Evolution der Cloud:
Der Abschied von der Festplatte

Martin Weigert, 5. Mai 2009 10:51 Uhr, 20 Kommentare Kommentare

Onlinespeicher zum Backup und Synchronisieren von Dateien gewinnt an Bedeutung. Doch alles, was wir aus dem Netz herunterladen, landet unweigerlich auf der lokalen Festplatte. Könnte man diesen Zwischenschritt umgehen, ließen sich Zeit und Ressourcen sparen.

Das US-Startup Dropbox gehört zu den bekanntesten Vertretern von auf Endnutzer ausgerichteten Cloud-Hosting-Anbietern. Nicht zuletzt wegen seiner vielseitigen Einsetzbarkeit ist der Dienst, der gerade die Marke von einer Million Anwendern durchschritten hat, eines der favorisierten Webtools der netzwertig.com-Redaktion. Ähnliche Services zum Speichern und Synchronisieren von Dateien über das Netz heißen ZumoDrive, Syncplicity oder SugarSync.

Über diesen Tweet bin ich am Samstag auf einen Blogbeitrag gestoßen, der beschreibt, wie man Dropbox zweckentfremden und als simple Lösung für das Hosting statischer Websites einsetzen kann. Einmal mehr wurde mir bewusst, wie breit das Einsatzspektrum dieser immer relevanter werdenden Gattung von Cloud-Diensten ist – relevanter deshalb, weil wir zunehmend von unterschiedlichen Geräten aus online gehen (Privatrechner, Arbeitsnotebook, Smartphone) und einen zentralen, zuverlässigen Zugriff auf auf unsere häufig benötigten Dateien fordern.

Kaum war ich dabei, angeregt durch den Artikel über weitere Anwendungsgebiete für Dropbox & Co nachzudenken, kam mir ein Beispiel in den Sinn, welches nicht nur den digitalen Alltag erleichtern, sondern auch die Breitbandprovider freuen würde.

Obwohl das Thema Cloud Computing seit einiger Zeit vielerorts heiß diskutiert und enthusiastisch gefeiert wird, hat es speziell in den privaten Bereich bisher nur indirekt durch verschiedenste Web-2.0-Dienste und die dort integrierten, browserbasierten Anwendungen Einzug gehalten. Ein großer Teil unserer täglichen Computer- und Onlineaktivitäten läuft nach wie vor über die lokale Festplatte. Wir installieren Programme auf unserem Rechner und laden Daten unterschiedlichster Art aus dem Web auf unseren Desktop. Da unterscheidet sich der Heavy User kaum vom Durchschnittsnutzer.

Einige der Dateien, die ich herunterlade, lege ich kurz danach auf meinem Dropbox-Speicher ab, um sie auch vom Bürorechner und dem iPhone aus verfügbar zu haben. Dem Download-Prozess aus dem Web auf meine Festplatte folgt ein Upload von meiner Festplatte zurück ins Netz (zu Dropbox). Offensichtlicher könnte die Verschwendung von Ressourcen kaum sein. Der Vorgang kostet mich nicht nur Zeit, sondern verursacht zudem unnötigen Datenverkehr. Letzteres ist eine Problematik, über die sich User in Zukunft wieder mehr Gedanken machen müssen.

Die Weiterentwicklung der Cloud-Hosting-Services müsste dazu führen, dass ich Downloads direkt auf meinen Onlinespeicher bei z.B. Dropbox leiten könnte, ohne den bisher notwendigen Umweg über die lokale Festplatte. Bei Dropbox verwalte ich dann sämtliche aus dem Netz geladenen Dateien, bis ich sie tatsächlich benötige. Geeigneter als Dropbox wäre hier eigentlich das Streaming-Verfahren von ZumoDrive, das dort gespeicherte Dateien erst auf dem eigenen Rechner ablegt, wenn man dies explizit veranlasst.

Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand: Der Umweg über die Festplatte entfällt, der heimische Breitbandanschluss wird entlastet. Gleichzeitig habe ich sämtliche “heruntergeladenen” Inhalte und Informationen aus dem Web garantiert auf meiner Onlinefestplatte, auf die ich von jedem Gerät mit Internetverbindung aus zugreifen kann.

Auch muss man sich nicht auf das bloße Ablegen von Dateien auf dem Webspeicher beschränken. Videos und Musik werden direkt von dort gestreamt, Dokumente und Fotos bearbeitet, Programme gestartet. Letzteres ist zwar noch einmal ein zusätzlicher Evolutionsschritt, aber deshalb keineswegs abwegig. Wenn ich eine Software aus dem Internet lade, möchte ich auch diese von jedem Rechner aus nutzen können. Statt sie lokal zu installieren und damit mein Betriebssystem zu verstopfen, schicke ich sie direkt zu meinem Onlinespeicher, wo sie installiert und von dort auf Wunsch ausgeführt wird – Internetverbindung vorausgesetzt.

