Bezahlplattform und mobile Micropayments:
Jetzt wird es richtig spannend

Facebooks Bezahlplattform kommt ins Rollen, und das neue iPhone macht mobile Micropayments leichter denn je – zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, die beide E-Commerce neuen Schwung geben und Geschäftsmodelle umkrempeln könnten.

Handel über das Internet könnte sich in naher Zukunft grundlegend verändern. Zwei bekannte Anbieter machen sich daran, die bisher geltenden Regeln für Transaktionen im Netz neu zu schreiben und die Weichen für bequemeres sowie einfacheres Einkaufen von sowohl physischen als auch virtuellen Gütern zu stellen: Apple mit seinem iPhone und Facebook.

Auf den ersten Blick haben Apple und Facebook nicht viel gemeinsam. Was sie jedoch vereint, ist das Streben nach Wegen, um das Erwerben von Dingen über ihre jeweiligen Angebote zu ermöglichen. Die Herangehensweisen sind unterschiedlich, das Resultat jedoch ist das gleiche: Ein komfortabler und sicherer Bestellprozess für den User, alternative Erlösquellen sowie Bezahlmodelle für Webdienste und Shops, und natürlich klingelnde Kassen für die beiden Unternehmen.

Lange wurde über Facebooks Bezahlplattform spekuliert. Mittlerweile ist sie Realität und befindet sich in drei Applikation im Testeinsatz. Wer z.B. über die Anwendung GroupCard digitale Grußkarten bestellt, kann jetzt mit den hauseigenen “Facebook Credits bezahlen. 10 Credits sind ein Dollar, aufgeladen wird per Kreditkarte.

Mit Facebook bezahlen
Mit Facebook bezahlen

Der Vorteil eines solchen Systems liegt darin, dass User ihr Punktekonto einmalig mit einem größeren Betrag befüllen können, den sie dann nach und nach verbrauchen. So lassen sich die Transaktionsgebühren der Kreditkartenunternehmen niedrig halten – eine Voraussetzung, um die Wirtschaftlichkeit von Micropayments zu gewährleisten.

Facebook Credits in Aktion
Facebook Credits in Aktion

Es ist zu erwarten, dass Facebook sein Bezahlsystem Schritt für Schritt weiteren Applikationen zur Verfügung stellt. Bei je mehr Anwendungen Mitglieder mit der Hauswährung Güter erstehen können, desto größer der Anreiz für sie, tatsächlich die Kreditkarte zu zücken. Parallel dazu verhilft das Social Network seiner Währung derzeit auch durch Kampagnen, bei denen User für das Empfangen von Werbebotschaften Credits erhalten, zu mehr Aufmerksamkeit.

Ultimativ könnte Facebook seinen Bezahlmechanismus im Stile von Facebook Connect von externen Anbietern einsetzen lassen. Websitebetreiber müssen sich dann nicht selbst mit der komplexen Frage der Abrechnung auseinandersetzen. Zudem können sie selbst Kleinstbeträge verrechnen und profitieren von der enormen Verbreitung von Facebook in vielen Ländern. Im Gegenzug würde Facebook für Verkäufe eine Provision erhalten – sofern es darauf teilweise nicht sogar verzichten würde, um die schnelle Verbreitung von Credits als universelles Zahlungsmittel zu unterstützen.

Auch Apples Smartphone wird mit der für Juni angekündigten, neuen Firmware sowie der dritten iPhone-Generation Micropayments ein Stück mehr ins Rampenlicht rücken. Was in diesem Artikel von mir vom März nur eine Hoffnung war, wurde einige Zeit später bestätigt: Im Rahmen der iPhone-Frischekur gibt Apple Entwicklern die nötigen Werkzeuge an die Hand, um innerhalb von Applikationen Transaktionen initiieren zu können, die über das bewährte iTunes-System abgerechnet werden.

Transaktionen innerhalb von iPhone-Apps (Foto: Mashable)
Transaktionen innerhalb von iPhone-Apps (Foto: Mashable)

Damit öffnet Apple Tür und Tor für eine ganze Schar neuartiger und innovativer Anwendungen, die nicht mehr nur auf dem kurzweiligen Wow-Effekt aufbauen, sondern den User langfristig in ihren Bann zu ziehen versuchen. Nur dann wird er bereit sein, für ihre Nutzung mehrfach zu zahlen.

Gleichzeitig kann man damit rechnen, dass die neue Freiheit auch für Impulse im Offline-Bereich sorgen wird. Die in meinem vorherigen Artikel zum Thema angesprochene Kino-Applikation litt darunter, dass man mit ihr zwar Tickets reservieren, aber diese nicht direkt bezahlen konnte, was in der Regel das lästige, frühzeitige Erscheinen am Filmspielhaus erfordert. Mit der Neuerung ist dagegen eine direkte Bestellmöglichkeit realisierbar. Der Verbraucher zahlt bequem über das iTunes-Konto.

