Marketing:
10 Tipps, um ein Startup
richtig ins Rollen zu bringen

Wie erhöht ein Web-Startup seine Chancen auf Erfolg? Wir geben zehn Tipps, um einen jungen Dienst richtig ins Rollen zu bringen.

Warum manch ein Webdienst zu einem Riesenerfolg wird und ein anderer trotz vergleichbarem Produkt nicht, ist eine komplizierte Wissenschaft mit vielen unklaren Variablen. Auch wenn es für Startups kein Patentrezept für den garantierten Durchbruch gibt, lassen sich von der Entstehungsgeschichte beliebter Onlineservices gewisse Erfolgsfaktoren ableiten, welche die Chancen für nachhaltiges Wachstum und dauerhafte Nutzerakzeptanz erhöhen.

Es folgen zehn Punkte, die von jedem ernsthaft betriebenen Startup im Netz beherzigt werden sollten – aber noch immer von vielen vernachlässigt werden.

1. Überzeugende Website
Eine gute Struktur, relevante Infos auf einen Blick sowie Links zu weiterführenden Produkterläuterungen sind genauso wichtig wie eine Hilfe-Seite sowie eine Seite über das Unternehmen und die Gründer. Das Design sollte ansehnlich sein und zum Dienst sowie zur Zielgruppe passen.

2. Klarer Produktnutzen
Innerhalb von Sekunden sollte dem Besucher klar werden, welchen Nutzen ihm die Site bringt. “Teile XYZ mit anderen Leuten” (in dieser Art häufig zu finden) beispielsweise vermittelt keinerlei Nutzen.

3. Professionelle Pressearbeit
Pressearbeit ist wichtig, besonders bei knappen Marketingbudgets. Die Ansprache von Presse und Blogs muss empfängergerecht und professionell geschehen. Wer Beziehungen aufbauen kann, ohne Journalisten und Bloggern dabei auf die Nerven zu gehen, ist auf dem richtigen Weg.

4. Kontinuierliche Verbesserungen und Erweiterungen
Nichts ist schlimmer als ein Dienst, der mit viel Getöse an den Start geht, bei dem danach aber ein halbes Jahr lang Funkstille herrscht. Es empfiehlt sich, mit neuen Funktionen und Features nicht zu geizen und diese in kurzen Abständen zu bringen. So hält man frisch konvertierte User bei Laune und sorgt gleichzeitig für eine beständige Präsenz in der Presse (Negativbeispiel: Aboalarm, was ich hier noch so gelobt habe).

5. Das eigene Produkt lieben
Wer ein Startup ins Web bringt, will damit hoffentlich den Markt umkrempeln und die Welt verändern. Das klingt vielleicht nach Größenwahn, hilft aber dabei, unangemessenes Understatement und schädliche Zurückhaltung zu vermeiden. Gründer sollten ihren Dienst lieben und entsprechend agieren. Ehrlicher Enthusiasmus wird auf Nutzer, Investoren und Presse abstrahlen. Selbst eine kleine Prise Naivität kann nicht schaden.

6. Schnell die Zielgruppe erweitern
Early Adopter eignen sich ausgezeichnet dafür, erstes Feedback zu geben und einen neuen Dienst im kleinen Kreis der Blogosphäre und Twittersphäre ins Gespräch zu bringen. Schnell sollten aber auch andere Nutzer-Typen angesprochen werden (z.B. über entsprechende PR-Arbeit), denn Early Adopter können so schnell weg sein, wie sie gekommen sind.

7. Grundlagen für Internationalisierung legen
Selbst wer nicht sofort internationale Ableger starten möchte, sollte die Grundlagen für einen Launch im Ausland frühzeitig legen und einen Namen wählen, der auch auf Englisch und in anderen Sprachen funktioniert, sowie entsprechende Domains sichern.

8. Skalierbarkeit sicherstellen
Wer es in die großen Massenmedien schafft, muss mit plötzlichen Traffic-Spitzen klar kommen. Es sieht nicht gut aus, wenn die Site nach einer Erwähnung im Fernsehen erst einmal für zwei Stunden offline ist. Cloud-Anbieter wie Amazon schaffen Abhilfe (Beispiel hier), ohne dass dies mit großen Investitionen verbunden ist.

