aka-aki:
Mobile Social Networks und Deutschlands theoretischer Hoffnungsträger
Ortsbezogene soziale Netzwerke stehen vor ihrem großen Durchbruch und eine Reihe innovativer Startups bringt sich in Stellung. Aus Deutschland mit dabei: aka-aki. Doch obwohl der Berliner Dienst gute Voraussetzungen hat, scheint er bisher nicht richtig in Gang zu kommen.
Die Zahl der Dienste nimmt zwar genau wie die neugieriger, mit modernen Smartphones ausgerüsteter User konstant zu, insgesamt befindet sich mobiles Social Networking aber noch in seinen frühen Anfangen. Das zeigt sich auch dadurch, dass der aktuelle Marktführer unter den mobil genutzten Netzwerken mit Facebook ein Service ist, der im Prinzip nichts anderes macht, als seine herkömmliche Version für kleinere Bildschirme anzupassen.
Für die nächsten Monate ist ein enormer Verteilungskampf zu erwarten: Etablierte Networks und speziell auf das mobile Web ausgerichtete Startups werden um die Aufmerksamkeit und das Vertrauen der rasch anschwellenden Zahl interessierter Anwender buhlen. Wer diesen Kampf gewinnen únd aufgrund welcher Kriterien sich dies entscheiden wird, ist noch völlig unklar.
Anzeichen, welche sozialen Dienste am Ende am ehesten vom bevorstehenden Boom des mobilen Internets profitieren könnten, gibt es aber bereits: Foursquare und Gowalla zum Beispiel sind zwei sehr junge Startups, die in den letzten Monaten von der globalen Early-Adopter-Community mit offenen Armen empfangen wurden. Beide Anbieter stellen neben Freunden auch Orte in den Mittelpunkt, an denen Nutzer einchecken und Kommentare hinterlassen können. Zudem schaffen spielerische Elemente einen zusätzlichen Nutzungsanreiz.
Neben den zwei Neulingen gehören Brightkite und Loopt zu den bisher international etabliertesten mobilen Networks. Beide fokussieren sich etwas stärker auf die Kontakte und deren Aktivitäten, beinhalten jedoch ebenfalls Features rund um Plätze oder Events.
Genaue Angaben zu Nutzerzahlen habe ich zwar nicht, aber mehr als einige hunderttausend aktive Mitglieder dürfte keiner der genannten Anbieter haben. Noch nicht.
Auch wenn bei weitem nicht sicher ist, dass einer dieser vier Dienste das Zeug dazu hat, sich zu einem Big Player zu entwickeln, so ist es nicht unmöglich. Gerade die Namen Gowalla und Foursquare tauchen seit Wochen immer häufiger in meinem Twitter-Stream auf, und mit dem anstehenden Foursquare-Start in ausgewählten Metropolen Europas (Beta-Tests in Berlin, Barcelona, Madrid, Stockholm und Kopenhagen laufen – Amsterdam und London sind bereits verfügbar) könnte sich der in US-Städten bereits äußerst angesagte Dienst bald auch auf dem alten Kontinent eine treue Anhängerschaft zulegen.
Was auffällt (aber nicht wirklich überrascht): Alle vier genannten Anbieter stammen aus den USA. Nun ist das Netz zwar global, aber ein wenig Lokalpatriotismus möchten wir uns trotz (oder gerade wegen) unserer Kritik an der deutschen Startup-Szene beibehalten. Und neben einigen im Vergleich zu den eben vorgestellten Services chancenlos erscheinenden mobilen Networks aus dem deutschsprachigen Raum gibt es mit aka-aki ja zumindest eine theoretische Hoffnung.
aka-aki ermöglicht es über Applikationen für unterschiedlichste Smartphones (iPhone, Blackberry, Java-Client), über den Aufenthaltsort seiner Freunde auf dem Laufenden gehalten zu werden. Sind Kontakte in der Nähe, weist aka-aki darauf hin. Auch zeigt das Tool an, welchen anderen aka-aki-Nutzern man zuletzt begegnet ist.
