Google Voice:
Die Revolution der Telefonie

Google Voice ist ein kostenloser, webbasierte Telefonmanager. Unter dem Motto “Eine Nummer für alle deine Telefone, für immer” hat der bisher nur in den USA verfügbare Dienst das Zeug, die Telefonie zu revolutionieren – und könnte eines Tages Skype gefährlich werden.

Google Voice
Google Voice

In der Folge der Wirtschaftkrise scheint es, als ob sich junge Webdienste immer seltener den Luxus eines ausgiebigen “Stealth mode” oder einer langen, geschlossenen Beta-Phase gönnen und stattdessen schnellstmöglich einer großen Benutzerzahl Zugang gewähren wollen. Die Konsequenz für Web-Enthusiasten wie uns ist, dass es nur noch wenige Services gibt, auf die wir sehnsüchtig warten und bei denen wir uns auf den Tag freuen, an dem wir eine Einladung zur Testphase erhalten.

Aber zum Glück gibt es Google. Nicht nur das Chrome OS und die neuartige Kommunikations- und Kollaborationsplattform Wave stehen dort in der Pipeline, sondern auch der Telefonmanager Google Voice. Wenn es einen Onlinedienst gibt, auf dessen Launch ich persönlich ungeduldig warte, dann ist es dieser. Bisher ist Google Voice lediglich auf Einladung und nur in den USA verfügbar.

Google Voice basiert auf dem im Sommer 2007 für kolportierte 50 Millionen Dollar übernommenen Telefondienstleister GrandCentral.

Im März diesen Jahres schloss der kalifornische Internetriese die Integration von GrandCentral in das eigene Produktportfolio ab und gab den offiziellen Startschuss für Google Voice.

Nutzer von Google Voice erhalten eine einzige Telefonnummer, die sie mit Hilfe von Regeln je nach Anrufer an das private, dienstliche oder mobile Telefon weiterleiten und über eine Google Mail ähnliche Weboberfläche verwalten können. Neben zahlreichen Funktionen zum bequemen Steuern und Feinabstimmen des persönlichen Gesprächsmanagements bietet Google Voice einen Anrufbeantworter, der hinterlassene Nachrichten nicht nur in Ton- sondern auch in Textform darstellt.

Gespräche werden über das Webinterface eingeleitet. Google ruft dann eines der persönlichen Telefone an und verbindet es mit dem gewünschten Gesprächspartner. Telefonate lassen sich auf Wunsch aufzeichnen. Auch Konferenzen und SMS-Versand sowie -Empfang werden unterstützt. Google Voice ist nicht nur kostenlos, sondern bietet in der USA außerdem kostenfreie Anrufe einheimischer Nummern. Für internationale Telefonate fallen geringe Gebühren an, die denen von Skype, JAJAH oder Truphone ähneln.

Weboberfläche von Google Voice (Quelle: ReadWriteWeb)
Weboberfläche von Google Voice (Quelle: ReadWriteWeb)
Einen großen Schritt macht Google Voice mit der anstehenden Veröffentlichung von Applikationen für Android-Smartphones und Blackberry. Besitzer dieser Geräte können über die Anwendung direkt auf die wichtigsten Google Voice-Funktionen zugreifen und bei ausgehenden Telefonaten ihre Google Voice-Nummer anzeigen lassen. Eine iPhone-App ist in Planung.

Um Nutzern, die einen Invite ergattern konnten, den Einstieg so leicht wie möglich zu machen, arbeitet Google derzeit an Lösungen, existierende Nummern von anderen Providern zu transferieren. Erste Tests dazu laufen zwar bereits, aber bis auf weiteres müssen sich User damit abfinden, von Google eine neue Nummer zugeteilt zu bekommen.

Auch wenn mit dem Einsatz von Google Voice einmal mehr ein Batzen persönlicher Informationen an den Webgiganten aus Mountain View ausgeliefert wird und die Notwendigkeit, allen Kontakten die persönliche Google Voice-Nummer kommunizieren zu müssen, zusätzlichen Aufwand bedeutet, handelt es sich bei dem webbasierten Telefonmanager um ein ein beeindruckendes Produkt, welches endlich Ordnung, Struktur und Effizienz in den Gesprächsalltag bringt.

