Google-Navigation:
Die eine App, die Apple haben muss

Peter Sennhauser, 29. Oktober 2009 04:35 Uhr, 16 Kommentare Kommentare

Googles kostenlose und herausragende Navigationslösung für Android ist eine Sensation. Und die Tatsache, dass die Anwendung nicht auf dem iPhone, sondern auf Motorolas Droid Premiere feierte, spricht Bände.

Über so manche Anwendung aus den Google-Labs kann man lange grübeln: Das ist nett, aber wozu ist es einsetzbar? Im Fall von Streetview wissen wir es jetzt: Auf einen Schlag hat Google nicht nur seine Kartensoftware, sein umfassendes Suchwissen, seine technische Überlegenheit (mit Spracherkennung) und seine Führungsposition im online-Werbemarkt in eine Anwendung gegossen, sondern auch eindrücklich demonstriert, wozu Streetview nützlich sein kann.

All diese Elemente nämlich machen aus Googles Navigations-Anwendung (zu haben ab November in den USA mit dem neuen Motorola-Droid) den besten Routenplaner, den es je geben wird. Nicht im Augenblick gibt, sondern geben wird:

Denn das Lokal- und auch das Echtzeitwissen, das Google hat und via Mobilfunk jedem “seiner” Endgeräte zuspielen kann – buchstäblich auf Zuruf – hat nicht nur jetzt keiner der Konkurrenten wie Tomtom oder Garmin verfügbar, sie werden es auch nie haben.

Entsprechend ist der Aktienkurs dieser beiden Firmen gestern zum Börsenende synchron um über 15% abgesackt – als die Videos über die Google-Navigation im Netz auftauchten und die ersten Berichte über das neue Motorola-Handy, das die Google-Navi bereits an Bord hat, online gingen.

Der Paukenschlag Googles ist aber nicht der Auftakt zum Angriff auf Tomtom und Co, sagt jetzt Erick Schonfeld auf Techcrunch – es ist der nächste Takt im anschwellenden Kriegsgebrüll zwischen Apple und Google.

Ob Apple oder Google den Ehekrach angefangen hat, der bis zum Austritt von Google-CEO Eric Schmidt aus dem Apple-VR führte, ist derzeit nicht klar. Aber dass Apple sich angesichts der Armee an Android-Telefonen, die derzeit auf den Markt geschwemmt werden, bedroht fühlt und mit Sperrung von Google-Applikationen auf dem iPhone – Latitude und Voice, beispielsweise – nicht elegant reagiert, ist ja wohl nicht zu übersehen.

Nur müsste Apple jetzt, meint jedenfalls Schonfeld, Google auf Knien um die Navigationslösung anbetteln. Denn im AppStore stehen vielleicht 85′000 Anwendungen, aber die besten Web-Applikationen, und um die geht es letztlich – stammen alle von Google. Und Google scheint grade gar nicht mehr gut auf Apple zu sprechen sein. Es könnte sein, dass der langfristige Erfolg des iPhones plötzlich von der Software einer Partnerfirma abhängt – und diese schmerzliche Erfahrung wäre nichts neues für Apple, die Ende der 90er Jahre auf Knien nach Redmond kriechen und Microsoft anbetteln musste, die Office-Suite für Mac weiter zu entwickeln.

Denn der schönste Computer und das schönste iPhone werden zum Ladenhüter, wenn die hässlichen Terminatoren nebendran mit der besten Software glänzen. Ein Stück Code, das zur besten Software auf einem mobilen Computer werden dürfte, ist gestern erschienen. Auf Motorolas hässlichem Droid.

(Bild: Silicon Alley Insider)

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16 Kommentare

  1. Alf
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 09:59 Uhr (#)

    war ja irgendwie wieder einmal zu erwarten das Google seinen nächsten Feldzug vollstrecken wird um Apple das leben schwer zu machen. Aber das war ja noch nie anders. Mit der neuen Software von Google werden die Navigationsgeräte eine neue Generation erleben und es wird sich dort einiges ändern. Den mit der aktuellen Marktmacht von Google ist es durchaus möglich bei diesem Markt der Navigationssysteme eine neue Branche mit Marktführerschaft zu gewinnen. Ich bin gespannt, vielen Dank für den wirklich informativen Bericht.

