Deutsche Startups:
Und alle so ‘regional!’

In einem internationalen Markt wie dem Internet sind regionale Nischen selten von Dauer. Ein Plädoyer für mehr Risikobereitschaft und Vision in der deutschen Gründerszene.

(Bild: iStockphoto.com)

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Vor ein paar Tagen hat Martin Weigert bei uns über die fehlende Naivität in der deutschen Gründerszene geschrieben (lesenswert dazu auch die Kommentare, etwa von Andreas Göldi). Als Antwort darauf hat Andy Lenz bei t3n News einen Artikel verfasst, in dem er die Auffassung vertritt, dass in Deutschland viele kleine Unternehmen in Nischen operieren und dass dies so gut und ausreichend sei:

Sind nur global aufgestellte Player interessant, die von Venture Capital (VC) abhängig sind? Ganz im Gegenteil. [..] Globale Expansion muss nicht immer das Ziel sein. Limits und Nischen machen Spaß, sind familiär: Man kennt sich und das ist gut so!

Das kann man so sehen. Das Problem daran ist nur, dass es nur wenige Nischen im Netz gibt, die man als Startup regional besetzen und halten kann. Das Internet ist global. Es bezieht einen Gutteil seiner Stärke aus der globalen Vernetzung. Das wiederrum zieht internationale Konkurrenz nach sich.

Seit 2007 schreiben Beobachter wie ich, dass studiVZ (jetzt: VZ-Netzwerke) mit seiner technischen Rückständigkeit langfristig ein Problem bekommt. Lange Zeit wird man über diese Sicht im Hauptquartier der VZ-Netzwerke gelacht haben. Marktführer ist man doch. Alles spitze. Zwar nur in Deutschland, aber das reicht doch.

Eben nicht.

In jedem Markt, der von Netzwerkeffekten massgeblich beeinflusst wird – also alles im sogenannten Social Web -, gewinnt immer der, der am schnellsten am größten wird. Märkte mit Netzwerkeffekten sind Winner-takes-it-all-Märkte, ohne Plätze für einen Zweiten und Dritten.

Was man bei studiVZ übersehen hat, und was viele Gründer bei einer ausschließlich regionalen Ausrichtung übersehen, ist, dass in der Regel ein globaler Netzwerkeffekt stärker wirkt als ein regional beschränkter. Besonders wenn man als größte Nutzergruppe die Studenten zählt, welche heutzutage mehrheitlich Auslandssemester absolvieren und damit Kontakte ins Ausland erhalten, ist das problematisch.

Das gilt aber grundsätzlich auch für andere deutsche Startups. Wer meint, er könne im Internet ein Geschäft betreiben und dabei den Rest der weltweiten Internetwirtschaft ausblenden, weil er eine deutsche Version im Angebot hat, ist meistens auf dem Holzweg.

Viele deutsche Startups sind auch nicht regional eingeschränkt, weil das eine bewusste Entscheidung war. Sie sind es, weil sie international schlicht nicht konkurrenzfähig sind. Kann sich jemand YiGG oder webnews erfolgreich auf dem internationalen Parkett vorstellen? Eben.

Im globalen Web ist das ein Problem. Denn spätestens dann, wenn die technisch und konzeptionell überlegenen amerikanischen Vorbilder nach Deutschland kommen, bulldozern sie nicht selten einfach alles weg. Siehe wieder Facebook. Ähnliches wird mit den bereits heute nicht sonderlich relevanten deutschen Social-News-Angeboten passieren, wenn das technisch überlegene US-Vorbild Digg international expandiert und nach Deutschland kommt.

Natürlich kann man auch sagen, die Nische, ob regional oder nur innerhalb der Branche, ist auch ok. Und für viele Unternehmen reicht das auch völlig aus.

Hier kommt aber die entscheidende Frage: Wer wird langfristig wirtschaftlich besser dastehen: Twitter selbst oder ein x-beliebiger Twitterclient?

Und: Könnte jemals unter den aktuellen Gegebenheiten etwas wie Twitter aus Deutschland kommen?

