Jeff Jarvis:
Werdet eine Plattform

Jeff Jarvis sprach auf der next09 über Aufgabe von Kontrolle im Web als Erfolgsstrategie.

wwgdJeff Jarvis, u.a. Blogger auf Buzzmachine.com, Professor an der New York University und seinerzeit Mitgründer von Entertainment Weekly, hat in seiner Keynote auf der next09 die wichtigsten Punkte seines Buches “What Would Google Do?” oder – auf deutsch – “Was Würde Google Tun?” für das Publikum zusammengefasst.

Die schon von The Next Web bekannte Präsentation kann man auf Slideshare anschauen:

WWGD? – The PowerPoint      
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Die wichtigste Regel, die Jarvis für ein erfolgreiches Geschäft im Internet-Zeitalter aufgestellt hat, dürfte wohl folgende sein:

  • Gib den Leuten Kontrolle, wir werden es nutzen. Gib uns keine Kontrolle und du verlierst uns.

Jarvis’ Tipp (und letztlich die folgerichtige Konsequenz aus der eben genannten Regel):

Werde eine Plattform. Gib den Leuten so viel Freiheiten wie möglich, um von ihrer Kreativität zu profitieren.

Beispiele gibt es dafür einige. Mashups von Google Maps etwa. Oder das Ökosystem rund um die API (Programmierschnittstelle) des Mikroblogging-Dienstes Twitter. Ich habe mich vor einem Jahr mit der Thematik ebenfalls beschäftigt, allerdings eher aus einer B2B-Perspektive.

In Bezug auf journalistische Angebote hat Jarvis noch einmal auf seinen altes, aber immer noch zutreffendes Mantra verwiesen: Mache, was du am besten kannst, und verlinke auf den Rest.

Nachrichtenangebote online müssen vermehrt Nachrichten und Communities organisieren. Aktuell findet das, vor allem deutschsprachigen Raum, nicht statt. Die Online-Ableger der traditionellen Medienangebote kochen alle noch ihr eigenes Süppchen. Sie versuchen alles selbst abzudecken und verlinken nur in Ausnahmefällen nach außen. Und eine eigene Community existiert bei keinem der führenden Angebote.

Die Offenheit hat auch ihre Grenzen. Darauf angesprochen, dass Google seinen Suchalgorithmus nicht offenlegt, verweist Jarvis auf die Problematik, dass die Offenlegung den Algorithmus manipulierbarer machen würde (Anmerkung: Außerdem würde Google der Kopierbarkeit der eigenen Suchergebnisse Tür und Tor öffnen.). Würde genau das, also egoistische Absichten, die dem System schaden, nicht gegen Offenheit sprechen? Nein, merkte Jarvis zu recht an, es geht um kalkulierbare Risiken. Man öffnet sich so weit es geht, um die Kreativität der Leute einzubinden, muss aber dabei die Möglichkeiten von Manipulation im Auge behalten.

Weiterführende Links:

An dieser Stelle möchte ich auf eine Artikelserie auf Jarvis’ Blog verweisen, in der er sich mit den aktuellen wirtschaftlichen Verschiebungen beschäftigt. Sehr lesenswert:

Interview mit Jeff Jarvis auf Spiegel Online:

Wir sind Medienpartner der next09.

 

Mehr lesen

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11 Kommentare

  1. Gibt den Leuten die Kontrolle? – Die Idee klingt vernünftig, allerdings Leben wir in einer Welt in der die Menschen noch nicht mal gewillt sind zur Wahlurne zu gehen. Den Leuten muss man erstmal beibringen mit Verantwortung umzugehen bevor man ihnen irgendeine Form von Kontrolle zugesteht.

  2. Wie man ausgerechnet die Paranoiker und Kontrollfreaks von Google mit Attributen wie “transparent, honest, open, not evil, trusty” versehen kann, erschliesst sich mir nicht und nagt auch an dem gesamten Gedankengebäude von Jarvis. Aus dem Erfolg von Google (und zudem deren eigenen Marketing-Buzzwords) eine neue Wirtschaftstheorie abzuleiten, nun ja, ähnliches machen Wirtschaftsratgeber seit Jahrzehnten: anhand von Einzelbeispielen eine neue Theorie zu konstruieren…nur vergessen sie dabei den grossen Rest.

  3. @fragezeichner inwiefern sind die Googler denn Kontrollfreaks?

