Poken:
Per Gadget-Handschlag
bei Facebook & Co. verbinden

Mit dem Gadget “Poken” des gleichnamigen Schweizer Startups soll das lästige Austauschen von Visitenkarten und das gegenseitige Suchen in sozialen Netzwerken der Vergangenheit angehören: Per “Handschlag” überträgt die kleine Hardware Visitenkartendaten und Benutzerprofile. Aber ist es wirklich so einfach zu bedienen?

Wenn man den “Poken” für rund 14 Euro gekauft hat und zum ersten Mal in der Hand hält, wird man unfreiwillig an ein Tamagotchi denken (die Älteren werden sich erinnern). Klein wie eine Streichholzschachtel, viel Plastik und vor allem sehr japanisch. Egal in welcher Ausführung, ob als Panda-Bär, als Totenkopf oder als Biene: Das Poken sieht immer süss und kindlich aus – eine neue Form der Visitenkarte. Ob dieses Design in den Teppich-Etagen grosser Unternehmen auf Zustimmung stösst, ist fraglich. Es richtet sich wohl an jüngere Zielgruppen und Early-Adopter. Gut, dass ein Poken für das Geschäftsumfeld für den Sommer geplant ist.

Der Handschlag

Zieht man den Körper des Poken ab, versteckt sich im Arm ein 1GB-USB-Stick, der aber leider nicht beschrieben oder anderweitig genutzt werden kann. Im Arm befindet sich zusätzlich ein RFID-Chip zur kontaktlosen Datenübertragung. Vor der ersten Nutzung des Poken muss auf der Poken-Website ein Benutzerprofil angelegt werden. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Xing können durch Eingabe der Login-Daten ergänzt werden.

Trifft man nun einen weiteren Poken-Besitzer, so wird der Poken durch Druck auf den Knopf aktiviert. Er leuchtet zur Bestätigung kurz auf. Hält man die Hände der beiden Poken aneinander, werden über eine Funkverbindung die Daten der Nutzer getauscht. Künftig findet man dann das Poken-Profil des neuen Bekannten in seinen Kontakten und kann sich in den im Poken-Profil angegebenen Netzwerken mit ihm verbinden. Social Networking per Mausklick also, zusammengeführt durch Poken.

Der Effekt des Verbindens via Handschlag ist zunächst sehr cool. Man schlägt ein, das Poken bestätigt per Signal die Datenübertragung – und man ist gespannt, ob das alles auch geklappt hat. Denn feststellen lässt sich das erst später am Rechner.

Die Website

Man steckt sein Poken also in den USB-Port seines Rechners, startet das Programm, landet auf der Website und ist erstmal irritiert. Man hätte wohl eine Oberfläche wie bei XING erwartet, stattdessen landet man auf einer ziemlich unübersichtlichen Seite. Und damit kommen wir zum grössten Manko von Poken: der Usability.

Schon bei der Erstanmeldung und der Einrichtung der Accounts braucht man einige Zeit, um sich zu Recht zu finden. Gewohnte Begrifflichkeiten wie “Mein Profil” sind gut versteckt. So vergeht doch einige Zeit, bis man angegeben hat, was man möchte.

Wenig hilfreich ist dabei die miserable Sprache, die wild zwischen Deutsch und Englisch wechselt. Im Bereich der Datenschutzrichtlinien, der für einen solchen Service äußerst wichtig ist, springt die Sprache sogar mitten im Absatz von Deutsch auf Englisch, was den Nutzer etwas ratlos zurücklässt. Überall auf der Seite und in den AGB lassen sich Stilblüten finden. Kommasetzung findet nur in Ausnahmefällen statt. Ob die Überschrift von Punkt 2 der AGB “Wir können die Bedingungen anpassen” das Vetrauen der Nutzer erhöht, darf bezweifelt werden.

