Soziale Netzwerke als Distributoren von Medieninhalten

Marcel Weiss, 12. August 2009 20:34 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Social Networks und ihre zunehmende Bedeutung für Online-Medienangebote.

Ein Phänomen, das man bereits seit einer Weile beobachten kann: Mit dem Aufstieg von Social Networks wie Facebook und Mikrobloggingdiensten wie Twitter entsteht eine neue Variante, wie Konsumenten online zu Medieninhalten finden. Statt auf Google und co. zu suchen oder die Startseite des Medienangebots anzusurfen, bekommt man die Inhalte von Freunden empfohlen. Im Grunde ist das die Perfektionierung des Linkversandes via Email. Auf Welt Online gibt es dazu einen guten Artikel:

Um die enorme Wirkung der Netzwerke zu verstehen, hilft eine einfache Frage: Wann fühlen sich Menschen eigentlich gut informiert? Für die meisten trifft in etwa diese Antwort zu: Wenn sie das Gefühl haben, mindestens den gleichen Informationsstand zu haben wie jene Menschen, die ihnen wichtig sind. Früher lasen Kollegen und Freunde in der Regel die gleiche Zeitung oder sahen die gleichen Sendungen. Also war es nötig, diese Medien zu kennen, um mitreden, also im sozialen Netzwerk bestehen zu können.

In den USA gibt es bereits erste Sites, wie etwa die von ‘Perez Hilton’, die mehr Traffic über Facebook als über Google erhalten. Angesichts des nach wie vor immensen Wachstums von Facebook dürfte hier noch viel passieren. Über diese ersten Anzeichen und die massiven Auswirkungen dieses Trends auf das Web hatte ich im März geschrieben.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Verleger rund um Hubert Burda gegen Google, das ihnen eigentlich hilft, vorgehen wollen und die Social Networks, die ihnen ebenfalls zumindest indirekt helfen, noch gar nicht auf dem Schirm haben. In absehbarer Zeit werden aber Twitter, Facebook und Co. die stärkeren Trafficlieferanten sein als Google News und die Google-Suche. Nach Burda-Logik müssten also auch die Social Networks abkassiert werden.

Sollte sie alle die wirre Idee des Leistungsschutzrechts für Medien treffen, könnte es dann für Deutschland vielleicht überall im Social Web so aussehen wie bei der Holtzbrincktochter studiVZ:

Die VZ-Familie macht die geposteten Links im Buschfunk, dem internen Statusfeed, und an anderen Stellen nämlich nach wie vor nicht anklickbar.

(Den Welt-Artikel habe ich natürlich über Twitter gefunden.)

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6 Kommentare

  1. tomrau
    schrieb am 13. August 2009 um 09:30 Uhr (#)

    Aus der jahrelangen Erfahrung von relenet – social networks als Anbieter von sozialer Netzwerk Software macht eben die Tatsache, dass die Inhalte von Freunden empfohlen werden soziale Netzwerke für die Wirtschaft interessant. Klassisches Marketing basiert darauf dem Kunden ein Produkt und dessen Vorzüge zu präsentieren und ihn zum Kauf zu “überreden”. Durch soziale Netzwerke gewinnen Empfehlungen eines Produktes, sei es nun ein Artikeln, ein Film, etc., an Glaubhaftigkeit. Was ein Freund empfiehlt ist für den Konsumenten interessanter als die Anpreisung irgendeines unpersönlichen Unternehmens. Firmen wie BMW mit ihrer Social Media Kampagne für den neuen X1 haben genau diese Strategie verfolgt.
    Burda hat offensichtlich das Prinzip von Social Media ebensowenig verstanden, wie die Associated Press. Diese war der Ansicht, dass Blogger und Nutzer sozialer Netzwerke für die unautorisierte Nutzung Ihrer Inhalte zahlen sollten. Sie hielt sogar ihre Mitarbeiter dazu an ihre Freunde auf unrechte Nutzung hin zu “überwachen”. Auf massive Proteste hin, hat AP inzwischen zurückgerudert.
    Die Verteilung von Inhalten ist ein grundlegender Teil von Social Media. Links in Facebook oder Twitter verweißen auf die Quelle der Inhalte und bieten damit kostenloses, glaubwürdiges Marketing für die Hersteller selbiger.

  2. Andre Hellmann
    schrieb am 13. August 2009 um 10:20 Uhr (#)

    Na dann werden die sozialen Netzwerke als nächstes von den Verlegern zur Kasse gebeten. Bin mir sicher, dass Burda schon einen FAZ-Artikel vorbereitet, in dem er facebook und Twitter auffordert, ihm seinen rechtmäßigen Anteil an den Erlösen zu überweisen. Oder ist er da gnädig, weil die ja auch noch kein Geld mit seinen Inhalten verdienen?

  3. Martin Meyer-Gossner
    schrieb am 13. August 2009 um 11:03 Uhr (#)

    Als langjähriger Publisher (und Blogger) kann ich sagen, daß das Lese(r)verhalten heute viel schwerer greifbar ist als noch vor zwei Jahren. Analysen zeigen mir, daß der eine direkt auf die Seite geht, der andere kommt durch Twitter, die nächsten über andere Social Networks wie Facebook, XING, LinkedIn und wieder andere durch RSS Reader… sowie zahlreiche, die noch auf die gute alte Dame ‘Email’ zählen. Eine gute Strategie, seine Medien-Inhalte zu verbreiten ist, erstmal zu schauen, wo die meisten Leser herkommen. Und dann nach und nach anzupassen. Viele versuchen derzeit, überall ihre Inhalte anzubieten für ein paar Klicks mehr. Ob das der richtige Ansatz ist… q.e.d. Sachdienliche und weiterführende Hinweise sind mehr als willkommen.

  4. direkteingabe
    schrieb am 13. August 2009 um 11:41 Uhr (#)

    Bei mir ist es bei vielen Artikeln bereits auch so, dass ich gleich viel oder sogar mehr Traffic über Facebook und Twitter als über Google erhalte.

    Denke, da ist noch enorm viel Potenzial – auch für private Blogs!

  5. bastian
    schrieb am 13. August 2009 um 13:15 Uhr (#)

    halte es da mit dem aktuellen Spiegel:
    nach Copyright jetzt Copyleft.
    Grenzen zu setzen, wo keine Exekutive wirklich greifen kann?

  6. Markus Hofmann
    schrieb am 17. August 2009 um 18:28 Uhr (#)

    Ich teile die These, dass die soziale Distribution in wenigen Jahren eine enorme Bedeutung für News-Sites haben wird. Bei unserem lokalen Freiburger Portal fudder ist der “soziale” Anteil des direkten Traffics aber noch überschaubar. Auf 99 User, die über Google kommen, kommen 1-2 User via Twitter und Facebook. Die Wachstumsrate ist aber durchaus beeindruckend!

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