Microsoft Office 2010:
Das Imperium schlägt zurück

Andreas Göldi, 13. Juli 2009 15:30 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Die heute vorangekündigte neue Version von Microsoft Office 2010 zielt in einer Hinsicht direkt auf Google: Kostenlose Versionen von Word, Excel, PowerPoint und OneNote werden per Webbrowser verfügbar sein. Der Kampf der Giganten heizt sich weiter auf.

Noch ist der Launch etwas holprig: Microsoft hat zwar schon einige Journalisten über die neue Office-Version gebrieft, aber die offizielle Website wurde inzwischen wieder vom Netz genommen. Aber egal, die wohl entscheidendste Neuerung in Office 2010 ist raus: Microsoft wird gratis Web-Versionen seiner beliebtesten Anwendungen anbieten und tritt damit natürlich direkt in Konkurrenz mit Googles kostenloser Online-Software Google Docs.

Die Online-Version von Word 2010. Bild: TechCrunch
Die Online-Version von Word 2010. Bild: TechCrunch

Die Details sind noch spärlich, aber soviel liess sich Microsoft entlocken: Die Web-Versionen werden nicht nur auf Internet-Explorer laufen, sondern sind auch auf Firefox und Safari getestet (an einer Chrome-Version wird gearbeitet). Das User-Interface wird identisch zur lokal installierten Version die in Office 2007 eingeführten “Ribbons” verwenden und sollte damit Office-Usern gleich bekannt vorkommen.

Stolz ist Microsoft darauf, dass angeblich Word-Dokumente eins zu eins identisch im Webbrowser abgebildet werden sollen, was bei Konkurrenzprodukten ziemlich selten der Fall ist. “Document fidelity” nennt Microsoft das. Es wird sich in der Praxis zeigen müssen, ob das auch für wirklich komplexe Dokumente der Fall ist, Zweifel sind da durchaus noch angebracht.

Nicht so viel wie Google Docs bietet Microsoft allerdings bei den Kollaborationsfunktionen: Es wird nicht möglich sein, dass mehrere User gleichzeitig ein Dokument editieren. Diese Funktionalität bleibt dem “richtigen” Office-Paket vorbehalten.

Vor dem Hintergrund dieser Produktvorstellung macht es Sinn, dass Google es letzte Woche plötzlich so eilig hatte, das neue Chrome OS anzukündigen. Ganz klar: Google und Microsoft haben ernsthaft den Kampf um die “Cloud” aufgenommen und konkurrenzieren sich jetzt quer durch den ganzen “Stack” von Funktionalitäten, vom Betriebssystem bis zur Applikation.

Die Online-Version von Office könnte ein paar ziemlich schwerwiegende Konsequenzen haben:

  • Zunächst einmal tritt natürlich ein mächtiger weiterer Konkurrent in die Cloud-Computing-Branche ein. Das macht den Markt deutlich enger, woran vor allem kleinere Player wie Zoho leiden dürften. Wer sich für eine Online-Textverarbeitung entscheidet, wählt wohl eher das vertraute Office als eine exotischere Lösung.
  • Faktisch verwendet Microsoft jetzt auch ein Freemium-Businessmodell für Office. Das spielt im Mainstream-Segment zwar nur eine untergeordnete Rolle (weil die meisten Leute eh schon Office verwenden), aber gerade im wichtigen Studentenmarkt kann Microsoft mit diesen kostenlosen Browserversionen seine Stellung stabilisieren. Man kann an Unis durchaus beobachten, dass mehr und mehr Studenten ihre Seminararbeiten auf Google Docs tippen, statt viel Geld für MS Office auszugeben. Diesen Trend kann Microsoft nun möglicherweise stoppen. Und die Studenten von heute sind die zahlungskräftigen Kunden von morgen.
  • Microsoft zeigt, dass man den Riesen aus Redmond keineswegs als ewiggestrig abschreiben sollte. Mit Bing hat Microsoft kürzlich eine sehr überzeugende neue Suchmaschine vorgestellt, Windows 7 sieht gut aus, und mit dieser neuen Ankündigung ist Microsoft wieder auf den meisten wichtigen Ebenen konkurrenzfähig.
  • Viel wichtiger aber: Microsoft validiert mit Office 2010 das Konzept von Cloud-Computing. Damit wird auch für konservativere Kunden Cloud-Computing plötzlich zu einer Option, denn wenn Microsoft das anbietet, muss ja was dran sein. In der genau gleichen Weise hat 1981 IBM dem Personal Computer zum Durchbruch verholfen — was IBM langfristig natürlich nur bedingt was genützt hat. Wirklich profitiert haben damals die Konkurrenten der neuen Generation, und das könnte auch hier ähnlich sein.