9. Ein Image aufbauen
Meiner Meinung nach ein sehr unterschätzter Aspekt: Um ein neues Startup herum kann man sehr schnell ein Image aufbauen. Das kann z.B. stark technisch geprägt sein (Beispiel Wolfram Alpha), oder aber jung und etwas naiv (wie studiVZ in frühen Tagen), etwas nerdig aber innovativ (Facebook) oder auch cool und lässig (Spotify, Twitter). Hier spielen alle möglichen Faktoren wie das Produkt, die Unternehmensdarstellung, die Art der Kommunikation und das Auftreten der Gründer rein. Mit dem richtigen Image für den passenden Dienst erhöht man seine Glaubwürdigkeit und Authentizität, was sich in vielerlei Hinsicht positiv auf den Erfolg auswirken kann.

10. Try and Error
Facebook und Google machen es vor: Lieber einmal mehr eine Funktion zu lancieren, die nach einem halben Jahr wegen geringer Resonanz wieder abgeschafft wird, als neue Features zu selten zu bringen. Je mehr man ausprobiert, desto größer ist die Chance, mit einem neuen Feature einen Volltreffer zu landen und dafür von den Usern geliebt zu werden.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

39 Kommentare

  1. Hi,

    hier mal ein paar Anmerkungen. :)

    zu 4:
    Aus meiner Sicht, kann es sinnvoll sein, mit Features zu geizen und diese iterativ zu perfektionieren. Paradebeispiel ist hierbei sicherlich 37signals …

    zu 6:
    Ich weiß nicht, ob man seine Zielgruppe (“Typen”) aendern sollte – vielmehr sollte man eine Umgebung schaffen, in der sich der “Virus” (s. Seth Godin etc.) von den Early Adopters auf weitere Nutzer uebertraegt. Das Marketingkonzept quasi in das Produkt integrieren …

    zu 7:
    Wieso sollte ein Produkt nicht ausschließlich auf den heimischen Markt fokussiert sein?

    Freue mich auf weitere Kommentare. :)

  2. Nette Tipps… wäre natürlich schön, wenn solche von jemand kommen, der praktische Erfahrung im Gründen eines Start-Ups hat. ;-)

    Aber trotzdem eine schöne Überscht.

  3. Zu 4.
    Bestehende Features zu perfektionieren, kann ja auch als “Erweiterung” und Verfeinerung wahrgenommen werden. Insofern schließt sich der Fokus auf wenige Features und die kontinuierliche Weiterentwicklung und Erweiterung nicht aus.

    Zu 6. Jep gute Ergänzung

    Zu 7. Klar gibt es Dienste, bei denen sich der Fokus auf den Heimatmarkt lohnen kann. Warum eine Internationalisierung gerade für Social-Web-Dienste aber häufig angeraten ist, hat Marcel hier erklärt.

    @ Alex
    Wenn Gründer die beste Adresse für Tipps zum Marketing eines Startups wären, dann müsste ja jedes Startup durch die Decke schießen und zum Hit werden ;)

    Ich blogge seit 2,5 Jahren über Startups und kann ganz gut beurteilen, was funktioniert und was nicht bzw. welche Bereiche vernachlässigt werden.

  4. Punkt Nummer 2 sollte an erster Stelle stehen und doppelt so groß wie die anderen Sachen geschrieben werden… ;-)
    Ein klarer Produktnutzen und Wettbewerbsvorteil, bzw. einfach der Sinn des Angebots ist das wichtigste Kriterium überhaupt. Denn welcher Mehrwert entsteht Nutzern/zuk. Käufern, wenn der Sinn nicht klar dargestellt wird.
    Daran scheitern leider die meisten Produkte/Unternehmen, dass nicht einmal den Geschäftsführern der Nutzen/Mehrwert (zu Konkurrenten) bewusst ist.

  5. @Holger:
    Ich glaube das liegt daran, dass Produkte zu oft ueber ihre “Features” beworben werden anstelle der “Benefits”, die sich aus der Nutzung ergeben koennten. In dem Buch “Made to Stick” – das ich uebrigens sehr empfehle – wird vom “Curse of Knowledge” berichtet. Viele Startups (die in der Regel nicht ueber eine Marketingabteilung verfuegen) koennen sich gar nicht vorstellen, wie Leute auf das Produkt schauen, die zuvor noch nie davon gehoert haben.