  2. Petar
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 10:23 Uhr (#)

    Keine Frage hat Google damit einer ganzen Industrie (mal wieder) den Boden unter den Füßen weggezogen..auch wenn das System in Europa aufgrund der Roaminggebühren nur bedingt taugt.

    “Es könnte sein, dass der langfristige Erfolg des iPhones plötzlich von der Software einer Partnerfirma abhängt” das finde ich etwas übertrieben, Maps wird wohl kaum vom iPhone verschwinden. Das nur wegen der Naviapp jetzt allle nur noch Androidphones kaufen sehe ich nicht.

  3. René
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 10:39 Uhr (#)

    Das zeigt nur einmal mehr, wie sehr sich das iPhone über die Apps definiert, blöd halt wenn es nicht die eigenen sind.

  4. Rogerr
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 11:08 Uhr (#)

    Als zufriedener Android-User konnte mir diese Neuigkeit doch gleich meinen Morgen versüssen – gute Taktik in die richtige Richtung,

  5. Daniel Niklaus
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 12:06 Uhr (#)

    Geschichte Wiederholt sich.
    1985 war Apple an vorderster Front, sie packten wie Atari, Commodore, Amstrad & Co Hardware mit Software zusammen und boten es aus einem Guss an. Als Microsoft ihr OS lizenzierte und IBM das Referenzdesign für den PC lieferte, entstanden schlagartig weltweit Konkurrenten. Siemens, Nixdorf, Fujitsu, Olivetti, Tandy…eine Macht von Hardwareherstellern drängte auf den Markt. Dazu wurde Software immer wichtiger und die ging dorthin, wo es am meisten Anbieter hatte. Apple & Co. standen plötzlich auf verlorenem Posten.

    Das geschieht ihnen jetzt wieder. Mit dem iPhone bieten sie Software und Hardware aus einem Guss. Was im ersten Moment richtig ist, wird langfristig zur Schwäche. Weil vermehrt Handyhersteller Android lizenzieren werden und Softwareproduzenten sich dann für die neue Plattform entscheiden…

  6. Marc
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 14:52 Uhr (#)

    Ich vermute einmal, dass die Tage von Google Maps auf dem iPhone gezählt sind – allerspätestens dann, wenn es Ergebnisse der Übernahme von Placebase gibt und sich Google und Apple nicht doch noch vertragen werden.

  7. Moritz
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 14:58 Uhr (#)

    Die einzige Frage, die Google beantworten muss: Wie bringe ich diesen Service nach Europa. Der Killer für diese App sind ja die immensen Roaming-Gebühren, die bei grenzüberschreitenden Fahrten auftreten. Sinn macht die App ja nur mit einer Datenflatrate. Ich kann die Karten zwar zu Hause runterladen, aber das ist ja eigentlich nicht Sinn und Zweck der App. Ich bin gespannt, ob Google einer der ersten sein kann/wird, der das europäische Roaming-Kartell aufbrechen kann.

  8. Marc
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 15:51 Uhr (#)

    @Moritz

    Schön gesagt: “Roaming-Kartell”. Auf der einen Seite wird uns eine einheitliche EU vorgegaukelt, fahre ich aber vielleicht nur 10km ins europäische Ausland kann ich zwar noch mit meinen Euronen bezahlen, aber eben jene werden mir auch auf (immer noch) heftigste Weise aus der Tasche gesaugt wenn ich mobil… nun ja “sauge”.

  9. ShookOne
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 20:33 Uhr (#)

    Ich freue mich für die Android-Nutzer, aber ich sehe deshalb noch lange nicht, dass Apple deshalb in Schwierigkeiten kommen wird. Es gibt schon jetzt genügend hochwertige Navi-Lösungen für das iPhone.