Ich glaube nicht.

Das drängt Deutschland an den Rand, an die Peripherie im Internetbereich.

Was wir bei netzwertig.com beobachten, ist eine teilweise strukturell, teilweise mental bedingte Situation, die disruptive und damit oft risikobehaftete Unternehmungen nicht nur erschwert, sondern sogar weithin verunmöglicht.

Die kleinen Nischenunternehmen sind schön und gut. Der geringe Kapitalbedarf bei Webstartups begünstigt das Entstehen vieler, kleiner Webdienste. Was spricht gegen disruptive Unternehmen neben einem gesunden Long Tail? Und warum sollte man als Beobachter eines Wirtschaftsstandortes der Meinung sein, dass der Internet-Mittelstand allein für den Standort ausreichend sei?

Nein, die Ziele für einen wirtschaftlich starken Standort müssen höher gesteckt werden. Die Politik muss die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Die Gründer und Investoren (und die beobachtenden Blogger) müssen begreifen, dass just in unserer Zeit enorme Marktchancen im Internet existieren. Marktchancen, die man nicht mit Copycat- und Regional-reicht-Denken erfassen kann.

studiVZ und wer-kennt-wen und lokalisten und wie sie alle heißen werden langfristig an der Peripherie von Facebook enden. Warum? Weil den deutschen Machern das Vorstellungsvermögen für die rasche Entwicklung im Internetmarkt zu fehlen scheint.

Wie ich vor einiger Zeit ausgeführt hatte, hätte studiVZ mit einer geschickten Plattformstrategie andere deutsche Startups an sich binden können und damit ein Ökosystem bilden können, das auch den Nutzern etwas gibt, dass sie so ohne weiteres nicht bei Facebook vorfinden. Das wurde versäumt und nun fehlt zunehmend der Unique Selling Point. Es wurde versäumt, weil den Führungskräften bei studiVZ etwas fehlte. Martin nannte es Naivität. Man kann es auch Vision nennen. Weitsicht. Oder Marktverständnis.

Wer in einem von Netzwerkeffekten dominierten Markt das Momentum verliert, verliert alles. The winner takes it all.

Wer da auf regional setzt und die internationale Konkurrenz ausblendet, denkt bestenfalls nicht langfristig oder hat schlimmstenfalls seinen Markt nicht verstanden.

Regional denken im Social Web ist wie Marathon laufen und die Ziellinie bei Kilometer 20 zu vermuten.

Und ist die heimelige Nische ok, wenn die VZ-Netzwerke von der deutschen Marktführerschaft wieder in die Nische gedrückt werden vom Facebook-Gorilla? Genau das wird in den nächsten Jahren passieren.

Und nun?

Vielleicht ändert sich die Situation mit dem kommenden Echtzeitweb. Jenes wird mehr auf der technischen Seite gewonnen, auf der die Deutschen traditionell nicht die schlechtesten im internationalen Vergleich sind. Social Graphs werden nicht so wichtig sein. Die werden nämlich bei Bedarf von den Social-Web-Gewinnern als Infrastrukturanbieter bereitgestellt werden.

Aber auch künftig wird verstärkt eine Gründermentalität gebraucht werden, die etwas riskiert. Dazu zählen auch Investoren, die ihre Ziele höher stecken. Alle müssen verstehen, dass sie auch für finanziell lohnenden Erfolg echte Probleme lösen müssen.

Es ist keinem erfolgreichen Nischendenken zu verdanken, wenn man ein Social Network für Hundebesitzer oder ähnliches gründet. Das hat vielmehr mit dem Fehlen von Ideen und Marktverständnis zu tun.

Die deutschen Gründer brauchen sicherlich niemanden, der immer alles madig macht. Dafür gibt es bereits mehr als genug deutsche Blogger. Sie brauchen aber auch keinen, der immer alles schön redet und die aktuelle Situation, egal wie sie aussieht, toll findet.

Wir versuchen bei netzwertig.com immer einen Blick auf das große Ganze zu erhaschen und unsere Erkenntnisse möglichst wahrheitsgetreu zu vermitteln.