Gravierender ist aber, dass das Einrichten der Accounts vielfach nicht problemlos funktioniert. Erst beim dritten Versuch konnten im Test alle gewünschten Netzwerke angelegt werden. Wie auf der Feedback-Seite von Poken zu sehen ist, scheint dieses Problem bei vielen Nutzern aufzutreten. Immerhin ist die Auswahl gross: Aus 25 sozialen Netzwerken kann ausgewählt werden.

Geister und Punktsysteme

Bug-beladen ist auch der (in unseren Augen unnötige) Ghost-Modus. Hierbei kann man per Doppeldruck auf den Knopf seines Poken sein Profil unsichtbar machen und nur die Informationen des anderen Poken sammeln. Im Test wurde der Modus mehrfach versehentlich ausgelöst. Ärgerlich, wenn man nach einer längeren Konferenz abends am Laptop feststellt, dass die Hälfte der Daten unbrauchbar ist.

Panda-Poken
Panda-Poken
Zusätzlich existiert noch ein Punkte-System, das den Nutzer fürs fleissige Nutzen des Poken belohnt. So erhält man Punkte für die Erstanmeldung, für die Verbindung mit anderen Poken und (eine besonders ausgefallene Idee) einen “Entjungferungsbonus” für den “Handschlag” mit einem unberührten Poken.

Das Punktesystem mag prinzipiell eine gute und häufig genutzte Methode zur Kundenbindung sein (Miles and More), aber was bringts dem Nutzer? Wenn man nach einer Weile über die erste Punkte-Stufe kommt (100 Punkte, Poken-Fan), erhält man 10% Rabatt auf weitere Poken-Käufe. Freunde bekommen über einen Promotion-Code ebenfalls 10%. Bei einem Kaufpreis von 14 Euro ist das aber wohl kein hinreichender Kaufanreiz. Erreicht man höhere Stufen, werden nicht näher beschriebene “Prizes and Gifts” (auch dieser Bereich ist wieder in Englisch) versprochen. Möglicherweise plant Poken ja ein simples Facebook-Spiel, in dem die gewonnen Punkte genutzt werden können oder die Poken gegeneinander kämpfen können. Bis zum Start in Deutschland, welcher noch bevorsteht, herrscht hier dringender Handlungsbedarf.

Fazit

Alles in allem ist Poken ein wirklich nettes Gadget, das sicherlich grosses Potenzial hat. Es ist günstig, es funktioniert, bietet einen klaren Mehrwert und schafft einen Will-Haben-Effekt. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, es mit einem unfertigen Produkt zu tun zu haben. Webinterface und Sprache sind unprofessionell, der Nutzen des Punktesystems ist schleierhaft. Besser wäre es wohl gewesen, simpel zu starten und dann weitere Funktionen erst nach und nach hinzuzufügen.

Unklar ist auch, wer es eigentlich nutzen soll. Jugendliche sind sowieso schon vernetzt und eher selten auf Messen anzutreffen, wo sie massenhaft Kontaktdaten austauschen. Für Manager aus grösseren Unternehmen ist das Design wohl zu kindlich und nicht seriös genug, immerhin werden hier private Daten übertragen. Das geplante Poken für den Geschäftsbereich könnte hier Abhilfe schaffen.

Auf Techie-Konferenzen wie der re:publica wird man sicher einigen begegnen, die auf den Hype aufspringen und den Poken nutzen, aber ob das ausreicht, um im Massenmarkt zu reüssieren? Hier könnten seriösere Designs helfen. Potential hätte auch die Möglichkeit, die Pokens individuell zu branden und als USB-Sticks zu verwenden. Dann könnten auch grössere Unternehmen Poken als potenzielles Werbegeschenk oder Give-Away wahrnehmen. Für den Sommer ist immerhin schon ein Business-Poken angekündigt.

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16 Kommentare

  1. Sven
    schrieb am 2. April 2009 um 11:50 Uhr (#)

    Mit diesem tollen Tool, können jetzt die wichtigen Männer der Bahn, der Telekom oder des BKA´s ganz einfach Million von Daten untereinander austauschen.

    Jetzt nur noch den Panda gegen Wolfgang S.aus G. eintauschen und das Tool ist perfekt!

