Startups:
Der deutschen Gründerszene
fehlt es an Naivität

Der Misserfolg deutscher Webstartups auf internationalem Parkett ist traurige Realität. Erklärungsversuche gab es schon vor Jahren, aber geändert hat sich bisher nichts. Womöglich, weil es der deutschen Gründerszene ganz einfach an Naivität fehlt.

(Bild: iStockphoto.com)

(Bild: iStockphoto.com)

Deutsche Internet-Startups haben auf die technische und strukturelle Weiterentwicklung des Webs in den vergangenen zehn Jahren so gut wie keinen Einfluss gehabt. Das ist die traurige, aber nicht abzustreitende Realität.

Die Debatte um das geringe Innovationsvermögen hiesiger Onlinedienste gibt es schon seit dem Aufkommen des Web-2.0-Trends – wenn nicht länger. Geändert hat sich bis heute nichts. Webanbieter aus Deutschland, die auf internationaler Bühne Erfolge erzielt haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Wobei selbst eine Hand noch zu viel ist.

Während die nationale Gründerszene sich seit jeher auf Nachahmungen US-amerikanischer Startups oder auf Dienste mit geringem technischen Aufwand konzentriert und damit so gut wie nichts zur Evolution des Webs beigetragen hat, kommen die disruptiven, hochinnovativen und auf langfristigen Erfolg ausgelegten Angebote von anderswo: Facebook, Twitter, Skype, Spotify, Google, Amazon, eBay, Etsy heißen sie, oder auch MySpace, Napster, Kazaa, Yahoo, Hulu, FriendFeed, Tumblr, posterous, Dropbox, Evernote – eine bunte Mischung aus kleineren und großen Unternehmen, welche die Entwicklung des Netzes nennenswert und nachhaltig geprägt haben oder dies im Moment tun.

Die Frage, warum es Europas größte Volkswirtschaft nicht geschafft hat, wenigstens mit einem einzigen globalen Star am Web-Firmament vertreten zu sein, wurde oft genug diskutiert. Eine passende Antwort scheint trotz aller Versuche bisher nicht gefunden worden zu sein. Sonst müsste sich ja eigentlich etwas ändern und irgendjemand das wirtschaftliche Potenzial entdecken, das eine langfristige Investition in disruptive Ideen mit sich bringt.

Nach nun über drei Jahren in Schweden – einem gemessen an seinen gerade mal neun Millionen Einwohnern überaus erfolgreichen und innovativen Startup-Land – fiel es mir neulich wie Schuppen von den Augen, wo das eigentliche Problem der deutschen Internetwirtschaft liegen könnte: Es fehlt an Naivität. Es fehlt an einer gewissen Prise Leichtgläubigkeit, an kindlicher Neugier, an unvoreingenommener Experimentierfreudigkeit in Bereichen, die auf den ersten Blick hoffnungslos oder unmöglich erscheinen.

In Schweden ist diese Naivität Teil des gesellschaftlichen Konstruktes: Es wird weniger nach potenziellen Nachteilen und Risiken gesucht, sondern stattdessen munter ausprobiert und drauf los entwickelt. Erheblich geringer ist der Widerstand und die Skepsis, die Entrepreneure von Familie, Freunden, Bekannten, Investoren und anderen Interessengruppen erfahren. Was nicht nur die Motivation, sondern auch die Risikobereitschaft erhöht.

Anders ausgedrückt: Wenn ein Unternehmer in Deutschland von allen Seiten zu hören bekommt, warum sein in der Entwicklung befindliches Produkt ohnehin scheitern wird, fördert das nicht gerade seinen Willen, aufs Ganze zu gehen. Stattdessen wird er lieber auf Nummer sicher gehen – was in seiner Situation auch vollkommen nachvollziehbar ist.

Kazza, Skype, Stardoll, Spotify, Tradedoubler, Twingly, The Pirate Bay oder Voddler sind einige der Webanbieter mit Wurzeln in Schweden, die sich erfolgreich auf der internationalen Onlinebühne präsentiert haben oder dies in naher Zukunft tun werden. Optimismus, Unbeirrbarkeit und eine Prise Naivität dürfte allen auf ihrem Weg geholfen haben.

Nicht viel anders sieht es im Silicon Valley aus. Wenn Twitter trotz fehlendem Geschäftsmodell eine weitere Finanzspritze über 50 Millionen Dollar erhält, dann verdeutlicht das, welche große Rolle Zukunftsglaube und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, hier spielt.

Einige würden das Investment vielleicht als naiv bezeichnen und taten dies sicher auch all die Male, als Facebook in den vergangenen Jahren frisches Kapital erhielt. 2009 hat das allgegenwärtige soziale Netzwerk erstmalig einen positiven Free-Cashflow erreicht – und steigert durch beständiges Experimentieren seine Chancen, eines Tages Onlinewerbung zu revolutionieren und zu einer Cash-Cow à la Google zu werden.

Der Begriff Naivität ist äußerst negativ belegt. Dennoch könnte die stark von Realismus geprägte deutsche Internet-, Gründer- und Investorenszene ein wenig Naivität vertragen. Wer permanent und zwanghaft beide Seiten einer Medaille beleuchten muss, minimiert vielleicht alle Risiken. Gleichzeitig läuft er aber auch Gefahr, bahnbrechende, revolutionäre Ideen durch zu stark rationales Denken und Abwägen zu zerstören – und startet dann doch lieber das zehntausendste soziale Netzwerk.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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63 Kommentare

  1. Hallo,
    in einigen Punkten muss ich dir recht geben, in anderen allerdings widersprechen, bzw. richtig stellen.

    Klar ist, dass gescheiterte Unternehmer in Deutschland ein anderes “Ansehen” haben, als in anderen Ländern.

    Klar ist auch, dass in Deutschland vielen der Mut fehlt irgendwelche Projekte zu starten.

    Man muss natürlich auch sehen, dass in Deutschland die Vernetzung bei weitem nicht so gut ist wie im Silicon Valley.

    Ich denke aber auch, dass in Deutschland wegen sehr restriktiven Gesetzen und Rechtsprechungen (vor allem im Internetbereich, Stichwort Linkhaftung usw…) oft der Mut zu richtigen Revolutionen und Neuland fehlt.

    Bei Skype und Kazaa spielst du auf Niklas Zennström an, der zwar aus Schweden kommt, seine Produkte (zumindest Skype) auch im Ausland aufzieht.

    Ähnliche Lage gibts auch mit Deutschen, die Leute die was machen, machen das meist auch aus dem Ausland, ich erinnere mich daran, dass einer der Youtube Gründer auch deutsche Wurzeln hat und der Herr der Google das Startinvestment gab, auch aus Deutschland kommt.

    Und last but not least muss man natürlich auch sehen, dass die Zeiten des Drauflosexperimentierens vorbei sind und bei VC’s das Geld -angeblich- nicht mehr so locker sitzt.

    Lutz

  2. Ich finde ja es fehlt noch der Hinweis, das Deutschland nicht nur bei Web-Gründungen wirklich nicht gut aussieht, sondern auch bei Start-Ups in jedem anderen Bereich. Innovative Gründungen, die Risikokapital brauchen aber ein hohes Wachstumspotential haben, sucht man über weite Strecken vergebens.

    Und meines Erachtens beginnt das Dilemma bereits in den Universitäten, die ihre Absolventen im Grunde alle für eine Karriere im Konzern vorbereiten und etwa Spin-Offs oder Technologietransfers an Gründungen eher misstrauisch beäugen.

  3. Ich gebe Dir Recht, aber es gibt auch einen verzwickten Kreislauf. Da die Exits häufig bei €30 bis €100 Mio liegen, drängen Investoren auf möglichst “sichere” Modelle, und für Gründer gilt die gleiche Logik.

    Deutsche Mitgründer sind auch durch die Marktgröße von Deutschland in einer gewissen Zwickmühle. In Schweden oder Israel ist es klar, daß der eigene Markt kaum ausreicht und man sich von vornherein auf Europa oder die Welt konzentrieren muß.

