Blogger-Protest:
Facebook schmeißt Nazis raus

Zensur bei Facebook! Beim größten Social Network der Welt treffen sich auch Nazis – eine Bloggerin sammelte Beispiele, jetzt reagiert Facebook und löscht Dreck.

Nazi-Müll auf Facebook (Screenshot)
Nazi-Müll auf Facebook (Screenshot)

In diesem Jahr haben sich im Schnitt eine halbe Millionen Menschen pro Tag bei Facebook angemeldet – und nicht wenige dürften aufgrund überbordender Funktionen, Meldungen und Zeugs an der Website verzweifeln, was aber eine ganz andere Geschichte ist. Jedenfalls treffen sich auf Facebook Abermillionen Menschen und verändern die Welt, wie es Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gerne ausdrückt. Und wie das nunmal mit der Größe so ist: Es finden sich dunkle Ecken im Fotojahrbuch der Onlinewelt. Nazis treffen sich in SS-Freundesgruppen und werden Fan von Nazi-Größen.

Eine Liste mit 200 Beispielen hat Bloggerin Lanu in einem offenen Brief gesammelt, in dem sie Facebook rechtliche Schritte androht, sollten die entsprechenden Seiten nicht gelöscht werden. Jetzt reagiert Facebook und löscht offenbar die angeprangerten Nazi-Gruppen und Führer-Profile. Besonders pikant an der ganzen Angelegenheit: Zu den NS-Gruppen und Braunsumpf-Fans wird Werbung eingeblendet – von namhaften Firmen, die über die Nazi-Connection wenig erfreut sein dürften.

Dass auf Facebook, wo ohnehin ein Großteil der rüber 800 Mitarbeiter mit Aufpassen und Nutzer-Support beschäftigt ist, derartige Gruppen und Profile existieren können, liegt auch an den übrigen Nutzern selber. Schließlich gibt es eine Verpfeif-Funktionen, einen “Melde”-Button, mit dem die Community-Müllabfuhr herbeigerufen werden kann. Auch in der virtuellen Welt heißt es: Aufstehen und laut sein gegen Nazis.

Denn das sich der braune Mob auf der Plattform einnisten kann, ist auch eine Folge der Funktionsweise von Facebook, wo eben nicht jede Nachricht vor der Veröffentlichung freigeschaltet werden muss. Das wäre personell nicht zu leisten und auch nicht wünschenswert. Dass den Facebook-Mitarbeiter bei ihren Streifzügen durch ihre immer voller werdenden Viertel nicht immer alles sofort ins Auge springt, sondern sie auf die Mithilfe der Community angewiesen sind, ist klar.

Nazis bei Facebook, so unerträglich und widerlich sie auch sind, wären erst dann ein Skandal, wenn sie geduldet werden würden. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.

Zum Thema:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. Manuel
    schrieb am 15. April 2009 um 14:55 Uhr (#)

    Na immerhin passiert da was und die Melde-Funktion funktioniert auch.

    Im Gegensatz zum studiVZ, wo monatelang nichts passiert und dann halbherzig.

  2. Felix
    schrieb am 15. April 2009 um 18:08 Uhr (#)

    Im Gegensatz zum studiVZ, wo monatelang nichts passiert und dann halbherzig.

    Löscht StudiVZ Nazi Sachen etwa nicht, wenn sie gemeldet werden? Ich erinnere nur mal an diese Liste: http://mehrblog.net/2008/…rvz-zu-suchen-haben/

    Das meiste davon war schon gelöscht, als der Artikel online ging, weil wir´6 Stunden vorher alles gemeldet hatten. Natürlich sind die auch nicht so schnell und gut beim löschen wie sie sein sollten (zumal sie ja anscheinend nicht slebst danach suchen) aber Facebook löscht ja fast garnichts (Wenn nicht gerade ein skandal droht)

  3. Der Wobbler
    schrieb am 16. April 2009 um 05:52 Uhr (#)

    Wo Nazis leider – obwohl auch unerwünscht – mangels Personal fast freie Bahn haben, sind alte Heise-online-Artikel.

    Außerdem machen sie dort freie Jagd auf Redakteure. Bedrohen deren Frauen etc.

    Aber so ist es halt: Es braucht Lanu, damit das Offensichtliche getan wird, vorher interessiert es keine Sau! (Und damit meine ich nicht Facebook – dass Facebook, von einem Israeli gegründet – keine Nazis mag, das setze ich einfach mal voraus).

  4. Frederik
    schrieb am 16. April 2009 um 19:18 Uhr (#)

    Sobald die Gruppen und Seiten zu sogenannten Nazi-Größen gelöscht wurden, wächst ein bisschen Gras darüber und schon entstehen neue Gruppen und Seiten. Vielleicht sogar – oh Schreck lass nach! – mit linksradikalen Inhalten, Parolen und Anhängern derselben.

    Die Zensur lädt das Thema lediglich weiter auf und all jene Nazis fühlen sich diskriminiert (was leider zu 100% der Wahrheit entspricht). Was macht man als verschmähter und “beschnittener” Nazi? Richtig, man wird noch aggressiver, fühlt noch mehr Hass und sucht noch eher Ventile…

  5. florian
    schrieb am 16. April 2009 um 19:36 Uhr (#)

    so hirnverbrannt oder bescheuert eine meinung auch sein mag, organisierte, institutionalisierte zensur ist weder loesung noch hinnehmbar.

    wohin diese attituede fuehrt sehen wir auch gerade wieder an der diskussion um die zensur bestimmter widerwaertiger websites.

    demokratie sollte nie bedeuten, dass der mob diskriminiert.

    fyi: und das sage ich als entschiedener gegner von rechtem irrsinn.

    grueße

  6. Der Wobbler
    schrieb am 18. April 2009 um 07:49 Uhr (#)

    Idioten rauswerfen ist doch keine Zensur.

    Das ist das genaue Gegenteil.

    Das ist ja das Widerwärtige an von Leyens Zensurägide: Seiten zu verstecken statt etwas Sinnvolles zu tun.

    So, wie man Kurt Demmlers Neigungen versteckt hat, statt was gegen zu tun.

    Diskriminierte Nazis? Ach Gottchen, die armen Glatzköpfe, keiner hat sie lieb, schnüff…an die, die von denen gemobbt und zensiert werden, denkt natürlich keiner…

  7. Natascha
    schrieb am 28. Mai 2011 um 20:42 Uhr (#)

    Ist aber immer noch ein Problem, man siehe nur mal bei diesem Typen (und seinen Freunden):

    Anmerkung Redaktion: Link entfernt, weil man dafür nicht unbedingt noch Werbung machen muss. Natascha, melde die Site am besten bei Facebook, das ist der beste Weg, damit sie zeitnah verschwindet.

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