  2. Marco
    schrieb am 2. April 2009 um 12:52 Uhr (#)

    Hi,

    zwei Fragen/Anmerkungen:

    1) Kann man das Gerät nicht einfach ohne den Panda-Kopf verwenden oder nutzt sich die ungeschützte “Platine” dann ab?
    2) Man kann das Poken DIREKT nach Kauf verwenden und muss sich nicht erst registrieren. Personen, die meine Visitenkarte erhalten haben, sehen mich für eine gewisse Zeit jedoch nur als leeren Kontakt. Dieser füllt sich erst, wenn man sich registriert.

    Grüße

  3. Julian Schrader
    schrieb am 2. April 2009 um 13:04 Uhr (#)

    Zuerst habe ich nur bei Twitter zunehmend den Hashtag #poken gesehen — dann habe ich eine Erklärung und jetzt diesen Artikel gelesen: Das erinnert mich alles stark an den „Connector“ von „e“.

    Letzteres ist eine sehr schöne Plattform zum Austausch diverser Profile, doch leider habe ich in den letzten Monaten nicht mehr viel aus dieser Richtung gehört — wo doch das Bookmark einen Platz auf einem der hinteren Homescreens meines iPhones belegt.

    http://hellomynameise.com/

  4. bulldrinker
    schrieb am 2. April 2009 um 17:40 Uhr (#)

    Sowas bringt ja nur was auf Massenveranstaltungen wie der re:publica oder Barcamps!

  5. AP
    schrieb am 3. April 2009 um 22:09 Uhr (#)

    Junge Leute sind zwar nicht auf Konferenzen, dafür aber in Discos, auf Konzerten und vielen anderen Veranstaltungen und das gleich massenhaft! Daher sehe ich das Potential dieses kleinen netten Tamagochis durchaus und es ist tatsächlich ganz cool, sich so per Knopfdruck das rituelle Überreichen von Visitenkarten zu sparen. Aber leider gebe ich Dir mit der usability der Seite Recht, ich habe nur zugesehen, so schnell wie möglich die Kontakte in andere Netzwerke zu übertragen und die Seite anschliessend verlassen.
    Dennoch, das lässt sich beheben und dann wäre es ein tolles Werbegeschenk für eine Bank und viele andere Unternehmen, die um junge Leute werben….

  6. lammbard
    schrieb am 4. April 2009 um 00:53 Uhr (#)

    wie ich schon heute deinen autorenkollegen in berlin erzählt habe, bitte kürz den artikel auf der homepage und setz den “mehr” link drunter. auch wenns mittlerweile nicht mehr so schlimm ist (schweizer wertarbeit muss sein!)

  7. Christian Leu
    schrieb am 8. April 2009 um 14:39 Uhr (#)

    Interessant das Poken nicht mehr mit der Businessvariante macht die es ja auch gibt. hier ein Bild davon von der Lift09. Ich finde die Poken einfach noch viel zu gross würde das Teil nie dabeihaben wenn ich jemanden mit einem Poken treffe.

  8. mds
    schrieb am 16. April 2009 um 19:15 Uhr (#)

    @Julian Schrader:

    «Poken» wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von «E» inspiriert.

    An «E» gefällt mir die Verfügbarkeit auf Handys – wieso eigene Hardware, wo alle modernen Handys über die notwendigen Voraussetzungen (Software, Speicher, drahtlose Kommunikation) verfügen?

    Und was geschieht, falls sich verschiedene Anbieter solcher Hardware etablieren sollten? Da müsste wohl ein offener Standard für den Datenaustausch geschaffen werden … aber das widerspricht natürlich dem Lock-in-Geschäftsmodell … :->

  9. Dirk
    schrieb am 16. April 2009 um 21:32 Uhr (#)

    @mds E ist nur auf Handys über ein Web-Interface verfügbar. Die Übertragung geht nicht autmatisch per “berühren”, sondern indem man mühsam Codes austauscht und der Gegenüber diesen abtippt. Nicht sehr intuitiv.