2008 ging der aus einem Studienprojekt entstandene Dienst an den Start. Mit einer Sprachversion auch auf Englisch, einer informativen Website, ordentlicher Beachtung durch die Presse und zwei Webby-Awards bringen die Berliner eigentlich alles mit, was man braucht, um beim globalen Wettstreit um die Marktanteile im mobile Web mitzumischen. Und kürzlich gab es eine für deutsche Startups eher seltene Finanzierungsrunde in Millionenhöhe, die für eine internationale Expansion genutzt werden soll.
Doch trotz guter Voraussetzung und vergleichsweise viel Aufmerksamkeit durch die Massenmedien habe ich bisher leider nicht das Gefühl, dass aka-aki nennenswerte Nutzungszuwächse aufweist (das Unternehmen gibt die Mitgliederzahl mit 350.000 an). Ich kenne niemanden, der aka-aki einsetzt, und auch über die einschlägigen Social-Web-Kanäle hört man sehr wenig über aka-aki – im Gegensatz zu Foursquare (oder seit kurzem auch zu Gowalla).
Sofern aka-aki eine ernsthafte Chance gegen die über Mundpropaganda schnell an Bekanntheit gewinnende Konkurrenz haben möchte, muss das Unternehmen umgehend handeln. Es muss seine Präsenz in Early-Adopter-Kreisen erhöhen (von dort aus verbreiten sich ortsbezogene Social Networks Schritt für Schritt in den Mainstream) und mitunter auch über Änderungen am Produkt nachdenken.
Der Fokus auf interessanten Orten, die Gaming-Elemente sowie die Tatsache, die volle Kontrolle über seine Privatsphäre zu haben, scheinen Aspekte zu sein, die der neuen Garde sozialer Networks für mobile Geräte das verschaffen, was aka-aki bisher verwehrt blieb und üblicherweise die Voraussetzung für das Einsetzen von Netzwerkeffekten ist: virale Aufmerksamkeit. Ohne diese wird aka-aki nicht weit kommen.




















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Ich nutze aka-aki seit der Zeit, als man damit noch via Bluetooth im unmittelbaren Umkreis nach Usern suchte, hatte mich damals aus Neugier nach diesem Bericht von Kathrin Passig angemeldet.
Es hat damals (in München: Vollbesetzte Allianz-Arena, U-Bahn, etc.) nicht funktioniert, und es funktioniert auch heute (in Zeiten von iPhone App und Co.) noch nicht. Aka-aki fungiert eher als eine Art Tummelplatz für versprengte Kontaktsuchende… – und bietet nicht mal das, was Google mit Latitude sowieso schon im Portfolio hat. – Noch dazu: Wo ist die Monetarisierung? Werbung? Appstore? Freemium?
In Anbetracht dessen, was Jason gestern auf Techcrunch gepostet hat, sind die Chancen für aka-aki wohl als nicht besonders rosig einzuschätzen.
Kurz: Klinkt sich ein etablierter Player wie Facebook in das Thema ein, wird aka-aki allen schönen Investorenmillionen (und Appstore-Werbung) zum Trotz wohl die Luft abgedrückt.
Schade, aber vielleicht kauft ja Nokia. Oder Vodafone. Oder ProSiebenSat1, oder…
Das Netzwerk hab ich erst vor wenigen Tagen für entdeckt… Bisher muss ich sagen, dass ich eher enttäuscht bin. Wer schnellen Beischlaf sucht ist unter den jetztigen Mitglieder willkommen. Im Moment ist es eher ein Erotik-Netzwerk.
@ Tobi
Ja die Gefahr besteht für alle Startups in diesem Bereich. Gelingt es Facebook, das Thema LBS solide und datenschutzkonform umzusetzen, kann es für die jungen Anbieter durchaus schnell eng werden.
@Renato
Nach diesem Kommentar könnte ich mir vorstellen, dass die Registrierungen bei aka-aki in die Höhe schnell… ;)
Die Frage die sich mir eher stellt: kann Yahoo Fireeagle als Middleware zwischen den verschiedensten Geo-Location-Diensten davon profitieren und wenn ja, in welchem Ausmaß?
