Avatar-Dienst weblin insolvent:
Wie viele würden ihn vermissen?

Der preisbelohnte Hamburger 3D-Avatar-Dienst weblin hat Insolvenz angemeldet. Reines Pech oder ein Zeichen dafür, dass die Geschäftsidee nicht gut genug war?

weblin insolvent
weblin insolvent
Nach picabee erlebt nun das nächste ambitionierte deutsche Webunternehmen eine finanzielle Bruchlandung: deutsche-startups.de berichtet über die Insolvenz der Zweitgeist GmbH, das Unternehmen hinter dem 3D-Avatar-Dienst weblin, und bezieht sich auf eine entsprechende öffentliche Bekanntmachung.

Das Hamburger Startup betreibt mit weblin einen Dienst, der User beim Surfen im Netz als kleine Avatare im Browser darstellt. Befinden sich mehrere weblin-Anwender gleichzeitig auf einer Website, können diese dort miteinander kommunizieren.

Für den vollen Funktionsumfang ist der Download einer Software erforderlich. Eine abgespeckte Variante direkt im Browser gibt es über weblin lite (Beispiel netzwertig.com). Das im Juni 2006 gegründete Unternehmen aus Hamburg hat laut eigenen Angaben zwei Millionen Nutzer und kann in neun verschiedenen Sprachen angewendet werden.

weblin war einer dieser Dienste, bei dem ich mir stets unschlüssig war, was ich von ihm halten soll. Auf der einen Seite gefällt mir die Idee, Besucher von Websites zusammenzuführen, und diverse Preise und Auszeichnungen sprechen für sich. Andererseits macht weblin nichts, auf das ich nicht auch verzichten kann. Mit anderen Usern meiner Lieblingssite in Avatar-Form zu chatten, hat einen gewissen Unterhaltungsfaktor, mehr aber auch nicht.

Die Notwendigkeit eines Softwaredownloads kommt als Einstiegshürde erschwerend hinzu – der Nutzen der lite-Version geht über einen kurzen Spaß- bzw. Aha-Effekt nicht hinaus.

Das Geschäftsmodell von weblin besteht laut deutsche-startups.de aus einer Werbevermarktung, einer Premium-Mitgliedschaft sowie dem Verkauf virtueller Gegenstände. Die zwei letztgenannten Komponenten scheinen allerdings noch nicht implementiert worden zu sein. Zumal selbst die Verfügbarkeit solcher Elemente nicht automatisch einen Geldsegen verspricht. Eine engagierte, loyale und aktive Nutzerschaft ist Voraussetzung, damit solche Modelle zum Erfolg führen. Hat weblin eine derartig starke Community?

Gut möglich, dass die Rezession und ihre Folgen letztlich der Auslöser für die Insolvenz waren. Wirklich überzeugende Geschäftsideen mit nachhaltigem Potenzial erhalten aber auch in Krisenzeiten ausreichend Fremdkapital (zu akzeptablen Konditionen), um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Wenn dies bei weblin nicht der Fall war, kann dafür natürlich ganz einfach Pech oder ungünstiges Timing verantwortlich sein. Es könnte sich dabei aber auch um ein Zeichen dafür handeln, dass die weblin-Idee nicht gut genug war, um drei Jahre nach der Gründung noch immer rote Zahlen rechtfertig zu können.

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9 Kommentare

  1. Patrick
    schrieb am 20. Mai 2009 um 23:13 Uhr (#)

    Ich weiss bis heute nicht, welchen Vorteil Avatare haben. Die Funktion mit anderen Besuchern in Kontakt zu treten, könnte spannend sein, aber brauche ich dafür wirklich einen Avatar? Ist die Interaktivität nicht wichtiger als die Darstellung des Menschen als Avatar? SecondLife ist auch so eine Avatarwelt und bald werden wir nicht mehr viel von ihr hören.

  2. pete
    schrieb am 21. Mai 2009 um 00:43 Uhr (#)

    Neiiin!
    Meiner Meinung nach eine der inovativsten Ideen im Internet momentan überhaupt.

  3. pete
    schrieb am 21. Mai 2009 um 00:45 Uhr (#)

    Geld oder Gewinn hat NICHTS mit einer Idee zu tun.
    Die “Finanzkriese” sollte das deutlich machen.

    Auch 3 Jahre rote Zahlen sind kein Argument.

    Bei Amazon war es nicht anders. Ich empfehle da mal:

    Die Internet Story – Im Kaufrausch.

  4. beta
    schrieb am 22. Mai 2009 um 06:41 Uhr (#)

    hatten wohl 2 millionen user die jungs – aber ich find die idee trotzdem ziemlich mies!

  5. hathead
    schrieb am 22. Mai 2009 um 11:11 Uhr (#)

    Eine Insolvenz anzumelden hat nichts mit der Schließung eines Dienstes zu tun. Warum wird also allerorten die Vergangneheitsform genutzt, wenn wir über insolvente Firmen sprechen?

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 22. Mai 2009 um 11:14 Uhr (#)

    Ich nehme an, du beziehst dich auf andere Artikel zum selben Thema? Ich habe eigentlich versucht, die Vergangenheitsform zu verwenden, maximal den Konjunktiv (wie in der Überschrift).

  7. hathead
    schrieb am 22. Mai 2009 um 11:17 Uhr (#)

    Ich habe da eine Formulierung missverstanden. Aber ich will mich auch nicht dran hochziehen. Es fällt mir in letzer Zeit überall auf das da offenbar etwas falsch verstanden oder zumindest falsch verbreitet wird. Das ist der aktuellen Wirtschaftslage und vor allem jener der Zahlungsunfähigen Unternehmen eher abträglich.

  8. Thomas Kandler
    schrieb am 25. Mai 2009 um 16:37 Uhr (#)

    Wie groß ist die Chance jemanden auf einer Webseite zu treffen?

    Wenn ich in einer Großstadt schon eher selten einen Freund auf der Straße treffe, wie wahrscheinlich ist es dann im Internet?

    Sehr absurde Idee, die mithilfe der zusätzlich benötigten Software komplett unrealisierbar ist.

  9. Cujo
    schrieb am 15. September 2011 um 09:51 Uhr (#)

    2 Jahre nach der Insolvenz ist Weblin wieder zurück :) Zur Zeit wird es zwar nur von einer einzigen Person entwickelt, aber das kann sich noch ändern, wenn es als OpenSource frei gegeben wird.

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