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Facebook kauft FriendFeed

Martin Weigert, 10. August 2009 21:14 Uhr, 14 Kommentare Kommentare

Für fast 50 Millionen Dollar übernimmt Facebook das US-Startup FriendFeed. Ob dessen Angebot langfristig als eigenständiger Dienst bestehen bleiben wird, ist fraglich.

Facebook kauft FriendFeed
Facebook kauft FriendFeed
Facebook hat überraschend das US-Startup FriendFeed übernommen, einen Liebling der Webszene. Das berichtet TechCrunch und veröffentlicht gleichzeitig Facebooks offizielle Pressemitteilung. Auch gibt es bereits ein Interview mit zwei der FriendFeed-Gründer. Laut Wall Street Journal beträgt der Kaufpreis knapp 50 Millionen Dollar: 15 Millionen in bar, der Rest in Form von Aktien.

FriendFeed wird laut Bericht vorerst unverändert weiterbestehen, bis die “langfristigen Pläne für das Produkt definiert worden sind”. Wer zwischen den Zeilen liest, könnte hier womöglich bereits das Ende des populären Lifestreaming-Dienstes kommen sehen.

Alle zwölf FriendFeed-Angestellten wechseln zu Facebook, dem weltweit größten Social Network außerhalb Chinas. Dem Anschein nach ging es Facebook hauptsächlich um das Team und weniger um die Technologie.

Als Lifestreaming-Anbieter ermöglicht es FriendFeed Usern, all ihre Webaktivitäten auf einer einzigen Seite zu aggregieren. Im Mai 2008 stellte Marcel den Service ausführlich vor.

Zwischen Facebook und FriendFeed gab es stets einen regen “Inspirationsaustausch”, was neue Features betrifft – meist war es Facebook, das sich von dem Startup inspirieren ließ. Auch konzentrierten sich beide Dienste in der letzten Zeit stark auf das angesagte Echtzeitweb – so sehr, dass sich einige ihrer Funktionen immer ähnlicher wurden.

Wie kein anderer Social-Web-Anbieter sah sich FriendFeed jedoch mit dem Dilemma konfrontiert, vom harten Kern der Blog- und Twitter-Gemeinde geliebt, aber vom gemeinen Nutzer verschmäht zu werden. Im Januar verzeichnete der Service laut ComScore knapp eine Million Unique Visitors.

Für Facebook, das noch keine schwarzen Zahlen schreibt, ist dies die zweite Akquistion nach der eher gering dimensionierten Übernahme von Parakey vor zwei Jahren.

Robert Scoble, amerikanischer Vorzeige-Geek und bekanntester FriendFeed-Fürsprecher, findet die Übernahme gut und sieht in ihr einen Gewinn für beide Parteien.

Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es FriendFeed auch auf Deutsch. Hierzulande konkurriert der US-Dienst mit lifestream.fm sowie zum Teil mit myON-ID.

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14 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 10. August 2009 um 21:49 Uhr (#)

    Durchaus nett für die FriendFeed-Gründer. In diesen Zeiten ist auch ein relativ unglamouröser Exit besser als gar keiner. Und wenn man auch noch nichts über die Bewertung weiss, hat es sich vermutlich für alle Beteiligten einigermassen gelohnt.

    Nur: Wenn eine Firma in dieser Phase (12 Angestellte, recht wenig Traffic und auch kaum starkes Wachstum, kein sichtbares Businessmodell) gekauft wird, ist es mehr eine Gruppen-Anstellung eines Teams talentierter Leute als ein echter Firmenkauf.

    Facebook hat ja schon bisher alle Featureideen von FriendFeed kopiert und hätte das auch weiterhin locker tun können. Wegen der paar User von FriendFeed (mit vermutlich 100% Übereinstimmungsquote mit Facebook-Accounts) hätte man die Firma sicher nicht kaufen müssen. Aber FriendFeed hat ohne Zweifel ein exzellentes Engineering-Team, und darum ging es wohl. Nur ist dieses Resultat (bisschen Geld, schöne Jobs im mittleren Facebook-Management) wohl von den ursprünglichen Träumen der FriendFeed-Gründer weit entfernt.

    Anders gesagt: Die Konsolidierungswelle bei Social Media hat definitiv richtig eingesetzt.

  2. Daniela
    schrieb am 10. August 2009 um 22:10 Uhr (#)

    FriendFeed hat ohne Zweifel ein exzellentes Engineering-Team

    Nee, die haben lediglich das umgesetzt was die User wollten und wovor sich Facebook monatelang gedrückt hat.

  3. oki
    schrieb am 10. August 2009 um 22:18 Uhr (#)

    Der Witz ist aber, das eben diese Konsolidierungwelle im Social Media Bereich im krassen Widerspruch zum Zweck von FriendFeed steht – eben viele Dienste zu aggregieren.
    Tja, wenn bald nur noch wenige übrig sind, gibt es nichts mehr zu aggregieren ;)

    Soviel zu diesem ganzen Lifestreaming Hype.
    Ne weitere Blase macht *puff*

  4. Timm Schoof
    schrieb am 10. August 2009 um 22:27 Uhr (#)

    Hmm, ein Schwachpunkt von Friendfeed war tatsächlich die geringe Nutzerzahl abseits der wirklichen Digital Natives. Das könnte Facebook ändern.