Und dazu gehört eben auch die Erkenntnis, dass es nur sehr wenige Startups aus Deutschland gibt, die sich international mit anderen Webdiensten überhaupt messen können. Und das ist langfristig ein Problem.

 

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18 Kommentare

  1. Netzwerkeffekt-Märkte sind sind tatsächlich “Winner-takes-it-all-Märkte”. Wenn man dieser Ansicht ist, ist jedoch ein Versuch ein solches Produkt zu lancieren nicht nur waghalsig, sondern mit Lotto spielen zu vergleichen…

    “Ich gründe jetzt mal Social Dienst so und so, zum überleben brauche ich in den nächsten 3 Jahren 50 Mio Mitglieder… ” muss dann der Businessplan sein.

    Dies ist Realität und meiner Meinung nach der Grund, wieso es viele in Nischenmärkten versuchen und zufrieden damit sind (aber dann wohl auch irgendwann wieder verschwinden).

    Wobei es auch Nischen/Regio Anbieter gibt, die bestehen bleiben (siehe z.b. ricardo.ch vs ebay.com)

  2. Vollste Zustimmung. Das Klein-Klein-Denken im deutschsprachigen Raum ist eine massive Bremse. Neben den von Dir genannten Gründen finde ich noch zwei andere Aspekte wichtig:

    1. Gründer brauchen konkrete Vorbilder und Unterstützung durch erfahrene Unternehmer. In den USA wollen alle Jungunternehmer das nächste Google gründen, zum nächsten Bill Gates oder Larry Page werden. Diese Erfolgsstories sind fest verwurzelt in der erlebbaren Realität. Wer in den USA an eine Elite-Uni (Harvard, Stanford, MIT, …) geht, kann meistens mindestens 10 supererfolgreiche Unternehmer nennen, die mal die genau gleiche Schulbank gedrückt haben.

    Solche greifbaren Vorbilder fehlen in Europa. Was soll man in Deutschland werden wollen? Der nächste Ehssan “Zentrum des Sonnensystems” Dariani, der nach 1.5 Jahren Arbeit seine Bude verkloppt hat und seither nur noch durch unsympathische Äusserungen auffällt?

    Leider tun sich auch sehr erfolgreiche europäische Unternehmer selten dadurch hervor, eine solche Vorbildfunktion einzunehmen und junge Unternehmen zu fördern, und zwar gerade in sehr frühen Phasen. Google hat seinen ersten Check z.B. von Sun-Gründer Andy von Bechtolsheim bekommen, bevor die Firma überhaupt existierte. Eine ähnliche Risikobereitschaft kann man bei europäischen Angel-Investoren lange suchen. Die meisten denken streng regional und investieren lieber in eine scheinbar sichere Nische und/oder in aus den USA kopierte Erfolgsrezepte. Es gibt zwar Ausnahmen (SAP-Gründer Hasso Plattner z.B.), aber die sind schnell aufgezählt.

    2. Wer sich keine hohen Ziele setzt, erreicht meistens nicht mal ein mittelmässiges Resultat. Eine alte Startup-Faustregel besagt: Wenn man ein $100-Mio-Unternehmen gründen will, muss man das Ziel verfolgen, ein Milliardenunternehmen aufzubauen. Die Realität ist hart genug, und meistens werden die Zielsetzungen um einiges verfehlt. Aber von Anfang an nur eine kleine, bescheidene Firma haben zu wollen, legt nicht den Grundstein für grosse Erfolge.

    Das habe ich hier in den USA von erfolgreichen Unternehmern gelernt: Man muss von Anfang an gross denken. Das Risiko erhöht sich dadurch zwar, aber im Erfolgsfall lohnt sich das Resultat wenigstens wirklich, und zwar nicht nur für die Gründer und Investoren, sondern durch die Ausstrahlun und Vorbildfunktion sehr erfolgreicher Unternehmen für das ganze Umfeld.

