Facebook vs. studiVZ:
Social Networks legen Rechtsstreit bei

Artikel aktualisiert

Facebook und studiVZ legen ihren mehr als ein Jahr andauernden Rechtsstreit bei – jedoch nicht ohne eine Überweisung des Holtzbrinck-Netzwerks an sein US-Vorbild.

Im Juni war Facebook mit seiner Klage gegen studiVZ wegen Diebstahl geistigen Eigentums vor dem Landgericht Köln gescheitert. Soeben nun gab der US-Dienst bekannt, dass sich beide Seiten auf eine Beilegung des Rechtsstreits geeinigt haben – laut Pressemitteilung jedoch nach einer nicht näher erläuterten Zahlung von studiVZ an Facebook [Update am Ende des Artikels].

Gemäß der Vereinbarung werden die zwei Unternehmen ihre Forderungen in den USA beziehungsweise Deutschland zurückziehen, zudem können beide Dienste ihre Netzwerke unverändert weiterbetreiben.

Mitte Juli 2008 hatte Facebook vor einem kalifornischen Gericht Klage gegen studiVZ eingereicht. Der Vorwurf: Das deutsche Social Network habe sein US-Vorbild in punkto Aussehen und Funktion kopiert (Klageschrift). Im April dieses Jahres folgte die Klage vor dem Landgericht Köln, die jedoch scheiterte.

Umso überraschender, dass es trotz dieses Urteils nun dennoch zu einer Zahlung des deutschen Netwerks an den US-Konkurrenten kam. Facebook ist mittlerweile auch in Deutschland auf dem Vormarsch und studiVZ nicht mehr länger eine Gefahr. Am Ende trotzdem noch eine (wahrscheinlich eher symbolische) Zahlung erhalten zu haben, ist somit mehr, als Facebook nach dem Verlauf des Rechtsstreit hätte erwarten können. Und es zeigt einmal mehr, welche (Verhandlungs-)Macht der blau-weiße Dienst mittlerweile auch international hat.

Update 15:00 Uhr:
Zur Höhe der Zahlung an Facebook erhielten wir aus studiVZ-Kreisen das folgende Zitat: “Keine amerikanischen Dimensionen, aber auch kein 1-Euro-Symbol.” Es ist reine Spekulation, aber ein sechsstelliger Betrag wäre angesichts dieser Äußerung vorstellbar.

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13 Kommentare

  1. leo
    schrieb am 10. September 2009 um 13:33 Uhr (#)

    Macht?! Weil man Recht bekommt wenn einem etwas gestohlen wird? zeigt mal wieder, dass Deutsche denken sie können sich alles erlauben.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. September 2009 um 13:37 Uhr (#)

    leo, Facebook hat eben gerade nicht Recht bekommen (siehe Artikel), weshalb es eben doch ein Zeichen von Macht ist, dass sich studiVZ dennoch zu einer Zahlung bereit erklärt.

  3. Alex
    schrieb am 10. September 2009 um 16:46 Uhr (#)

    Hierbei über Macht zu sprechen halte ich auch für übertrieben.

    Auch wenn Facebook in der ersten Instanz verloren hat, heisst es nicht, dass sie auch in der zweiten Instanz verloren hätten.

    Ein Rechtsstreit ist immer mit Risiko verbunden, sowohl für StudiVZ als auch für Facebook…

    Durch eine außergerichtliche Zahlung, stellt sich eine klassische Win-Win-Situation ein.

    StudiVZ ist mit der Zahlung sowohl jurisitschen Ärger, als auch die negativen Meldungen in der Presse los.

    Und Facebook kann zumindest sein Gesicht wahren und bekomme noch ein bisschen Geld oben drauf.