Die beiden Produkte foursquare und aka-aki sind keine Wettbewerber, da ersteres eine Art spielerischer Stadtführer ist, während das andere ein Tool zum Kennenlernen neuer Leute ist. Gemeinsam ist ihnen, dass sie social und location-based sind, aber das sind ja viele Apps (z.B. Qype Radar).
foursquare hat übrigens 60.000 Mitglieder (lt. New York Times vom 19.10.2009), aka-aki liegt bei über 350.000 Mitgliedern.
@ Gabriel
Stimmt, es gibt sicher Unterschiede. Die Frage ist aber, ob es da mittelfristig noch unterschiedliche Nutzungsszenarien geben wird – oder ob nicht am Ende eine LBS-App sowohl sozialer Stadtführer als auch Social Network zum Kennenlernen neuer Leute sein wird. Ich denke, in diese Richtung wird es gehen.
Mitgliederzahlen sagen am Ende recht wenig über die Nutzungsintensität und noch weniger über das Zukunftspotenzial aus. Ich sage nicht, dass ihr auf 350.000 Mitglieder nicht stolz sein könnt. Aber die Gegenüberstellung mit Foursquare, das nur in etwas mehr als ein Dutzend Städten und erst seit ein paar Monaten verfügbar ist, würde ich so nicht machen.
Sehr guter Artikel, der es auf den Punkt bringt. Das Thema “Mobile Nutzung mit Ortsbezug” (ich möchte es jetzt mal nicht mobile social networks nennen) ist noch voll in den Kinderschuhen.
Aka Aki, Foursqare, Radar u.v.m. sind sehr unterschiedlich in ihrer Auslegung und jeder dieser Anbieter trifft (zumindest in der Theorie) seine user und Zielgruppe. Ich glaube somit nicht, dass es nur EINEN großen entscheidenden Player geben wird und ich glaube noch viel weniger daran, dass es Facebook, Google und Co. sein werden.
Mobile und das “normale Web” verhalten sich so wie Print und Internet Ende der 90iger. Es sind eigene Medien mit eigenen “Regeln” die noch gefunden werden müssen. Die kleinen Startups haben letztlich die größere Flexibilität und die ist bei diesem noch so neuen Thema m.E. sehr wichtig.
btw: http://dailyplaces.net startet am 26.11. und dann gibt es noch einen mehr am Mobile Himmel ;-)
@Renato
Es wird sicher noch ausgebaut. Am Anfang versucht man natürlich erstmal Mitglieder zu gewinnen egal wie.
Na ja gut, noch nicht ganz ausgereift, aber die Idee hat sicher Zukunft. Die Idee, Kontakte aus social networks auch in der REalität zu treffen, wenn man eh grad in deren Nähe ist, hat ihren eigenen Charme.
Ich hoffe, man wird das hier nicht als Schleichwerbung betrachten, auch wenn ich mit verantwortlich bin für das Projekt, welches ich hier kurz vorstellen möchte.
Es passt thematisch einfach zu dem Artikel und der aktuellen Diskussion:
beoble.me zeigt – gemäß dem Claim “who’s up tonight?” – auf dem Handy an, WER heute wo unterwegs ist, statt WAS heute wo los ist.
Also welche anderen User, Bars, Clubs, Restaurants, Cafes (Locations) in der Nähe sind, wer gerade in welcher Location ist, oder noch kommen will.
Ausserdem können User miteinander telefonieren und sich SMS schreiben, ohne ihre Telefonnummern kennen oder tauschen zu müssen, was das spontane Kennenlernen und Verabreden erheblich dynamisiert. beoble.me bietet hierzu ein über Festnetz-Einwahlnummern funktionierendes Kommunikations-Gateway.
Kurzum kann beoble.me als ein Querschnitt zwischen aka-aki und Qype bezeichnet werden, zzgl. einiger außergewöhnlichen technischen Rafinessen.
Wen es interessiert, der kann sich das hier gerne mal ansehen:
beoble.me
LG; Lucas