Entgegen anderslautender Gerüchte plant Google offenbar, Voice vorerst weiterhin nur auf Einladung zugänglich zu machen. VoIP-Anbieter wie Skype müssen sich somit im Moment keine Sorgen machen, von Google in Bedrängnis gebracht zu werden. Langfristig aber ist Voice definitiv eine Bedrohung für alle Unternehmen, die im Markt der digitalen Telefonie tätig sind. Skype beispielsweise wäre daher gut beraten, sein Angebot noch stärker in die Richtung des “Unified Messagings” zu bewegen. Eine Browservariante könnte ein Anfang sein.

Ab wann Europäer Zugang zu Google Voice erhalten, ist bisher unklar.

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21 Kommentare

  1. Philipp
    schrieb am 16. Juli 2009 um 12:07 Uhr (#)

    Ein großes Problem für die Portierung nach Europa ist die unterschiedliche Gebührenstruktur in den USA. Dort beginnen alle Nummern mit einer Ortsvorwahl, daher sind Mobilnummern nicht von Festnetznummern zu unterscheiden. Das bedeutet in der Praxis, dass Gespräche auf Mobiltelefone vom Empfänger bezahlt werden müssen und der Anrufende meist keine Kosten hat. Es ist somit einfach, Anrufe weiter zu leiten (vor allem aufs Mobiltelefon), da die Kosten nicht vom Anbieter (in diesem Fall Google) gezahlt werden müssen (da FN-Anrufe de facto umsonst sind), sondern der Nutzer selbst die Kosten trägt.

    Nur so ist das Modell von Grand Central möglich, denn das Routing der Anrufe ist auf Kostenseite trivial. Die zusätzlichen Services wie call transcription und Voicemailing können einfach von der bestehenden Infrastruktur erledigt werden (ich denke, es ist eine Art erweitertes gMail) – ohne, dass riesige Kosten entstehen.

    In Europa würden die Weiterleitungskosten aufgrund der Gebührenstruktur immens höher sein. Da ein weitergeleiteter Anruf mehrmals gezahlt werden muss (da jede Weiterleitung einzeln kostet, evtl. sogar jeweils in Höhe eines Handy-Anrufes), kann Google den Service nicht in gleichem Umfang anbieten. Es wäre ebenso problematisch, wenn der Nutzer selbst die Kosten tragen müsste – jeder weiter geleitete Anruf auf ein Mobiltelefon würde Kosten verursachen.

    Da die Carrier die Transferpreise zwischen den Netzen festlegen, ist hier leider auch keine Besserung zu erwarten. Google könnte höchstens relativ niedrigere Preise anbieten (wie z.B. Skype-Anrufe auf Mobil oft günstiger sind als vom Telefon), das grundlegende Problem ist jedoch nicht oder nur extrem schwer zu beseitigen.

    Daher wird es wohl noch dauern, bis wir ein solches Modell zu einem ähnlich niedrigen Preis oder gar kostenfrei hier erwarten können.

  2. Patrick Stähler
    schrieb am 16. Juli 2009 um 14:44 Uhr (#)

    Ich habe gestern eine Einladung bekommen. Aber da ich nicht in Amerika wohne, kam bei der Anmeldung eine Meldung, dass der Service nicht in meinem Land (Schweiz) angeboten wird.

    Schade. Hätte es gerne mal ausprobiert, insbesondere da man als Unternehmer überall und nirgends ist.

  3. hathead
    schrieb am 16. Juli 2009 um 17:05 Uhr (#)

    Wir haben in deutschland bereits ähnliche Services. Weil sie nicht aus dem Hause Google kommen, werden Sie natürlich auch nicht in der Webgemeinde zur Kenntnis genommen. Mir fallen spontan zwei Anbieter ein: 1. AdConverse, die eine ziemlich ausgepfeilte Routingmaschine besitzen. 2. Telias die einen anderen Fokus haben.

  4. mds
    schrieb am 16. Juli 2009 um 18:07 Uhr (#)

    Kostenlos? Und wie finanziert sich der Dienst?

  5. ysamjo
    schrieb am 16. Juli 2009 um 19:09 Uhr (#)

    Und wieder einmal ist man in Deutschland verdammt dazu nur zuzusehen.

    @hathead: Das ist jetzt ein Scherz, oder? Aleine das man auf den Seiten 15 Minuten graben muss um die Funktionen und Preise ausfindig zu machen spricht für sich.
    Eine nenneswerte Alternative zumindest ist live.sipgate.de.
    Allerdings im Moment nur für Gruppen sinnvoll.

    @mds: Bei allem Respekt, die Frage kann ich langsam nicht mehr hören. Durchsuch mal netzwertig.com danach.