    In Deutschland ist der Markt groß genug, daß man sich erst einmal auf das Feedback der deutschen Kunden konzentriert und dadurch die Bedürfnisse der (potentiellen) Kunden in anderen Ländern nicht gut abdeckt. Das entwickelt dann eine Eigendynamik, die später kaum noch zu überwinden ist–besonders wenn es schon ähnliche (und meist größere) Anbieter aus den USA gibt.

    Eine Möglichkeit für deutsche Gründer wäre das israelische Modell zu nutzen:

    -Konstantin

  4. Das ist genau das Problem das ich in Deutschland sehe…
    Ich glaube ehrlich gesagt nicht, das es am fehlenden Wagemut deutscher Entwickler/Unternehmer liegt, sondern viel eher an der m.E. antiquierten Struktur in Deutschland. Man erhält von keinem Kapitalgeber Unterstützung wenn man nicht genau sagen kann, wohin die Reise geht und man keinen verbindlichen Termin nennen kann, ab wann das Unternehmen Geld abwirft. “Einfach mal probieren” gibt es in diesem Land schlicht und ergreifend nicht.
    Zudem ist die deutsche Gesellschaft sehr schnell mit Vorurteilen zur Stelle. Wenn man sich in den USA zum 2. oder 3. mal selbständig macht heißt es “…toll, probiers doch nochmal…”. Hierzulande heißt es stattdessen “…das ist doch der volle Versager, der bringt doch nichts zusammen, der hat doch schon ein Unternehmen ruiniert und jetzt will er ein zweites gründen…”. Diese Vorurteile, vermischt mit Branchenunkenntnis und einer “ich weiß alles besser” Mentalität haben und werden hierzulande noch viele innovative Ideen zu Fall bringen.

    Ist zwar schon älter, aber auch Lars Hinrichs hat für seine Idee von OpenBC anfangs keinen Cent Unterstützung erhalten Quelle: FAZ

    Vielen Dank und schönen Abend

  5. Sehr guter Artikel, der ein essentielles Problem anspricht!

    Um vielleicht noch etwas aufgrund meiner aktuellen Erfahrungen mit der amerikanischen Unternehmerszene zu differenzieren:

    Es ist natürlich nicht so, dass in Amerika einfach wild drauflos gebastelt wird. Darum finde ich den Begriff “Naivität” auch nur teilweise zutreffend.

    Vielmehr gibt es drei Dinge, die wirklich anders sind:

    1. Scheitern ist in den USA zwar auch negativ besetzt, aber keine karrierezerstörende Schande. Wenn ein amerikanischer Unternehmer mit einem Startup pleite geht, wird das als zwar bedauerlich, aber eben auch als wertvolle Lernerfahrung angesehen, während deutsche Unternehmer sich schon geistig beim Fürsorgeamt sehen. Amerika sieht sich selbst oft stolz als das Land, wo jeder eine zweite Chance kriegt.

    2. Der (Finanz-)Markt ist sehr viel grösser, und darum sind die Renditen bei den erfolgreichen Exits so gross, dass die Investoren damit für die vielen Fehlschläge kompensiert werden. In Europa sind Exits fast immer deutlich kleiner, und damit sind Investoren zwangsläufig riskoaverser.

    3. Generell sind Amerikaner (wie wohl auch Schweden) neuen Ideen gegenüber sehr viel augeschlossener. Im deutschsprachigen Raum muss man immer mal erst diskutieren, warum irgendeine neue Technologie vermutlich niemals funkionieren wird, während in Amerika die Leute primär interessiert, wie man damit Geld verdienen kann.
    Natürlich schlägt diese allgemeine Begeisterung fürs Neue und Wagemutige manchmal auch in fragwürdige Extreme um (siehe Finanzkrise, die nicht zuletzt durch diese Menalität verursacht wurde), aber fürs Innovationsklima ist diese ganz andere Mentalität sehr nützlich.

  6. Das zehntausendste soziale Netzwerk aus den USA hast du nie zu Gesicht bekommen, weil wir hier jeweils nur die Erfolgreichen sehen. Jene die sich im 350 Millionenland schon durchsetzten.

    Schon immer gab es Schmelzpunkte für einzelne Innovationen/Industrien. Das kann in der Musik Liverpool oder Nashvill sein. Das sehen wir im Film Los Angeles. Beim Autobau in Detroit (ehemals). Im Fussball Brasilien und Deutschland. Im Banking, Schokolade und bei Uhren die Schweiz… In der Technologie ist es halt das Silicon Valley.

    Willst du den Erfolg, musst du dich Wohl oder Übel auf den Weg in den Schmelzpunkt deiner Industrie machen.

    @Andreas
    Wie erklärst du dir, dass die Schweizer Banken in den 90er 42 Milliarden Franken in der Schweiz abbuchen mussten. Entsprach der Hypohype der Schweizer Mentalität oder waren die dicken, fetten Boni Schuld?

  7. Danke für eure kompetenten Kommentare! Viele wahre Punkte wurden angesprochen.

    @ Daniel
    Ja das ist der Status Quo. Wer den Erfolg im Web will, erhöht seine Chancen ungemein, wenn er ins Silicon Valley geht. Aber seit wann sollte man sich damit zufrieden geben? Und kleinere Schmelzpunkte wie London oder Stockholm (bzw. Schweden als ganzes) zeigen, dass man auch außerhalb des Valleys erfolgreich ein Startup aufziehen kann.

    Letztlich geht Deutschland hierbei ganz einfach erhebliches Wirtschaftspotenzial verloren – vom Imageschaden (“aus Deutschland kommen die Copycats”) ganz zu schweigen. Man sollte die langfristigen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft nicht unterschätzen.

  8. Hier ein Artikel über eine interessante Studie mit überraschendem Ergebnis zu Entrepreneurship-Kursen an Universitäten.

  9. Eine dysfunktionale Blogosphäre ist nicht zu unterschätzender Teil der Misere. Bei den Techcrunch-50 haben wir gesehen: die dort präsentierten Ideen waren auch nicht besser, als was wir von deutschen Veranstaltungen kennen. Hätte in Deutschland ein Dienstleistungsmarktplatz einen Wettbewerb gewonnen, hättet ihr, liebe deutsch-schreibende A- und B-Blogger, Hohn und Spott über ihn ausgegossen. Wenn ihr ihn nicht gleich schamvoll ignoriert hättet. Bestenfalls in der Samstagsrubrik “Aus der Regionalklasse” einen Absatz gegönnt, gleich neben AutistVZ.

    Die amerikanischen Blog dagegen feiern ihre Startups, werfen unverdrossen mit Billion-Dollar-Valuations um sich, und schreiben systematisch das Next Big Thing hoch. Schreibt positiv! Es gibt genügend Stoff hierzulande – habt ihr den wunderbaren Artikel über Yolk (Gründerszene) gelesen? Sagenhaft. Hey, die Amis würden den auf der Stelle verfilmen. Nur so kann das funktionieren, und nicht mit dem hundertsten, selbstmitleidigen Abgesang auf die deutsche Startup-Szene.