So stelle ich mir für Endnutzer die nahe Zukunft des Cloud Computings vor. Herausforderungen gibt es genug, und speziell das Installieren und Ausführen von Software bei Hosting-Services, die somit quasi als Plattform für alles fungieren, dürfte einiges an Tüftelarbeit und Komplikationen mit sich bringen.

Gegen die Möglichkeit des Downloads von Daten ohne Zwischenschritt über den heimischen Computer hingegen spricht schon jetzt nicht mehr viel. Vorstellbar, dass Dropbox oder einer seiner Konkurrenten zeitnah ein solches Feature lanciert. Der Nutzen für die Cloud-Anbieter liegt auf der Hand: Können Anwender die Services als zentrale Sammelstelle für Downloads einsetzen, steigt für sie der Bedarf an großen Speichermengen – die man bei den sonst kostenlosen Diensten gegen Entgelt bekommt.

Foto: Flickr/sugree (CC-Lizenz)

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20 Kommentare

  1. Tobias Knapp
    schrieb am 5. Mai 2009 um 12:03 Uhr (#)

    Plötzlich kann ich mir den massiven Zuwachs an Followern erklären (9! ;).

    Da Dropbox offensichtlich erst den Anfang der Online-Speicher Dienste darstellt, kann man sich wirklich nur auf weitere Entwicklungen und Angebote freuen.

  2. hathead
    schrieb am 5. Mai 2009 um 12:58 Uhr (#)

    Diese Funktion ist in der Branche der Sharehoster seit langem als Remote-Upload bekannt. Es ist eigentlich verwunderlich, dass das Dropbox-Team das nicht schon im Online-Frontend verfügbar hat. Allerdings ist der vorgang des remote Uploadens auch keinesfalls trivial. Dank zahlreicher weiterleitungen, download-popups, cookie überprüfungen, etc. wird genau dieser Vorgang erheblich erschwert. Um das also Vernünftig umzusetzen müssten Download-Links auch so gehandhabt werden, wie herkömmliche Links. Das ist mitlerweile leider selten der Fall.

  3. datenklau
    schrieb am 5. Mai 2009 um 13:35 Uhr (#)

    Datentranfer findet unverschlüsselt statt, werden gaklut geheime Unterlagen. Gehen verloren Informationen

  4. Manfred
    schrieb am 5. Mai 2009 um 17:30 Uhr (#)

    Die Kommentare sollten mal moderiert werden, wird ja immer schlimmer hier.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. Mai 2009 um 17:31 Uhr (#)

    Ich gehe einfach mal davon aus, dass datenklau ein Nutzer aus dem Ausland ist, der auf Deutsch zu kommentieren versucht hat.

  6. Ralph Schäfer
    schrieb am 5. Mai 2009 um 19:01 Uhr (#)

    Wenn ich das Posting von “datenklau” richtig interpretiere, gehen seine Bedenken bei so einem Dienst in die gleiche Richtung wie meine. Ich würde so einen Dienst nur zur Ablage von im Internet sowieso frei verfügbarer Dokumente und Daten machen.
    Eigene private und damit sensible Daten würde ich auch verschlüsselt dort nicht ablegen. Man kann ja nie wissen.

  7. Julian Schrader
    schrieb am 5. Mai 2009 um 21:09 Uhr (#)

    Ich nutze DropBox sehr intensiv und habe auch oben beschriebenes Problem mit den Downloads, die zuerst heruntergeladen werden, um gleich darauf wieder „in die Cloud“ geladen zu werden.

    Mache ich das tagsüber aus der Uni, geht das schön schnell und stört mich nicht weiter (auch wenn es natürlich den Traffic belastet). Aber von zuhause aus lahmt es sehr.

    Teillösung wäre, einen DropBox-Clienten auf meinem Server laufen zu lassen. Dann ginge das immerhin noch eine Spur schneller — unnötige Belastung in Sachen Traffic entsteht dabei natürlich trotzdem.

    Anderes Thema: Den Streaming-Ansatz (Daten erst laden, wenn sie benötigt werden) finde ich nicht gut — ich packe die Files in die DropBox, damit sie schon auf mich warten können wenn ich zuhause ankomme. Ich will nicht selbst wieder warten müssen.

