Mobile Social Networks:
foursquare begeistert die
US-Webgemeinde

Martin Weigert, 26. Juli 2009 13:56 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Meinungsführer und Kenner der US-Tech-Szene äußern sich gehäuft begeistert vom jungen mobilen Social Network foursquare. Mit seiner spielerischen Komponente animiert der Dienst zum Wettkampf mit den eigenen Kontakten um die “Herrschaft” an seinen Lieblingsorten. Schon ist vom “nächsten Twitter” die Rede.

foursquare
foursquare
Mobile, GPS-basierte Dienste sind die nächste Evolutionsstufe sozialer Netzwerke. Je intensiver wir Smartphones nutzen und je häufiger wir mit ihnen online sind, desto mehr Nutzen haben wir davon, zu wissen, welche unserer Freunde gerade in der Nähe sind, schon einmal beim Asiaten um die Ecke essen waren oder einen heißen Tipp haben, welcher naheliegende Club am Samstagabend die beste Musik bietet.
.

Während das Thema “Location Based Services” (LBS) von den traditionellen Netzwerken wie Facebook, MySpace oder studiVZ bisher vollkommen vernachlässigt wird, buhlen eine ganze Reihe junger Startups um die wachsende Zahl interessierter Anwender. Zu den international bekanntesten gehören Loopt, Brightkite und Googles Latitude. Aus Deutschland kommen unter anderem aka-aki und Qiro. Eine echter Durchbruch ist bisher jedoch niemandem gelungen.

Wenn aber US-amerikanische Meinungsführer und Über-Geeks in kurzer Zeit gehäuft von einem neuen mobilen Social Network schwärmen und es gar als potenziell nächstes Twitter bezeichnen, dann sollte man genau hinhören: foursquare heißt der Service, über den ich das erste Mal vor einer Woche im Blog von Tech Investor Fred Wilson las. Nicht nur er mag das Konzept des jungen Startups, sondern auch MG Siegler von TechCrunch. Bei Mashable hält man foursquare für das nächste große Ding nach Twitter.

Ähnlich wie bei den meisten anderen auf LBS basierenden sozialen Netzwerken kann man sich bei foursquare, das über eine mobile Site oder eine iPhone-Applikation genutzt wird (Blackberry-App ist in Planung), an beliebigen “Orten” einchecken. So zeigt man seinen foursquare- sowie Twitter-Freunden, wo man sich gerade befindet und bekommt einen Überblick darüber, wo diese sich momentan aufhalten.

Wer zu einem bestimmten Ort etwas zu sagen hat, kann Tipps hinterlassen, die seine Kontakte beim Einchecken zu sehen bekommen. So lässt sich ganz einfach das beste Gericht im angesagten Restaurant oder das preisgünstigste Getränk in der Lieblingsbar weiterempfehlen.

foursquare auf dem iPhone
foursquare auf dem iPhone
Der entscheidende Unterschied von foursquare zur Schar andererer mobiler Social Networks ist die zusätzliche spielerische Komponente. Für das Einchecken an Orten erhalten User Punkte. Ab einer bestimmten Punktezahl verteilt foursquare Abzeichen, und wer innerhalb einer Woche am häufigsten an einem bestimmten Ort eingecheckt hat, wird zum “Mayor” gekürt. Was sich wenig motivierend anhört, scheint nach den Aussagen der US-Blogger bei tatsächlicher Nutzung zu einem richtigen Wettkampf zwischen Freunden und einem ordentlichen Suchtfaktor zu führen.

Einige Gastronomen haben bereits das Geschäftspotenzial von foursquare entdeckt und verteilen beispielsweise Gratisgetränke an den aktuellen “Mayor” der jeweiligen Bar. Immerhin hat sich dieser als loyaler Stammkunde erwiesen, der mit großer Wahrscheinlichkeit als Türöffner für Neukunden fungiert.

Nutzer im D-A-CH-Raum können foursquare leider noch nicht aktiv verwenden: Als einzige europäische Stadt wird derzeit Amsterdam unterstützt. Auch bleibt abzuwarten, ob der Aspekt des Wettkampfs um Abzeichen und Punkte die amerikanische Webgemeinde tatsächlich langfristig bei Stange halten kann.

In jedem Fall aber werden LBS irgendwann wie eine Bombe einschlagen. Sofern foursquare seine Verfügbarkeit für weitere Städte sowie auf mobilen Geräten erweitert (z.B. durch eine Android-App), den initialen Hype noch verstärken kann und Facebook oder Twitter nicht bald selbst in den Ring springen, stehen die Chancen nicht schlecht, eine führende Rolle bei LBS-Netzwerken einzunehmen.

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5 Kommentare

  1. thorsten
    schrieb am 26. Juli 2009 um 19:03 Uhr (#)

    Meiner Erfahrung nach haben die Spielerischen Komponenten den Nachteil, dass sie am Anfang gut Motivieren aber langfristig den Menschen zu anstrengend sind.

  2. Dirk
    schrieb am 27. Juli 2009 um 13:16 Uhr (#)

    Die Amerikaner mögen foursquare, die Japaner lieben Twittori ;) http://www.twittori.com

  3. Das Wort
    schrieb am 27. Juli 2009 um 15:15 Uhr (#)

    Alles was auf Basis von Städten bzw. Lokalen gegebenheiten basiert hat und wird in Zukunft immer mehr Erfolg haben, da die Menschen das Bedürfnis haben zu erfahren und wissen was rund um sie passiert.

  4. andy lenz
    schrieb am 27. Juli 2009 um 16:47 Uhr (#)

    foursquare klingt echt spannend. mit aka aki und brightkite bin ich nie wirklich in die hufe gekommen. zu wenig bekannte in meinem umfeld hatten ein iphone, eine datenflat oder lust auf tests.

    bin mir auch ziemlich sicher, dass durch iphone, android bzw. die schnell wachsende smartphone und netbook verbreitung lokation bases services nun deutlich an fahrt gewinnen werden.

    das es noch keinen VC gibt, der sich auf microlokale apps und services bzw. auf microcommunitys spezialisiert hat. kann ja eigentlich nur steil gehen das thema ;)

  5. Marius
    schrieb am 28. Juli 2009 um 12:06 Uhr (#)

    Ich denke, derartige Services sind langfristig durchaus interessant. wichtig ist nur, dass relativ schnell eine breite Nutzerschaft erreicht wird, genau wie es generell ja bei allen sozialen Netzwerken der Fall ist.

    Ich habe vor einer Weile mal die iPhone App nearby getestet, bei der man Orte taggen kann und diese dann auf der Karte als mit einer Notiz versehen angezeigt werden. Das Programm ist für mich nur einfach total nutzlos, weil es in meiner Gegend kein Mensch zu nutzen scheint.

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