Postino:
Warum ich nie wieder eine Postkarte frankieren werde

Klassische Postkarten stehen vor der Ablösung. Mit Postino lassen sich beliebige Bilder vom iPhone oder Windows Mobile-Gerät als physische Postkarte verschicken. Ein Erfahrungsbericht.

Postino
Postino
Seit 1875 verschicken Menschen Postkarten. Für viele Urlauber ist es eine Mischung aus Ritual und gefühlter Pflicht, zum nächsten Kiosk zu gehen, ein paar Karten mit mehr oder weniger originellen Motiven vom Aufenthaltsort sowie Briefmarken zu kaufen und diese mit Grüßen in die Heimat in den nächsten Briefkasten zu werfen. Schon bald aber könnten sich diese Schritte für viele erübrigen.

Einmal davon abgesehen, dass ich sowieso selten physische Postkarten verschickt habe, wollte ich in meinem jüngsten Urlaub eine andere Lösung testen. Postino ist eine Anwendung für iPhone, Windows Mobile-Geräte und Facebook, mit deren Hilfe man ein beliebiges Foto samt Text als Postkarte an eine Wunschadresse irgendwo auf der Welt senden lassen kann.

Ich schoss also eifrig Fotos mit meinem iPhone. Einen Schnappschuss wollte ich an meine Eltern schicken. Ich startete die Postino-Applikation, wählte das die Reste eines griechischen Abendessens darstellende Bild, versah es mit einigen persönlichen Worten, einer mit dem Finger auf den Touchscreen gezeichnete Unterschrift, und gab anschließend die Zieladresse ein.

Postino auf dem iPhone
Postino auf dem iPhone

Bevor ich die Karte in Auftrag geben konnte, musste ich noch virtuelle Briefmarken von Postino erwerben. Dies geschieht direkt innerhalb der Applikation, bezahlt wird über Paypal. Für den Versand einer Karte werden vertretbare zwei Dollar fällig. Auch ist es möglich, gleich mehrere Marken zu erstehen, was einen Mengenrabatt mit sich bringt und sinnvoll ist, um über ungesicherte WLAN-Netze nicht die eigenen Paypal-Benutzerdaten übermitteln zu müssen.

Anschließend bestätigte ich den Sendeprozess. Knapp eine Woche später erhielten meine Eltern die wohl persönlichste Urlaubskarte jemals, abgestempelt in den USA, wo AnguriaLab, das italienische Unternehmen hinter Postino, die Karten zu drucken und verschicken scheint.

Mittlerweile habe ich mehrere Karten mit Postino gesendet. Zwar verging stets mindestens eine Woche, bis der Adressat die Karte erhielt, aber auch bei eigenhändig verschickten physischen Karten kann man sich je nach Urlaubsland nicht immer sicher sein, dass diese noch vor der eigenen Rückkehr beim Empfänger ankommen.

Postino ist eine der nützlichsten mobilen Anwendungen, die ich kenne, und wird bei mir noch häufig zum Einsatz kommen. Das Versenden einer Postkarte gestaltet sich so nicht nur einfacher, sondern macht sogar richtig Spaß. Je nach Adressat lässt sich ein individuelles, passendes Motiv auswählen, das weit über die austauschbaren Strand-/Gebirgs-/Sightseeing-Motive hinaus geht und zudem beim Betrachter für mehr Freude sorgt.

Man soll ja niemals nie sagen, aber dass ich irgendwann noch einmal eine gekaufte Postkarte frankieren werde, ist mehr als unwahrscheinlich.

18 Kommentare

  1. Paul Neuhaus
    schrieb am 17. August 2009 um 16:26 Uhr (#)

    Ich hab ja damals im Italien-Sommer 2003 schon von meinem Nokia 7650 eine MMS mit einem Urlaubsschnappschuss und einigen persönlichen Worten an Vodafone verschickt, die dann ne Woche später in Postkartenform bei der Verwandschaft in Leverkusen angekommen ist.
    Hat 39 cent gekostet.

  2. blaugraufrau
    schrieb am 17. August 2009 um 16:34 Uhr (#)

    Cool, deinen Erfahrungsbericht zu lesen. Hast du die Karte, die bei deinen Eltern ankam, auch fotografiert? Mich würde interessieren, wie “hübsch” sowas dann physisch daher kommt… einen gewissen Stylefaktor kannst du ranzigen Postkarten, die schon anderthalb Jahre in der Auslage des Tabakladens an der Strandpromenade in der Sonne verbogen wurden, nicht absprechen. Da muss die Postino-Alternative schon was können! (Kartonstärke, Oberflächenbeschichtung, Druckqualität, Schriftart, ggf. Briefmarkenmotiv…)

    Relativ unkompliziert scheint mir das Prozedere auch deshalb, weil DU Urheber der Motive bist. Nicht auszudenken, wenn es um Kompilierung und Druck urheberrechtlich geschützten Materials ginge…

  3. Uwe
    schrieb am 17. August 2009 um 18:00 Uhr (#)

    “Für den Versand einer Karte werden vertretbare zwei Dollar fällig.”

