re:publica 09, Tag 2:
Weniger Palast, mehr Scheune

Florian Steglich, 3. April 2009 00:53 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Der Tag 2 der re:publica: Nachdenkliches von Peter Glaser, Fundiertes von Lawrence Lessig, Kontroverses zur Kulturflatrate und lauter Spaß bei der Twitterlesung.

Am zweiten Tag fand die “Bloggerkonferenz” re:publica zur alten Atmosphäre zurück: Die meisten Panels und Vorträge fanden wieder in der Kalkscheune statt und nicht im etwas ernsthaften Glamour des Friedrichstadtpalastes, auch die Zahl der Laptopbildschirme filmenden Fernsehteams war im Vergleich zum Vortag deutlich gesunken. Es wurde wieder mehr Bloggertreffen und weniger Kongress.

Und auch inhaltlich überzeugender:

Mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar war eines der großen Netzthemen, Datenschutz und Privatsphäre, gleich morgens prominent vertreten. Eines der beiden größten Highlights des Tages dann am Nachmittag der Vortrag von Peter Glaser, der sich fragte, in welcher digitalen Welt er leben wollen würde – die Antwort war ein kluger und wortreicher Essay, eine vernetzte Welt, die sich Glaser mit allen Zuhörern wird teilen müssen: Das zeigten die versonnene Zustimmung während und der lange Applaus nach dem Vortrag.

Ebenso laut beklatscht wurde die “Vorlesung” des Creative-Commons-Vordenkers Lawrence Lessig, der völlig zurecht als begnadeter Redner gilt. Der große Saal der Kalkscheune wurde so voll, dass Einige nicht mehr hineingelassen wurden – hier wiederum wäre der riesige Saal des Friedrichstadtpalastes gut gewesen.

Die kontroverse Podiumsdiskussion zur Kulturflatrate schließlich, das dritte Highlight, moderiert von Oliver Passek und besetzt mit Volker Grassmuck, Markus Beckedahl, Johnny Haeusler und Kollege Marcel Weiss von unserem Schwesterblog netzwertig.com, hätte gut die doppelte Zeit vertragen: Zu viele Aspekte konnten nicht behandelt – geschweige denn: ausdiskutiert – werden, zu viele Fragen blieben offen. Ich darf den persönlichen Wunsch äußern, dass die vier die Debatte an genau dieser Stelle fortsetzen, vor einer Kamera oder zumindest einem Mikrofon, und in den beteiligten Blogs veröffentlichen.

Für den gelungenen (jedenfalls offiziellen) Abschluss sorgte die Twitterlesung am Abend, deren beste Bestandteile eigentlich auch hartnäckige Kulturkritiker davon überzeugen müsste, dass die Twitterei oft und längst über die Berichterstattung aus dem eigenen Kühlschrank oder Badezimmer hinausgeht.

Weniger Palast, mehr Scheune und viele Unterhaltung im sommerlichen Innenhof: Tag 2 der re:publica wurde der Vorfreude gerecht. Auch ohne nennenswert verfügbares WLAN.

(Die besten weiteren Stimmen verlinken wir morgen wieder in den “6 zur re:publica”.)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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