Angebliche Datenherausgabe:
CBS bestreitet Vorwürfe gegen Last.fm

Hat Last.fm Nutzerinformationen an die Musikindustrie herausgegeben oder nicht? In einer aktuellen Stellungnahme bestreitet die Konzernmutter CBS die von TechCrunch erhobenen Vorwürfe.

Vor vier Tagen berichteten wir über die jüngsten Anschuldigungen gegen Last.fm, Benutzerdaten an die US-Musikindustrie herausgegeben zu haben. Die Vorwürfe basierten auf Informationen von TechCrunch, das diese von verschiedenen, zum Teil involvierten Informanten erhalten haben will.

Wir baten Last.fm um eine Stellungnahme. Martin Stiksel, in London lebender Österreicher und einer der Last.fm-Gründer, hat uns geantwortet und verweist auf einen Last.fm-Blogbeitrag mit dem knackigen Titel “TechCrunch are full of shit” vom Februar. Obwohl das dort veröffentlichte Dementi in seinen Augen alles Wesentliche zum Thema sagt, hat die Last.fm-Mutter CBS gestern noch einmal auf die Vorwürfe reagiert:

Both CBS and the RIAA have already stated quite clearly, for the record, that absolutely no individual user or listener information was supplied to the RIAA by last.fm or any division of CBS Corporation in the past, nor do we plan to do so in the future. The story posted by the website was based on an unnamed tipster. No inquiry was made to CBS or Last.fm about the veracity of the anonymous source. Those who consult such blogs should be aware of the standard by which such postings are sourced and published.

Im ersten Satz unterstreicht CBS, dass zu keinem Zeitpunkt individuelle Nutzer- bzw. Hörerdaten an den Verband der US-Musikindustrie (RIAA) ausgehändigt worden sind und dass dies auch zukünftig nicht geplant ist.

Das CBS-Statement ist relativ deutlich und lässt nur wenig Raum für Interpretationen. Eine wäre, dass Anwenderinformationen nicht an die RIAA sondern stattdessen an einzelne Labels herausgegeben worden sind. Auch wird nicht klar, ob es eine Anfrage der RIAA gegeben hat oder nicht.

In jedem Fall steht nun Aussage gegen Aussage. TechCrunch hat viele gute Quellen und oft Informationen, die andere nicht bekommen. Doch auch dort ist man nicht vor davor gefeilt, sich auf falsche Angaben zu verlassen oder gar Lügnern aufzusitzen. Niemand weiß, was hinter den Kulissen geschieht und wer abseits der bekannten Akteure noch seine Finger im Spiel hat.

Mir scheint, das Kapitel ist trotz der Aussagen von CBS noch nicht ganz geschlossen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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12 Kommentare

  1. Die schreiben nicht, dass es nicht passieren wird, sondern dass es derzeit nicht in in ihren Plänen steht ;-)

  2. Naja, wie auch immer es gewesen ist. Die Anschuldigung liegt in der Luft und keiner dem seine privaten Daten gut und teuer sind, wird last.fm bzw. der CBS nochmal trauen können.

    Ich kann es nicht. Ich habe meinen langjährigen last.fm-Account schweren herzens gelöscht und ich bereue die Entscheidung auch nach dieser Meldung nicht. Ich bin da sicher nicht der einzige…

  3. Martin, du weißt bestimmt auch, das Techcrunch die Comments zum zweiten Last.fm Artikel massiv zensiert hat?

    Kommentare, die nicht zu TC’s Feldzug gegen Last.fm passten wurden gelöscht, User die nicht dergleichen Meinung waren wie TC wurden komplett für den Kommentarbereich geblockt.

    Außerdem: Arlington, der Verfasser des zweiten TC Berichtes hatte auch bereits selbst schon etwas zurückgerudert und mögliche Zweifel eingeräumt.

    Falls ihr Quellen hierzu benötigt, einfach kurz Bescheid sagen.

