Google gegen Facebook:
Die nächste Front im Netz

Mit der Übernahme von FriendFeed verdeutlicht Facebook, wie ernst es seinen Vorstoß in den Bereich der Publikationsnetzwerke nimmt. Und es wird endgültig klar, wo in den nächsten Monaten (oder gar Jahren) die Frontlinie im Internet verlaufen wird.

Die nächste Front im NetzSpätestens seit Montag wissen wir, wo in nächster Zeit die Frontlinie im Netz verlaufen wird: zwischen Google und Facebook. Zu Wochenbeginn gab Facebook die Akquisition von FriendFeed bekannt. Für fast 50 Millionen Dollar übernimmt Facebook den US-Dienst, seine zwölf Mitarbeiter und eine ganze Menge Know-how, um seine jüngst begonnene Mission erfolgreich abschließen zu können.

Facebook will nicht mehr nur ein soziales Netzwerk sein, über das Nutzer mit ihren Freunden und Bekannten kommunizieren, sondern nunmehr einen Großteil der Konversation im Web beherrschen – die zwischen Freunden, Familie, Kollegen, Fans, völlig Fremden und natürlich auch Unternehmen und Organisationen. Was Twitter begonnen und in den vergangenen Monaten zum Durchbruch verholfen hat, möchte Facebook mit seinen über 250 Millionen aktiven Mitgliedern weiterführen.

Mit dem Kauf von FriendFeed zeigt Facebook-Gründer und -CEO Mark Zuckerberg, dass er dieses Vorhaben mehr als ernst nimmt. FriendFeed vereint verschiedene innovative Funktionen, die Zuckerberg nun endlich ohne schlechtes Gewissen und ganz offiziell bei Facebook integrieren kann, um aus der einstigen sozialen Plattform einen globalen Kommunikationsdienst zu machen. Auch die seit Wochenbeginn verfügbare Echtzeitsuche geht in diese Richtung.

‘Social Web’-Dienste lassen sich grob in zwei Klassen einteilen: Kommunikations- und Publikationsnetzwerke. Facebook will fortan beides sein. Und wird bei diesem Vorhaben vor allem von einem Konkurrenten argwöhnisch beobachtet: Google.

Sollte es Facebook nämlich gelingen, diese Metamorphose zu durchlaufen - was keineswegs sicher ist - sähe sich Google als der große Verlierer. Denn auch wenn die Umsätze sozialer Netzwerke derzeit noch bescheiden ausfallen, werden sie sich im Angesicht von Medienkonvergenz und Digitalisierung zukünftig zu DER Werbeplattform schlechthin entwickeln. Schon heute können sich Marketer kaum mehr vorstellen, nicht auf Facebook vertreten zu sein.

Google jedoch kann es sich nicht leisten, der Konkurrenz in dieser wichtigen Frage den Vorzug zu lassen. Das Geschäftsmodell des Internetriesen basiert fast ausschließlich auf Onlinewerbung. Ob aber Suchwortvermarktung für alle Zeit eine derartige Cashcow bleiben wird, weiß man auch am Google-Sitz in Mountain View nicht mit Sicherheit.

Wenn Facebook seinen durchaus gewagten Umbau wirklich erfolgreich abschließen und damit unweigerlich noch mehr Aufmerksamkeit von Werbekunden auf sich ziehen sollte, wäre das für Google eine enorme Gefahr mit potenziell dramatischen Folgen.

Es wäre verwunderlich, wenn Google jetzt nicht um jeden Preis versuchen würde, verlorenen Boden gut zu machen, die Versäumnisse im Social Web- und Echtzeit-Bereich aufzuholen und Facebook damit das Leben so schwer wie möglich zu machen. Mit Spannung erwartete Dienste wie Google Wave oder Google Voice werden dem Unternehmen dabei sicher helfen. Und auch eine Übernahme von Twitter könnte erneut auf den Plan kommen.

Google und Facebook sind nicht die einzigen Kandidaten im Rennen um das nächste große Ding im Web. Vorläufig jedoch scheint es so, als bestünde hier für die nahe Zukunft die größte Reibungsfläche. Spannender könnte es in jedem Fall kaum sein.

(Foto: Flickr/Wolcott Leung, CC-Lizenz)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. In dem Zusammenhang auch noch erwähnenswert: Einer der grössten Investoren von Facebook ist Microsoft. Bing-Resultate erscheinen jetzt auch prominent in Facebooks neuer Suchfunktion. In diesem Konflikt hat Facebook also prominente Rückendeckung.

  2. Stimmt. Es wäre aber zu langweilig geworden, schon wieder das Bild “Google vs Microsoft” zu malen. Und mit seinen 1,6 Prozent ist Microsofts Anteil ja auch noch vergleichsweise geringe (wenn auch einen dreistelligen Millionendollar-Betrag schwer).