    Richtig, die kosten Geld, sogar ziemlich viel. Dafür braucht man aber bei den meisten iPhone Apps zu keiner Zeit online sein und man muss nicht dauernd Karten und Bilder nachladen. Ausserdem wird man von Werbung verschont. Denn eines dürfte klar sein: Die Google-Navi ist werbefinanziert. Und Google ist Marktführer bei der lokalen Online-Werbung. Das kann ganz schön nervig werden.

    Fest steht meiner Meinung nach lediglich, dass sich Google dauerhaft den Markt für kostenlose Webanwendungen und Dienste sichert. Es wird aber weiterhin reichlich Platz für andere Geschäftsmodelle geben.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 22:07 Uhr (#)

    @ Moritz, Marc: Nach fünf Jahren in den USA bin ich überzeugt, dass der europäische Binnenmarkt erst noch entstehen muss – und sich damit die Bedingungen radikal ändern werden. Mit einer Währungsunion ist es nicht getan, wie Marc richtig bemerkt, wenn alle andern Handelshindernisse an virtuellen Grenzen (und den Sprachbarrierren, die noch schwieriger zu überwinden sein werden) weiter bestehen. In der Telekommunikation würde ich behaupten, das langfristig ein Konzern die besten Karten hat, der europaweite Abdeckung zu einer vernünftigen Flatrate bieten kann. Wie es hier in den USA die grossen Carrier tun, deren Wettbewerb sich deswegen nur noch über die Auswahl an Endgeräten entscheidet (AT&T hat eine lausige Abdeckung und profitiert enorm vom exklusiven iPhone-Deal – der allen Gerüchten zu Folge demnächst platzen wird). In der kleinen Schweiz haben die Anbieter grade angefangen, “Flatrates” (mit den üblichen Begrenzungen) einzuführen, die länderübergreifend sind und vorerst auch Anrufe ins Ausland integrieren. Das alles ist in den USA massiv einfacher, weil es auch keine komplizierten Interkonnektionsgebühren und Verrechnungen gibt: jeder zahlt, ob Angerufener oder Anrufender. Damit fallen komplizierte Minutentarife in verschiedene Netze weg und ermöglichen den Anbietern einfache Flatrates.

    @ShookOne: Du hättest recht, wenn es um eine isolierte Anwendung geht. Es geht aber um ein ganzes Konzept, noch mehr als bei der Office-Suite von Microsoft, auf die Apple auch angewiesen war, weil sie nun mal zum Standard in der Textverarbeitung etc wurde. Googles Navi ist keine Anwendung, sondern eine Sammlung von Anwendungen, eine Übersuchmaschinen-Telefonbuch-Verkehrsmeldungs-Echtzeitpositionsmeldungs-Wetterfunk-Preisvergleichs-Veranstaltungskalender-Lokalmeldungen-unsoweiter-Anwendung. Der Integrationsgrad aller Google-Anwendungen in Android wird weiter zunehmen und die Art von Informationsvernetzung erreichen, die Microsoft vor zehn Jahren mit der .Net-Strategie versprochen hatte. In diesem Sinne handelt es sich um die bisher beeindruckendste Konvergenz-Demonstration von Google. Sie lässt wenig Zweifel aufkommen, dass in der Mobilkommunikation nicht mehr Hard- und/oder Software, sondern die perfekte Anbindung an die Daten in der Cloud den Match entscheiden werden. Früher haben wir die coolsten Werkzeuge gekauft, mit denen wir irgendwie Inhalte erstellen konnten. Künftig werden wir zu den bereits bestehenden und vernetzten Inhalten die Werkzeuge suchen, die am besten damit umgehen können. Dass Google als zentrale Instanz in der Datenverbindung die besten Karten hat und sich die Hardwarehersteller deshalb mit Google einlassen müssen und werden, liegt auf der Hand.