  4. Martin
    schrieb am 10. September 2009 um 18:22 Uhr (#)

    Hm ja, die VZ Gruppe ist mit den 15 Millionen Mitgliedern sicher keine Gefahr mehr :)
    Mich würde mal interessieren, wie verlässlich die Nielsen Zahlen sind und wieso Facebook nicht bei IVW mitmacht.
    Laut google sind StudiVZ und SchuelerVZ beide vor Facebook.
    http://trends.google.com/…date=mtd&sort=0

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. September 2009 um 18:30 Uhr (#)

    Martin, es ist nicht der Ist-Zustand, den man betrachten sollte, sondern die Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

    Am 7. September 2007 wuchs das deutsche Netzwerk bei Facebook erstmals um 1000 Mitglieder am Tag, bei unter 100.000 Mitgliedern. Nun sind es vier Millionen (laut Facebook Anzeigentool), wovon ein Großteil in den letzten zwölf bis sechs Monaten hinzu kam. War vorher die Dominanz von studiVZ für Facebook in Deutschland wachstumshemmend, scheint es dies nun nicht mehr der Fall zu sein. Zudem hat Facebook nun Netzwerkeffekte erreicht. Deshalb halte ich studiVZ für Facebook in Deutschland nicht mehr für eine Gefahr.

  6. Martin
    schrieb am 10. September 2009 um 18:39 Uhr (#)

    Facebook hat gerade einen Run, siehe Stern Artikel aber den hatte StudiVZ 06/07 eben auch und 15 Millionen Mitglieder müssen erstmal erreicht werden.
    Insofern kann ich nicht ganz verstehen was du mit keine Gefahr mehr meinst. Denkst du, dass die Leute jetzt überall ihre Accounts bei VZ und wer-kennt-wen löschen und zu Facebook wechseln das bald 30 Millionen Mitglieder hat?
    Ich sehe da den Markt eher gesättigt.
    Zudem erscheint mit das halt mit den Mitgliedszahlen in D von Facebook alles nicht so transparent.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. September 2009 um 18:45 Uhr (#)

    Meine Prognose ist ein Explodieren der Nutzerzahlen von Facebook (damit meine ich nicht Visits oder Reach wie von Nielsen ausgegeben, sondern aktive Mitglieder) in den nächsten zwölf Monaten in Deutschland, bei gleichzeitigem Abflauen der Aktivität bei einigen deutschen Netzwerken. Diese Entwicklung haben alle anderen Länder, in denen Facebook groß ist, ebenfalls durchgemacht. Mit Connect (u.a. von Bild.de integriert) hat Facebook ein unglaublich die Bekanntheit und Nutzung vorantreibendes Feature, mit dem kein Konkurrent mithalten kann.

  8. Martin
    schrieb am 10. September 2009 um 18:55 Uhr (#)

    Gut, bezweifel ich, halte es für denkbar, dass sich viele Studenten bei VZ abmelden könnten wenn all ihre Freunde bei Facebook sind weil sie dann das Plus der Internationalität haben.
    Das kann ich mir bei Benutzern von wer-kennt-wen die sich damit zufrieden geben das nach 30 Tagen ihre Nachrichten gelöscht werden nicht vorstellen und bei den Kindern von SchuelerVZ die nunmal keine internationalen Kontakte haben und wo Facebook nicht wirklich einen Mehrwert bietet auch nicht.
    Und die Internationalität ist für mich der primäre Vorteil von FB, die technischen Features sind meiner Ansicht nach nicht dazu tauglich den 08/15 User zu mobilisieren zumal VZ da bei den wichtigsten Sachen (Chat/Statusmeldungen) gleichgezogen hat.
    Der VZ Chef ja auch schon angekündigt, dass man sich jetzt sehr regionalisiert/nationalisiert siehe Wahlzentrale.
    Da sicherlich die meisten Nutzer wkw und VZ schon kennen sehe ich jetzt auch nicht den großen Vorteil von Connect, da könnte FB höchstens nachziehen.
    Aber wir können ja dann in 12 Monaten sehen wer Recht hatte, wird nur schwer wenn FB keine Nutzerzahlen in D nachvollziehbar kommuniziert.