  3. Mir fällt nur XING aus Deutschland dazu ein. Die scheinen es geschafft zu haben.

    Und zum “Echtzeitweb”: Just a buzzword! Oder wer weiß, was das sein soll?

  4. Was bedeutet das für Buzzriders, Xing und auch netzwertig?

    Das habe ich hier in den USA von erfolgreichen Unternehmern gelernt: Man muss von Anfang an gross denken.

    Das ist schnell so daher gesagt, aber was bedeutet das? Dieser Satz widerspricht einfach der Regel: Release fast and often. Wie viel Weitblick und “Think-Big-Denken” ist nötig – und ab wann wird eben dieses Denken zum Problem, um z.B. den nächsten Release/Milestone einzuhalten. Sehr schwierig alles. Es hat aber auch keiner behauptet, dass es einfach ist…;-)

  5. @wolfgang: Denken in grossen, langfristigen Zielen widerspricht “Release early and often” überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Die Entwicklung einer Firma ist immer ein sehr iterativer Prozess. Je früher man Feedback vom Markt hat, umso besser weiss man, wie man seine Ausrichtung anpassen muss, um seine langfristigen Ziele zu erreichen.

    Das ist ehrlich gesagt auch etwas, was die Amerikaner besser machen. Das pragmatische Veröffentlichen eines längst nicht perfekten Produktes als Schritt zur Verwirklichung grösserer Ziele ist in der amerikanischen Technologieszene schon lange eine bewährte und systematisch verfolgte Strategie. In Deutschland werden hingegen die Produkte entweder ohne Markttest endlos überperfektioniert oder haben gleich von Beginn weg eine sehr begrenzte Zielsetzung.

  6. Sorry – aber das widerspricht sich doch.

    Du hast natürlich recht, dass man viele Sachen (eigentlich fast alles) erst mal am Markt testen muss. Aber wie schwierig ist die Abwägung zwischen:

    - Wir sind uns total sicher, dass die Leute das wollen – das machen wir gleich richtig. Und zwar richtig richtig. Auch wenn es sehr viel Zeit kostet.

    Und:

    - Das rotzen wir mal schnell raus und schauen was passiert (auf die Gefahr hin, dass man alles noch mal machen muss / eklige Migrationsprobleme auftauchen etc.)

  7. @wolfgang: Mit Verlaub: Dass man das in Deutschland immer als totalen Gegensatz sieht, ist einer der Hauptgründe dafür, dass es so viel mehr erfolgreiche Technologiestartups in den USA gibt. Facebook z.B. war am Anfang ein wüster PHP-Hack, hat aber inzwischen eine allgemein bewunderte Architektur. Googles ersten Serverschrank kann man heute noch im Musuem bewundern. Dieser schlimme Kabelverhau würde jedem deutschen Ingenieur Alpträume bescheren.

    Das “Wir machen es von Anfang an richtig” ist eine fatale Illusion. Denn was “richtig” ist, entscheidet nicht ein Ingenieur oder Unternehmer, sondern nur der Markt. Und die Meinung des Marktes findet man nur raus, indem man ein Produkt anbietet.

  8. Facebook hat auch “regional” angefangen!

  9. @Andreas.
    Mit Verlaub:
    1. Du hast recht.
    2. Du hast nicht recht (weil alles einfach viel schwieriger ist).
    Gerade hier auf Netzwertig wird so getan, wie wenn es nichts mehr kosten würde, ein Tech-Startup aus dem Boden zu stampfen. Das ist nicht so. Software-Entwicklung ist nach wie vor unglaublich teuer. Fähige Coder sind so gut wie nicht zu finden/zu bezahlen. Und wenn man tatsächlich einen engagierten Entwickler gefunden hat, der sogar so gut ist, langfristig zu denken, zukünftige Entwicklungen zu erkennen und nicht nur einen Hack abliefert, bei dem vielleicht 2 Nutzer gleichzeitig zugreifen können, aber alles bei 5 Nutzern zusammenbricht, dann:
    Sollte man sich als PM schon gut überlegen, ob man diesen einen Entwickler unglaublich frustriert, indem man ihm permanent kurzfristige Aufgaben gibt und ihn dazu zwingt, Sachen zu machen, die vom technischen, langfristigen Ansatz her sinnlos sind und auf lange Sicht dann (Think big!) zehn mal gemacht werden müssen.

