Apple und Spotify:
Das perfekte Team

Martin Weigert, 29. Juli 2009 12:45 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

Spotify hofft, dass seine lange erwartete Applikation für das iPhone von Apple zugelassen wird. Als iTunes-Konkurrent stehen die Chancen nicht gut. Das wäre schade, denn eigentlich passen Apple und Spotify gut zueinander. So gut sogar, dass sie gemeinsam viel erreichen könnten.

Spotify
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Am Montag gab der viel gelobte und in Deutschland bisher nicht verfügbare Musikstreaming-Dienst Spotify bekannt, dass die von Fans (und auch von mir) lange ersehnte iPhone-Applikation nun auf die Freigabe von Apple wartet. Die Begeisterung über diesen Schritt des mittlerweile fünf Millionen Nutzer zählenden Streaminganbieters war groß. Und das, obwohl fragwürdig ist, ob Apple die Anwendung tatsächlich auf seine Smartphones loslassen wird. Immerhin bietet das Unternehmen mit dem iTunes Music Store ein handfestes Konkurrenzprodukt.

Während man im Stockholmer Spotify-Hauptquartier zuversichtlich zu sein scheint, alle Anforderungen von Apple erfüllt zu haben und grünes Licht zu bekommen, habe ich mir genauer Gedanken über das zukünftige Verhältnis von Spotify und Apple gemacht.

Die P2P-Software des Startups wird gerne als Cloud-Version von iTunes bezeichnet. Genau das fehlt Apple Chef Steve Jobs bisher.

Zwar läuft es für seinen Musikshop gut, doch geht ihm mit jedem neuen Spotify-Anwender potenziell ein Musikliebhaber durch die Lappen – entweder als verlorener bzw. nicht gewonnener iTunes-Kunde oder aber zumindest als Konsument, der weniger Geld und/oder Zeit mit dem Download von Titeln bei iTunes verbringt, weil er stattdessen verstärkt Spotify nutzt.

Apples iTunes und Spotify sind nicht nur Wettbewerber, sondern bei näherem Hingucken eine perfekte Kombination: Nicht nur ist Spotify von vorn herein für den Einsatz auf Apple-Geräten optimiert und darf sich über ein ähnlich cooles und junges Image freuen, sondern es bietet genau das, was iTunes nicht hat.

Apple und Spotify ergäben das ultimative Dream Team, das für jedes digitale Musikkonsumverhalten die passende Lösung hat: DRM-freie Downloads für User, die Songs und Alben besitzen wollen. Eine kostenpflichtige Flatrate für unbegrenztes Streaming von Millionen von Songs (= Spotify Premium) über stationäre als auch mobile Geräte sowie – für alle Gratisfreunde – eine kostenlose, in ihrem Funktionsumfang eingeschränkte Version, die durch Werbung finanziert wird.

Ja, das riecht etwas nach Kannibalisierung. Aber nur etwas. Apple hätte durch eine Akquisition von Spotify immerhin die Möglichkeit, aus einem Konkurrenten einen Kompagnon zu machen und dessen weitere Strategie zu bestimmen. Zudem ist der Markt für digitale Musik noch weit weg von einer Sättigung, weshalb auf lange Sicht sowohl Download- als auch Streaming-Modelle wachsen können, ohne sich in die Quere zu kommen.

Auch ist das schwedische Startup auf einem guten Weg, durch Zusatzfunktionen wie die erwähnte iPhone-Anwendung das 10-Euro-Premium-Angebot selbst denen schmackhaft zu machen, die bisher große Zahlungsverweigerer waren.

Das große Problem bei einer solchen, zum aktuellen Zeitpunkt rein spekulativen Verbindung wären die Plattenfirmen, die ohnehin ihre Probleme mit Apples Dominanz im Markt für legale Downloads haben.

Dass Labels eine Übernahme abnicken würden, erscheint vom heutigen Standpunkt aus kaum vorstellbar. Google hätte da wahrscheinlich bessere Karten. Was dem Internetgiganten aber fehlt, ist die Kreativität, Lebensfreude und Liebe zum Detail, die Apple versprüht. Und mit der Spotify der ideale Partner wäre.

(Danke an Marcel und Markus für die Diskussion zum Thema)

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10 Kommentare

  1. beetFreeQ
    schrieb am 29. Juli 2009 um 16:15 Uhr (#)

    Ich hoffe, es kommt nie zu einer Übernahme von Spotify durch Apple. Das würde nämlich mit ziemlicher Sicherheit bedeuten, dass die Software zum Einen in das eh schon träge und nervige iTunes eingebaut wird und zum Anderen vermutlich nur noch iPhone/iPod-Besitzer in den Genuss der mobilen Version kommen werden. Derzeit sind ja glücklicherweise auch Versionen für Android, Symbian und Windows Mobile in Arbeit!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 29. Juli 2009 um 16:20 Uhr (#)

    Den Schluss ziehe ich nicht. iTunes gibt’s ja auch nicht nur für den Mac.