  9. Jack
    schrieb am 10. September 2009 um 22:55 Uhr (#)

    Naja nach meiner persönlichen Wahrnehmung als (angehender) Student ist es zur Zeit so, dass die Studenten in den Social Networks tlw. völlig zersplittert sind. Die rein karriereorientierten bei Xing, jeder der schonmal ein Auslandsjahr gemacht hat bei Facebook (Internationalität ist eben nicht ganz zu verachten) einige bei StudiVZ, einige bei WKW, und nochmal einige, die nach dem Abi keine Lust hatten sich in einem neuen Netzwerk anzumelden und beim SchülerVZ blieben.

    Die Folge ist, dass viele auch nicht netzaffine Studenten anfangen sich in mehreren Netzwerken anzumelden (StudiVZ, Facebook, Xing) einfach weil man sonst nicht alle sozialen Kontakte abdecken kann. Das ist wie gesagt nur meine persönliche Wahrnehmung, aber wenn dieser Trend so stimmt, wird Facebook auf lange Sicht hin das Rennen machen. Denn bei ähnlicher Nutzerzahl innerhalb Deutschlands hat Facebook eben den Internationalitätsvorteil.

  10. Kai
    schrieb am 11. September 2009 um 08:12 Uhr (#)

    Sehe die Daten v. Nielsen auch mit gemischten Gefühlen. Lebe in einer WKW-Region und bin aber auch bei Facebook und bei Xing angemeldet.
    Facebook könnte meiner Meinung nach niemals die Dichte an Benutzern erreichen wie es WKW geschafft hat. Denn dieses Netzwerk breitet sich Kilometer für Kilometer aus und wird somit für Jedermann interessant.

    Aber zurück zu den Zahlen v. Nielsen.
    Man wertet die Zugriffe aus Deutschland aus und da Facebook um die 250 Mio. Mitglieder Weltweit hat und eben “das” Internationale soziale Netzwerk ist, ist das für mich in erster Linie auch ein Erfolg der Einwanderer, Army, Urlauber, Gastarbeiter und ähnliches.

    Ich denke nicht, dass Facebook in DE in den nächsten 12 Monaten so sehr an Relevanz gewinnt. Mittelfristig über 3-5 Jahren könnte es schon anders aussehen.
    Derzeit ist Facebook nur eine Fußnote für sehr viele deutsche Netzwerker…

    lg

    :-)

  11. Ruben
    schrieb am 11. September 2009 um 23:45 Uhr (#)

    Ich denke sehr wohl das die Relevanz von Facebook in D stark wachsen wird. Die technische Seite ist neben der Internationalität der wichtigste Faktor. Neben den Huaptfeatures FB Connect, Events (RSVP), Business-Profilen, API Anbindungen (Photo-Upload, Feed,…) finden sich bei Kontaktmöglichkeiten von Firmen und Events an Web 2.0 Möglichkeiten FB und Twitter. Die Offenheit nach Außen ist die große Stärke. Da kann auch die Twitterintegration von den VZs nicht machen. Die Frage ist nur, wohin sich das ganze Netz entwickelt – also wer braucht tatsächlich die ganzen API-Anbindungen. Ganz ehrlich, die meisten nicht. Das wird sich also zeigen, wie viele Leute in den nächsten Jahren noch intensiver das Netz nutzen, nicht nur für ICQ, Google, un StudiVZ/WKW.

  12. panschk
    schrieb am 12. September 2009 um 09:14 Uhr (#)

    Kaum jemand wird sich bei StudiVZ abmelden. Aber mehr und mehr Leute haben Accounts in beiden Systemen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich mehr und mehr Facebook benutze, weil es einfach mehr interessante Features hat und internationaler ist. Ich denke, so wird es vielen gehen

  13. Miessy
    schrieb am 15. September 2009 um 12:08 Uhr (#)

    Ich denke auch das Facebook sich im deutschen Raum in den nächsten Jahren immer mehr etablieren wird, gerade weil es länderübergreifend ist.
    Ich selbst bin auch bei Fb, meinvz und myspace, weil man doch in den verschiedensten Netzwerken auch verschiedene Bekanntschaften hat.

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