    Unter so einem Hintergrund von “Aussage gegen Aussage” zu sprechen und den Verdacht in deinem Artikel auch noch unterschwellig weiter aufrecht zu erhalten, halte ich doch für ziemlich gewagt.

    Warum macht ihr das? Wartet ihr nur auf die große Sensation, um dann sagen zu können “seht ihr, ich habe es doch irgendwie gewußt”?

    So machen es anscheinend leider viele, du bist also nicht der Einzige, Martin.

    Nur von netzwertig.de hätte ich da doch etwas mehr Objektivität erwartet, bin da wirklich richtig enttäuscht!

    “Im Zweifel für den Angeklagten”, gilt dieser Spruch in der aktuellen Blogosphäre nicht mehr?

  4. Ich denke, ich war objektiv genug und habe deutlich gemacht, dass die Geschichte auch auf faulen Informationen von TC basieren kann. Ob TC nun in den Kommentaren zensiert oder nicht, kann ich nicht beurteilen, es spielt aber für die Tatsache “Aussage gegen Aussage” keine Rolle.

    Ich mag Last.fm, will aber nur deshalb nicht etwas ausschließen, was ich nicht ausschließen kann.

  5. Hallo Martin,

    “Das CBS-Statement ist relativ deutlich und lässt nur wenig Raum für Interpretationen. Eine wäre, dass Anwenderinformationen nicht an die RIAA sondern stattdessen an einzelne Labels herausgegeben worden sind.”

    “Auch wird nicht klar, ob es eine Anfrage der RIAA gegeben hat oder nicht.”

    “In jedem Fall steht nun Aussage gegen Aussage.”

    “TechCrunch hat viele gute Quellen und oft Informationen, die andere nicht bekommen.”

    “Mir scheint, das Kapitel ist trotz der Aussagen von CBS noch nicht ganz geschlossen.”

    Sorry Martin, aber diese Sätze zeugen nicht von Objektivität, sondern erzeugen implizit den Eindruck, das da doch etwas an der Sache dran sein muss, wenn TC schon darüber berichtet.

    Und hättest du vorher etwas recherchiert (anstatt ungeprüft Informationen von anderen Blogs zu übernehmen), dann hättest du auch diese Aussagen vom TC-Autor Michael Arrington gefunden, der diesen Bericht über die erneuten Anschuldigungen in Umlauf gebracht hatte:

    http://techcrunch.com/200…e-2/#comment-2764483

    http://techcrunch.com/200…e-2/#comment-2764577

    Und wenn du noch besser recherchiert hättest, dann wärst du auf diesen interessanten Thread im Last.fm Forum gestossen, in dem unter anderem auch die ganzen Zensuraktionen von TC dokumentiert sind:

    http://www.last.fm/forum/21717/_/535934

    Frage 1: Wie kann man da noch objektiv bleiben?

    Frage 2: Wie würde netzwertig.de dastehen, wenn jemand ähnlich unhaltbare Behauptungen über netzwertig.de in einem Blog posten würde, welche dann ebenso in die gesamte Blogosphäre gespült würden?

    Frage 3: Macht sich die Blogosphäre hier nicht indirekt mitschuldig und zu einem Komplizen von Verleumdern?

    Martin, vielleicht überdenkst du deinen Artikel nochmal und stellst die aktuellen Fakten dar. Je früher damit begonnen wird und je mehr mitmachen, desto besser.

    Die Blogosphäre sollte kein Ort für Lügen und Verleumdungen sein, sondern eine vertrauenswürdige Quelle von Informationen.

    Techcrunch ist dabei, den guten Ruf der Blogosphäre zu zerstören, bitte macht da nicht mit!

    Danke,
    Andreas

  6. Andreas, der hing im Spamfilter fest.

    Und was ist damit?

    “hat uns geantwortet und verweist auf einen Last.fm-Blogbeitrag mit dem knackigen Titel “TechCrunch are full of shit” vom Februar.”

