Studie:
Buch-”Piraterie” harmloser als gedacht

Das Ergebnis einer Studie: Kostenlose PDFs können ganz wesentlich beim Marketing eines neuen Buchs helfen, und bereits im Handel erhältliche Bücher können durch ein kostenloses E-Book erneut Aufmerksamkeit bekommen.

Führen illegale Downloads zu mehr oder weniger Verkäufen? An dieser Frage scheiden sich seit Jahren die Geister. Manch einer argumentiert, dass jeder Download auch eine Art Werbung ist. Andere lamentieren, dass jede unlizenzierte Kopie einem Verkaufsausfall entspricht.

Neue E-Book-Reader wie Amazons Kindle bescheren uns derzeit eine Renaissance dieser Debatte. So argumentierte Jason Kinkaid kürzlich auf Techcrunch, dass der 500 Dollar teure Kindle allein deswegen erfolgreich sein wird, weil man damit illegal heruntergeladene PDFs lesen kann. Die New York Times schrieb diese Woche, dass Buch-Piraterie ein „beängstigendes neues Phänomen“ für Buchautoren und Verlage sei – und ließ dann natürlich auch noch Cory Doctorow zu Wort kommen, der Piraterie ganz großartig findet.

Tja, was stimmt denn nun? Wird Buch-Piraterie zum Ruin des Verlagswesens führen, vergleichbar mit dem derzeitigen Zusammenbruch der Musikindustrie? Oder werden kostenlose E-Book-Kopien den Verkauf von Büchern ankurbeln? Der IT-Buch-Verlag O’Reilly Media und der US-Verlagsriese Random House begannen im letzten Jahr ein gemeinsames Daten-Analyse-Projekt, um eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Die Resultate dieser Arbeit wurden diese Woche in Form eines Reports mit dem Titel „The Impact of P2P and Free Distribution on Book Sales“ veröffentlicht. Das Ergebnis, ganz grob zusammengefasst: P2P ist längst nicht so gefährlich für Verlage wie gemeinhin gedacht. Noch nicht, jedenfalls.

Grafik (C) Brian O'Leary / O'Reilly Media.
Grafik (C) Brian O'Leary / O'Reilly Media.

Die Autoren der Studie analysierten Daten für acht O’Reilly-Bücher zu Themen wie Ubuntu, Python und Ajax – Themen, von denen man ja denken würde, dass sie unter P2P-Nutzern populär sind. Trotzdem vergingen im Schnitt rund 20 Wochen vom Erstveröffentlichungsdatum, bis Kopien der Bücher auf Torrent-Sites oder bei PDF-Hostern wie Scribd auftauchten.

Ebenfalls überraschend: In der Regel verkauften sich Titel besser, nachdem kostenlose Kopien auf diesen Sites veröffentlicht worden waren. Allerdings lag der Zuwachs im Schnitt nur bei sechs Prozent. Auf Torrent-Sites waren die Bücher zudem nie sehr lange populär. Scheinbar hat P2P derzeit einfach keine langfristigen Auswirkungen auf Bücher.

Die Studie beschäftigte sich auch mit der Strategie, kostenlose E-Books als Werbemittel für Bücher einzusetzen. Das Ergebnis: Kostenlose PDFs können ganz wesentlich bei Marketing eines neuen Buchs helfen, und bereits im Handel erhältliche Bücher können durch solch ein kostenloses E-Book erneut Aufmerksamkeit bekommen. In einem Fall verzeichnete ein Buch demnach durch einen kostenlosen Download 155 Prozent mehr Verkäufe.

„Man kann argumentieren, dass mehr Leute ein Buch kaufen, wenn mehr Leute ein Buch kennen“, fasst die Studie dieses Ergebnis zusammen. Natürlich könnte sich die Lage auch verändern, wenn PDF-Piraterie durch den Kindle und ähnliche Geräte wirklich viel populärer wird. E-Book-Piraterie könnte damit zumindest für einige Verlage bedrohlich werden. Ein Beispiel dafür könnten Fachverlage sein, die teure wissenschaftliche Sachbücher veröffentlichen.

Glücklicherweise sieht es so aus, als könnte dies noch eine Weile dauern. Genug Zeit für Verlage, um sich neue Geschäftsmodelle zu überlegen. Oder um sich ein Beispiel an der Musikindustrie zu nehmen und gegen Windmühlen anzukämpfen.

Janko Röttgers arbeitet als freier Journalist und Redakteur des P2P Blogs in Los Angeles.

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3 Kommentare

  1. christian Neiwirth
    schrieb am 14. Mai 2009 um 19:12 Uhr (#)

    Der Autor von Der Raubkopierer sieht die Sache eindeutig!

    http://www.derraubkopierer.de

  2. Martin
    schrieb am 15. Mai 2009 um 18:51 Uhr (#)

    Jojo das ist der gleiche Quatsch wie sich Raubkopierer rausreden wollen. “Ich höre mir den Song ja nur kurz an und kaufe ihn dann im Laden” Vermutlich sagen sie das auch bei Filmen die sie sich runterziehen. HAHA.

  3. Oliver Springer
    schrieb am 15. Mai 2009 um 22:43 Uhr (#)

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die E-Book-Reader aus eben dem Grund sehr schnell Verbreitung finden werden, weil sich damit Massen an Büchern als illegale Kopien gratis lesen lassen.

    Ein PDF, das man auf dem PC-Monitor, einem Notebook oder einem Netbook liest, ist noch nicht so bedrohlich für die gedruckten Bücher.

    So eine PDF-Lösung auf solchen Geräten ist vergleichbar mit einem MP3-Player mit winzigem Speicher (denken wir mal an 64 MB-Modelle), auf dem man sich nur eine handvoll Songs ins schlechter Qualität anhören kann.

    Das ist nicht attraktiv. Ein moderner iPod mit riesiger Festplatte bietet dagegen auf verschiedenen Ebenen das bessere Erlebnis für den Nutzer.

    Die neuen E-Book-Reader liegen irgendwo dazwischen: brauchbar, durchaus spannend, aber wohl kaum der Standard, den wir in ein paar Jahren noch nutzen werden.

    Soll heißen: Sind die E-Book-Reader erst so weit gereift wie heute ein iPod, werden gedruckte Bücher zu Liebhaberstücken.

    Wer in der jetzigen Situation sein Buch verschenkt, kann Glück haben. Wer von Euch würde 400 Buchseiten am Monitor lesen, auf einem Notebook, Netbook oder iPhone?

    Aber auf einem der heutigen E-Book-Reader kann man durchaus ganze Bücher lesen.

    Wenn es keine gedruckten Bücher mehr gibt, wo bleibt dann der Werbeeffekt für die Printausgabe?

    Was alle Verlage heute schon praktizieren sollten, ist, das erste Kapitel jedes ihrer Bücher zum Gratisdownload ins Netz zu stellen.

    Außerdem sollten sie jetzt, da die Leute noch nicht verlernt haben, für Inhalte zu zahlen, die Preise schrittweise auf ein für digitale Inhalte vernünftiges Niveau senken. Für den Anfang wären 50 % des Preises für Papierbücher ausreichend. Auf Dauer wäre das viel zu hoch, aber wäre ein Preisnachlass in Höhe von 50 % ein sehr gutes Kaufargument.

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