Zweifellos wird Apple einen Anteil an derartigen Transaktionen einfordern – für aktuelle App-Käufe im iTunes Store sind das ungefähr 30 Prozent, die Apple vom Kaufpreis einbehält. Kinos und andere Einrichtungen im stationären Bereich müssen also abwägen, was ihnen wichtiger ist: Ein hervorragender Kundenservice sowie die Chance, durch mobile Anwendungen neue Kunden zu gewinnen, oder eine maximale Marge pro Kunde. Allerdings ist es auch nicht unmöglich, dass Steve Jobs sich für bestimmte Arten von Transaktionen auf geringere Provisionen einlässt.

Facebook und Apple sind nicht die einzigen Unternehmen, die mit eigenen, virtuellen Währungen bzw. Zahlungsabwicklungssystemen experimentieren. Mit 225 Millionen Mitgliedern und einer bereits erfolgreichen Verknüpfung mit externen Sites haben die Anstrengungen von Facebook aber eine deutlich größere Wirkung auf das Web als die anderer sozialer Netzwerke. Und Apple ist zwar aus quantitativer Sicht im Mobilfunkmarkt noch immer nur ein Anbieter aus der zweiten Reihe, im Bezug auf mobile Applikationen mit Anschluss an das Netz jedoch dem Wettbewerb weit voraus. Was das Unternehmen in diesem Bereich tut, wird von der Konkurrenz genau beobachtet. Und nicht selten nachgeahmt.

Unternehmen suchen nach neuen Wegen, im Web (und offline) Geld zu verdienen. In Micropayments, dem Verkauf virtueller Güter sowie Bestellprozessen mit maximalem Komfort steckt viel Potenzial. Facebook und Apple zeigen spannenden Ansätze, die man unbedingt weiter im Auge behalten muss.

(Foto “Please Pay Here”: stevendepolo; CC-Lizenz)

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5 Kommentare

  1. Chris
    schrieb am 2. Juni 2009 um 16:24 Uhr (#)

    Es wird aber auch richtig Zeit, dass sich auf diesem Markt etwas tut. Wer einmal einen richtigen Einblick in die bestehenden Micropaymentsysteme bekommen hat, kann sich letztlich nur wundern wie lieblos und unprofessionell der derzeitige Markt in Europa aussieht.

    Schon die entsprechenden Verträge und Kontenerstellungen sind ein endloses Grauen. Ich hoffe sehr, dass diesbezüglich noch eine Menge passiert und bin auch optimistisch, dass wenn die jeweiligen Plattformen Ihre Dienste öffnen sich das Internet positiv verändern kann. Ich persönlich bin immer bereit für eine sinnvolle Applikation Geld auszugeben. Aber es muss auch praktikabel, sicher und nicht aufwendig sein.

  2. Felix A.
    schrieb am 2. Juni 2009 um 16:52 Uhr (#)

    Am besten funktionieren würde eine Micropayment Lösung der ISPs. Warum gibts die eigentlich nicht?

  3. Body
    schrieb am 3. Juni 2009 um 13:54 Uhr (#)

    Das verstehe ich nicht! Was soll das Versenden von Grußkarten für mich für einen Mehrwert haben? Warum soll ich für Grußkarten Geld bezahlen? Wenn ich Grüße versenden will, schreib ich meinen Freunde eine Nachricht. Kostenlos!

  4. Peter
    schrieb am 4. Juni 2009 um 10:01 Uhr (#)

    Was ich mich bei den derzeitigen Diskussionen um (Netz-)Webwährungen immer frage, was passiert eigentlich sobald sich das hiesige Finanzamt bzw. der Staat anfängt sich für das Thema zu interessieren.

    Dass er sich nicht dafür interessieren wird, sobald das Ganze eine relevante Größe erreicht hat, glaube ich nicht.

    Schliesslich besteht die Gefahr, dass daraus eine Art Schattenwirtschaft entsteht, mit einem Geldfluss der sich ihrer Kontrolle entzieht.

    Aber evtl. sehe ich das ja auch falsch, habe mich schliesslich noch kaum mit dem Thema (Netz-)Webwährungen beschäftigt.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 4. Juni 2009 um 10:06 Uhr (#)

    Du meinst, dass Privatpersonen auf unterschiedlichen Wegen durch Webwährungen und den Handel mit virtuellen Gütern Profit machen, der momentan unversteuert bleibt?

    Da gibt es sicherlich viele ungeklärte Fragen. Und die globale Verbreitung kontra fehlender, nationaler Niederlassungen vereinfacht die Sache auch nicht.

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