  10. @FFD: 100%ig richtig! In Deutschland konzentriert man sich auf ausländische Startups, feiert die und hat für die eigene Szene nur Mitleid und Hohn übrig (“nur CopyCats”). Das ist auch bei den “alten Medien” so: statt Clipfish und myVideo wird ausschließlich über Youtube berichtet. Zusätzlich sollen dann die dt. Startups noch mit 6stelligen Finanzierungen 8stellige Umsätze und 9stellige Bewertungen nach 24 Monaten erzielen (und Ihr wundert Euch auch noch, dass nicht gleich noch 27 Länderversionen inkl. Marketing parallel hochgezogen werden). Dass da nur noch “mass customization eCommerce” als “Erfolg” rauskommt ist nicht verwunderlich – nen guter Schokobäcker an der Ecke war schon immer schnell erfolgreich. ;-) Mal so als Denkanstoß …

  11. seit Jahren beschäftige ich mich auch mit diesem Thema vor allem auch im Vergleich zu den USA aber auch Skandinavien und Israel. Die Aussage es fehlt an Naivität ist für mich auch wieder eine ganz Deutsche Aussage. Eigentlich meinen Sie das Richtige, verorten es in Ihrem Weltbild nur falsch. Weder die Skandinavier noch die (USA) Amerikaner sind naiv, sonder es ist einfach so das in diesen Gesellschaften Veränderungen begrüßt werden. Und das ist in Deutschland nicht der Fall. Hier müssen Veränderungen erst in das bestehende Weltbild eingebaut werden, Idee werden abgeschliffen bis auch der letzte Schwäbische Investor die Zündkerze wiedererkennt. Wir werden nie phantasievolle Geschäftsmodelle entwickeln, höchstens funktionierende MeToos.
    Ein schönes Beispiel finden sie unter Ihren Sponsoren: Spreadshirt: Während das Original (Zazzle) dieses Jahr die 100 Millionen Grenze anpeilt braucht es bei denen erstmal wieder eine < 2 Mio. Finanzierungsrunde. Und ein 20 Sek. Blick auf die beiden Seiten sagt auch warum…..

  12. @Andreas Vorbau: kann ich nicht ganz so stehen lassen. Richtig ist, dass eigtl. nur Mee Toos unterstützt werden (dt. Aussage: “wenn es etwas in USA noch nicht gibt braucht das vermutlich auch keiner”). Ich lobe aber gern nen Jahres-Premium-Account für denjenigen aus, der das Original zu einer internetweiten Suche nach Namen zu Begriffen (yasni.de/search) findet. Richtig ist wiederum, dass das Blogger-Echo hierzulande bisher minimal war (das CopyCat aus USA wird dann aber garantiert gehyped).

    ;-)

  13. @ FFD
    Ja, der Sieger von TC50 war aus Technologie- bzw. Innovationsgesichtspunkten eine Enttäuschung. Anders als von dir dargestellt, wurde dies (sowie die gesamte Veranstaltung) aber auch entsprechen diskutiert.
    Memo to Start-ups: You’re Supposed to Be Changing the World, Remember?

    @ Andreas
    Es ist auch eine typisch deutsche Aussage, Dinge als typisch deutsche Aussage zu bezeichnen…

    Womit du aber richtig liegst: Die positivere Einstellung zu Veränderungen in manchen Ländern. Den Begriff “Naivität” bitte nicht so wortwörtlich nehmen.

    @ Steffen
    Das Blogger-Echo zu eurem neuen Feature in Deutschland war minimal, weil es nur wenige Tech-Blogs in DE gibt. Und von den bestehenden berichten nicht alle über jedes einzelne neue Feature eines jeden Startups (so wie wir *g).

    Die nur gering ausprägte deutsche Tech-Blogosphäre ist aber in jedem Fall ein Aspekt, der zum Problem beiträgt.

  14. Ihr Deutsche seid herrlich.
    Seit Jahren stellt ihr den Exportweltmeister und ihr seht schon den wirtschaftlichen Zusammenbruch, weil ihr “keine” internationalen Web-Startups habt.

    Ihr schafft es, ein 20 Millionen Bankrott-Land mit einem 60 Millionen gut laufenden System zusammen zu führen und glaubt, dass müsste ohne Schluckauf funktionieren.

    Naja, vielleicht ist es diese Einstellung, die euch 60 Jahre nach dem wirtschaftlichen Totalzusammenbruch zu dem macht, was ihr heute seid.

    ;-)

  15. Hehe Daniel, ein bissl muss man eben auch langfristig denken. Sich nur auf dem Erreichten auszuruhen, bringt wenig. Wer weiß, wie lange wir noch Exportweltmeister im Automobil- und Maschinenbaubereich bleiben werden. Wir haben ja weder Uhren, teure Markenschokolade noch ein so tolles Bankgeheimnis (ok ok, letzteres gibt es vielleicht auch nicht mehr lange) als Backup ;)

  16. @Martin: jo – anfangs dachte man auch, dass der Page Rank lediglich ein kleines Feature ist. Wir hoffen, dass die Neuartigkeit unseres “Personen-Finders” als “Real People search” in Kürze erkannt wird. Aber richtig ist, dass wir erstmal noch Kategoriewerbung machen müssen (wir haben ja den Begriff “Personensuchmaschine” zugegebenermaßen selbst falsch mit der Funktion “Personen-Check” im deutschsprachigen Raum besetzt. Und das erste Auto war auch nur ne “Kutsche, die besonders unzuverlässig und langsam ist”.

  17. Erstmal: Schöner Artikel! Ich möchte hinzufügen, dass auch die Vorbildung der Gründer in Deutschland sehr unterschiedlich zu der der Gründer aus anderen Ländern ist. Hierzulande werden Web-Start-ups meist von BWL-studierten Leuten gegründet, die sich dann noch einen “CTO” mit ins Boot holen, um ihre “Ideen” umzusetzen. In den USA, beispielsweise, sind es vor allem, diejenigen, die die Technik draufhaben, die Top-Web-Start-ups gründen. Deshalb denke ich, dass man verstärkt Programme entwickeln sollte, die aus Informatik-Nerds Geek-Unternehmer machen.
    Noch besser: Das Gründen bereits in der Schule näherbringen, denn da sind die kleinen Menschen noch unbefangen.

    Auf jeden Fall hilft es nicht sich die Probleme von der “Blogosphäre” schönreden zu lassen. Wir haben ein Innovationsproblem und müssen auch drüber diskutieren.

    PS.: Zu Entrepreneuren darf man auch Unternehmer sagen.

  18. @ Steffan
    Ihr zielt hoch ;)

    @ Chris
    Guter Hinweis, und absolut berechtigt. Aber Nerds sind ja mittlerweile im Kommen, wie man z.B. in der FAZ lesen kann. Insofern besteht Hoffnung.

  19. Die Mentalität läßt sich leider nicht durch Anprangern ändern, lediglich gute Vorbilder sind verlässliche Motivatoren. Nach dem VZ-Exit gab es in Deutschland einen großen Schub an Gründungsideen, wenn auch nicht immer hoch differenziert. Wenn das Karrieremodell “Gründer” interessanter wird als “Berater”, dann haben wir es geschafft, ganz egal ob es sich um technisch oder wirtschaftlich ausgebildete Absolventen handelt. Dafür sind allerdings noch viele Exits und Artikel über erfolgreiche Gründer und Startups nötig, um der breiten Masse dieses Modell näher zu bringen. Es ist nämlich auch und vor allem die Anerkennung bei Freunden und Familien wichtig, wenn es an die Jobwahl geht.

  20. Es gibt noch ein anderes Problem: der gesetzliche Rahmen hierzulande ist extrem netzfeindlich.
    Das Konzept der Mitstörerhaftung ist in den USA nahezu unbekannt und hierzulande dafür fair-use. Man kann von deutschem Boden aus keine wettbewerbsfähige Suchmaschine kreieren, ohne schon mal einen 5-stelligen für die Anwälte vorzusehen.

  21. @Martin:ist man denn Unternehmer wenn man nicht hoch zielt? “Ich gründe um in max. 12 Monaten an einen Dummen zu verkaufen” ist zwar ne clevere Idee an sich, aber das jeweilige Einzelunternehmen hat dann nix mit Unternehmertum zu tun. Oder?

    Falk: Wie Klaus Hommels auf dem Unternehmertag 2009 schon sagte “während wir eine irrwitzige Privacy Diskussion führen haben die Amerikaner längst alle Gebiete besetzt” (sinngemäß). Wir haben allerdings seit 2 Jahren eine wettbewerbsfähige Suchmaschine. Natürlich sind die typisch deutschen Neider überall und versuchen schlechte Stimmung zu erzeugen (Merksatz: wenn jemand unsere Daten hat dann doch bitteschön ein amerikanisches Unternehmen!). Und für 5stellige Anwaltsbeträge muss man einfach 6stellige Umsätze machen … ;-) Wir haben da kaum Probleme.