  8. Michael
    schrieb am 5. Mai 2009 um 21:31 Uhr (#)

    Offensichtlich bin ich zu blöd, aber müssen die Daten, zB wenn ich mir ein Musikvideo anschaue, nicht ohnehin durch die Breitbandverbindung in meinen Rechner? Ob ich sie dann von der originalen Quelle auf mein Notebook streame oder von Dropbox, darin erkenne ich bezüglich Downloadvolumen keinen Unterschied (klar, von der Möglichkeit des ständigen Zugriffs – zB wenn die Originalquelle nicht mehr online sein sollte – ist es natürlich ein Vorteil)

  9. ysamjo
    schrieb am 5. Mai 2009 um 22:16 Uhr (#)

    Genau diese Lücke könnte der Dienst hier füllen:
    https://dale3h.com/dropboxer/

    Könnte weil, wie hier in den Kommentaren schon erwähnt, die Sicherheit mit Füßen getreten wird.
    Aber eine individuelle Mail-Adresse (wie z.B. bei Evernote benutzt) einzurichten, sollte für das Dropbox-Team kein größeres technisches Problem darstellen.

  10. Wingi
    schrieb am 6. Mai 2009 um 09:22 Uhr (#)

    Wow – was für eine Erkenntnis: Jeder normale “Cloudspeicher” mit freier Schnittstelle (z.B. Webdav) kann zum Beispiel in ein Hostingpaket “eingemounted” werden.Jeder “Couldspeicher” ohne Autehtifizierung kann zur Ablage von Ebay-bildchen benutzt werden.

    Was wirklich ärgerlich ist:Das Remote-Upload-Problem ist oben schon angesprochen worden, das würde am besten per Browser-Plugin erledigt werden.

    Ciao – Wingi.

  11. mein name
    schrieb am 6. Mai 2009 um 11:56 Uhr (#)

    Alter Hut, demnächst wird NW wahrscheinlich über die ERfindung der Glühbirne berichten.

  12. Philipp Strube
    schrieb am 6. Mai 2009 um 15:33 Uhr (#)

    Ich muss widersprechen. Gerade andersrum wird ein Schuh draus.

    Bei der Dropbox Synchronisation werden die Daten nur übertragen, wenn sich etwas geändert hat. Die Dateien bei jedem Zugriff zu übertragen verbraucht mehr Traffic, dass sollte eigentlich klar sein.

    Was Du beschreibst ist eine Dateifreigabe. Diese ist schon seit Jahren problemlos auch über das Internet möglich. Nur leider sehr langsam, trafficintensiv und nicht verfügbar sollte man mal offline sein.

    Ich sehe auch nicht, wieso sich das bei mehreren Geräten ändern sollte…

    Das ist ja der Grund, warum Dropbox mit seinem Synchronisationsansatz die bessere Lösung ist. Dass man nebenbei noch das public Folder hat ist nett, aber nur eine Beigabe.

    Ausserdem würde ich Dropbox und Konsorten eher als Cloud Storage und nicht als Cloud Hosting bezeichnen. Zum hosting von Webseiten sind solche Dienste, von netten Spielereien wie der beschriebenen mal abgesehen, nicht geeignet. Dynamische Inhalte und Datenbanken irgendjemand?

  13. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. Mai 2009 um 17:11 Uhr (#)

    Philipp, wir beziehen uns auf sehr unterschiedliche Anwendungsbeispiele. Du sprichst von Sync, ich über das Downloaden von Dateien direkt zu Dropbox.

    Außerdem habe ich so mein Problem mit Äußerungen à la “Das ist schon seit Jahren möglich und zwar mit XYZ” – es geht selten darum, seit wann es eine Technologie gibt, sondern hauptsächlich, wann sie für eine große Menge an Menschen einfach und simpel zugänglich gemacht wird. “Dateifreigabe” und “WebDav” kann man unter diesem Gesichtspunkt vergessen.

    Was Hosting und Storage betrifft, gebe ich dir Recht: Storage ist wahrscheinlich die passendere Bezeichnung.

  14. Philipp Strube
    schrieb am 7. Mai 2009 um 13:28 Uhr (#)

    Ok verstehe teilweise was Du meinst. Allerdings sehe ich da ein großes Problem im Bezug auf die Zugriffsrechte. Wäre mal ein Thema was jemand lösen sollte. Soweit ich weiss, ist dieses Problem nichtmal im Bereich der besser kontrollierbaren internen Netzwerke gelöst.

    Im Internet kollidieren dann zusätzlich noch die oftmals kommerziellen Interessen der Anbieter, Stichwort “Dataportability”.

    Was ich allerdings dabei nicht ganz verstehe ist, was mache ich mit der Datei die ich von einem Ort im Internet an einen anderen Ort im Internet kopiert habe? Wenn ich die irgendwo nutzen will muss ich sie ohnehin runterladen. Und warum kann ich sie dann nicht direkt vom ersten Ort runterladen?