    Eine solche Software dann nicht mehr auf andere Plattformen zu bringen, würde bedeuten, das eigene Wachstumspotenzial zu beschneiden.

  3. beetFreeQ
    schrieb am 30. Juli 2009 um 09:05 Uhr (#)

    Gut, das stimmt wohl. Allerdings kann man meiner Meinung nach iTunes als Musik-Software für Dekotop-Computer auch nicht ganz mit dem mobilen Spotify für Handys/MP3-Player vergleichen. Während iTunes sicher den Großteil seines Umsatzes durch die einfach weit größere Anzahl an Windows-PCs gegenüber den Macs macht, gewinnt das iPhone dank des Hypes immer mehr Marktanteile auf dem Handymarkt – und da könnte Spotify noch ein wichtiger Kaufgrund sein, wenn man die Premium-Variante z.B. gleich mit in den Vertrag einbindet.

    Das sind aber nur meine Gedankengänge – ob die entsprechenden Leute bei Apple ähnlich denken würden, oder meine Idee völlig am Marktpotential vorbei geht, weiß ich nicht…

  4. Ruben
    schrieb am 30. Juli 2009 um 15:32 Uhr (#)

    Ich sehe das größte Problem in der starken Segmentierung des Musikmarktes. D.h. dass das Spotify-Konzept nur dann verknüpft Sinn macht, wenn es eine große Benutzerbasis hat. Und solange es Spotify nur in ausgesuchten Ländern gibt (z.B. nicht in Deutschland und USA) ist es weder für Google noch Apple sinnvoll, mit Spotify zu kooperieren.
    Ich sehe die Zukunft auch bei einem Konzept welches Spotify gerade verfolgt. Und ich warte sehnsüchtig auf das Premium Angebot in Deutschland.

  5. beetFreeQ
    schrieb am 30. Juli 2009 um 17:37 Uhr (#)

    Spotify Premium war in Deutschland ja sogar schonmal verfügbar und alle, die sich damals angemeldet haben, können Spotify auch noch nutzen (zumindest läuft’s bei mir noch super und es werden auch regelmäßig die 9,99€ abgebucht). Seltsamerweise ist aber die Neuanmeldung seit einiger Zeit nicht mehr möglich. Warum das so ist, war aber bisher wohl nicht herauszubekommen, zumindest gab’s auf entsprechende Anfragen keine Antwort.

  6. Jutta
    schrieb am 31. Juli 2009 um 08:22 Uhr (#)

    Sehr schöne Präsentation!Gut gemacht.Danke für diesen Artikel und die schöne Tipps.Bin mal gespannt.

  7. Thomas
    schrieb am 3. August 2009 um 12:52 Uhr (#)

    iTunes war für Apple immer nur ein Instrument die eigenen Geräte zu promoten und nie ein besonderer Umsatzbringer, im Gegenteil. Die Spotify App auf dem iPhone erfüllt denselben Zweck, sie macht das Gerätz attraktiver und das ist wichtiger als die eventuell verlorenen Umsätze im iTunes Store. Es würde mich sehr wundern, würde die App nicht zugelassen.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 8. August 2009 um 18:15 Uhr (#)

    @ beetFreeQ
    Ja das ist sehr seltsam, leider haben wir dazu von Spotify auch keine Stellungnahme bekommen.

    @ Thomas
    Ja, die App macht das iPhone definitiv attraktiver. Hoffen wir, dass Apple das ebenfalls so sieht.

    @ Alle
    Gab heute einen interessanten Artikel bei der schwedischen Wirtschaftszeitung DI.se. Demnach machen Universal und Sony Music in Schweden mittlerweile mehr Umsatz mit Spotify als mit iTunes.

  9. che
    schrieb am 18. August 2009 um 00:05 Uhr (#)

    Google liefert mit seinem Android eine offene Plattform die auch gegen Apple eine gute Figur macht. Apple bleibt am Ende das Hypes eine kleine Nische, das Gros des Marktes wird auf der offenen Android Plattform ohne Gängelung stattfinden. Auch Spotify hat schon den Sprung zu Android gemacht, Apple hat hier wie erwartet den Markt dichtgemacht.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 18. August 2009 um 08:42 Uhr (#)

    Na da greifst du der Entwicklung etwas vor. Spotify auf dem iPhone wurde noch nicht von Apple abgelehnt, und die Android App gibt es auch noch nicht.

    Dass Google es mit Android gegen das iPhone so leicht haben wird, wie du es beschreibst, glaube ich nicht. Den meisten Kunden ist es ziemlich egal, ob eine Plattform offen ist oder nicht. Die wollen ein sexy Produkt.

    Zudem sollte es in unser aller Interesse sein, dass Google nicht auch noch im mobilen Bereich eine Vormachtstellung einnimmt. Schon allein das Wettbewerbes wegen.

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