  22. Ok, dann lautet die Preisfrage doch: “Was können wir tun, um das zu ändern?”

    Ich sehe da u.a. drei “Tools”, um dieser Misere zu begegnen:

    1. Innovations-Think-Tank: darunter stelle ich mir eine Art andauernde Brainstorming-Session vor. Ein Werkzeug hierfür muss aber die Beobachtung von Trends sein. Und dazu gehört nun mal die Beobachtung der heißen Entwicklungen im Valley, in London oder in Südkorea sein. (Frage: welche Blogs tun das bereits?) Ein weiteres Tool hierfür müsste eine Datenbank sein, die sich der Frage widmet: “Was braucht/will der Kunde?” Was nervt ihn? Was würde seine Welt verbessern?

    2. Seed-Töpfe: VCs sagen einem jungen Unternehmen immer dasselbe: “Coole Idee, aber für uns zu früh. Kommt wieder, wenn ihr einen Prototypen fertig und erste Kunden habt.” In anderen Worten: bauen müsst ihr’s aus eigenen Mitteln, aber wenn ihr bewiesen habt, dass Euer Modell am Markt funktioniert, geben wir Euch für 30-50% Eures Unternehmens gern das Geld fürs Placement. Das ist aber kein Risiko-Kapital mehr, sondern “Risikofreies Kapital”, weil der Gründer bis dahin die echten Hürden bereits genommen hat. Aber niemand (mit Ausnahme einiger BAs vielleicht) nimmt einen Gründer unter seine Fittiche, steht ihm mit Rat und Tat, aber auch “Spielgeld” (Experimentiergeld) zur Seite. DAS ist ECHTES Risiko-Kapital – aber nur so können disruptive Innovationen geschaffen werden.

    3. Umdenken: Hier herrscht eine so große Angst vor Nischen, dass sich niemand ernsthaft mit einem Businessplan beschäftigt, wenn da nicht steht “unser Markt hat bis 2010 eine Größe von 50 Mrd. USD”. Aber was ist mit den 10.000 Nischen, die vielleicht ein Volumen von je 10-100 Mio. USD haben? Ich glaube, dass ein Unternehmen, das eine Nische praktisch optimal bedienen kann, mehr wert ist als ein Unternehmen, das den Massenmarkt in der Theorie bedienen kann.

    Was meint ihr? Was kann getan werden, um Deutschland zu DEM Innovationsland dieses Planeten zu machen?

  23. Steffen: Die Privacy-Diskussion ist auch in den USA stark im Kommen, allerdings auf einem anderen Niveau.
    Wenigstens da sind wir den Amis noch weit voraus, bis die das OptOut-anywhere eingeführt haben, und von der deutschen/europäischen wettbewerbsfähigen Suchmaschine ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. Ich sehe nur 11 Altasvista-Clone.

    Falk D.

    (P.S.: Google-scraper à la y*sn* zählen nicht!)

  24. Anders ausgedrückt: Wenn ein Unternehmer in Deutschland von allen Seiten zu hören bekommt, warum sein in der Entwicklung befindliches Produkt ohnehin scheitern wird, fördert das nicht gerade seinen Willen, aufs Ganze zu gehen. Stattdessen wird er lieber auf Nummer sicher gehen – was in seiner Situation auch vollkommen nachvollziehbar ist.

    Genau das ist das Problem in Deutschland! Besser kann man es nicht ausdrücken.

    Ich hab zum Glück viele Freunde die mich und mein Team unterstützen – aber es gibt auch viele die gleich das Risiko sehen und erstmal nach den “Problemen” suchen.

    Aber: Warum ist das vor allem in Deutschland so ? Ich höre so oft dass es in anderen Ländern nicht so ist.

  25. @Matthias: Die Frage ist richtig gestellt. Aber man kann weder die Bereitstellung von Seed-Kapital noch ein grundsätzliches Umdenken erzwingen.

    Ich würde eher folgende Dinge als mögliche Ansätze sehen:

    1. Deutliche Steuererleichterungen für Startup-Investitionen. Es muss für Investoren attraktiver sein, in Startups zu investieren als in irgendeine andere Anlageform. In Frankreich hat das z.B. schon ziemlich gut funktioniert.

    2. Eine andere Form von staatlicher Förderung, die Startups für relevante Leistungen zahlt. Europäische Politiker investieren am liebsten in Technoparks und andere physische Infrastruktur, bei deren Eröffnung sie sich fotografieren lassen können. In den USA gibt der Staat hingegen sehr viel Geld (in der Form von Forschungsprogrammen und Rüstungsausgaben) für Entwicklungs- und Produktionsaufträge aus, bei denen neue Technologien entstehen. Silicon Valley ist als Rüstungsschmiede entstanden, finanziert vom Staat. Erst in zweiter Linie sind dann Startups für zivile Technologie daraus hervorgegangen.

    3. Alle Barrieren im europäischen Binnenmarkt niederreissen. Der grösste Vorteil amerikanischer Startups ist der riesige Markt, den sie gleich vor der Haustür haben. Europäische Firmen sind da klar benachteiligt. Technologie in Europa mit seinen zahlreichen Sprachen und Kulturen zu verkaufen, ist schon schwierig genug. Und darum sollten alle rechtlichen und steuerlichen Hindernisse im EU-Binnenmarkt endgültig eingestampft werden. Die unterschiedlichen Rechtssysteme mit ihren teilweise absurden Auswüchsen sind eine riesige Innovationsbremse.

    4. Arbeitsrecht ändern. Es ist wirklich ganz einfach: Startup-Unternehmer stellen nur sehr zögerlich Mitarbeiter ein, wenn sie sie nicht relativ einfach wieder loswerden können, wenn sich der Markt ändert. Das ist ein fatale Wachstumsbremse.

    Die Realität ist halt nun mal, dass in innovativen Märkten sich die Verhältnisse sehr schnell ändern können. Wenn man dann dank Kündigungsschutz Mitarbeiter weiterbeschäftigen muss, die nichts mehr zum Unternehmenserfolg beitragen können, ist das für ein Startup tödlich. Das absurde deutsche Arbeitsrecht erhöht das Risiko von Startups deutlich und reduziert deutlich den Anreiz für Technologieunternehmer, in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen (und ich spreche da aus eigener Erfahrung).

  26. Zusammengefasst im Crowdsourcing-Style die Probleme:

    - allgemein verbreitete Furcht vor Veränderungen
    - Deutsche Mentalität der Skepsis und des (teilweise zu) gründlichen Durchdiskutierens
    - zu wenig Anerkennung des Typus “Gründer”
    - zu geringe Zahl von Nerd-Gründern, zu BWLer-lastige Startup-Szene
    - Dominanz von übermäßigem Realismus statt kindlicher Experimentierfreudigkeit und “Naivität”
    - Fehlen eines Schmelztiegels à la Silicon Valley
    - Sprachbarrieren, ungünstige Zwischengröße des deutschen Marktes (zu groß, um nur auf Englisch zu starten – dadurch aber auch zu geringer Fokus auf internationalem Wachstum)
    - rechtliche Hürden und Unsicherheiten

    Danke für eure Lösungsvorschläge Matthias und Andreas.

    Ergänzend würde ich noch vorschlagen, dass man selbst mit gutem Beispiel voran geht: Freunde, Bekannte, Familie ermuntert, neue Dienste auszuprobieren, sie auf Probleme in ihrer Denkweise hinzuweisen (verbreitet hohes Ansehen der deutschen Ingenieurskunst, aber völlige Vernachlässigung der IT-Branche), den eigenen Enthusiasmus auf sie überträgt. Was wir am Ende brauchen, ist ein Mentalitätswandel. Den kann man nicht erzwingen, und er braucht Zeit. Aber wir können Einfluss nehmen.

    @ Andreas
    Das US-Arbeitsrecht auf Deutschland angewendet kann nicht funktionieren, solange das hohe Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung existiert. Ich behaupte, nur wenige Deutschen würden bei einem Startup arbeiten wollen, wenn man sie von heute auf morgen ohne Kündigungsfrist o.ä. entlassen könnte. Zumindest dann nicht, wenn andere Arbeitgeber erheblich bessere Rahmenbedingungen bieten. Oder?