  6. Und genau hier sollte man halt als Unternehmer ansetzen. Was bringt dem Kunden/Nutzer das Produkt. Wenn das nicht klar definiert werden kann, ist alle Mühe umsonst.

  7. Der Ansatz eines solchen “die x besten Attribute” finde ich schick und löblich. Aber ist der Blick hier nicht gleich auf startups im Webumfled verengt? Und kann Business Creation nicht auch außerhalb des Webs gelingen? Es gibt immer noch ganz schön viel reale Wirtschaft mit anfassbaren Produkten…

  8. Das ist mal wieder ein Artikel aus der Reihe “X todsichere Tipps um …”.
    Diese endlosen und immer wiederkehrenden Aneinanderreihungen von Selbstverständlichkeiten bringen zwar aufgrund der plakativen Aussagen Traffic auf diesen Blog, aber sonst nicht sonderlich viel.
    Gefehlt haben noch die Punkte “Startup gründen”, das sonst kein Startup ins Rollen gebracht werden kann und “Produkt oder Dienstleistung entwickeln”.

  9. Tut mir Leid, aber da muss ich Shrodder Recht geben. Substantiell ist das hier nicht gerade…

  10. @ Holger
    Natürlich gibt es auch Ausnahmen, was den sofort sichtbaren Produktnutzen betrifft. Twitter z.B.

    @ Shrodder & Janus
    Wir sehen tagtäglich Beispiele, die diese “Selbstverständlichkeiten” ignorieren. Ganz so unsinnig wie von euch dargestellt ist der Artikel daher meines Erachtens nach nicht.

    Wir haben oft genug über die Probleme deutscher Startups im Web (und im internationalen Vergleich) berichtet. Teil des Problems ist häufig das Ignorieren dieser für manch einen offensichtlichen Punkte.

  11. Martin,
    danke für die Nennung von Aboalarm. Gerne würde ich klarstellen, dass wir viel auf der Content-Seite gearbeitet haben. In der Zwischenzeit sind knapp 3000 Abo-Anbieter in der Datenbank und werden permanent aktualisiert. Dies ist zwar kein Tech-Feature, aber manchmal ist eben Content auch nicht ganz unwichtig! Abgesehen davon haben wir vor kurzem unseren Fax-Service gestartet.

  12. Also als jemand, der seit 2 Jahrne alle Punkte von 1-10 rauf und runter durch exerziert hat (und zumindest ein bisschen Erfolg hatte):
    * mit den in DE üblichen Budgets ist das alles kaum machbar
    * daher direkt auf Punkt 10 konzentrieren: “machen statt diskutieren!”. Das führt zwar meist nicht zur absolut coolen und perfekten Seite (wiederspricht also Punkt 1, der gnadenlos überschätzt wird) aber bringt dafür mehr Ergebnisse.

    Presse und Blogger sind anfangs wichtig, später holt man damit kaum noch echten Traffic-Zuwachs. Ist eher was fürs Image (Punkt 9) und ansonsten lieber mehr aufs Produkt konzentrieren.

    Empfehlung Nr. 8 kann auch als Bärendienst ausgehen: wer immer genug Hardware vorhält baut kein gutes, kreativ gedachtes System und hat spätestens bei echtem traffic nen Geldproblem. Lieber mal offline sein und Ursachen suchen! War bei Friendster, Twitter und VZ doch auch so.

    Zu Punkt 6 sage ich als eigentlicher Marketer “Grober Unfug!” – “Early Adopter” sind viell. ne temporäre Haupt-Verwendergruppe aber keine Zielgruppe. Early Adopter gibt es in JEDER Zielgruppe und die sollte definiert werden aber nicht ständig geändert oder erweitert.

  13. @ Bernd
    Schön dass bei euch doch noch was läuft. Wie wär’s mit einem Corporate Blog, wo ihr ein bissl darüber schreibt, was gerade läuft? Hab ich gestern vergeblich gesucht.