  10. “Regional denken im Social Web ist wie Marathon laufen und die Ziellinie bei Kilometer 20 zu vermuten” hat es gut getroffen.

    Tim, ich würde das auch bei Xing beachten. Man sieht es schon beim fallenden Xing Traffic (siehe Google Trends) und den fallenden Neuanmeldungen in Deutschland (siehe Xing Halbjahresbericht im Vergleich zu den zwei vorigen Quartalen)–LinkedIn hat noch Einiges in D aufzuholen, aber Neuanmeldungen sind schon 40% höher als noch vor acht Wochen. Ich denke, der Artikel ist relevant, da wir gerade bei KM 20 sind.

    Was kann man aus deutscher Sicht machen? Ich meine, man muß sofort auf den internationalen Markt. Wenn man die USA nicht gleich besetzt, wird es schwierig. Wie besetzt man den US Markt? Die Gründer sollten schon vor Launch in die USA gehen–dann ist man auch von Sand Hill finanzierbar. Darum habe ich das auch gemacht–nicht weil ich es mir in Detuschland nicht gefällt. Ganz und gar nicht.

    Die Entwicklung (und größte Teil der Firma) kann ja auch in D bleiben. So schafft man nicht nur Arbeitsplätze, sondern legt auch den Grundstein für eine Kulturveränderung, da nun Deutsche an weltweit erfolgreichen Internetfirmen teilnehmen. Und mit ein paar Welterfolgen steigt dann auch die Risikobereitschaft der Investoren und Ziele der Gründer hier.

  11. hehe marcel! “dass in Deutschland viele kleine Unternehmen in Nischen operieren und dass dies so gut und ausreichend sei” hab ich nicht gesagt, ich hatte die frage aufgeworfen, ob nur global aufgestellte Player interessant seien. aber egal…

    es war mir wichtig, einen anderen teil bzw. blickwinkel, richtung mittelstand und kleinere startups bzw. gründer zu beleuchten. das scheint mir aktuell der aktivere bereich zu sein oder?

  12. Was die #7 geschrieben hat kann ich fast 1:1 unterzeichnen.
    Es ist vielleicht nicht zwangsläufig falsch, dass Unternehmen
    ihre Vorhaben bis ins kleinste Detail durchplanen aber was
    dabei an Erfolg “hinten” raus kommt liegt immer am Markt
    selbst.
    Zum Thema Think-Big… naja oftmals kann man es sich nicht
    anders aussuchen. Entweder es schlägt ein wie eine Bombe oder
    es werden kleine Brötchen gebacken. Vieles hängt natürlich
    mit der richtigen Vermarktung zusammen: siehe Apple.
    Ein mittlerweile riesen Konzern der vor der “Erfindung” des
    iPods fast dicht gemacht hätte.

  13. Eigentlich war ich genauso ein Macher eines Nischenproduktes mit http://www.search.ch. Wir hatten das Problem, dass es in jedem Bereich in dem wir aktiv waren mindestens 5 Firmen mit mindestens 50 Programmieren in den USA gab. Wir mit unseren 5 Nasen waren dazu noch in extrem vielen Bereichen tätig. Dies ging so lange gut, wie unsere Programmierer einfach viel besser waren als alle anderen und wir waren es sogar tatsächlich. Wir haben meist weltweite Innovationen.