  4. Marcel, ich kenne kaum ein Unternehmen (höchstens Apple), die so darauf bedacht sind, dass Informationen nicht nach aussen dringen wie Google. Aber häng dich bitte nicht an dem Wort auf, vielleicht ist Google auch nicht viel schlimmer als andere: aber auf jeden Fall nicht transparent, offen und ehrlich…

  5. ich glaub ihr habt den Artikel nicht verstanden.
    seht euch einfach mal beispiele wie salesforce oder facebook an. darauf zielt der artikel ab. nicht ob google “evil” ist

  6. “Die Offenheit hat auch ihre Grenzen. Darauf angesprochen, dass Google seinen Suchalgorithmus nicht offenlegt, verweist Jarvis auf die Problematik, dass die Offenlegung den Algorithmus manipulierbarer machen würde.”

    Ja klar, und die Offenlegung des Source Codes von z.B. Linux würde ihn getreu der Argumentation von Jarvis leichter angreifbar machen.

    Durch die Offenlegung (Bsp. Linux) werden zwar Schwachstellen leichter sichtbar aber gleichzeitig auch leichter korrigierbar.

    Das ist so eine elende Doppelmoral. Genauso wie bei dem Google Book Deal. 60 Dollar pro Autor und im Allgemeinen ist der Deal ja besser für die Menschheit.

    Klar, wieso wendet Google das Prinzip nicht auch auf sich an.
    Bei 20.000 Mitarbeiter und jeweils 60 Dollar, müsste also jemand nur 1.200.000€ an Google überweisen und im Anschluss müsste Google den gesamten Source Code veröffentlichen – das wäre sicher auch nur gut für die Menschheit, oder etwa nicht?

  7. michael, das “Werdet eine Platform” ist ja nun nicht gerade etwas neues, sondern einer der massgeblichen Gründe für den Erfolg von Microsofts Windows in den 80ern.
    Googles Erfolg hat damit auch nicht im geringsten zu tun, sondern ist durch eine überlegene Technologie in der Web-Suche entstanden, die niemand von den Etablierten als wichtig genug betrachtet hat. Zudem haben sie dazu ein perfektes Geschäftsmodell, Schlüsselwort-basierte Werbeeinblendungen, gefunden, das auch heute noch mehr als 90% ihres gesamten Umsatzes beiträgt. Eine umwälzende Innovation in diesem Bereich könnte auch Google in grosse Schwierigkeiten bringen.

  8. Find ich toll, wie NW Artikel von anderen Seiten recycelt. Bin mir sicher diesen artikel heute schon wo anderes gesehen zu haben. Peinlich, Peinlich

  9. @Michael: genau, das sind gute beispiele. Besonders salesforce.

    @Thomas Schätz: Ich habe die keynote, die ich gestern besucht hatte, hier zusammengefasst bzw. auf den wichtigsten Punkt aufmerksam gemacht. Hier wird nix ‘recycelt’.

  10. Ich denke auch, die sozialen Plattformen sind langweilig. Künftig wird der persönliche KOntakt immer mehr wichtig werden.

  11. Die Sache mit der Plattform ist überzeugend. Wie Fragezeichner allerdings richtig anmerkt, lässt sich das ebenfalls auf Windows beziehen.

    Das Wort Offenheit weckt vielleicht zu große Erwartungen. Die Offenheit hat nicht nur Grenzen, sie hat teilweise recht enge Grenzen – innerhalb derer dann allerdings schon ein Freiraum besteht.

    Ob Nachrichtenangebote tatsächlich mehr in diese Richtung gehen müssen (!), bezweifle ich. Das ist ein Weg.

    In seinem Buch sagt Jeff Jarvis ja auch, dass man zur Ware wird, wenn man nicht die Plattform ist (mal ganz vereinfacht).

    Da möchte ich auf den Guardian mit seiner API verweisen. Die API ist zwar wieder eine Plattform, doch die eigenen Inhalte dezentral über unzählige Websites zu verbreiten, lässt den Content dann doch zur Ware werden. Das seh ich allerdings überhaupt nicht negativ.

    Vielleicht sollten die Inhalteproduzenten (zum Beispiel Zeitungsredaktionen) also im Gegenteil von der Organisation der Nachrichten gerade trennen.

    Was ist eigentlich das Geschäft von redaktionellen Angeboten (ob auf Papier oder online)? Ist es nicht gerade die Erstellung von Inhalten, die Recherche usw.?

    Nachrichten zu organisieren und dazu eine Community zu bilden, das können andere Unternehmen möglicherweise viel besser.

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