    @ Steffen
    Ich finde es ja schon fragwürdig, wenn du den Punkt 1 einfach mal als “gnadenlos überschätzt” bezeichnest. Du bist dir sicher bewusst, dass Yasni als Personensuchmaschine einigen anderen Gesetzen unterliegt als das herkömmliche Startup, welches nicht in den enormen Genuss von SEO-Vorteilen kommt, wie es bei euch der Fall ist. Sprich, auch wenn Yasni kein wirklich schickes Design benötigt (offensichtlich siehst du das ja so), gilt das nicht automatisch für alle Dienste. Einige Sites müssen tatsächlich versuchen, User direkt an sich zu binden ;)

    Zur Empfehlung 8) ist ein sehr gutes Beispiel verlinkt, welches 17 Dollar gekostet hat. Und ja, gewisse Dienste können sich Offline-Phasen leisten. Aber wer gerade zum ersten Mal nen ordentlichen PR-Coup gelandet hat, würde sich ziemlich ärgern, wenn keiner der neuen Besucher die eigene Site zu Gesicht bekommt.

    Zu 6) es gibt genug Dienste, die sich tatsächlich zuerst einmal auf “Early Adopter” ausrichten. Egal wie sehr das nun als Zielgruppe bezeichnet werden kann oder nicht.

  14. @ Martin
    Da hast du vollkommen Recht! Shame on us. Wir werden in Kürze das Blog aufsetzen….

  15. @Martin: nunja … mein Steckenpferd ist die Provokation. Design ist als TEIL der Ansprache schon wichtig – aber leider wird das zu oft als “glatt gelutscht stylish cool” verstanden (pack mal alle unsere Wettbewerber und ein paar andere Web2.0-Läden nenebneinander und uns daneben – wen hast nach 0,5 s erkannt?). Besser ist Wiedererkennbarkeit – und meistens polarisiert das dann auch. Unser Design finden unsere Nutzer (v.a. die Stammuser) schon “gemütlich-heimisch” und andere sagen, dass es nicht gut ist. Wir setzen da jedenfalls auf Evolution statt Redesigns (auch wenn wir uns dadurch bei Euch Artikel-Chancen vertun). Ne gute Website allein bringt jedenfalls noch nix und mit “überschätzt” meine ich, dass zu viele Startups denken, dass man sich drauf verlassen kann und das die halbe Miete ist. Ist es nicht!

    Zur SEO-Kiste: auch die wird (insbesondere von unseren Neidern) extrem überschätzt. Yasni war auch vor SEO schon erfolgreich (wir haben die Namensseiten, die letztens sogar Xing kopiert hat erst im Jan. 08 eingeführt) und wir haben deutlich weniger Anteil long tail traffic als gemeinhin angenommen wird. Sogar ca. die Hälfte unseres Google-Traffics ist Short tail – und konvertiert viel besser (weils auf die Homepage geht). Google Traffic an sich ist generell furchtbar minderwertig. Ist ähnlich wie TV-Werbung: “kurz hinschauen und wieder weg”. Sind aber wieder andere Themen …

    Die allgemeinsgültigste Aussage in Deinem Artikel war “komplizierte Wissenschaft mit vielen unklaren Variablen” ;-)

    Kurz nochmal zu 8: diese Cloud-Dinger funktionieren nur bei sehr einfachen Sites mit WENIG Traffic. Twitter hatte damit schließlich auch enorm zu kämpfen und wenn man Yasni auf die Amazon-Cloud stellen würde (abgesehen davon, dass die meisten Admins sagen “Amazon is evil”) würden wir das nicht mehr bezahlen können. Und es funktioniert für uns auch nicht (nicht dass wir das nicht auch schon beleuchtet hätten – extrem instabil) – geht nur für einfachste Funktionalitäten. Und später von Cloud auf Root umstellen ist sicher auch ne Herausforderung … wir haben mit Hetzner-Servern angefangen, die ähnlich preiswert wie Claud-Lösungen sind und recht lange reichen. Später muss man dann aber zu nem richtigen Hoster migrieren, da Hetzner Null Flexibilität anbietet.

    Aber wie Du schon sagst: ist bei jedem Modell anders zu betrachten.