  27. Dieser Artikel spricht mir aus der Seele, denn die Kernaussage trifft den Nagel auf den Kopf. In Bezug auf mein derzeitiges Projekt und die Anfragen bei Investoren kann ich das nur bestätigen. Wenn es den Investoren an Mut fehlt, dann hilft eine positive Marktstudie leider auch nicht weiter.

  28. @Andreas

    Ich finde Deine Ansätze gut und wichtig.
    Aber diese Vorschläge sind eher mittel- bis langfristig angelegt. Was mich mehr interessiert ist die Frage “was können wir JETZT tun bzw. anstoßen?”

    Ich glaube aber, dass man kurzfristig umsetzbare Aktionen immer in einer zweigleisigen Strategie verknüpfen muss mit den langfristigen Maßnahmen aus Deiner Mail.

    Wir brauchen halt beides.

  29. Danke Martin, wie die Faust aufs Auge! Spricht mir auch aus der Seele!

    > Fehlende Naivität, konservative und extrem sicherheitsgetriebene Einstellung!

  30. spannender artikel und spannende diskussion! :)

    ich finde den hinweis von Konstantin Guericke sehr treffend. in deutschland/ DACH stehen wir vor dem problem, einen für sich schon recht relevanten/ großen markt zu haben. wenn man sich einmal dafür entschieden hat, hierauf fokussiert zu starten, wird es oft schwierig, später die internationalisierung voranzutreiben.

    unter dieser perspektive ist die copycat-diskussion auch hinfällig, weil es sehr wohl sinn macht, funktionierende business-cases für den deutschen markt zu adaptieren. nur kann man so eben leider kaum innovationen erwarten.

    andersrum ist/ war deutschland schon immer ein pool von innovationen, allerdings sehr schwach in deren wirtschaftlicher verwertung – hier sei auf das fax oder das mp3-format verwiesen. es gibt mittlerweile zahlreiche bemühungen wissenschaftliche forschungsergebnisse wirtschaftlich zu verwerten, allerdings steht den universitäten da oft noch die gesetzgebung im weg. für interessierte bieten sich jedoch zahlreiche möglichkeiten!

    wenn die innovations-angst ein gesellschaftiches phänomen ist, dann macht es wenig sinn, den investoren die schuld zuzuweisen.
    außerdem gibt es in deutschland umfangreiche staatliche förderungen welche eine erste (pre-)seed-finanzierung ermöglichen. so stellt exist-seed rund 100k für ein jahr pro gründerteam zur verfügung, als stipendium, ohne auch nur anteile einzufordern. dazu erhält man eine anbindung an eine uni/ lehrstuhl und räume gestellt. ein absolut lobenswertes programm!

    Andreas Göldi’s ideen zur verbesserung der situation, sind sehr interessant und verbreitungswürdig – insbesondere die steuererleichterung für startup-investments!

    spannend finde ich den ansatz, bei sich selbst und im eigenen umfeld mit einer pro-innovationen-haltung zu beginnen.

    und wie schneiden wir eigentlich ab, wenn wir uns deutsche erfolgsstories (xing, zanox, jamba etc.) anschauen und diese in relation zur marktgröße betrachten. stehen wir dann immer noch so schlecht da???

    und letztlich gilt wohl der bereits erwähnte punkt: wir sind die, die wir sind und statt uns nun auch noch darüber zu beschweren, daran rum zu meckern und uns gegenseitig klein zu machen, sollten wir mal schauen, was für vorteile und stärken sich daraus ergeben!!

    die schwedischen und englischen gründer von soundcloud entschieden sich bewußt für berlin, um ihr startup zu starten und trotzdem auf den internationalen markt zu zielen – mittlerweile haben sie eine 2,5mio-runde reingeholt!

    wir haben allen grund, uns selbstbewußt auf die bühne des startup-circus zu stellen. es mangelt lediglich manchmal am selbstbewußtsein….

    in diesem sinne: ich find uns gut, also lasst uns tun und für bewegung sorgen!! ;)

  31. Viktoria, das war ein sehr energiegeladener und Optimismus verbreitender Kommentar. Daumen hoch.

    Bezüglich SoundCloud: Stimmt, die Schweden haben Berlin als Standort gewählt, da es bei derem Fokus auf elektronischer Musik und DJ-Kultur wohl keine bessere Stadt in der Welt gibt. Aufgezogen haben Sie ihren Dienst aber dennoch eher nach globalem Muster – mit lediglich einer englischsprachigen Version und einem sehr internationalem Netzwerk.

    Insofern ist SoundCloud sogar der Beweis dafür, dass die Standortbedingungen eigentlich nicht das Problem sind ;)

  32. sehr richtig!! ähnliche erfahrungen habe ich auch gemacht. erschreckenderweise ist es tatsächlich so, dass deutschland (freunde, familie, investoren etc.) eher die pleite als den erfolg sieht. wir haben mitten in der marktirritation (machen sagen auch krise) die weltweit erste plattform (www.digitalbloom.com) für den kauf von digitaler kunst und design (für flatscreens, beamer, digitale bilderrahmen etc.) gelauncht. aber wenn nicht jetzt, wann dann?! folks, don´t fear!! ;)

  33. Meine Gedanken:
    1) Es gibt durchaus deutsche Startups, die einigen Erfolg haben. Rapidshare ist ein Beispiel, Last.fm ein weiteres.
    2) Das Beispiel Rapidshare zeigt, dass die rechtliche Lage in Deutschland für Startups eher hinderlich ist und dass man seine Zelte lieber im Ausland aufschlägt. Viele Startups lassen sich in Deutschland dank Mitstörerhaftung, Abmahnwellen, Linkhaftung etc. leider nicht vernünftig betreiben. Egal ob Google, Scribd, Dropbox, Rapidshare, Last.fm, Delicious oder was auch immer, alle verstoßen mehr oder weniger gegen deutsches Recht und hätten hier im Inland ein Problem.

  34. Mit Last.fm ist das immer so eine Sache… von Deutschen und Österreichern gegründet, ja – aber in London, mit dortigem Netzwerk, Investoren etc…

    Rapidshare. Nunja. Unbestritten ein Erfolg, aber technisch simpel und austauschbar. Einfach nicht das “sexy Startup”, was sich mit den anderen genannten Beispielen vergleichen lässt.

  35. Naivitaet kann man auch andersrum sehen. Viele Startups denken, dass Sie Ihre Konkurrenten genauso naiv und freundlich den Wachstum erreichen. Manche sehr erfolgreiche Startups sind knallhart wenn es um Trafficgenerierung z.B. durch Linkoptimierung und vor allem Linkkauf geht.
    In USA ist der Konkurrenzkampf weitaus agressiver und “the winner takes it all”

  36. Der Kommentar von Chris zu Web-Start-ups von BWL-ern oder Geeks erscheint mir als richtig. Da könnte man eventuell mal ansetzen–sowohl bei den Technikern als auch Bereitschaft der Investoren, in Geeks zu investieren.

    Aber praktikabler ist es, gleich ins Valley zu gehen und dort zu gründen (bin nicht sicher, ob es Visas dafür gibt–aber sollte es!). So risikobereit Investoren auf Sand Hill Road auch sind, sie investieren fast nur in Gründer vor Ort (Fälle wie Jajah und Swoopoo sind selten).

    Es kann aber gern ein Deutscher sein, und die Entwicklung kann auch gern in Deutschland sein. Aber eine Vorstellung über eine Person, der der Investor vertraut, ist wichtig, da Investoren mit Businessplänen überflutet sind und die Verbindungsperson in der Regel sich auch gut überlegt, was man weiterreicht, da man in relativ kurzer Zeit auch an Vertrauenswürdigkeit verlieren kann. Aus dieser Thematik entsprang übrigens auch die Idee von LinkedIn . . .