  11. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 22:58 Uhr (#)

    Entscheidend wird sein, ob und wie Apple reagieren kann. Das iPhone ist nicht gleich in Gefahr, nur weil Google mit einer tollen App exklusiv für das Android kommt. Die Frage ist, was Apple dem entgegenhalten kann.

  12. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 29. Oktober 2009 um 23:31 Uhr (#)

    Martin, Du sagst es: Es geht nicht um eine App. Es geht um die Cloud. Apple setzt bisher aber auf Apps – und wacht eifersüchtig darüber, dass niemand irgendwas mit der Cloud macht, was ihnen nicht passt. Ein solch geschlossenes Modell hat bisher mit PC und dazugehöriger Software funktioniert – und dank perfekter Abstimmung noch beim iPod, wo aber bereits die Inhalte zu dominieren begannen.

    Diese Verschiebung – das zeigt die Google-Anwendung meiner Meinung nach – geht jetzt unvermindert weiter. Und ob Apple (vor allem aber RIM, Palm, Nokia) den Google Apps, der Suche, Google Books, Voice, Mail etc und der perfekten Integration, die alle diese Dinge in Android erfahren werden (die dem Erfolgsmodell aus iPod und iTunes als “System” gleicht, aber multidimensional ist) im Alleingang etwas entgegenzusetzen hat, wage ich zu bezweifeln. Ich denke deshalb, dass eine (Wieder-) Annäherung an Google unausweichlich ist.

  13. Wolf
    schrieb am 30. Oktober 2009 um 00:22 Uhr (#)

    “PC und dazugehöriger Software” ist ein geschlossenes Modell?

  14. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 30. Oktober 2009 um 12:38 Uhr (#)

    Ich denke deshalb, dass eine (Wieder-) Annäherung an Google unausweichlich ist.

    Ja das ist wahrscheinlich so. Ohne Google läuft im Web halt nichts.

  15. ShookOne
    schrieb am 31. Oktober 2009 um 09:05 Uhr (#)

    @Peter Sennhauser:
    Ach, wie ich diese “Du hättest Recht, wenn…”-Eröffnungssätze liebe ;-)

    Ich bin keineswegs davon überzeugt, dass Apple unbedingt diese Google-Anwendungen braucht , um zu überleben. Ausserdem wird Google kaum so töricht sein, die Dienste exklusiv für Android-Devices anzubieten. Damit würden sie freiwillig auf wichtige Marktanteile verzichten. Ausserdem widerspräche das ihrer bisherigen Firmenpolitik. Auf je mehr Plattformen der Zirkus aufgeführt wird, um so besser für Google. Und desto einfacher lasen sich auch Kritiker und Wettbewerbshüter beruhigen.

    Google bietet einfach einen kompletten Gegenentwurf zu den mehr oder weniger geschlossenen Systemen von Apple, RIM, Palm & Co. Und sie werden sicher Erfolg damit haben. Doch letztlich ist und bleibt Google eine einzige, riesige Werbeveranstaltung. Mit allen bekannten Nebenwirkungen und absehbaren Folgen. Nicht jeder möchte sich andauernd von Schuhgeschäften, Plakatwänden und Fastfood-Restaurants anquatschen lassen, wo er geht und steht, und nicht alle wollen ihre persönlichen Daten in die eine, grosse Über-Wolke laden.

    Nein, ich bleibe dabei: Es wird auch in Zukunft noch einen gesunden Markt ausserhalb von Google geben.

  16. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 31. Oktober 2009 um 09:12 Uhr (#)

    Wo, bitte, sage ich, dass Apple diese Anwendung braucht, “um zu überleben”?

    Aber es stimmt schon, es wird weiterhin einen gesunden Markt für Suchleistungen geben, so wie es einen gesunden Markt für Betriebssysteme, Online-Musik- und Buchhandel gibt. Die Frage ist, was Du dabei als “gesund” betrachtest.

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