Wie so oft bei Microsoft sind die tollen neuen Produkte aber noch lange nicht verfügbar. Erste Testversionen für Eingeweihte wird es erst im August geben. Ausgeliefert wird das Produkt in der ersten Hälfte 2010. Noch hat die Konkurrenz also einen deutlichen zeitlichen Vorsprung.

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7 Kommentare

  1. mds
    schrieb am 13. Juli 2009 um 16:23 Uhr (#)

    Man kann an Unis durchaus beobachten, dass mehr und mehr Studenten ihre Seminararbeiten auf Google Docs tippen, statt viel Geld für MS Office auszugeben.

    Während meiner Studienzeit konnte ich Software von Microsoft zuerst sehr künftig erwerben, später gab es sie kostenlos zum Download als Disk Image. Ist dies heute nicht mehr so?

    Google Docs (und vergleichbare Dienste) sind für Studenten aber ohne Zweifel sehr nützlich, denn sie erleichtern die Zusammenarbeit bei den häufigen Gruppenarbeiten. Ich bezweifle aber, dass sich damit Seminararbeiten erstellen lassen, denn einiges an Funktionalität für akademische Arbeiten fehlt bei Google Docs leider noch, bestehende Funktionen sind zum Teil ungenügend gelöst (z.B. Fussnoten). Aber das kommt bestimmt noch …

  2. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 13. Juli 2009 um 16:34 Uhr (#)

    @mds: Kommt auf die Uni drauf an, ob man MS Office zu guten Preisen kriegt. Viele Studenten moegen Google Docs auch lieber, weil man so besser mit anderen zusammenarbeiten kann.

    Ich weiss, es ist erstaunlich, aber ich habe schon von Leuten gehoert, die ganze Diplomarbeiten auf Google Docs geschrieben haben. Es kommt halt auf die formellen Vorschriften an, ob die Funktionalitaet ausreicht. Amerikanische Studienarbeiten haben z.B. oft keine klassischen Fussnoten.

  3. mds
    schrieb am 13. Juli 2009 um 16:46 Uhr (#)

    @Andreas Göldi: Ja, das mit den Fussnoten ist richtig … es ist Layout-mässig wesentlich einfacher, Referenzen in Klammern direkt im Text anzugeben und am Schluss der Arbeit ein vergleichsweise einfaches Referenzververzeichnis anzuhängen … :)

  4. Zauter
    schrieb am 13. Juli 2009 um 19:46 Uhr (#)

    Bei uns an der Uni gibt es MS Office kostenlos zum Download. Interessanterweise arbeiten aber immer mehr (zumindest nach meinem subjektiven Empfinden) mit Open Office, mich eingeschlossen.

  5. Charly Newton
    schrieb am 23. November 2009 um 22:59 Uhr (#)

    Hatte MS Office 2010 Technical Preview installiert und war absolut begeistert (englisch), nun habe ich die deutsche Beta installiert. Ich weiß nicht was ich sagen soll, ich glaube MS hat neue Leute eingestellt, die noch dabei sind zu lernen wie man den Compu einschaltet. Das Layout ist halb deutsch halb englisch, Outlook was in der Preview spitzenklasse war funzt nicht mehr,pst Dateien werden nicht oder nur zum teil erkannt. Ich werde jetzt versuchen das Preview wieder zum laufen zu bringen, denn ich möchte nicht mehr auf 2007 zurück (werde einen Crack finden) denn solange ich keine funktionierente Beta oder RC getestes habe werde ich MS kein Geld geben, für eine zugrunde gerichtet Version, sollte jemand andere Erfahrung haben bitte melden.
    P.S. ähnliche Erfahrung habe ich auch mit Windows 7 Beta, vom ersten Tag an stabil und schnell, und jetzt Enterprise langsamer Start und schon enige Abstürtze alles in x64.

  6. MacMacken
    schrieb am 24. November 2009 um 11:35 Uhr (#)

    @Charly Newton: Bei manchen Unternehmen hat «BETA» noch die ursprüngliche Bedeutung, sprich mit Fehlern ist zu rechnen … ich nehme an, es gibt bei Microsoft Möglichkeiten, Fehler in BETA-Anwendungen zu melden?

  7. Charly Newton
    schrieb am 24. November 2009 um 16:55 Uhr (#)

    Sorry McMacken die Beta von Windows 7 lief hervorragend, die enterprise hatte probleme gemacht geht jetzt aber 1 Tag ohne Probleme(Updates von MS) nur bei Office kann ich nicht verstehen daass selbst normale Funktionen wie Funktionsleiste nicht komplett in einer Spreache ist und Dateien nicht übertragen werden können wohlgemerkt von der gleichen Version (2010 – 2010), ich glaube dass man bei solchen Dingen die Fehlermeldung nicht bemühen sollte. Ich finde das ist eine Nachlässigkeit von MS, der Programierer war anstatt bei der Prüfung bei der Kaffeepause,ich bin kein Ubunto oder Openoffice Fan, aber da würde jeder über solche Fehler maulen

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