Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 2 von 3)

Deutschland ist auf das Ankommen des Internets im Mainstream nicht vorbereitet. Das schließt neben Politik und Medien auch die Blogger und die Webszene mit ein. Ein Blick auf das Versagen der einzelnen gesellschaftlichen Gruppen.

Der Satz “Das Internet verändert alles” ist leicht daher gesagt. Erst jetzt, wo das Netz langsam auch mit den ersten interneteigenen Diensten ohne analoge Äquivalente, vulgo Social Media, den Mainstream erreicht, dürfte vielen Beobachtern dämmern, wie wahr und tiefgreifend dieser Satz ist.

Jedes westliche Land muss mit diesen Veränderungen klarkommen und lernen, damit umzugehen – und vor allem lernen, nicht panisch verheerende Maßnahmen zu ergreifen, die die Nutzung der größten Erfindung seit der Industrialisierung nachhaltig negativ beeinträchtigen würden.

Aber in keinem Land scheint der Widerstand gegen Veränderung so tief zu sitzen und so vehement von allen gesellschaftlichen Bevölkerungsschichten geführt zu werden wie in Deutschland.

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medienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

“Wer soll das denn lesen?”, fragte mich die ehemalige Blogwerk-Mitarbeiterin Christina Schmid, als ich im August 2006 die ersten Postings bei medienlese.com schrieb. Damals hatte ich keine Antwort, aber seit der angekündigten Einstellung dieses Blogs und der zwischenzeitlichen Rettung der Rubrik “6 vor 9” weiss ich es wenigstens teilweise. Viele Journalisten und Medieninteressierte lesen mit. Alle durften aber nicht: ich hörte von Zeitungsredakteuren, die dazu angehalten wurden, dieses Blog nicht zu lesen – angeblich, um sich davon nicht demoralisieren zu lassen.

Die sogenannt alten Medien berichteten eigentlich nie über uns – aber dann, bei der Einstellungsankündigung, eine Lawine! Michael Hanfeld konzentrierte sich in seinem Nachruf mit dem Titel “Unter Holzfällern” in der Frankfurter Allgemeinen auf die Beschwörung des Tods der Zeitung, den dieses Blog hauptsächlich betrieben haben soll. Für meinen Teil kann ich mich davon nur deutlich distanzieren: “It’s not the form, stupid!”. Ausserdem ist Holzfäller sein keine Schande, ich bin gerne “unter Holzfällern” (youtube.com, Video, 2:11 Minuten).

Was hat sich in den drei Jahren alles getan? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert?

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Social Network StayFriends:
Erfolgreich, ohne aufzufallen

Fast acht Millionen Deutsche haben ein Konto bei StayFriends. Der Dienst ist das wohl am meisten unterschätzte soziale Netzwerk in Deutschland – und schreibt seit langem schwarze Zahlen.
StayFriends
StayFriends

63 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 18 Jahren sind Mitglied bei mindestens einem sozialen Netzwerk. Das ergab eine repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts ForschungsWerk. Nicht zum ersten Mal taucht in einer Untersuchung dieser Art neben bekannten Anbietern wie wer-kennt-wen.de (wkw), Xing oder studiVZ auch ein in Social-Web-Kreisen wenig beachteter Name auf: StayFriends.

Mehr als ein Viertel der von ForschungsWerk befragten User gaben an, dort ein Konto zu haben. Damit sichert sich der 2002 gestartete Dienst die Spitzenposition im deutschen Social-Networking-Markt, was die Anzahl der Mitglieder angeht – noch vor den anderen, in den Medien deutlich präsenteren Anbietern.

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Linkwertig:
Google, Windows Live, mite, Cloud Computing

Google
Google durchsucht nun auch öffentliche Datenquellen und visualisiert die Ergebnisse als interaktive Charts.

» Adding search power to public data

 

Microsoft
Langsam aber sicher macht Windows Live FriendFeed Konkurrenz, zumindest was die Anzahl an unterstützten Services betrifft. Gestern wurden 20 neue Dienste aufgenommen, die im persönlichen Lifestream aggregiert werden.

» Microsoft Continues Lifestreaming Initiative with Additional Sites Supported for Windows Live

 

mite
Für das Zeiterfassungs-Tool mite gibt es jetzt auch einen Mac-Client mit dem explosiven Namen DynaMite.

» Neu: DynaMite, der mite.client für Mac-User

 

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Musik aus der Cloud:
Nutzer stürmen Spotify

Spotify ist das derzeit wohl spannenste Startup im Bereich des Musikstreamings. Trotz der noch stark begrenzten Verfügbarkeit verzeichnet der Dienst bereits mehr als  zwei Millionen Nutzer. Ab wann deutsche User mit Spotify kostenlos Musik hören können, ist noch unklar.

Spotify
Spotify
Interessante Neuigkeiten von Spotify, dem angesagten Musik-Streamingdienst aus Schweden, der in meinen Augen gute Chancen hat, das nächste große Ding im Internet zu werden. Spotify streamt legal Millionen von Songs über einen Desktop-Client und macht das auch bei langsamer Internetanbindung so gut, dass der Eindruck entsteht, man würde die lokale MP3-Sammlung abspielen.

Während Spotify in Deutschland derzeit nur in einer kostenpflichtigen Premium-Variante angeboten wird, betreibt das Startup aus Schweden in seinem Heimatland sowie in Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich und Spanien auch eine kostenlose, werbefinanzierte Version. Seit Februar können sich die Briten als erste Nation ohne Einladung bei Spotify anmelden. Gerade, nur zwei Monate später, durchbrach man auf der Insel die Grenze von einer Million Nutzern.