  37. Naja, der Vorschlag “gleich ins Valley zu gehen” tut der Diskussion nicht gut. Denn immerhin wird hier überlegt, was man ändern kann, um die Gründungsmentalität in Deutschland zu fördern. Oft wird hier nur auf die Gründerszene eingegangen, aber die Mentalität muss sich vor allem bei denjenigen ändern, die niemals über das Gründen nachgedacht haben. Wo wir in Deutschland gar nicht mal so schlecht sind, ist beispielsweise die Medizin- und Umwelttechnologie. Doch viele andere Wissenschaften stehen da noch hinten an. Gründen muss eine selbstverständliche Option sein.

    Was das Silicon Valley unter anderem so interessant macht, ist die Tatsache, dass das Kapital und die Ideen direkt nebenan wohnen. Man muss nur über die Straße gehen, um mit einem Investor oder einem Kollegen zu sprechen. So etwas vermisse ich hier. Auch in den Gründerzentren lebt man oft nur nebeneinander her, als sich tatsächlich zu “befruchten”.

    Weiterhin könnte man private Gründungsfirmen vorantreiben. Firmen, die gründungskompetente Leute beschäftigen, die je nach Projekt eingesetzt werden: Ideengeber, Geschäftsführer, Techniker, Kommunikationsmenschen …
    Man muss nicht immer nur gen Himmel blicken und hoffen, dass das Mana runtergefallen kommt. Gründen ist ein Geschäft, das weiß man nicht erst seit Lukasz Gadowski und den Samwerbrüdern.

    Auch kommunal sollte sich da einiges tun. Geschäftsräume für Start-ups in der Frühphase zum Selbstkostenpreis. Mit dem Erfolg kann dann auch die Miete nach oben gehn.

    Was Andreas vorgeschlagen hat, hört sich im Allgemeinen nicht schlecht an. Doch den Kündigungsschutz wegzuradieren ist blinder Unfug. Es ist nicht nur die Tatsache, dass Start-ups – vor allem in der Frühphase – eigentlich nur mit dem Gründungsteam und eventuell Freiberuflern agieren, sondern auch, dass man Modelle aus anderen Ländern nicht einfach per “kopieren” und “einfügen” in unser System integrieren können. Wir müssen für unsere deutschen Probleme deutsche Lösungen finden.

  38. @ Sebastian
    Stimmt. Während ich mir bezüglich neuartiger, disruptiver und auf den ersten Blick schwer zu realisierender Ideen häufiger mehr “Naivitiät” wünsche, gibt es natürlich auch Situationen, in denen Grüner zu naiv agieren. Ich denke da auch an solche, die das xte, austauschbare Social Network oder den xten Marktplatz für XY launchen.

    @ Konstantin
    Klar, man kann ins Valley gehen. Aber langfristig wäre es dennoch schön, wenn wir in Deutschland auch eine Art Valley mit entsprechend positiven Konsequenzen für Finanzierung, Innovation und Motivation sehen würden.

  39. Ja, wir haben in Deutschland zu viele Copycats, aber es gibt auch einige Services, die vielleicht für die Geeks unsexy sind, aber das Leben der Menschen stark verändert haben.

    Warum wird nicht parship als deutsches, europäisches Beispiel gebracht? Fragt mal die über 30 jährigen Singles, ob sie schon mal drauf waren. Ich wette, ja, aber es ist natürlich nicht so sexy wie ein neues Musikangebot oder das Niederschreiben von StudiVZ.

    Oder experteer, dreht mal eben das Ertragsmodell im Jobmarkt um und löst ein wirkliches Problem. Aber die Autoren haben wohl noch keinen Job im Management gesucht, sonst wüssten sie wie unübersichtlich der Kadermarkt ist. Und es ist eben noch nicht so, dass man alle Jobs via Twitter findet.

    Wo kommt Leo.org her? Amerika? Wir sind häufig einfach zu naiv gute Dinge zu erkennen und die richtige Geschichte zu finden, um sie zu vermarkten. Leo.org kann man als Wörterbuch sehen (deutsche Sicht, wichtig aber langweilig) oder als Social Community, die gemeinsam das Vokabular erarbeitet (coole, amerikanische Geschichte). Oder Linguee.de. Oder digitalstrom.org oder .…..

    Also, liebe Netzwertiger, schaut mal, was es alles Gute in Deutschland/Europa gibt, das ein wirkliches Problem löst und schreibt darüber. Wie wäre es mal über Leo? Oder parship? Interessant wäre die Frage, warum nicht stärker internationalisiert wird.

    Deutschland mag im Web noch nichts Grosses geschaffen haben, aber da gibt es noch eine Firma in Walldorf, die hat sich international sehr gut geschlagen. Ist aber eben extrem unsexy. In Sexyness sind die Deutschen nicht gut drin.

  40. Patrick, klar, alles erfolgreiche Dienste aus DE. Aber eben nicht solche, die wirklich disruptiv und unique sind. Partnervermittlungen gibt es wie Sand am Meer, Online-Wörterbücher auch (wobei leo nun auch nicht gerade als Startup gelten kann), gleiches gilt für Recruiting-Dienste…

    Damit will ich nicht deren Erfolg schmälern, sondern eigentlich nur das bestätigen, was du ja selbst gesagt hast – fehlende Sexyness. Experteer und Parship haben sicher gute Business-Modelle, aber von einem technologischen Standpunkt aus sind sie wenig spannend. Hier bei netzwertig.com fokussieren wir uns aber gerade auf die Unternehmen, die mit technologischer Innovation im Web Mehrwert schaffen und alte Strukturen aufbrechen.

  41. Liebe Netzwertig Kollegen, seht Ihr den Wald vor Bäumen nicht?
    VC gebackte Startups mit globaler Ausrichtung sind doch wohl nicht das Maß der Dinge (Long Tail…). Schaut Euch doch mal den ganzen Kuchen an. Thesen wir diese: “Der deutschen Gründerszene fehlt es an Naivität – Der Misserfolg deutscher Webstartups auf internationalem Parkett ist traurige Realität” oder “Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland” finde ich einfach kontraproduktiv und mehr als gewagt.

    Wenigstens habt Ihr mich mit solch provokanten Überschriften hierzu “Web 2.0 in Deutschland: Das Wachstum gegen den Trend kommt aus der Nische” bewegt.

  42. Andy, gerade die gewagten Thesen sind die guten, die zu einer Diskussion anregen. ;)

  43. @martin: richtig, deshalb haben sie ja auch ihre berechtigung. aus meiner sicht sind diese bei euch eben zu pessimistisch und destruktiv. wir langweilig wäre es aber, wenn wir alle einer meinung wären…

  44. Hi Martin,

    Interessanter Artikel und gute Diskussion. Ich muss mich Andreas Göldi’s erstem Kommentar anschließen und feststellen, dass Naivität meiner Meinung nach nicht der richtige Begriff ist.

    Aber ja, es geht darum schnell Dinge anzupacken, Leidenschaft für eine Idee und daraus folgender Umsetzungwillen, den Mut zum Experimentieren, die Akzeptanz dabei Fehler zu machen und diese schnell korrigieren zu können… die Silicon-Valley Maxime “fail-fast, innovate-fast” die in Deutschland ziemlich schwer zu finden ist und aus mehreren angesprochenen Gründen gesellschaftlich nicht so richtig akzeptiert ist.

