Musik-Streaming:
Dunkle Wolken am Internet-Himmel

Last.fm, Urgestein und Vorzeige-Social-Network für Musikfreunde, will Nutzer für Radiostreams zur Kasse bitten. Eine Entscheidung, die viele Fragen aufwirft. Auch die, ob kostenloses Musik-Streaming im Web in Krisenzeiten überlebensfähig ist.

Dunkle WolkenWie berichtet, wird Europas führendes Social Music Network Last.fm seine Nutzer zukünftig für den Zugriff auf Musikstreams zur Kasse bitten. Drei Euro pro Monat soll der Spaß kosten. Ausgenommen sind User in Deutschland, den USA und Großbritannien. Dort kann weiterhin kostenlos über Last.fm Musik gehört werden – vorerst zumindest.

Als ich am Dienstagabend von dieser Nachricht hörte, war ich nicht nur überrascht, sondern teilweise auch enttäuscht. Last.fm ist im Bereich der sozialen Netzwerke für Musikfreunde ein Urgestein und hat sich in der Webgemeinschaft über Jahre hinweg einen guten Ruf erarbeitet. Sowohl durch innovative Funktionen als auch durch glaubwürdiges und authentisches Auftreten. Auch die Übernahme des von Deutschen und Österreichern gegründeten, aber in London ansässigen Startups durch den US-amerikanischen Medienkonzern CBS im Mai 2007 hat der nachfolgenden Entwicklung von Last.fm nicht geschadet – jedenfalls soweit man dies von außen beurteilen kann.

Last.fm war eines der ersten Social Music Networks, das führende Plattfirmen ins Boot holte und Millionen von Songs über personalisierte Streams kostenlos verfügbar machte. Der Dienst führt pro gestreamten Titel eine Gebühr an das jeweilige Label ab. Refinanziert werden sollte dies mit Werbung auf der Last.fm-Website. So richtig funktioniert hat das laut Unternehmensangaben jedoch nur in den drei zukünftig wichtigsten Märkten USA, Großbritannien und Deutschland. Deshalb entschied man sich, außerhalb dieser Länder die Kernfunktion individualisierter Streams nur noch gegen Entgelt anzubieten.

Die Maßnahme ist ein schwerer Schlag für alle Verfechter werbefinanzierter und legaler Musikangebote im Web. Wenn ein führender, im Besitz eines internationalen Medienkonzerns befindlicher Anbieter keine Zukunft darin sieht, ein musikalisch nahezu vollständiges Streaming-Angebot gratis zu betreiben und durch Anzeigen zu finanzieren, wie sollen dies Startups und kleinere Dienste dann bewerkstelligen können?

Sicherlich hat bei der Entscheidung von Last.fm der in Folge der weltweiten Wirtschaftskrise schwache Werbemarkt eine Rolle gespielt. Doch aller Unkenrufe zum trotz wächst Onlinewerbung weiterhin, wenn auch langsamer als bisher. Zudem war Last.fm mit der Vermarktung seines Angebotes bisher sehr zurückhaltend – und auf Audiospots innerhalb der Streams verzichtet man völlig. Warum hat man nicht hier angesetzt und versucht, auch in anderen Märkten die Umsätze durch kreative Maßnahmen anzukurbeln, statt einen radikalen Schnitt zu machen und die Attraktivität des Dienstes für Millionen von Mitgliedern außerhalb der genannten Länder dramatisch zu verringern?

Vorausgesetzt, das Einführen der Bezahlpflicht war ein freiwilliger Beschluss von Last.fm ohne Einfluss von außen, so scheint man in London offenbar selbst nicht daran zu glauben, die Mittel für die Begleichung der Lizenzzahlungen durch ideenreichere Vermarktungsanstrengungen zusammenkratzen zu können. Was vermuten lässt, dass die eingeforderten Gebühren der Plattenindustrie ganz einfach zu hoch sind.

Außerhalb von Deutschland, Großbritannien und den USA bietet Last.fm kein On-Demand-Streaming, sondern lediglich individualisierte und dynamische Radiostreams. Damit gibt es für Nutzer, die nicht in den genannten Ländern wohnen, bei Last.fm keine Option, gezielt einzelne Titel anzuhören – was für User deutlich weniger Flexibilität bedeutet als bei anderen Services wie YouTube, Deezer oder Spotify.

Das Streaming-Feature von Last.fm unterscheidet sich damit abgesehen von der Option zur Personalisierung kaum von herkömmlichen, stets kostenlosen Radiokanälen. Warum man dafür bei Last.fm bezahlen soll und wieso es sich nicht wie Radio auch durch Werbung – die im Web erheblich gezielter ausgeliefert werden kann – refinanzieren lässt, bleibt mir ein Rätsel.

Wie stark sich die Kernmarkt-Fokussierung für Last.fm auf die Nutzer- und Mitgliederzahlen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Im schlimmsten Fall verliert der Service in der Internetgemeinde einen Großteil seines hohen Ansehens, während betroffene Anwender sich nach Alternativen umschauen.