    Versteh mich nicht falsch, ich bin grundsätzlich der Ansicht nichts ist unmöglich und jedes Problem lässt sich lösen. Insbesondere wenn es lediglich technischer Natur ist.

    Aber ein paar kritische Anmerkungen zu Deinen Gedanken wollte ich einfach mal zur Diskussion stellen.

  15. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. Mai 2009 um 13:44 Uhr (#)

    Konstruktive Diskussionen dieser Art begrüße ich sehr!

    Ja, die Datei, die ich von einem Ort im Web an einen anderen “heruntergeladen” habe, muss ich natürlich dann noch lokal downloaden (sofern ich sie nicht direkt online streame bzw nutze. Mir geht es darum, dass ich dies dann von einem Gerät meiner Wahl tun kann – oder von allen. Im Gegensatz zu dem herkömmlichen Download, der eben auf einem einzigen Gerät durchgeführt wird. Möchte man auf die jeweilige Datei (z.B. ein Musikalbum oder ein größeres Video) aber von verschiedenen Geräten aus Zugriff haben, ist dies nicht möglich.

    Ich sehe das aus der Perspektive eines Users, der täglich mindestens an zwei Rechnern sitzt sowie auch über das Smartphone Zugriff auf seine Daten haben möchte.

  16. Julian Schrader
    schrieb am 7. Mai 2009 um 13:49 Uhr (#)

    @Philipp Strube: Mein persönlicher Usecase sieht zum Beispiel so aus: Am MacBook Pro in der Uni lese ich meine Feeds — natürlich nur zwischen den Vorlesungen ;-) — und habe sehr schnelles Internet zur Verfügung. Eine Datei die ich herunterlade ist nahezu sofort auf der Festplatte. Wenn sie ich sie allerdings nicht sofort „bearbeiten“ kann und das später zuhause machen möchte oder die Datei irgendwie noch brauche, schiebe ich sie in meinen DropBox-Ordner — mein Mac Pro zuhause läuft und lädt das sofort herunter, sobald ich dort ankomme kann ich gleich weiterarbeiten.

    Die Datei wartet schon auf mich — anderenfalls müsste ich zum Teil elend lange warten, da wir zuhause lediglich DSL1500 bekommen.

  17. Alex
    schrieb am 7. Mai 2009 um 16:09 Uhr (#)

    Guter Artikel!

    Bzgl. des Themas Dropbox vs. Sicherheit kann ich euch nur den Eintrag hier empfehlen. Dort wird ausfürhlich beschrieben, wie man z.B. mit Hilfe von TrueCrypt seine Daten verschlüsselt speichern kann, ohne dabei immer den ganzen TC-Container komplett zu synchronisieren.

  18. Stephan
    schrieb am 7. Mai 2009 um 21:18 Uhr (#)

    Wenn man mal etwas abseits von DropBox etc. schaut, ist alles was du gern hättest schon seid ca. 30 Jahren möglich.
    Man muss nicht immer erst alles downloaden, man kann im Netz gezielt Dateien von Rechner a nach c, ohne über b, verschieben, kopieren, … . Und mittels Xhost zB. kannst du Programme aufrufen die auf irgend einem Rechner im Netz installiert sind, entspr. Freigaben vorrausgesetzt. Deine Visionen oder Ideen lesen sich ein wenig wie die Grundmerkmale eines UNIX-Systems. Zugegeben, das alles hinzubiegen ist nicht einfach, aber es geht. Und ich könnte mir vorstellen, dass mit zunehmender Verbreitung von unixartigen Systemen es mehr und mehr einfach zu bedienende Tools/Services für “Cloud Computing” geben wird.

  19. Ges
    schrieb am 8. Mai 2009 um 17:09 Uhr (#)

    Ich benutze seit längerem Dropbox, Syncplicity, Live Mesh und Box.net und habe diese Angebote bisher auch nur als passive Speicherlösung betrachtet. Aber der Abruf von Programmen von diesen Online-Festplatten ist gar nicht so abwegig, wenn man deren Ausführung an Umgebungen wie Adobe AIR oder Mozilla Prism koppelt. In dieser Konstellation hatte ich das auch noch nicht betrachtet. Das lässt ahnen, wohin die Zukunft geht.

  20. Samy
    schrieb am 9. Mai 2009 um 01:39 Uhr (#)

    Wer das Plugin “DownloadHelper” für Firefox kennt, weiss wie einfach und komfortabel es ist. Ein Klick und schon kann man die .FLV oder .MP3 Datei runterladen. Sowas für Dropbox zu machen wäre nicht schwer. Außerdem kann man weitere Infos wie z.B. Referrer der Datei usw. mitsenden.

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