  16. Early Adopter?? Woher nimmt man diese gruppe von Leuten?

    Blogger und Presse ansprechen? Sollten Blogger angeschrieben oder angerufen werden?

    an netzwertig: ich gebe einigen hier Recht. Die Beiträge in diesem blog gehen immer mehr in die Richtung: “ich sag Dir mal wie es geht …:”. Etwas weniger Besserwisserei tut vielleicht ganz gut und weniger omnipräsente Werbung auch.

  17. Ich denke, ueber die Wichtigkeit solcher Listen laesst sich sicher streiten.
    Der wesentlichste Punkt der hier gefallen ist, stammt aus meiner Sicht von Steffen:
    “mit den in DE üblichen Budgets ist das alles kaum machbar”
    Warum wird darueber so selten berichtet? Irgendwie wird bei der Verwendung des Wortes “Startup” immer davon ausgegangen, das Unternehmen sei bereits etabliert. Dass man zunaechst allerdings mit beschraenktem Budget jonglieren muss, findet – warum auch immer – selten Beachtung. Die Problematik faengt doch bereits beim Hosting an und hoert beim Billing (Gateways etc) leider nicht auf. Die Kostenaspekte werden imho viel zu selten diskutiert. Komisch …

  18. @ Steffen
    Genau, abhängig vom Dienst und hilft alles natürlich nur, wenn viele dieser Punkte beachtet werden und das Produkt gut ist. Eine schicke Website allein führt natürlich nicht automatisch zum Erfolg.

    @ fvonx
    Naja das ist aber gleichzeitig einfach nur eine Ausrede.
    Für Site-Design, Domain(s) und skalierbaren Space reichen ein paar tausend Euro, nen Team-Member mit PR- und Kommunikations-Erfahrung hat man idealerweise im Gründer-Team, und ein paar Entwickler sind nun mal die Voraussetzung für einen Webdienst. Das alles ist auch mit den Budgets deutscher Startups zu machen. Wer dafür kein Geld hat, braucht eh nicht anfangen.

  19. @Martin (bzgl. Antwort auf fvonx): und genau DAS ist die Sichtweise, die über ein unerfolgreiches Startup der ersten 6 Moante (bei denen dann auch die Early Adopters reichen) nicht hinausgeht. Logisch, kann man mit kleinem Geld sowas ins Netz stellen – yasni hatte 2,5 Mio. Nutzer monatlich VOR der 1. Finanzierungsrunde und GENAU so haben wir’s gemacht. Es geht ums danach!

    Denn genau wenn der Erfolg kommt kostet es plötzlich Geld:
    * viele User erwarten viel Service und machen gleichzeitig auch viele Probleme
    * bei High Traffic funktioniert nix mehr wie auf der grünen Wiese und die Cloud-Kisten fallen alle auseinander (Twitter ist übrigens auch heute *wörtlich* noch ständig nicht verfügbar)
    * die Neider und auch techn. Angreifer kommen auf den Plan und auch die etablierten Unternehmen, die einen angreifen und Kosten+Aufwand verursachen (kleine Unternehmen sind immer beliebt und Hacker machen sich nicht die Finger schmutzig)
    * prozentual relevantes Wachstum durch Marketing kostet nun plötzlich doch Geld (wir haben irgendwann Google Adwords deswegen runter geschraubt, weil es irgendwann prozentual beim Traffic viel weniger ausmachte als bei den Kosten)
    * man kann eine Site unter Hochspannung nicht mehr so einfach ändern – die Seiteneffekte sind enorm.

    All diese Dinge lösen die Amis mit einem “sorry – I need another 100 Mio. $ for servers” – und alle jubeln ob des grandiosen Wachstums, das soviel Serverkosten verursacht. Auch und vor allem die dt. Blogger- und Journalisten-Szene.
    Weiß eigtl. jemand, dass Google lange vor großen Umsätzen 25 Mio. $ bekommen hat und keineswegs “kein Marketing” gemacht hat?

    In DE bekommt man dagegen zu hören “Wie? Nach Mini-Finanzierung über den Sommer immer noch nicht profitabel geworden? Und außerdem – warum macht Ihr denn nur funktionierende Modelle aus USA nach, anstatt einfach mal entspannt etwas Neues zu erforschen?”