    Ich halte die Übernahme in jedem Fall für eine große Chance. Hoffentlich wird sie richtig genutzt.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. August 2009 um 22:35 Uhr (#)

    @ Andreas
    Gut vermutet. Das geht auch aus dem Interview mit TechCrunch (oben verlinkt) hervor.

    @ Timm
    Wer weiß, ob FriendFeed wirklich weiterbestehen wird. Wenn sich die Mitarbeiter fortan bei Facebook einbringen, dürfte für FriendFeed wenig Zeit übrig bleiben.

  6. Robert S.
    schrieb am 10. August 2009 um 22:45 Uhr (#)

    Facefeed?!

  7. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 10. August 2009 um 22:47 Uhr (#)

    @Martin: Ziemlich sicher werden sie FriendFeed noch einige Zeit weiterlaufen lassen, um niemanden zu erschrecken, aber neue Funktionalität nur noch auf Facebook anbieten. Und damit werden dann mit der Zeit fast alle User umstellen. Oder zur nächsten Early-Adopter-Plattform weiterziehen, was auch immer die sein wird (Ideen??).

    Bleibt nur die Frage, wie lange die FriendFeed-Leute es bei Facebook aushalten und wie viel Einfluss sie haben werden. Die naturgesetzliche Konstante für akquirierte Gründer liegt etwa bei 18 Monaten Verweildauer…

  8. Waldemar
    schrieb am 10. August 2009 um 23:28 Uhr (#)

    Man kommt zukünftig offenbar nicht mehr um Facebook herum.

  9. Matthias
    schrieb am 11. August 2009 um 00:48 Uhr (#)

    @Waldemar

    Da scheint wirklich etwas dran zu sein.

    Mir persönlich verschließt sich der Nutzen von Facebook & Co. noch immer, aber ich glaube die Jungs von Facebook wissen ganz genau, was sie mit den Nutzerdaten vorhaben.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 11. August 2009 um 03:37 Uhr (#)

    Interessant, dass jetzt auch ein paar der finanziellen Deals bekannt geworden sind.

    Benchmark Capital war die einzige VC-Firma, die involviert war. Vermutlich haben die 2007 so $3 Mio. investiert. Wenn sie eine 2x Liquidation Preference haben (waere etwa typisch), behalten sie also $6-7 Mio. (oder etwas mehr) von dem Cash, und die Gruender/Angestellten teilen sich die restlichen ca. $8-9 Mio. Nicht uebel, aber der individuelle Anteil reicht in Silicon Valley gerade mal fuer eine Anzahlung an ein anstaendiges Haus.

    So richtig interessant wird es dann erst, wenn Facebook mal einen Exit landet und die FriendFeed-Leute ihre Facebook-Aktien verkaufen koennen. Aber da die Aktien jetzt zu angeblich $6.5 Mia. Bewertung ausgegeben wurden, muesste das schon ein sehr, sehr grosser IPO sein, damit die Kollegen da nochmal wirklich viel verdienen.

  11. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. August 2009 um 10:28 Uhr (#)

    So sehe ich das auch. Verlierer dürften vermutlich loyale FriendFeed-Nutzer sein. Aktuell kann ich mir nicht vorstellen, den von mir aggregierten Content in dieser Form bei Facebook zu importieren. Dafür unterscheiden sich die Einsatzfelder beider Dienste (für mich) zu sehr. Aber mal sehen, was Facebook drauß macht.

  12. Reinhold
    schrieb am 11. August 2009 um 17:40 Uhr (#)

    @Matthias
    Eine Hand wäscht eben die andere. Social Media ist vielen Leuten wichtig für Kontaktpfelge und Selbstpresentation.
    Das Facebook im Austausch für eine kostenlose Dienstleistung
    die Benutzerdaten verwaltet und für Werbung verwendet ist halt die andere Seite der Medaille…
    Es gibt eben nichts umsonst!

  13. Frank Kratzig
    schrieb am 12. August 2009 um 06:35 Uhr (#)

    Seid ihr nun auf der Gehaltsliste von myON-ID, oder wieso musste man die unbedingt noch in den Artikel reindrücken?

  14. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. August 2009 um 08:48 Uhr (#)

    Frank, wenn Facebook einen Dienst für 50 Mio übernimmt, der dann womöglich irgendwann eingestellt wird, ist es für einige Leser durchaus interessant zu erfahren, welche anderen Services in eine ähnliche Richtung gehen. Und ein Fokus von uns liegt nun mal auf Diensten aus dem DACH-Raum.

    Wie man da auf einen solchen Schluss kommen kann, ist mir schleierhaft.

    Davon abgesehen: Wenn irgendwer auf unserer “Gehaltsliste” steht, dann machen wir das ordnungsgemäß mit einem Disclaimer deutlich. Und ungeachtet dessen gilt in jedem Fall die redaktionelle Unabhängigkeit.

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