  3. Sehr guter Artikel. Ich bin gleicher Meinung auch bezüglich Microsoft vs. Goolge. Man stelle sich vor, dass in Zukunft Facebook Dienste anbieten könnte, die weit über die aktuellen Funktionen der Kommunikation hinaus gehen. Funktionen die heute Google mit aller Kraft entwickelt – die Microsoft aber schon lange bereit hat, sich aber nie getraut hat, Online wirklich breit verfügbar zu machen: Office. Facebook kennt die Online User und hat alle Möglichkeiten zusätzliche tolle Funktionen anzubieten.
    Die Frage ist wie lange wird Microsoft warten können, wollen. Ein zweites Yahoo, werden die Redmonter nicht noch mal wollen… ich könnte mir gut vorstellen, dass dies einer der nächsten Megadeals sein könnte – und dann heisst die Front wieder Microsoft vs. Google ;-)

  4. Was Microsoft fehlt, ist der “Web-Spirit”. Google hat ihn, Facebook hat ihn auch. Microsoft hatte und hat zwar einige erfolgreiche Onlinedienste (Messenger, MSN Portal, Hotmail), aber das eher aufgrund seiner Markenstärke, Werbe- und Finanzkraft sowie der Vermarktung mit bzw. Integration in andere Produkte.

    Ich glaube nicht, dass Microsoft in der Lage ist, eine ähnliche Web-DNA zu entwickeln, wie sie Facebook und Google besitzen.

  5. Ich frage mich immer, welche Rolle VoIP dann spielen wird. Und warum noch nicht einer der genannten drei Akteure (FB, G, MS) dort in einen entsprechenden Dienst investiert hat? Skype ist groß, spielt aber immer nur eine Nebenrolle.
    Den Artikel finde dich übrigens auch sehr gelungen. Googles zweite Front neben FB wird sich denn auch im Bereich der Mobile Apps auftun, Mobile Application Optimizing wird ein wichtiges Thema werden.

  6. John, Google ist mit Google Voice bereits im VoIP-Bereich dabei.

  7. Google hat die Chance mit Friendfeed leider verschlafen…

    Apropos, Tumblr gibts noch ;-))

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  3. [...] hat vor zwei Tagen die Neuigkeiten bei Facebook beschrieben und die kommende Frontlinie im Netz zwischen Google und Facebook skizziert – und wie auf Ansage lanciert auch Google neue Features, die in der Domäne von Facebook [...]

  4. [...] mit dem neuen Kauf von Facebook – FriendFeed eine Gefahr auf sich zukommen. Das nächste Kopf-an-Kopf Rennen wird also auch zwischen Google und Facebook [...]

  5. [...] Wenn aber die meiste Internetaktivität auf Facebook stattfindet, dann wird sich auch die Onlinewerbung dorthin verlagern. Hier setzt auch die netzwertig Theorie an, dass die nächste Front im Netz zwischen Google und Facebook verlaufe. [...]

  6. [...] Google gegen Facebook: Die nächste Front im Netz Mit der Übernahme von FriendFeed verdeutlicht Facebook, wie ernst es seinen Vorstoß in den Bereich der Publikationsnetzwerke nimmt. Und es wird endgültig klar, wo in den nächsten Monaten (oder gar Jahren) die Frontlinie im Internet verlaufen wird. [...]

  7. [...] Google gegen Facebook: Die nächste Front im Netz » netzwertig.com Mit der Übernahme von FriendFeed verdeutlicht Facebook, wie ernst es seinen Vorstoß in den Bereich der Publikationsnetzwerke nimmt. Und es wird endgültig klar, wo in den nächsten Monaten (oder gar Jahren) die Frontlinie im Internet verlaufen wird. [...]

  8. [...] und damit bereits angedeutet, dass es sich Facebook und Twitter nicht kampflos ergeben wird. Was ich im August schrieb, bewahrheitet sich: Es wäre verwunderlich, wenn Google jetzt nicht um jeden Preis versuchen würde, verlorenen Boden [...]

  9. [...] und Google gelten schon seit einiger Zeit als Konkurrenten. Dabei ging es bisher jedoch weniger um die tatsächlichen Aktivitäten der beiden [...]

  10. [...] immer mehr in die Quere kommen).Im August 2009 bezeichneten wir den Kampf Google gegen Facebook als die nächste Frontlinie im Netz. Zwei Jahre später stehen sich beide Unternehmen mit verbissener Miene gegenüber. Wir erinnern [...]

  11. [...] gegenseitig (Dezember 2008)studiVZ-Übernahme durch Facebook: Abschied von einer Idee (März 2009)Google gegen Facebook: Die nächste Front im Netz (August 2009)Neue Offenheit: Facebook testet seine Grenzen aus (Dezember 2010)Wiederholungstäter: [...]