    Hat mal jemand die Durchsnitts-Mitarbeiterkosten in der durchgesickerten Twitterplanung mit realen MA-Kosten in DE verglichen?

    That’s what I meant!

    Im Übrigen sind die meisten der vorstehenden Äußerungen nicht auf Yasni zu beziehen sondern eher die Erfahrung aus unzähligen Gesprächen mit anderen Gründern “jenseits der Meedia-Jubel-Durchhalte-Meldungen”.

    Uns geht’s ja durchaus gut und wenn man ein paar Dinge “weiß” kann man sie auch anders machen … ;-)

  20. @Martin:

    Naja das ist aber gleichzeitig einfach nur eine Ausrede.

    Nein das ist keine Ausrede. Wer sich dieses Video anschaut und ein paar Startups aus Deutschland kennt, wird schnell erkennen, dass in Deutschland startups eine (extrem wichtige) Finanzierungsrunde weniger bekommen als in USA. Zwar gibt es mit exist-seed in Deutschland eine tolle “Garage-Finanzierung”, die eigentliche “Seed-Finanzierung” (Prototypen zur Marktreife bringen) kenne ich aber nur von einem einzigen deutschem Startup. Und bei denen ist einer im Team, der davor für VCs garbeitet hat (oder soll man Deiner Meinung nach einen Ex-Vc-Manager im Team haben und braucht sonst “eh nicht anfangen”?
    Alle anderen haben irgendwie das Produkt schon mit einer Garagen-Finanzierung auf den Markt gebracht. Und das ist extrem hart, wenn man sich den internationalen Markt anschaut.

  21. @Wolfgang: das Video ist sensationell und zeigt auch gleich die Problematik hierzulande: der erste Entwickler wird mit 30-50 k$/Jahr bewertet. Bei 20% Sozialabgaben in DE bleiben da 1.500-2.300 €/Monat als Bruttolohn. Wo gibts diese Entwickler?

    Diese Runde wird in der Tat in DE als “Eigenleistung” erwartet. Haben wir auch gemacht. Passt!

    Das Problem kommt in der nä. Runde (<1 Mio. $): die wird lt. Präsentation (und auch in Wirklichkeit) für den Aufbau des Produktes, Wachstum und Aufbau der Bekanntheit benötigt.

    Hier wird in DE aber bereits der Break Even erwartet (der eigtl. erst nach Runde 3 vorgesehen ist) – Wachstum und erste Umsätze+Plan für Monetarisierung reichen da gar nicht.

    Das ist das Verrückte!

    Logisch, dass da die meisten dt. Startups das einzig Richtige tun (gut – wir sind die verrückte Ausnahme): sie bauen mit dem eigenen Geld ein funktionierendes Modell handwerklich solide nach (die Deutschen sind ja gründlich;-) und sind damit schlagartig im letzten drittel der Runde 2. Damit kann man keine Sterne mehr vom Himmel holen und man ist der "Japaner des Internets" – aber anders geht es rein mathematisch gar nicht. ich befürchte nur, dass die Chinesen uns bald diese Bastion (schnell nachbauen) abnehmen werden.

    Nun kann man bei netzwertig ja nochmal fragen, warum die Deutschen so wenig innovativ sind ;-)

    Übrigens jammern auch viele Investoren aus und in Deutschland, dass es in DE nix Vernünftiges zum investieren gibt. Allerdings merken sie auch nicht, dass es für Spielgeld halt auch nur billigen Plastik-Schmuck gibt. Für "50 k€ nen Verzwanzigfacher in 6 Monaten" – das wird erwartet. Und das geht nur, wenn man zu ner Minibewertung sehr früh eine "Fast-Mehrheit" an einem soliden CopyCat erwirbt, was man dann nach 6 Monaten zu einer DoubleDigit-Bewertung an den "Schwarzen Peter" verkauft.

  22. @Steffen

    Danke! Endlich mal Praxis-Wissen mit Substanz.

    Richtige Erfahrungen kann eigentlich nur jemand weitergeben, der einen erfolgreichen Start-Up am Markt plaziert hat und die Problemchen und Herausforderungen selbst mitgemacht hat.

