den schaffen die Inhalteanbieter und wenn sie ihn wieder abschaffen, ist das möglicherweise dumm aber ihr gutes Recht – zumindest in einer FREIEN Welt auch wenn das Netzkommunisten anders sehen.
mich beunruhigt die Sache jetzt auch nicht sonderlich, ich denke nicht, dass man mit Strategien aus dem letzten Jahrtausend Google das Wasser abgraben kann.
Ich bin allerdings auch gleichermaßen fasziniert und beunruhigt, mit welcher Kraft Google dem Wort Informationszeitalter Bedeutung verleit. Nicht auszudenken was passiert, wenns dem Unternehmen mal finanziell nicht gut geht und die Führungsriege in Panik gerät und alte Grundsätze über Bord wirft.
Ich sehe einfach die Gefahr, dass sich eine Exklusiv-Vergabe von “Suchrechten” einbürgert, was dazu führen würde, dass man als User sich bei einer Suche nicht mehr sichern sein kann, dass die gefundenen Suchresultate vollständig und nach relevante Kriterien gerankt sind. Sprich, wer zahlt, erscheint (prominent) in den originären Suchergebnissen, und wer nicht, der nicht.
Da sind wir natürlich noch nicht, aber es würde zumindest in diese Richtung gehen.
“Sprich, wer zahlt, erscheint (prominent) in den originären Suchergebnissen, und wer nicht, der nicht.”
Bezahlte Suchergebnisse gibt es doch schon längst (Google Anzeigen), aber hier geht es doch um den umgekehrten Fall, dass der Suchmaschinenbetreiber fürs Indexieren und Verlinken bezahlt.
Sorry, so meinte ich das natürlich. Eine Suchmaschine, die zahlt, zeigt die Ergebnisse dieser Quellen womöglich besonders prominent an (vor den restlichen Resultaten, für die sie nicht zahlt), und eine, die nicht zahlt, zeigt die betreffenden Quellen gar nicht an (darf sie ja nicht).
Letztlich würde damit das gesamte Konzept der klassischen Suchmaschine in Frage gestellt. Und als Nutzer kann man sich nicht mehr sicher sein, über einen Dienst sämtliche Quellen finden zu können.
Letztlich ist aber ohnehin fraglich, ob irgendjemand tatsächlich auf den Traffic von Google verzichten kann und will.
Könnte das nicht endlich eine gute Lösung für alle sein? So spekulativ das Ganze ist, das könnte genau das sein, womit am Ende sehr viel gewonnen wäre.
Irgendjemand muss die Arbeit bezahlen. Die User wollen (angeblich, ich seh das ja anders) nicht, heißt es immer.
Wenn Microsoft von seinem vielen Geld freiwillig dafür zahlt, um gegenüber der enorm starken Position von Google aufzuholen, ist das weit, weit, weit besser, als wenn Regierungen auf nationaler Ebene irgendwelche komplizierten Regelungen aushecken, um die alten Geschäftsmodelle zu schützen.
Sollte Microsoft etwas anbieten können, was Google nicht bietet, würde das zumindest auch (!) den positiven Effekt haben, dass Bing als Alternative zu Google insgesamt zulegen könnte. Das wäre im Sinne der User.
Sofern es sich nicht um einen exklusiven Deal handelt (was ich mir schwer vorstellen kann), würde es doch darauf hinauslaufen, dass Google dann ebenso Geld bezahlt. Aber nicht, weil sie von Regierungen dazu gezwungen würden, sondern weil sie im Wettbewerb mit Bing stehen. Also freiwillig!
Einschränkungen von Suchergebnissen: Das wäre dann ein Problem, wenn eine Suchmaschine nur noch Treffer von Verlagen zeigen würde, die sie dafür bezahlen. Das wäre schlimm.
Aber umgekehrt sehe ich da kein Problem.
Das einzig Negative, was mir ins Auge springt, ist, dass neue Anbieter von Suchmaschinen, die nicht über so viel Geld verfügen wie Microsoft und Google, da wohl nicht mithalten könnten. Aber auch dafür kann ich mir Lösungen vorstellen.
Also ich sehe nicht, wie das im Sinne der User sein könnte. Auch wenn die Google-Dominanz aus Sicht von Websitebetreibern ihre Nachteile hat, so ist es für Nutzer äußerst bequem, sich stets sicher sein zu können, bei Google das zu finden, wonach sie suchen. Wenn man stattdessen vor jeder Suche abwägen muss, ob man nun zuerst bei Google, Bing oder XYZ schauen sollte, ist das in meinen Augen keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung.
Man sollte nicht auf Worte, sondern auf Taten schauen (gilt nicht nur in der Politik). Jeder Website Betreiber kann mit einem Text-File (robots.txt) bestimmen, ob Google seine Seite indexieren soll oder nicht. Mir ist kein News Site bekannt, die einen solchen Ausschluss praktiziert. Daher kann das Ganze als gut platzierte PR für bezahlten Content abgehackt werden.
ich hoffe inständig, dass die Leute, die das total in Ordnung finden, nicht dieselben sind, die bei Springers digitalem Amoklauf “Internet nicht verstanden” gehöhnt haben. Das wäre ein wenig peinlich…
Ich bin der überzeugung das dass aussperren von Verleger Seiten aus Google eher dazu führen würde das niemand mehr die Verleger Seiten als Quelle benutzt. So würde der Marktanteil von Google weiter steigen da Bing durch einen schlehten Ruf weiter absinkt, bzw. die Verleger Seiten ohne die indexierung in Google noch schlechter werden.
Der Feind meines Feindes… Ich denke aber, dass Google recht ungeschickt agiert hat mit seiner Books-Kampagne und deshalb Ärger mit den Content-Anbietern bekommen hat. Aber keiner der Content-Anbieter – außer Springer natürlich – wird es sich leisten können, aus Google-News rauszufliegen. Die Contentianer versuchen hier, Druck auf Google auszuüben, um einen größeren Anteil am Anzeigenmarkt zu erhalten.
Und welche Verleger sollen das zum Beispiel sein? Gibt es schon konkrete Namen?
Ich denke, dass es bereits seit einer Zeit zu spät ist, Google’s Machtposition anzuprangern. Außerdem werden es sich die großen (!) Verleger kaum leisten können, bei einer Suchmaschine mit einem Marktanteil von über 80% nicht aufgelistet zu werden. Die Versuche von Microsoft’s Seite aus sind zwar nett gemeint, werden mMn letztendlich trotzdem in nichts und wieder nicht resultieren – außer einem Geldberg, den sie lieber in ihre Betriebssysteme investieren sollten.
Wer braucht schon den Content von irgendwelchen Verlagen.
Das könnte DER Durchbruch für Blogs und Blogger werden!