    Hm. Klingt für mich nicht nach einer Revolution. Und wenn doch, dannnach einer ziemlich teuren.
    Eine im Urlaubsland abgestempelte Karte hat auch Fair – finde ich.

  4. Florian
    schrieb am 17. August 2009 um 18:10 Uhr (#)

    Hört sich interessant an. Fotos von der fertigen Karte fände ich auch spannend… :-)

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. August 2009 um 18:39 Uhr (#)

    @ Paul
    Early Adopter ;) Gibt’s den Service noch?

    @ Uwe
    2 Dollar sind 1,42 Euro. So viel zahlst du für Postkarte und Briefmarke in jedem Fall auch. Und dann fragt sich, was beim Empfänger für mehr Freude sorgt: eine im Ausland abgestempelte Briefmarke oder ein wirklich persönliches Motiv.

    @ blaugraufrau & Florian
    Ich werde mal sehen, dass ich Fotos der Postkarte beschaffe. Ich liefere die dann hier nach.

  6. Wuensch-Media
    schrieb am 17. August 2009 um 19:31 Uhr (#)

    Toller Tipp! Werd ich auf jeden Fall mal ausprobieren!

  7. Toni
    schrieb am 17. August 2009 um 20:27 Uhr (#)

    Wirklich sehr genial! Endlich mal wieder eine besondere iPhone Applikation!

    Grüsse Toni

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. August 2009 um 21:56 Uhr (#)

    So, hier zwei Schnappschüsse der Karte (die Kartenqualität lässt sich anhand dieser aber nicht beurteilen – mittelmäßig).

    http://netzwertig.com/wp-…2009/08/postino1.jpg
    http://netzwertig.com/wp-…2009/08/postino2.jpg

    Und ja, das Motiv ist Geschmackssache ;)

  9. blaugraufrau
    schrieb am 17. August 2009 um 22:50 Uhr (#)

    Ach was, das Motiv ist doch sehr ausgefallen ;-)
    Hm, was ich erkennen kann, ist, dass die Bildqualität… vermutlich sehr stark von der Auflösung der Kamera abhängt? Dann gibt es einen weißen Rand, das ist einfacher zu drucken… und beide Seiten sind folienbeschichtet.
    Das ist doch schon mal was – vielen Dank!

  10. Toni
    schrieb am 18. August 2009 um 09:31 Uhr (#)

    @Martin: Die Schnappschüsse sehen ja wirklich gelungen aus, ich werde den Service auch unbedingt mal austesten müssen!

    Warum kam mein Trackback hier eigentlich nicht an?

    Grüsse Toni

  11. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 18. August 2009 um 12:40 Uhr (#)

    @Toni: Der Trackback war im Spamordner gelandet. Ich habe ihn freigeschaltet.

  12. olli
    schrieb am 18. August 2009 um 17:14 Uhr (#)

    Das gibt es auch auf deutsch:
    http://www.pokamax.de

  13. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 18. August 2009 um 17:46 Uhr (#)

    @ olli
    Bis auf die Tatsache, dass beide Dienste aus Fotos Postkarten machen, sehe ich da wenige Gemeinsamkeiten. Sprich: Die mobile Komponente (und um die geht es im Artikel) fehlt. Damit hat der Service vergleichsweise wenige Anwendungsszenarien.

  14. Bodenseepeter
    schrieb am 18. August 2009 um 19:39 Uhr (#)

    Ich schicke meinem Patenkind via iPhone von jeder meiner Reisen eine Postkarte mit Pokamax.

    Spontan sehe ich als Nachteil nur, dass man dort keine Handschrift senden kann (am iPhone eh fraglich), als Vorteil aber, dass die Dinger am Folgetag in Deutschland versendet werden, also zwei Tage später schon ankommen (sofern Empfänger in Deutschland ist).

    Der Preis liegt bei 1,80 Euro pro Karte, glaube ich.

    Welche Gemeinsamkeiten vermisst du, Martin? Hattest du übersehen, dass es Pokamax als App gibt?

  15. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 18. August 2009 um 19:44 Uhr (#)

    Mein erster Eindruck von Pokamax nach Betreten der Seite war der eines Homepagebaukastens. Habe ich den Dienst unterschätzt? Sehe nun auch, dass sie eine iPhone App haben… alles nicht gerade übersichtlich gestaltet.

    Die sollten in jedem Fall an ihrem Layout arbeiten.

    Danke für den Tipp olli und Bodenseepeter.

  16. Bodenseepeter
    schrieb am 18. August 2009 um 19:46 Uhr (#)

    Die Webseite habe ich eben zum ersten Mal gesehen. Mir reicht die App fürs iPhone, und die funktioniert gut.

  17. Antje
    schrieb am 19. August 2009 um 08:39 Uhr (#)

    Und was ist mit den Online-Kosten für das iPhone im Ausland?
    Ist das nicht teurer?

  18. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. August 2009 um 08:55 Uhr (#)

    Antje, ich habe die Karte über Postino verschickt, als ich gerade irgendwo WLAN hatte.

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