Bookmarks online:
Warum wirkt Google nur so planlos?

Martin Weigert, 18. August 2009 14:44 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Demnächst werden Nutzer von Googles Browser Chrome ihre Favoriten über mehrere Rechner synchronisieren und von Google Docs aus abrufen können. Ein notwendiger Schritt, der jedoch Fragen aufwirft.

Google
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Jeden Tag wähle ich aus über 500 RSS-Beiträgen in Google Reader zehn bis 20 aus, die sich als Quelle für zukünftige Blogartikel eigenen könnten. Diese Links verschlagworte und speichere ich momentan beim Social Bookmarking-Dienst Diigo – der im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Anbietern auch Seiten per iPhone bookmarken lässt.

Nun frage ich mich seit langem, warum Google als Schweizer Messer des Internets mir keine zufriedenstellende Möglichkeit bietet, Links unter dem eigenen Dach zu speichern und zu organisieren. Ansätze existieren zwar, aber an eine vollwertige Social Bookmarking-Suite kommen weder das stark unterentwickelte Google Bookmarks noch die diversen Funktionen des Google Readers zum Favorisieren, Taggen und Verteilen von Beiträgen heran.

Auch wenn ich generell darauf bedacht bin, meine Internetnutzung auch verschiedene Anbieter zu verteilen und nicht nur auf Google-Services zurückzugreifen, würde eine kombinierte Google-Variante aus RSS-Reader und Social Bookmarking-Angebot in diesem Fall für mich zu enormer Zeitersparnis führen.

Aber es gibt Hoffnung: Eine Ankündigung von gestern zeigt, dass Google dem Thema Bookmarks in Zukunft offenbar mehr Gewicht einräumen wird. So soll Googles Browser Chrome bald mit der Fähigkeit ausgestattet werden, Favoriten über mehrere Rechner zu synchronisieren. Als “Zwischenspeicher” soll Google Docs zum Einsatz kommen. Auch der webbasierte Zugriff über andere Browser wäre damit möglich.

Da immer mehr Menschen von unterschiedlichen Geräten aus (zu Hause, im Büro, mobil) auf ihre Lieblingslinks zugreifen möchten, wird die Nachfrage nach Wegen zum Ablegen von Favoriten in der Cloud weiter steigen. Ein Feature zur Synchronisation von gespeicherten Verweisen zwischen mehreren Browsern, wie es Mozilla Weave für Firefox oder Xmarks für verschiedene Browser anbietet, ist daher für Chrome-Nutzer eine willkommene Erweiterung.

Wundern darf man sich allerdings über das bisher recht planlos wirkende Experimentieren von Google im Link-Management-Bereich: Neben Google Reader – in dem enormes Potenzial steckt – und Google Bookmarks will man nun also auch Google Docs für die Verwaltung von Favoriten einsetzen. Warum das Unternehmen nicht lieber versucht, die losen Enden zu verknüpfen und Google Reader zu DEM ultimativen Werkzeug zum Beziehen, Organisieren und Teilen von Inhalten zu machen, bleibt vorerst offen.

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7 Kommentare

  1. recipient
    schrieb am 18. August 2009 um 17:37 Uhr (#)

    Google Bookmarks? Das gibt’s doch noch? Ich hatte vor kurzem mal danach gesucht, es aber auf keiner Übersicht bei Google mehr finden können. Oder habe ich Tomaten auf den Augen?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 18. August 2009 um 17:40 Uhr (#)

    Klicke auf den Link im Artikel und du wirst sehen, dass es existiert ;)

  3. recipient
    schrieb am 18. August 2009 um 17:47 Uhr (#)

    Hatte ich ja. Die Frage war eher rhetorisch gemeint. Wollte vor allem meiner Überraschung Ausdruck verleihen und klären, ob und ggf. warum sich kein Hinweis auf diesen Dienst bei Google finden lässt. Wo doch sonst jeder Pups als gasgewordene Innovation gefeiert wird.

    Hätte ich gleich sagen können? Stimmt, sorry. ;-)

  4. Daniel Bröckerhoff
    schrieb am 18. August 2009 um 18:21 Uhr (#)

    Ich frage mich sowieso seit geraumer zeit, warum es noch keinen dienst gibt, der alles intelligent miteinander verknüpft. ich lese rss feeds mit google reader und netnewswire (der ja jetzt auch auf google reader zugreift), synce links mit xmarks und lade sie gleichzeitig bei delicious hoch. interessante artikel, die ich speichern und bearbeiten will kommen per ff-addon scrapbook auf meine festplatte. interessante links werden zudem per twitter verteilt, das die an facebook weitergibt. kontakte und rechercheergebnisse, sowie scripte und gesprächsprotokolle kommen ausserdem in mein tiddlywiki auf tiddlyspot. es ist ein einziges wirrwarr!

    ich gebe martin recht: eine monopolstellung ist gefährlich. aber wenn mich jemand aus dem dienste-dschungel befreien könnte und mir EIN tool geben würde, das ALLES beherrscht, was google reader, xmarks, delicious, facebook, twitter und tiddlyspot können – gekauft!

  5. Ronald Pohle
    schrieb am 18. August 2009 um 18:28 Uhr (#)

    Es gibt zumindest im englischen Reader die lang vermisste Send-To-Funktion
    http://lifehacker.com/533…r-with-send-to-links

  6. Stefan Münz
    schrieb am 20. August 2009 um 07:48 Uhr (#)

    Zunächst dachte ich auch, dass Google Docs als Speicherort doch reichlich merkwürdig ist. Es gibt zwei Gründe dafür: einen banalen und einen spannenden. Der banale ist: Bookmarks sind hierarchisch organisiert, Google Bookmarks bietet jedoch nur Tagging, aber keine Folder. Google Docs dagegen kennt Folder. Der spannende Grund ist: Google Docs mutiert dadurch so ganz allmählich doch zum sagenumworbenen “GDrive”. Auch andere Hinweise gibt es dafür, z.B. dass unter “Elemente nach Typ” das ursprüngliche PDF-Symbol durch ein allgemeines File-Symbol ausgetauscht wurde. Meine Vermutung geht dahin, dass Google Docs der zentrale Synchronisationsort für Daten aller Art werden soll, die auf einem Google Chrome OS so anfallen. Details zu dem Bookmark-Sync hab ich übrigens in einem eigenen Blogeintrag zusammengeschrieben.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 20. August 2009 um 09:15 Uhr (#)

    Durchaus interessante These. Wobei Bookmarks meiner Meinung nach dennoch eher in den Google Reader gehören würden.

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