    “Im ersten Satz unterstreicht CBS, dass zu keinem Zeitpunkt individuelle Nutzer- bzw. Hörerdaten an den Verband der US-Musikindustrie (RIAA) ausgehändigt worden sind und dass dies auch zukünftig nicht geplant ist.”

    “Doch auch dort ist man nicht vor davor gefeilt, sich auf falsche Angaben zu verlassen oder gar Lügnern aufzusitzen. Niemand weiß, was hinter den Kulissen geschieht und wer abseits der bekannten Akteure noch seine Finger im Spiel hat.”

    Du siehst nur, was du sehen willst. Und zudem unterstellst du, dass alles, was TC schreibt, falsch ist, und glaubst gleichzeitig alles, was Last.fm sagt oder in deren Forum steht. Wenn einer hier nicht objektiv ist, dann du (wobei ich mir auch keine völlig Objektivität anhefte – netzwertig.com ist ein Blog, hier bringen wir unsere eigenen Ansichten mit ein).

    Und ja – ich bin noch nicht davon überzeugt, dass an der TC-Geschichte alles falsch ist.

  7. Der Autor und TC-Gründer selbst hegt Zweifel an seinem eigenen Bericht (!!!) und du schreibst:

    “Und ja – ich bin noch nicht davon überzeugt, dass an der TC-Geschichte alles falsch ist.”

    Möchtest du da nicht vielleicht auch das sehen, was du sehen willst und dich an diese Sensationsmeldung einfach dranhängen?

    Und was ist eigentlich mit den TC-Zensuraktionen zu diesem Bericht? Alle Welt regt sich über Zensursula & Co. auf, aber die Zensuraktionen von TC werden totgeschwiegen? Ist das Thema “Zensur” eventuell schon zu ausgelutscht, und es lohnt sich daher nicht, darüber noch einen Artikel zu verfassen?

    Sorry, aber mit seriöser Berichterstattung hat das Ganze für mich leider nichts mehr zu tun.

    Bin daher weiterhin sehr enttäuscht, wie diese Meldung ungefiltert von einem zum anderen Blog weitergetragen und der Ruf von Last.fm dadurch massiv beschädigt wird!

    Der einzige Gewinner in diesem miesen Spiel heisst Techcrunch, alle anderen, auch wir, sind die Verlierer… :-(

  8. Wann wird endlich mal begriffen, dass das Moderieren von Kommentaren (aus welchen Gründen auch immer – ob unlauter oder nicht) nicht Zensur ist?

  9. @Wolf Witte: Du nennst also das Löschen von bereits veröffentlichten kritischen Kommentaren, die nicht zur Agenda eines Artikelschreibers passen, Moderation? Also ich nenne das Zensur, Punkt!

  10. @Andreas: Das Löschen von Kommentaren ist keine Zensur. Wenn Dich jemand davon abhält, Dich in welcher Form auch immer zum Thema XY öffentlich zu äußern, dann ist es Zensur.
    Die Hysterie, immer sofort “Zensur!” zu schreien, ist besonders in den heutigen Zeiten kontraproduktiv.

    P.S.: Wir löschen hier nur offensichtlichen Spam, beleidigende Kommentare oder andere Kommentare, die nicht unserer Kommentarpolitik entsprechen. Andere Meinungen als in den Artikeln geäußert sind explizit erwünscht. Wenn ein Kommentar also nicht gleich erscheint, dann bitte per Mail o.ä. bescheid sagen. Fast immer ist der Kommentar im Spamfilter gelandet, wenn er nicht sofort erscheint.

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  1. [...] dazu bei netzwertig Anzeigen [...]

  2. [...] lizenzbedingte Einschnitte in die Funktionalität sowie einen undurchsichtigen Skandal über eine angebliche Herausgabe von Nutzerdaten an die Musikindustrie negativ [...]

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