Neuerung mit Konfliktpotenzial:
Xing startet dynamisches Firmenverzeichnis

Martin Weigert, 9. April 2009 11:48 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Das Hamburger Social Business Network Xing testet eine neue Funktion, die über die Angaben der Mitglieder zu ihren Arbeitgebern automatisch Unternehmensprofile generiert. Eine spannende Neuerung, die jedoch Konfliktpotenzial beinhaltet.

Was größere funktionelle Weiterentwicklungen betrifft, war es bei Europas größtem sozialen Netzwerk für Geschäftskontakte Xing in den letzten Monaten auffällig ruhig. Während es zur geplanten Applikations-Plattform nach wie vor lediglich Ankündigungen gibt und dem Dienst die Zeit davonläuft, hat das Hamburger Unternehmen gestern in seinem Blog aber eine andere, recht tiefgehende Neuerung vorgestellt: Unternehmensprofile.

Ausgewählte Mitglieder des Xing-Forschungspanels haben bereits Zugang zu dem neuen Feature, das in der Beta-Phase von rund 20.000 Mitgliedern auf seine Tauglichkeit und Funktionalität hin getestet werden soll. Unter dem neuen Menüpunkt “Unternehmen” finden User kostenlos Informationen von mehr als 96.000 Unternehmen, Organisationen und Verbänden. Für jede Firma gibt es eine eigene Seite, auf der eine Liste aller dort angestellten Xing-Mitglieder sowie einige “Schlüsselinformationen” angezeigt werden. Diese werden aus den Profilangaben der entsprechenden Mitglieder aggregiert.

Unternehmensprofil von Xing
Unternehmensprofil von Xing

Die Idee, die von über sieben Millionen Xing-Mitgliedern in ihren Profilen gemachten Angaben zu Unternehmen für ein eigenes, dynamisches und sich selbst aktualisierendes Firmenverzeichnis zu nutzen, hat in der Tat ihren Reiz. Gleichzeitigt wirft sie jedoch auch Fragen auf. Xing-Mitglied Bernhard Jodeleit hat bereits Zugang zu dem neuen Feature und verweist in seinem Blog (via) auf mögliche Probleme, die Xings Unternehmensprofile mitbringen könnten.

So sieht er die Gefahr verzerrter Darstellungen von Unternehmen, wenn zum Beispiel nur eine geringe Zahl von Angestellten ein Xing-Profil besitzt und zu den aggregierten Firmeninformationen beitragen. Auch müssen persönliche Profilangaben wie “ich biete”, die für die neue Funktion herangezogen werden, nicht immer mit dem übereinstimmen, was ein Unternehmen zu bieten hat. Gerade Angaben von Freelancern oder Personen mit mehreren Anstellungen können irreführende Informationen beisteuern.

Jodeleit sieht die Gefahr, dass Xing mit dem neuen Feature zurückrudern muss. Aufgrund des auf einen kleinen Nutzerkreis begrenzten Tests dürfte dies – sofern notwendig – allerdings relativ problemlos machbar sein. Betatester haben derzeit die Möglichkeit, ihr Feedback zu den Unternehmensprofilen abzugeben und über einzelne Funktionen abzustimmen. Die ein oder andere Modifikation der Neuentwicklung ist also wahrscheinlich. Immerhin liegt es auch im Interesse von Xing, unnötige juristische Reibereien mit Unternehmen zu vermeiden, die sich durch ihre automatisch generierte Firmenseite auf die Füße getreten fühlen.

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7 Kommentare

  1. Patrick Mollet
    schrieb am 9. April 2009 um 12:28 Uhr (#)

    Ich bin auch Beta-User und sehe (bzw. sah) eigentlich ursprünglich viele Vorteile der neuen Unternehmensprofile. Ich finde es aber recht willkürlich, dass nur Unternehmen ab einer gewissen Mitarbeiterzahl (nicht genauer definiert) gelistet werden. Ausserdem müssen die Angaben zur Firma in den Profilen einheitlich sein und andere Kriterien wie Vollständigkeit und Korrektheit (nicht genauer definiert) erfüllt werden. Alle 24 Stunden erfolgt eine automatische Prüfung, ob weitere Unternehmensprofile, basierend auf den zuvor genannten Kriterien, erstellt werden können…

    Das Beta-User-Forum quillt auf jeden Fall diesbezüglich über! Gerade Kleinunternehmen könnten von solchen Portraits profitieren, werden aber nun systematisch ausgeschlossen.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 9. April 2009 um 12:56 Uhr (#)

    Danke für die Ergänzungen!

  3. Patrick Mollet
    schrieb am 9. April 2009 um 13:13 Uhr (#)

    Liefere auf Wunsch gerne Printscreens oder so ;-)

  4. Mario
    schrieb am 9. April 2009 um 15:27 Uhr (#)

    Schön zu sehen, dass es auch auf dieser Plattform wieder einmal richtig innovative Entwicklung gibt und nicht nur bei Gockel oder Facebook!

  5. Rudolph
    schrieb am 11. April 2009 um 12:30 Uhr (#)

    Diese Einstiegshürden für das Listing gefallen mir auch nicht, andernorts gibt es die nicht und warum sollte sich ein Dreimannbetrieb nicht auch präsentieren dürfen? Gerade für diese ist so ein Angebot doch von Vorteil. Kontaktpflege ist nicht erst auf Konzernebene wichtig.

  6. Patrick Mollet
    schrieb am 12. April 2009 um 21:09 Uhr (#)

    Ich habe mir jetzt mal ein paar Nutzungsmöglichkeiten überlegt – aber eigentlich bietet dieses Feature keinen Mehrwert zur erweiterten Suche. Da nur bestehende (Personen-)Daten aggregiert werden, findet man relativ einfach alle Informationen auch via Suche. Ausserdem hat man dann das Profil der Person, welche die Informationen (im Normalfall) pflegt, weshalb diese akkurat sind. Die Unternehmensprofile sind aktuell noch sehr unvollständig bzw. schlicht falsch.

  7. Mario Grobholz
    schrieb am 13. April 2009 um 13:38 Uhr (#)

    Hallo Zusammen,

    ich kenne diese Funktion bei Xing bislang lediglich aus den Beschreibungen der Testuser. Allerdings wundert es mich ein wenig, dass Xing hier als Innovator genannt wird.

    Genau diese Funktion – Firmeprofile automatisiert anzulegen – gibt es bei LinkedIN (US Wettbewerb von Xing) schon seit langem. Zu finden ist diese dort unter:
    http://www.linkedin.com/companies

    Die Funktion selbst finde ich richtig gut, allerdings hat Xing diese nicht erfunden, sondern eher “abgeschaut”.

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