    Eine positive Überzeugung ist vielleicht ein passender Oberbegriff. Dein Artikel lässt diese übrigens auch vermissen (wie Andy bereits erwähnt hat)
    ;-)

    Gruß aus London
    Mario

  45. @Andy,

    sorry, aber Dein Spruch auf der von Dir verlinkten website
    “Ähnlich wie beim Punkt „Know-how schlägt Kapital“ könnte man hier sagen: „CTO schlägt CEO“.” ist IMHO naiv, und zwar nicht von der Sorte, die den deutschen startups angeblich fehlt. Aber da Du auch nicht so doll wachsen willst und den Familienbetrieb einer groesseren Verbreitung Deiner Idee vorziehst (Angst vor VCs? Es geht auch mit Angels) ist dies auch o.k..
    Nach meiner Erfahrung (habe selbst ein Startup in CA gegruendet and war im Aufsichtsrat eines deutschen Startups) meinen deutsche Softwareentwickler and Ingenieure oft, dass Marketing die Herausgabe toller Datenblaetter fuer ihr Produkt ist, so dass die breite Masse von den Fakten so ueberzeugt ist, dass der Run auf das Produkt von ganz allein passiert. Primat hat das Produkt, weil es ja den Wert generiert, gell? Und technology macht es moeglich, right?
    “9 of 10 startups fail because they have a product but no customers.” Steven M. Blank “The four steps to the epiphany”, sehr lesenswert.
    Und eine abschliessende Bemerkung:
    Gruender von startups wollen die Welt verbessern, the sky is the limit. Deshalb wollen sie auch wachsen, und zwar so schnell wie es Produkt und Marketstrategie erlaubt.

  46. “Im Fussball Brasilien und Deutschland”

    Deutschland ist die weltweit führende Nation im “Maschinenbau“.

    Das Problem mit dem Netz wird sein, das da kein Öl raus tropft. ;)

    Im Fußball, ist Deutschland, heute eher Mittelmaß und glücklich. ;)

  47. Oh, es gibt noch was wo Deutschland Weltspitze ist:

    Pessimismus.
    Eine Studie hat bewiesen, das die Deutschen das mit Abstand pessimistischste Volk der Welt sind und sich selbst meist weit unterschätzen. Die Amerikaner sind das optimistischste der Welt und sie überschätzen sich weit.

    Deutschland fehlt es also an positivem Denken und Selbstvertrauen.

    Aber da wird nix kommen. Seit Jahrhunderten sind die Deutschen depressive Emos, die in Selbsthass schwelgen und niemals glücklich werden können.

  48. @Uwe Kleinschmidt: nunja, wir sind mit unseren wachstum zufrieden. jeder unternehmer muß für sich wissen, welche ziele er hat und dabei erahnen was der markt hergibt.
    weißt du, welche szenarien wir parallel aufbauen und wie diese skallieren könnten?

    warten wir einfach mal ab wieviel geeks, coder, hacker oder admins noch im chefsessel von disruptiven webstartups landen werden…

    aus meiner sicht liegt eben viel größeres potential und mehr mut im geekigen umfeld. progger schaffen mit hilfe von code wert, denken freier und vernetzter, sind kreativer und haben einen schaffensdrang. wie ist das denn bei facebook, twitter und digg z.b., haben die gründer die plattformen nicht selbst gecodet in den ersten jahren?

    die betriebswirtschaftlichen rahmenbedingungen werden doch heute zum teil erst um die steil gehenen startups gestrickt, während die idee schon fliegt…

    @hmmm: ja, wir sind pessimismusweltmeister… leider! da müssen wir dringend gegenarbeiten! nen post oder thread zum thema “wie machen wir den pessimusmus platt in D” oder “wie erzeugt man kreativität und aufbruch” oder so ähnlich, fände ich weltklasse.

    wie gesagt unterstreicht netzwertig die aussage und das bild der pessimismusweltmeister in regelmäßigen abständen.

    @netzwertig: könnt ihr eigentlich auch anders? ;)

    bin leider bzw. zum glück erstmal eine woche in urlaub und kann diesem extrem spannend kommentarflow leider nicht weiter folgen…
    n8!

  49. Andy, uns wird aber auch regelmäßig Gehype vorgeworfen. Am Ende hält sich dann wohl alles die Waage ;)

  50. Man kann alles machen, erreichen und auf die beine stellen
    nur nicht in DEUTSCHLAND.

    gründe dafür:
    1. Brauchen wir nicht
    2. Gibt es schon
    3. kannste nicht
    4. früher war alles besser

    erst wenn sie die es, in anderen ländern, erfolgreich sind und der erfolg wächst, erst dann und auch nur dann mit wartezeit von min. 2-3 jahren dann kommt der/die deutsche/ wirtschaft hoch. Und dann heisst es das BOOOMT. Dann muss man aber auch 1000 hürden der DEUTSCHEN bürokratie etc. …

    gemütliches Volk hmm…

    das ist nun mal FAKT, aber auch das es in und aus Deutschland sehr gute erfolge zu verzeichnen sind sollte man nicht vergessen.

    ich arbeite an einem projekt, aber investoren, gelder in deutschland? never, andere investieren 50-100-200 und mehr.
    hier ist die steinzeit und das rad noch lange nicht erfunden.

    LG

    Lucky

  51. Naja, najaaaaaaa.

    Immerhin sind wir Nummer 3 im Ranking der “wichtigsten Industrienationen der Welt” (1. USA, 2. Japan, 3. Deutschland)

    Das ist gut genug. Da muss man nicht weinen. Da muss man nicht alle 2 Wochen den Untergang Prophezeien oder das “alle anderen” (alle 194?) ja “alles besser” machen.
    Auf Platz 3 müssen die erstmal kommen. :-P
    Offenbar sind wir in dem was wir tun erfolgreich. Und zwar extrem erfolgreich. Jammern auf extrem hohen Niveau.
    “Jammer, die da.. auf Platz 50 machen bessere Internetstartups als wir auf Platz 3.. heul)
    Ja, erstmal abwarten ob ihnen das hilft, die 47 PLätze wettzumachen. :-P

    Das einzige, was man sich fragen muss, ist, werden wir da auch in 50 oder 100 Jahren sein. Können wir unseren Wohlstand weitere 100 Jahre sichern, indem wir Industrie- und Montageplattformen entwickeln und baun oder müssen wir uns nach einem neuen Kerngeschäft umsehn.

    Das Einzige, was wir sicher sagen können ist, das unsere Ideen die einzigen Ressourcen sind, die wir haben. Wenn wir irgendwann nicht mehr genial sind, fahren wir nach Polen (nix gegen Polen)zum Torf stechen oder nähen Topflappen für China zusammen. Also reißt Euch gefälligst zusammen! ;-P

  52. @Andy: “…warten wir einfach mal ab wieviel geeks, coder, hacker oder admins noch im chefsessel von disruptiven webstartups landen werden…..”
    viele, verstehe deinen Punkt nicht. Mich stoert dass Du ein Ranking fuer CEO and CTO aufmachst, M.E. kann der geek auch CEO sein, wenn das Produkt 100% auf der disruptive technology (BTW innovation ist nicht unbedingt nur technology, es kann auch ein business model sein) basiert, er hat dann keinen CTO und muss aufpassen, dass sein ersten Kunden nicht auf die Nische beschraenkt sind, die er selbst verkoerpert. Das haengt aber von der Marketingstrategie ab, die in meiner Erfahrung von geeks in der Regel als unnuetzer ballast verworfen wird.

    “..aus meiner sicht liegt eben viel größeres potential und mehr mut im geekigen umfeld. progger schaffen mit hilfe von code wert, denken freier und vernetzter, sind kreativer und haben einen schaffensdrang. wie ist das denn bei facebook, twitter und digg z.b., haben die gründer die plattformen nicht selbst gecodet in den ersten jahren?”
    Oh, CEO ist ungleich Coder? Bin mir nicht sicher was Dein Weltbild ist. Hier muss irgendein ‘Feindbild’ vielleicht aus schlechter erfahrung existieren.

    “… die betriebswirtschaftlichen rahmenbedingungen werden doch heute zum teil erst um die steil gehenen startups gestrickt, während die idee schon fliegt…”
    Wenn dies so ist, und ‘fliegt’ heisst “Produkt/Prototype funktioniert” dann wird mir allmaehlich klar, warum Investoren nicht anbeissen wollen. Prototypen or beta Produkte beweisen, dass eine Technologie funktioniert und die Macher die Kompetenz haben es hinzustellen. Nicht mehr und nicht weniger. Investoren wollen Marktrelevanz (=Bestellungen) sehen. Was IMHO nicht so verkehrt ist.