  10. Julian Schrader
    schrieb am 19. April 2009 um 23:35 Uhr (#)

    @Dirk E kann nicht nur über ein Webinterface auf dem Handy bedient werden: E kann auch was „Poken“ kann — E’s Connector macht genau dasselbe: http://www.mynameise.com/connector

  11. Dirk
    schrieb am 20. April 2009 um 07:07 Uhr (#)

    @julian: Stimmt. Mein Kommentar bezog sich auf mds’ Aussage über die Verfügbarkeit auf Handys. Das “nur” war vielleicht falsch gestellt im Satz: “E ist auf Handys nur über ein Web-Interface verfügbar”.

    Allerdings: hat jemand schon mal einen E-Connector gesehen bzw. kennt einen Shop, wo man diese kaufen kann? E hat viel über sie gesprochen, aber gesehen hat sie meines Wissens nach noch keiner.

    Ich muss gestehen, ich würde gerne mal einen unter die Lupe nehmen. Nur 72 Stunden Akkulaufzeit, RFID, lediglich 2 Profile etc. klingt erstmal nicht sonderlich toll.

  12. Julian Schrader
    schrieb am 20. April 2009 um 07:45 Uhr (#)

    @Dirk Alles klar, so sieht der Satz anders aus :-)

    Ich kenne leider weder den E Connector noch habe ich ein Poken bisher live gesehen — aber nach Twitter und Beiträgen wie diesem zu urteilen, sind letztere langsam aber sicher auf Barcamps etc. anzutreffen.

    Ich fände eine Symbiose von Poken und E schön — gut umgesetzte und schon verbreitete Hardware (Poken) plus sehr gute Weboberfläche (E).

    Drüben im Startwerk-Artikel zum Thema sagt Stéphane Doutriaux doch auch, „Wir sind Hardware-Hersteller“ — was man der Weboberfläche wohl ansieht, wenn ich den Berichten Glauben schenken darf.

    http://startwerk.ch/2009/…pen-marketingkosten/

  13. Jan
    schrieb am 13. Mai 2009 um 00:25 Uhr (#)

    Ich folge die Entwicklung von Poken schon seit mehreren Monaten. Es war bei uns in Holland einen sehr großen Trend mit Fernsehen (sogar im niederländischen Tagesschau etc.). Wenn ich sehe, wie schnell sich dieser Plattform verbessert hat und wie beliebt Poken in vielen Länder ist, glaube ich nicht, dass my name is E noch eine Chance hat.
    Auch E ist nicht schlecht, aber Poken kommt vielleicht bei der Zielgruppe besser an?

  14. Klaus
    schrieb am 22. Mai 2009 um 09:18 Uhr (#)

    Dank deinem tollen Beitrag bin ich nun noch detailierter informiert über “Poken” und was das überhaupt ist ;)

    Ich halte es für eine Klasse Idee. Gerade im Zeitalter der zunehmenden digitalisierung sind Visitenkarten auf schnödem Papier für mich sehr altertümlich um nicht zu sagen OUT!

    Gestern gab es übrigens einen Presseartikel auf Focus.de über einen Poken Shop der die Poken’s in Deutschland zum Kauf anbietet: Poken-Shop.

  15. sbs sonuçları
    schrieb am 20. Juli 2009 um 11:28 Uhr (#)

    Ich folge die Entwicklung von Poken schon seit mehreren Monaten. Es war bei uns in Holland einen sehr großen Trend mit Fernsehen (sogar im niederländischen Tagesschau etc.). Wenn ich sehe, wie schnell sich dieser Plattform verbessert hat und wie beliebt Poken in vielen Länder ist, glaube ich nicht, dass my name is E noch eine Chance hat.

  16. nedir
    schrieb am 14. Dezember 2009 um 00:05 Uhr (#)

    Interessant das Poken nicht mehr mit der Businessvariante macht die es ja auch gibt. hier ein Bild davon von der Lift09. Ich finde die Poken einfach noch viel zu gross würde das Teil nie dabeihaben wenn ich jemanden mit einem Poken treffe.

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