  6. mds
    schrieb am 16. Juli 2009 um 19:11 Uhr (#)

    @mds: Bei allem Respekt, die Frage kann ich langsam nicht mehr hören. Durchsuch mal netzwertig.com danach.

    Ach ja? Wo wird bei netzwertig.com erklärt, wie sich Google Voice mit «kostenlosen» Angeboten finanziert?

  7. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 17. Juli 2009 um 02:19 Uhr (#)

    Das Interessante daran ist einmal mehr, dass nichts von den Features von Google Voice wirklich neu ist – aber Google der Dienst sein wird, der aus diesen Innovationen eine erst eine Revolution machen wird: Auch hier greift das Prinzip, dass Innovation erst relevant wird, wenn sie von den Benutzern in kritischer Masse angenommen wird – siehe mobiles Datennetz und iPhone, Twitter etc.

    pbxes.org bietet Weiterleitungsdienste jetzt schon an, aber sehr komplex zu konfigurieren; die amerikanischen Voip- und SIP-Anbieter haben all die Dienste integriert – Vonage liefert Transkripte und Audio-Recordings von jedem Gespräch; mein SIP-Anbieter Callcentric verkauft Tel-Nummern aus aller Welt (mit frei wählbarer Vorwahl) und bietet individuelle, Anrufer-Rufnummern-basierte Weiterleitungen an: Ich kann nervige Tele-Marketer auf die “amtliche” Meldung “Anschluss gekündigt” weiterleiten lassen und meine Freunde aufs Mobiltelefon oder alle Europäischen Anrufer auf meinen Zürcher Anschluss etc. Ich “betreibe” heute schon meine drei Telefonanschlüsse (Blogwerk Zürich, privates “Festnetz” San Francisco und Mobiltelefon USA) auf einem einzigen Nokia E71, und zwar so konfiguriert, dass ich immer auf der kostengünstigsten und qualitätsmässig besten Verbindung erreicht werden kann (wenn ich will).

    @mds: Das Interesse von Google ist doch immer das gleiche: Möglichst viel Datenmaterial der Benutzer zu kriegen, in das man kontext-sensitiv Werbung einbauen kann. Das ist ein “Allzweck-Geschäftsmodell”, das mit fast jeder Anwendung funktionieren wird, bei der Google Inhalte und Kontext sehen und mit Werbung garnieren kann, die andere eben nicht sehen.

    Wie Philip schon beschrieben hat, kostet die Weiterleitung Google als Anbieter in den USA praktisch nichts; aber in die Transkripte der Anrufe (und die E-Mail-Voicemails) können ganz gezielte Google-Ads eingebaut werden – wie bei Gmail. Wenn ein Klick auf ein AdWord im Fall von Anwälten Google beispielsweise 15 Dollar bringt, wird sich der Dienst sehr schnell mit Werbeeinnahmen bezahlt machen, die auf den relevantesten Telefonaten im Businessverkehr etc beruhen und ganz gezielt an die Kundschaft gebracht werden.

    Und wer wagt denn schon, sich angesichts hervorragender Gratisleistungen über Werbung zu beklagen (ausser einzelnen Bloglesern, die nicht verstehen wollen, dass Qualitätsblogging Geld kostet… ;-)

  8. gRaVuR
    schrieb am 17. Juli 2009 um 09:17 Uhr (#)

    Das sit doch mal eine gute Nachricht. Wenn Google etwas anpackt kommt Bewegung in den Markt. Vielen Dank für diesen Beitrag.

  9. Ralf Biegel
    schrieb am 17. Juli 2009 um 13:32 Uhr (#)

    Von der Technik ist es keine Überraschung mehr, doch ist man hier in Deutschland noch einen Schritt vorraus. Wird der Anruf über eine, im Internet publizierte Rufnummer generiert, können die dazugehörigen webbasierten Daten mitprotokolliert werden.

  10. Kopfschüttler
    schrieb am 17. Juli 2009 um 14:02 Uhr (#)

    Also zu dem ganzen Technikkrams kann ich gar nix sagen. Ich freue mich, wenn ich eine Nummer auf meinem Telefon wähle und jemand dran kriege; möglichst den, den ich sprechen wollte. Wenn das gut bis sehr gut funktioniert und mich sonst niemand belästigt, zahle ich gern ein paar Euro dafür.