    Heute reizt mich der Markt Schweiz nicht mehr. Es kann einfach kein vernüftig grosses Business gemacht werden auch wenn du immer besser bist und der erste auf der Welt, der etwas macht. Drum ist mein neues B2B SaaS Start-up total international ausgerichtet. Wir denken in den Konzepten “Welt” in einem Bereich wo es noch niemand geschafft hat. Wir denken aber auch “Wisdom of th Crowds”, womit das Business dann auch wirklich von Skaleneffekten profitieren kann. Wir machen das so, dass jemand in China etwas mit seinen Regelen und seiner Sprache machen kann und der Deutsche dies in Deutsch mit deutschen Regeln ansehen und übernehmen kann. Dies wird der Grund sein, wieso unser Dienst nicht zu schlagen sein wird – mit der Zeit. Ja es ist viel viel viel teurer als wenn wir etwas für die Schweiz oder Deutschland gemacht hätten aber so hätten wir nicht einmal gegen die lokalen Anbieter eine Chance.

  14. Die Leute fehlen.

    Für den ersten Schritt braucht es oft wenig. Investoren sind da, Geld ist da, die Ideen sind da und das Gründerteam ist meist auch vorhanden. Aber dann fängt mal an Leute mit Erfahrung zu suchen.

    Auf der einen Seite werden diese von den grossen Firmen aufgesaugt. Ob nun als Arbeitnehmer oder als Dienstleister für grosse Firmen. Auf der anderen Seite fehlt ihnen das nötige Know-how für internationalen Erfolg.

    Rund um Redmont finde ich “mittelmässige” Manager, die wissen, was International bedeutet, weil sie bei Microsoft bei der Lancierung eines Produktes mitmachten. Im Valley gibt es 1’000e von erfahrenen Leuten, die schon einmal bei einem erfolgreichen Startup mitarbeiteten, der zum Weltkonzern wurde. Diese Leute fehlen uns alle in der Schweiz.

    Es macht schlicht einen Unterschied, ob ein hiesiges Unternehmen 10 Millionen von einem lokalen Investor bekommt oder eines in den USA von Sequoia Capital. Weil Sequoia Erfahrung, Verbindungen und vor allem die richtigen Leute mitbringt.

    Gross zu denken, heisst doch für unsereins in die USA zu ziehen. Technologisch waren uns die Amis noch nie überlegen, sie verstehen es aber schlicht besser internationale Softwaremärkte aufzubauen. Ich glaube, im Besitz einer guten Web-Software zu sein und stehe genau vor dieser Entscheidung.

  15. Es gibt viele die regional angefangen haben (wie ich auch).
    Das ganze kann man aber auf kurz oder lang expandieren.

  16. Regional ist gut überregional ist besser.
    Das sollte wohl nicht der Inhalt dieses Themas sein.
    Jedoch sind für viele lediglich keine Märkte oder Möglichkeiten vorhanden.

  17. Es gibt viele die regional angefangen haben (wie ich auch).
    Das ganze kann man aber auf kurz oder lang expandieren.

  18. Das Risiko erhöht sich dadurch zwar, aber im Erfolgsfall lohnt sich das Resultat wenigstens wirklich, und zwar nicht nur für die Gründer und Investoren, sondern durch die Ausstrahlun und Vorbildfunktion sehr erfolgreicher

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  1. [...] der vergangenen Woche haben sowohl Marcel als auch ich die Probleme der deutschen Startup-Szene analysiert und damit für eine sehr angeregte [...]

  2. [...] Deutsche Startups Auch der VC Paul Jozefak hält es für eher suboptimal, sich auf einen lokalen Markt zu beschränken. [...]

  3. [...] deutsche Web-Gründerszene steht zum Teil massiv in der Kritik. Zu ängstlich, zu uninspiriert, zu regional. Da wird gemeinsam mit dem Kopf geschüttelt, wenn mal wieder jemand den nächsten Klon eines [...]

  4. [...] 2009Auch wenn wir uns im zu Ende gehenden Jahr mehr als einmal kritisch mit der deutschen Startup-Szene auseinander gesetzt haben, gab es 2009 einige herausragende Webunternehmen, die auf [...]

  5. [...] Bereitschaft, Risiko einzugehen, ist in Deutschland genau wie die Venture-Capital-Landschaft schwach ausprägt. Insofern kann durch [...]

  6. [...] aller Probleme der deutschen Startup- und Web-Szene sowie der regelmäßig neu entfachten Copycat-Diskussion gibt [...]

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