    @netzwertig
    - ich haette mit “Facebook connect” erwartet, dass ich keine credentials mehr eintippen muss.
    - und wenn ich ‘Benachrichtige mich über weitere Kommentare via E-Mail” ankreuze, dass dies dann auch funktioniert

    was mach ich falsch?

  53. @hmmm:
    “Immerhin sind wir Nummer 3 im Ranking der “wichtigsten Industrienationen der Welt” (1. USA, 2. Japan, 3. Deutschland)
    Das ist gut genug. Da muss man nicht weinen. Da muss man nicht alle 2 Wochen den Untergang Prophezeien oder das “alle anderen” (alle 194?) ja “alles besser” machen.
    Auf Platz 3 müssen die erstmal kommen.”
    ???? Was hat dies mit startups zu tun? Mit “wichtigsten Industrienationen” meinst Du sicher Bruttoinlandsprodukt. Man kann auch mit gut geoelter Wirtschaft, Primaertugenden wie Sorgfalt und Struktur und Fleiss, keine Fehler zugeben wollen, minimiertem Risiko und ‘second mover’ Mentalitaet stark werden. Dies ist voellig o.k. und eine tolle Leistung. Nur eben Eigenschaften, die ein Startup per design nicht unbedingt auszeichnen.

  54. Das ist doch normal. Deutschland ist ja auch nicht gerade bekannt als das Land der Abenteurer. Hier wird erst 5 mal geprüft , bevor man was “riskiert”….

  55. @ Uwe
    Bzgl. Facebook Connect: komisch, wir checken das mal.

    @ All
    Marcel beleuchtet das Thema noch von eine anderen Perspektive.

  56. Tja, da steckt leider mehr Wahrheit drin, als uns lieb sein kann. Ich fürchte, Amerika hätten wir nicht entdeckt, weil wir vor lauter Sorge, es könnte etwas schiefgehen, gar nicht erst losgefahren wären. Und ja, wir haben mit SAP ein heute international erfolgreiches, einstiges Startup. Was machen die? Buchhaltersoftware (sehr simplifiziert ausgedrückt). Das sagt ja auch etwas aus.

    Das Problem ist, wenn wir nicht in Gründer und mutige Ideen investieren (und zwar Geld und Vertrauen!), dann machen wir den gleichen Fehler, wie wenn wir nicht in Bildung investieren: Wir entwickeln uns zurück… bis in die ökonomische Bedeutungslosigkeit, denn es ist gefährlich, sich auf den Errungenschaften des Industriezeitalters (Vergangenheit!) auszuruhen.

    Aber in der Tat steht uns zu oft die eigene, schon von den Altvorderen beschrieben und beklagte Mentalität im Weg. Der Optimist ist hierzulande in den Augen vieler allzuoft ein Hassadeur, ein Leichtfertiger, ein Phantast. Wo es den anderen längst schmeckt, finden wir halt immer noch das Haar in der Suppe. Und dadurch fehlt uns diese kreative Unschuld, die Grossartiges entstehen lässt. Aber ändern können wir das halt auch nur selbst und zwar in dem wir es einfach tun, im Zweifel gegen diejenigen, die meinen, sie wüssten es besser. Für die hab ich hier den Rat: Diejenigen, die wissen, wie es nicht geht, sollen nicht die stören, die es bereits tun.

  57. Hmm also meine Meinung ist, dass es viel mehr an Naivität auf Kunden und Investorseite fehlt als auf der Gründerseite. Denn auch mit Optimismus, Unbeirrbarkeit und der beschriebenen Prise Naivität ist das Umfeld in Deutschland eben denkbar anspruchsvoll. Oder lasst es mich so ausdrücken: Glaubt jemand, dass mp3 (so) erfolgreich gewesen wäre, wenn das Format nicht außerhalb Deutschlands (zum Nutzen der dort ansässigen) sehr schnell appliziert worden wäre?

    Die schwache Performance deutscher Start-Ups ist eben (unter anderem auch) in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu sehen. Denn nur wo Innovationsgeist von Gründern auf Entdecker-Mentalität bei Kunden trifft, ist die Chance für überproportionales Wachstum gegeben. Und da sind die Amerikaner den Europäern eben nach wie vor eine Nasenlänge voraus, was durch den Erfolg von Facebook, Twitter & Co belegt wird.

  58. ‘Typen wie euch’ failt einfach nur der Sinn an der Sache selbst.

    Wenn ich schon statements wie ‘INVESTMENT!!1′ lese sage ich ihr werdet nicht weit kommen

    Um nochmal Chris, den einzigen der es richtig erkannt hat zu zitieren:

    “Hierzulande werden Web-Start-ups meist von BWL-studierten Leuten gegründet, die sich dann noch einen “CTO” mit ins Boot holen, um ihre “Ideen” umzusetzen. In den USA, beispielsweise, sind es vor allem, diejenigen, die die Technik draufhaben, die Top-Web-Start-ups gründen.”

    Das deutsche Business ist zu spiessig.
    Alles Businesskasper

    Erfolg ist kostenlos, ICH habe international erfolgreiche Projekte und muss in sie ( und meinen Mitarbeiter Geeks und Nerds ) nur Zeit und Liebe investieren

    Aber eine nette provokant destruktive Diskussion voller alternativen Wahrheiten ;)

    Danke

  59. Ich kann das so langsam nicht mehr hören… es fehlt an Naivität, Ehrgeiz und angeblich an so vielen Eigenschaften. Gibt es denn im Bereich Web und Co Unternehmen die int. erfolgreich sind aus Deutschland? Der Browsergames-Bereich in Europa und langsam auch in Fernost, Amerika und Co wird immer stärker von Bigpoint und Gameforge besetzt. Diese gehören in diesem Bereich zu den solidesten Unternehmen die einen stetigen Wachstum an den Tag legen und immer mehr User sammeln können… XING expandiert auch stetig in anderen Ländern auch wenn es noch nicht über den Teich bzw. nach Asien gegangen ist.

    Sorry aber ich würde lieber darüber schreiben wie viele der so gehypten Startup oder Web 2.0 Ideen denn heute oder in näherer Zukunft schwarze Zahlen schreiben. Denn auch als begeistertet Twitter Nutzer müssen die Jungs erstmal zeigen, dass sie ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufziehen welches angenommen wird. Deshalb finde ich die deutsche Methode nicht unbedingt schlechter – man macht sie halt frühzeitig Gedanken zum Thema Monetarisierung und Co. Es funktioniert halt langfristig nicht immer wieder neue Investoren rein zu holen ohne etwas zurück zu geben.

  60. Toller Beitrag, der mir aus der Seele spricht! Kann ich nur zustimmen.

  61. Guten Tag

    Wer zu mehr Naivität aufruft, hat die Realität nicht begriffen und Leute die das Internet als Möglichkeit verkaufen, Geld zu verdienen schädigen Ihre Mitmenschen. Tatsache ist das ein immenses technisches Know How erforderlich ist, das sich nicht auszahlt. Meine Erfahrung. Existenzgründer sollten wieder auf local statt global setzen. Jede Zeitungsanzeige im Printmedium toppt eine Internetseite die gegen die “Überfüllung” von Angeboten ankämpfen muss. Ergo Internet ist als Vertriebsmedium “schrottig” da hilft auch keine Naivität mehr. Bei uns sind Anzeigen erfolgreicher als die Internetseite. Nice to have aber nicht wirklich gewinnbringend und damit keine Mühe wert. Also Back zurück den Wurzeln des Geschäftes.

    Sven Dzuba
    Firmengründer

  62. toller Artikel. War echt interessant zu lesen.
    Vorsichtig zu sein, ist aber sehr wichtig. Schliesslich sind Entwicklungen nicht ganz billig.
    Ausser man macht die Projekte nebenher privat. Dann gehts..
    Nur so “Nebenbei”-Projekte gehen oft in die Hose weil man zu wenig Zeit dafür aufwenden kann bzw. kein Budget hat.

  63. vielen Dank für diesen Artikel, ist zwar schon etwas älter, trifft aber mehr denn je zu…

15 Pingbacks

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