Doch Alternativen für kostenloses Streaming und Herunterladen von populärer Musik – zumindest legale – könnten in nächster Zeit rar werden. TechCrunch berichtet, auch Last.fm-Konkurrent Imeem hätte seine Probleme bei der Zahlung von Lizenzgebühren. Die Rede ist von 30 Millionen Dollar Schulden. Die Tore schließen mussten kürzlich Fabchannel, ein Portal, auf dem man sich professionelle Konzertmitschnitte anschauen konnte, sowie SpiralFrog, das durch Werbung finanzierte, kostenlose Downloads bekannter Künstler anbot.

Es sind dunkle Wolken, die über dem kostenlosen Streaming- und Musikhimmel im Internet aufziehen. Eine Musikindustrie, die noch immer nicht begriffen hat (oder begreifen will), dass User heutzutage in Sekundenschnelle per Klick aus Millionen von Songs wählen können und ihre Aufmerksamkeit daher die neue, relevante Währung ist, trifft auf Startups und junge Unternehmen, die sich vor den Auswirkungen der Wirtschaftskrise fürchten. Eine explosive Mischung, die die Evolution von Musik im Web um Jahre zurückwerfen könnte.

Fotoquelle: Flickr/eflon (CC-Lizenz)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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22 Kommentare

  1. Martin, ich weiß, Du sitzt in Schweden und kannst roccatune dort deswegen nicht nutzen (roccatune ist auf Deutschland beschränkt), aber es gibt uns nunmal, und das Modell gut geht auf. Insofern wäre es nett, wenn Du uns langsam mal auf Deinen Radar nehmen würdest. :-)

  2. Das existierende, kostenpflichtige Premium-Angebot ausgenommen, gibt es bei Last.fm keine Option, gezielt einzelne Titel anzuhören – was für User deutlich weniger Flexibilität bedeutet als bei anderen Services wie YouTube, Deezer oder Spotify.

    Das stimmt so nicht. Man kann sehr wohl viele Tracks direkt ansteuern und in voller länge hören.

  3. @ Julian
    Stimmt teilweise – On-Demand-Streaming geht – in DE, UK und USA natürlich nur. Und man kann laut diesem Blogbeitrag jeden Track nur drei Mal vollständig anhören. Was noch immer eine eine erhebliche Einschränkung bedeutet. Zumal in den Ländern, die von der neuen Pay-Regelung betroffen sind, On-Demand-Streaming in der Gratis-Version noch nie möglich war.

    Habe das im Artikel jetzt deutlicher gemacht. Danke für den Hinweis.

    @ Sachar
    Wir haben roccatune auf dem Radar. Aber wie du siehst, habe ich den Kontext der Nennung alternativer Dienste im Artikel geändert. Last.fm bietet On-Demand-Streaming in DE, UK und US an. roccatune wäre im Zusammenhang mit dem Artikel nur eine Alternative, wäre es auch in weiteren Ländern verfügbar. Ist dies der Fall?

  4. Ich finde die Last.Fm Abogebühr von 3 Euro im Monat absolut akzeptabel. Hab ich lange freiwillig gezahlt…

    Die Forderung, dass alles umsonst sein muss, finde ich absurd. Überlegt mal – für 3 Euro gibt’s noch nicht mal ne Schachtel Zigaretten.

    Werbefinanzierte Modelle kann ich nicht geniessen. Soviel zu Roccatune. Wenn ich alle 3 Lieder von Werbung aus dem Musik-Hörfluss gerissen werde – das ist übel.

    Leider geht jetzt auch Myspace diesen Weg…

    Da zahle ich lieber 3 Euro.

    Was alle vergessen: Am Ende zahlt der Verbraucher eh – auf die ein oder andere Weise. Werbung dient dazu, die Konsumenten zum Geldausgeben zu bringen… Dann wird statt der Billig Cola vom Plus (Aldi/Lidl & Co) eben die Marken Coca Cola gekauft (Dank Werbepenetration)… So fliesst den Musikkonsumenten das Geld aus der Tasche, dass sie doch lieber in CDs, Mp3s oder Abo-Gebühren investieren sollten)

    Sind wir wieder beim alten Spruch: Umsonst ist der Tod – zur Zeit stirbt der hochwertige Musikgenuss.

    DifferentStars

  5. Lie In The Sound, Du wirst verstehen, dass ich Dir nicht zustimmen kann. In der Sache ist Deine Aussage, zumindest was roccatune angeht, falsch. Bei uns wird niemand alle drei Lieder durch Werbung aus dem Hörfluss gerissen. Derzeit gibt es bei uns weder Audio- noch Video-Werbung. Nicht weil es keine Angebote gibt, sondern weil wir penibel darauf achten, dass die Werbung wirklich zu unserem Angebot passt und wir sie so rationalisiert einsetzen können, dass sie den Nutzern Spaß macht und sie eben nicht beim Hören stört.