    Aber zu Googles Absichten hätte ich einen Kalauer:

    Heute ist es noch Google Earth; morgen ist es Earth Google.

    OK, ist mir spontan eingefallen… ;-)

  11. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. Juli 2009 um 14:02 Uhr (#)

    @ Peter Sennhauser
    Deine Lösung klingt natürlich schon ziemlich praktisch. Hast du für die Administration auch eine intuitive Weboberfläche? Das ist ja üblicherweise auch ein Aspekt, in dem Google bestehende Lösungen haushoch schlägt.

  12. Stiefel
    schrieb am 17. Juli 2009 um 15:27 Uhr (#)

    Die Nutzung von Google Voice ist auch von außerhalb der USA möglich und funktioniert ohne Probleme. Nur für die Registrierung benötigt einmalig eine IP-Adresse aus den USA, die man z.B. mit dem Tool “Hotspot Shield” generieren kann. Die Weiterleitung von Anrufen funktioniert perfekt und kostenlos mit einem Gizmo5-Account.

  13. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 17. Juli 2009 um 15:30 Uhr (#)

    Stiefel, guter Tipp!

    @ Patrick Stähler
    Probier’s mal aus. Hotspotshield gibt es hier:
    http://hotspotshield.com/

    Ich warte leider noch auf meine Einladung.

  14. mds
    schrieb am 17. Juli 2009 um 23:14 Uhr (#)

    @Peter Sennhauser: Danke fürs geduldige Erklären!

  15. Guy
    schrieb am 20. Juli 2009 um 12:37 Uhr (#)

    Bonjour,

    Un grand bravo pour votre place au top50

    Voici le lien pour voir ce classement :

    http://lameilleureinfo.fr…des-blogs-europeens/

    Encore Bravo !

    Guy

  16. Oliver
    schrieb am 21. Juli 2009 um 22:31 Uhr (#)

    Hallo,
    keine schlechte Sache. Derzeitig empfehle ich meinen Kunden für interne Bürokommunikation den Dienst von Skype zur Effizienzsteigerung. Das klappt sehr gut und viele Büros sind dabei schon umgestiegen.
    Mit Googles Voice könnte sich das evtl. doch noch ändern. Wenn das so klappt wie es versprochen wird, könnte das durchaus eine lohnende Überlegung sein.
    Danke für den Post. Sehr informativ.

  17. Shuman :-)
    schrieb am 14. Oktober 2009 um 16:20 Uhr (#)

    Transcripts sehen dann auch gerne mal so aus:


    You have a new voicemail from
    +xxxxxxxxxx
    4:10 PM
    Yeah. Shuman, pack my number is. Coleman, Pinkett from a unique just a little. mcGerth yeah, that’s awesome. Hello, My name is. Coleman, Pinkett from eating distribution. I’ll call you like to today. Bye bye.
    Play message

    Erkennungsquote? Naja….

  18. jasmu
    schrieb am 16. Januar 2010 um 02:20 Uhr (#)

    ich fande das amerikanische system alleine wegen der moeglichkeit nur eine nummer zu haben schon gut, gv ist da noch ein sahnehaeubchen.

    hier in deutschland muss ich mich mit 2 nummern rumschlagen.
    meine gv einladung bringt mir ja leider nichts. bin richtig neidisch.

  19. Parkrocker
    schrieb am 4. Februar 2010 um 15:27 Uhr (#)

    Mittlerweile ist es völlig unproblematisch, sich aus Deutschland bei Google Voice anzumelden. Ich habs mal kurz hier zusammengefasst: http://parkrocker.com/goo…tschland-aktivieren/

  20. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 4. Februar 2010 um 17:46 Uhr (#)

    Danke für den Tipp, das teste ich heute Abend mal.

  21. kinderarzt
    schrieb am 6. Oktober 2010 um 17:16 Uhr (#)

    Ich hätte den Dienst auch gerne mal ausprobiert. Allerdings wollte ich keine Nummer aus den USA verwenden. Auf der Suche nach etwas ähnlichem bin ich auf nicht viel vergleichbares gestoßen. Es scheint einzig ein Anbieter (www.ringring.net) zu geben, bei dem man kostenlose Festnetznummern mit Voicemail bekommt (allerdings ohne Weiterleitung von Anrufen oder triggern eines Calls). Der Umfang ist deutlich geringer wie der von Google Voice. Macht aber nichts, jetzt habe ich wenigsten eine kostenlose Berliner und Wiener Nummer.:-)

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