Brian Eno über Musik im Internetzeitalter

Der bekannte Musiker Brian Eno hat die Einkommensmöglichkeiten für Musiker im Internet-Zeitalter erkannt: Liveauftritte, aufwendig gestaltete, limitierte Versionen ihrer LPs und grundsätzlich alles, was schwer oder gar nicht kopierbar ist.

Brian Eno, bekannt als Solomusiker und aus seiner Zeit bei der legendären Band Roxy Music, beschreibt in einem Artikel im britischen Prospect-Magazine die wirtschaftliche Lage der Musikindustrie. Musikaufnahmen sind heute verfügbar wie Wasser, so Eno, und nicht sehr viel aufregender als dieses.

Das ist aber nur schlecht für die, deren Geschäftsmodell allein auf dem Verkauf von Musikaufnahmen basiert. Die Livemusik-Szene explodiert. Festivals wachsen von Jahr zu Jahr und es gibt mehr Festivals denn jemals zuvor.

Insgesamt hat Eno die wirtschaftliche Lage richtig erkannt: Es ist nicht mehr die Musikaufnahme selbst, die der wertvolle Teil des Angebots ist, den Musiker verkaufen können. Wenn sie weiterhin ihre Musik direkt verkaufen wollen, müssen die Musiker aufwendige Versionen mit schwer kopierbarem Artwork verkaufen, so Eno. Was die Leute kaufen, hat Brian Eno richtig erkannt, ist die Kunst, das Gesamtwerk, nicht die Musikaufnahme.

Was auf den ersten Blick wie ein Paradoxon aussieht, bei genauer Betrachtung aber Sinn ergibt, fasst Eno so zusammen: Leute, die keine 15 Pfund für eine CD ausgeben, werden für die limitierte Version mit zusätzlichem Artwork 150 Pfund auf den Ladentisch legen.

Immer, ob Live-Auftritte oder aufwendige physische Versionen, geht es darum, etwas anzubieten, dass schwer oder gar nicht kopierbar ist – und dadurch einen Wert erlangt.

Kommt das alles bekannt vor? Genau. Vor einiger Zeit hatten wir über die ökonomischen Veränderungen im Musikgeschäft durch das Internet geschrieben und führten bei den möglichen Einnahmequellen für Musiker an:

Musiker müssen also wertvolle, knappe Güter verkaufen. Was kann das zum Beispiel sein? Einige Beispiele:
-Die [..] Konzerte oder DJ-Auftritte
-Merchandising, wie etwa T-Shirts
-Die Produktion der Musikaufnahmen: anders als die digitalen Kopien der Aufnahmen ist die Produktion der Aufnahme selbst ein knappes Gut. Finanzieren lassen könnten sich die Musiker die Produktion zum Beispiel über Spenden von den Fans.
-Zugang zu den Künstlern: Teurere VIP-Zugänge zu den Konzerten, (Online-)Fanklubmitgliedschaften, Zugänge zu nichtöffentlichen Foren auf den Websites der Musiker, in denen die Musiker sich beteiligen; die Zeit eines Musikers ist ein knappes Gut, nur wenige Fans können in den Genuss eines direkten Kontakts kommen
-Streng limitierte, physische Editionen von Musikaufnahmen, am besten aufwendig gestaltet

Man muss nicht, wie wir es gemacht haben, die zum Tragen kommenden ökonomischen Prinzipien kennen oder anführen, um zum selben Ergebnis zu kommen. Brian Eno dürfte nur mit gesundem Menschenverstand auf die aktuellen Veränderungen im Musikgeschäft geschaut haben.

Eno schließt seinen Artikel mit dem Satz: “So, as one business folds, several others open up. – Während ein Business schließt, machen mehrere andere auf.” Dem habe ich nichts weiter hinzuzufügen.

» Der gesamte Artikel von Brian Eno

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5 Kommentare

  1. Chris
    schrieb am 29. Mai 2009 um 01:10 Uhr (#)

    Schöner Artikel Marcel.
    Er liegt sicherlich richtig. Die knappen Güter sind immer die wertvollsten.

  2. Stephan
    schrieb am 31. Mai 2009 um 15:13 Uhr (#)

    So wie Brian Eno haben das auch schon andere Künstler erkannt – und deswegen finden sich auf fast jedem neueren Album inzwischen Liveaufnahmen, die die Konsumenten von der Livetauglichkeit der Band überzeugen und ins Konzert locken sollen…

  3. jk
    schrieb am 22. Juni 2009 um 11:30 Uhr (#)

    Also wieder nur etwas für Rockstars und Millionäre… Werden in 20 Jahren immer noch Alt-Rocker wie ACDC, Rolling Stones oder Grönemeyer die Stadien füllen, ohne das was neues nachkommt, weil keiner mehr von der Musikindustrie aufgebaut und bekannt gemacht wird?… Nur was soll ich dann machen als unbekannter Musiker, der heute schon kaum Gigs bekommt und wenn dann nur paar Leute da sind und es kein Geld gibt?… Wahrscheinlich meine T-Shirts fressen und die Miete von meinen am laptop aufgenommen CD-Rohlingen in mieser Audio-Qualität bezahlen… Während ich einen normalen 9-5 Job mache und Musik als Hobby einmal im Monat am Wochenende praktiziere… Wie die meisten Musiker dann auch… Zum Glück habe ich genug Platten, die ich dann hören kann, während sich Herr Eno und der jugendliche Autor dieses Textes dann dreckige Amateur-Musik auf MySpace in grauenvoller Audio-Qualität anhören müssen…

  4. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 22. Juni 2009 um 12:29 Uhr (#)

    @jk:
    http://netzwertig.com/200…odelle-fuer-musiker/

  5. Martin Lindner
    schrieb am 23. Juni 2009 um 14:31 Uhr (#)

    @jk : “ohne das was neues nachkommt, weil keiner mehr von der Musikindustrie aufgebaut und bekannt gemacht wird”

    bitte noch einmal die geschichte der popmusik genau studieren, auch unter besonderer berücksichtigung der 50er und frühen 60er jahre. dann überlegen: von welcher “musikindustrie” redest oder träumst du hier? was genau war der kreative gewinn, der durch diese industrie erbracht wurde? dann hierher zurückkommen, und wir können ernsthaft reden.

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