  23. @ Steffen
    DU sprichst vielleicht über einen längeren Zeitraum. Ich beziehe mich aber mit dem Beitrag oben offensichtlich auf die Startphase. Und gebe dafür ein paar wichtige Tipps, die von vielen nicht beachtet werde (so offensichtlich sie sein mögen).

    Die gesamte restliche Diskussion hat mit dem diesen Tipps wenig zu tun bzw schließt sich nicht aus. Auch wer wenig Budget hat, kann das meiste da oben realisieren. Und ganz ehrlich: Wir wären froh, gäbe es nichts an dem Aufbau und Informationsgehalt von Sites, an USP und an Startup-Pitches zu kritisieren. Das würde unsere Arbeit sehr viel leichter machen.

  24. @Martin: also ich fühle mich immer noch in der Startphase – auch nach 2 Jahren online und insgesamt fast 3 Jahren. Da gibts noch so viele Sachen, die schon in ersten Konzepten standen die immer noch nicht umgesetzt wurden … als ich 2000 bei Jobpilot angefangen hab waren die auch noch in der Startphase und vieles unerledigt – da waren die 5 Jahre alt.

    Vielleicht ist das das größte Missverständnis: nach 2 Jahren fertig und im Break Even ist nicht normal und wie sagte Dariani bei Harald Schmidt? “Man kann mit StudiVZ Geld verdienen – indem man es verkauft”

  25. Also ich finde diesen Artikel sehr interessant. Ich habe ein junges Startup (www.click-a-ticket.de) und habe momentan das Problem meine Seite bekannt zu machen. Dabei ist mir zu meiner Situation in Bezug auf den Artikel aufgefallen, das einige Punkte durch das Startup selber fossiert werden können und andere Punkte bzw. Themen (und hier besonders das Thema PR) immer mit Investionskosten verbunden sind. Und an Geld mangelt es bei Startups meist, so auch bei mir.
    Ich werde versuchen die 10 Punkte mit meinen Mitteln und Finanzen so umzusetzen und hoffe so über die Zeit den gewünschten Schneeballeffekt zu erreichen …

  26. Guter Artikel. Das Wichtigste fehlt: Links beschaffen

  27. Prima Liste, ich denke man sollte noch ergänzen, dass man den richtigen Mitarbeiter im Richtigen Job einsetzen sollte.

    Ist am Anfang natürlich schwer, aber irgendwann benötigt jedes Start – Up Strukturen, die schon noch frei und flexibel sein können, jedoch trotzdem in eine gewisse Richtung weisen :-)

  28. Die Tipps sind durchaus gut. Allerdings kann man damit meines Erachtens maximal den “Status Quo” halten. Wenn man die Erfolgschancen über den Durchschnitt hinaus verbessern will, braucht es mehr als die Standardrezeptur.

    LG Sina

  29. Vier Schritte reichen aus:
    1. Eine gute Idee haben
    2. eine Firma gründne
    3. die Idee etablieren
    4. Die etablierte Idee an einen großen Konzern verkaufen.

  30. Ich musste lachen als ich den Artikel gelesen habe. Ich gebe dem Autor in KEINEM EINZIGEN PUNKT recht ;)

    Leute… es gibt nur einen, nur einen EINZIGEN Punkt der dafür sorgt dass eine Idee funktioniert:

    SEI ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT.

    Pressearbeit, Design, Features, Performance… das alles ist sowas von egal in der ersten Phase. Die Idee muss einfach den Nerv der Zeit treffen.
    Und das zu schaffen gehört zu den vielen vielen ungelösten Geheimnissen dieses Planeten und wird die Experten der Web 2.0 Szene auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen.

  31. Da man aber das “zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein” nur schwer beeinflussen kann, gibt es obige Ratschläge, um trotzdem aus einem Dienst mit guten Voraussetzungen (das ist klar) das Beste zu machen. ;)

  32. Ich weiss, was du meinst, aber wenn man sich die Entwicklungen der großen deutschen Social Networks ansieht… egal ob es studivz, lokalisten oder wer-kennt-wen ist… die hatten keinen der Punkte berücksichtigt die oben angesprochen waren. Was diese Social Networks aber gemeinsam haben: die Entstehung war authentisch, was soviel heisst dass ganz normale Leute ohne besondere Hintergrunderfahrung in der Gründer- oder Web 2.0-Szene an ihre Idee geglaubt haben und diese leidenschaftlich im eigenen Freundeskreis umgesetzt haben…der Rest ist Geschichte.