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CDU an Filter-Kritiker:
Euch sind geschäftliche Interessen wichtiger als Menschenwürde

Die CDU reagiert auf der Pinnwand ihres studiVZ-Profil auf Kritik an den Internet-Filtern und wirft den Kritikern vor, ihnen seien “offensichtlich geschäftliche Interessen wichtiger als die Menschenwürde”.

Mit Social Media ist das so eine Sache. Irgendwie muss man da als Partei heutzutage dabei sein. Aber im Medienmix der Wahlkampagne dürften studiVZ und co. nicht weit oben stehen.

Die CDU, die duch Ursula von der Leyens Kinderpornographie-Filter im Netz aktuell keinen guten Stand hat, hat ein studiVZ-Profil. Auf dessen Pinnwand, die sicher noch vor dem Sommer komplett abgeschaltet wird, hagelt es ununterbrochen Kritik.

Im Großen und Ganzen verhallt diese Kritik ohne eine Reaktion seitens des studiVZ-Teams der CDU-Bundesgeschäftsstelle. Nicht sehr Social Media, aber immer noch besser, als wenn tatsächlich reagiert wird. So konnte man auf der Pinnwand von der CDU zur stattfindenden Diskussion folgendes lesen:

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Linkwertig:
Microsoft Vine, Google SearchWiki, Opera, Socialthing

Microsoft Vine
Microsoft lanciert mit Vine eine Art soziales Benachrichtigungssystem, das Elemente von Facebook und Twitter inkorporiert.

» Microsoft Vine: The Zune of Social Networks

 

Google SearchWiki
Googles SearchWiki – wir haben über den internationalen Start berichtet – ist jetzt auch auf google.de verfügbar.

» SearchWiki auf Deutsch verfügbar

 

Opera
Opera wurde gestern 15 Jahre alt. Umzingelt von IE, Firefox, Safari und Chrome hat es der Browser aus Norwegen nicht ganz leicht, aber er ist ein gutes Tool.

» Celebrating the 15th anniversary of the Opera browser’s origin

 

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Facebook verklagt studiVZ jetzt auch in Deutschland

Man könnte es fast schon wieder vergessen haben: Letztes Jahr im Juli hat Facebook studiVZ für das Kopieren der Oberfläche und der Funktionen verklagt. Nach der Klage in den USA zieht Facebook das Holtzbrinck-Netzwerk nun auch in Deutschland vor Gericht. Am Dienstag wurde die Klage in der ersten mündlichen Verhandlung am Landgericht Köln vorgelegt. Futurezone:

StudiVZ habe mit seinem Logo, Features und seinem Service geistiges Eigentum von Facebook kopiert, so die Angaben der Gerichts-Pressestelle. Zudem soll studiVZ illegal auf Facebook-Computersysteme Zugriff gehabt und sich Daten, darunter den Facebook-Quellcode, verschafft haben

Der vorsitzende Richter der Kölner Wettbewerbskammer schlug einen Vergleich des Quellcodes durch einen außergerichtlichen Begutachter vor. Kommt es auf diesem Weg zu keiner Einigung, wird Mitte Juni eine gerichtliche Entscheidung gefällt.

Angesichts der Tatsache, dass die studiVZ-Programmierer seinerzeit die Stylesheets von studiVZ mit “myfb” oder “myFaceBook” und Ordner mit “Fakebook” benannt haben, was man unter Anderem hier sehen kann, dürfte studiVZ schlechte Karten haben.

Mehr Artikel zum Thema:

» Gut Ding will Weile haben: Facebook verklagt StudiVZ

» Facebook vs. studiVZ: Klageschrift online abrufbar

 

Gute Seiten:
Blog und Lesezirkel für Magazine

Sie nennen es Holzmedienclub: Auf “Gute Seiten” dreht sich alles um unabhängige Magazine und ihre Macher, ausgesuchte Hefte werden über eine Zinothek verliehen – und es wird gefeiert.

Lesezirkel – bei dem Wort muss ich sofort an abgegriffene Stern-Hefte denken, die in Arztpraxen rumliegen. Alles andere als attraktiv also, wer liest schon freiwillig den Stern und geht gerne zum Arzt? Eben, nur alte Menschen. Nach so einem Texteinstieg bleibt natürlich nur noch eine Möglichkeit: Halt! Es geht auch, große Überraschung, anders!

Denn die Magazin-Liebhaber des neuen Blogs “Gute Seiten” schreiben nicht nur über kreative, unabhängige Magazine für nerdige Nischen, sie vermieten sie auch.

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Linkwertig:
Google Street View, Lifestreaming, Android, Wolfram|Alpha

Google Street View
Google hat sich mit Datenschützern geeinigt und wird in Deutschland noch in diesem Jahr verfügbar.

» FOCUS: Deutschland-Start von Google Street View noch in diesem Jahr

 

Lifestreams
John Markoff und Clay Shirky sprechen mit David Gelernter, der schon vor zehn Jahren Konzepte wie die Cloud oder Lifestreaming recht treffsicher antizipiert hat.

» John Markoff and Clay Shirky talk to David Gelernter

 

Graphical User Interface
Das Webdesigner Depot hat einen faszinierenden Überblick der Entwicklung von GUIs seit 1981 zusammengestellt.

» Operating System Interface Design Between 1981-2009

 

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