  33. Stimmt, die von dir genannten Networks sind mittlerweile recht groß und können als erfolgreich bezeichnet werden – und haben wahrscheinlich alle zahlreiche der obigen Punkte nicht beachtet. Bis hier hin ok. Aber es sind drei Anbieter von Tausenden von Startups, zumal Social Networks eben dank des Netzwerkeffektes eine etwas andere Entwicklungsdynamik haben. Kurz- bis mittelfristig ist es nicht unbedingt der beste Dienst, der das größte Wachstum aufzeichnet.
    Langfristig glaube ich jedoch, dass die Balance wiedergefunden wird, sprich der tatsächlich “beste” Dienst die anfänglich erfolgreichen verdrängt. Ich gebe den drei von dir genannten Diensten keine langfristigen (!) Wachstumschancen. Gerade Social Networks sind “Winner takes it all Märkte”, und ich gehe davon aus, dass der Winner auch in Deutschland blau weiß sein wird.

    Lass es uns so sagen: Eine allgemeine Liste berücksichtigt nie Einzelfälle und Eigenheiten bestimmter Märkte. Generell wird es ein Startup jedoch schwer haben, wenn es nicht skaliert, primitive PR betreibt, keinen USP hat usw. Und wenn die Gründer ihren Dienst nicht lieben.

  34. Danke für die Liste, ich denke auch, man sollte einfach das Getting Real Prinzip von den Machern von 37Signals beherzigen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

  35. Ganz gute tipps – vielleicht ein wenig zu generisch. Sie erinnern mich an die 4Ps aus dem Marketing-Kurs. Ein überlegenes Produkt, ein wettbewerbsfähiger Preis, eine starker Vertriebskanäle und das alles gut vermarkten: Dann kann nichts mehr schief gehen :-)

    Aber Aboalarm finde ich super!

  36. Ich stimme Peter zu, generell gute Tipps in diesem Artikel, aber mir auch etwas zu high-level. Wer wissen möchte, was StartUps sonst noch in der Realität beschäftigt, sollte sich http://www.paulgraham.com/really.html anschauen. Ich bin gerade via Twitter drüber gestolpert und kann Paul Graham in den meisten Punkten (die ich auch gerade mit meinem Startup selbst erlebe) den Daumen hoch geben.

  37. Ich finde auch Punkt 2 ein enorm wichtiger Punkt, den die meisten durch die “Betriebsblindheit” einfach übersehen. Wer nicht innerhalb wenigen Sekunden dem Besucher einer Webseite beispielsweise diese Message nicht überbringen kann – hat verloren. Hier gibt es übrigens auch sehr viele Interessante Infos dazu, die auch ins Detail gehen: href=”http://www.unternehmer.de/tag/marketing”>

  38. Hallo,

    dieser Blogeintrag ist bereits fast 3 jahre alt, aber an Aktualität hat er noch immer nicht verloren. Gerade Startups wie unseres brauchen einen Leitfaden – und der muss nicht zu 100% perfekt sein oder das Gelbe vom Ei versprechen.

    @martin, @Steffen:
    Beide Ansichten werden mir wirklich weiterhelfen. Leider muss man in Deutschland mit wenig eigenem Budget starten um dann mit einem erfolgreichen(!) Produkt Kapitalgeber zu überzeugen. “Wachstum und erste Umsätze+Plan für Monetarisierung reichen da gar nicht.” Also gibt es nur eine Lösung: Seinen Erfolg aufbauen, egal wie. Martins Ideen helfen da immens.

  39. Ein solcher “Richtlinien”-Beitrag ist sicherlich sehr hilfreich für Durchstarter. Vielleicht könnten Sie noch den ein oder anderen rechtlichen Tipp an Ihre Leserschaft weiterleiten, denn Startups sollten sich unbedingt um den gewerbliche Rechtsschutz, insbesondere das Markenrecht kümmern. Über Startups und Markenrecht haben wir bereits gebloggt: http://my-marke.de/2012/1…tup-und-markenrecht/

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