    Wir haben zuletzt im Dezember eine Nutzer-Befragung durchgeführt, in der wir gefragt haben, ob wir zu viel einsetzen oder ob es legitim wäre, wenn wir noch eine Schippe drauflegen würden. Knapp 70 Prozenten der Befragten meinten, sie würden sich durch Werbung nicht gestört fühlen, wir dürften ruhig noch nachlegen.

    Ich denke doch, die Frage ist: Möchte ich für Musik zwangsläufig Geld ausgeben? Wenn ich mir als Konsument nicht sicher bin oder dazu eben nicht bereit bin, dann ist roccatune ein gutes Angebot. Wenn, jemand wie Du, partout nicht mit Werbung in Kontakt kommen will, dann sind wir vielleicht wirklich die falsche Anlaufstelle. Auf der anderen Seite ist ja last.fm, soweit ich weiß, auch dann nicht werbefrei, wenn Du die 3 Euro monatlich zahlst, oder irre ich mich da?

  6. @Sachar: Bei der kostenpflichtigen Premiumversion ist Last.fm komplett werbefrei. Sowohl für den Nutzer selbst als auch die Profilseite des Nutzers für Besucher.
    siehe:
    http://www.lastfm.de/subscribe

  7. Um ehrlich zu sein sehe ich das als richtigen Schritt sich endlich mal ein bisschen der Realität zu stellen und anzuerkennen, dass lediglich auf Werbebasis nur ein Bruchteil aller Dienste funktioniert. Endlich versucht mal einer aus der Web2.0 Falle auszusteigen, die die Anzahl der Unique User einem wirklichen User Value vorzieht. Warum nicht für einen guten Dienst bezahlen ? Warum wird es als “Enttäuschung” gesehen wenn nicht mehr alles für lau zu haben ist ? Der Irrglaube das Netzwerk wäre wichtiger als der Wert den jeder einzelne User erfährt lässt doch alles immer absurder und unwahrer erscheinen. Bravo Last.fm, auch wenn ich online keine Musik höre und eher vom oldschool Schlage bin. Warum, bei allem Respekt vor 40 Millionen neuer User im Februar allein, wird Facebook hier eigentlich nicht stärker in Frage gestellt ? Ich meine im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit einem vermeintlichen zukünftigen Superstar. Zukünftig da wohl immer noch nicht wirklich Kohle reinkommt, die Aussage “Wir konzentrieren uns auf Wachstum” spricht doch Bände, Augenwischerei und Verblendung (PIs) vor User Value. Na denn Prost.

  8. Die Musik bei Last.Fm ohne Werbeunterbrechung durch. Den Rest erledigt das feine Firefox Add-On Adblock Plus ;-)

    Sehe dort also kaum Werbung. Ist eine Weile her, dass ich Roccatune angetestet habe. Fühlte mich eben sehr durch die massive Werbung dort gestört.

    Ein weiterer Kritikpunkt war, dass auf Roccatune die Mainstream/ Majorlabel Künstler stark vertreten und gefeatured waren (sind?)… Ich kaum Musik gefunden habe, die ich gerne höre…Last.Fm bietet eine riesen Auswahl sehr guter Indie Artists.

    Es geht aber wie gesagt, nicht nur durch das akute Genervt-Sein von Werbung, sondern darum, dass mittels Werbung finanzierte Modelle für den Verbraucher nie ohne Auswirkungen auf den Geldbeutel bleiben.

    Gezahlt wird dann halt indirekt… und meistens mehr als wenn man gleich die Musik direkt bezahlt hätte.

    Werbung, die ohne Einfluss auf das Konsumverhalten bleibt, wird von keinem Unternehmen gezahlt werden.

    Böse ausgedrückt, ist Werbung nichts anderes als Gehirnwäsche. Viele “No Name”-Produkte kommen aus den gleichen Fabriken wie Markenprodukte…sind nur anders verpackt und teurer. Werbung dient dazu uns einzureden, wir sollen lieber das teurere (qualitativ gleiche) Produkt kaufen…

    Am Ende wird also vom Verbraucher gezahlt – so oder so!

    DifferentStars

  9. …ich kaufe ein “läuft”…

  10. Ich wollte eigentlich einen Artikel über Dienste schreiben, die ich regelmäßig nutze und für die ich locker zu einer Zahlung bereit wäre, es aber aus unterschiedlichen Gründen nicht tue. Ärgerlich, dass ich dies nicht getan habe.

    Was ich damit sagen will: Ich bin überhaupt kein Freund der Alles-kostenlos-Einstellung (siehe auch dieser Beitrag von mir).

    ABER: Ich zahle nur dann, wenn mir ein Dienst etwas wirklich Exklusives bietet, dass ich an anderer Stelle so nicht bekommen kann. In den betroffenen Ländern bietet Last.fm nichts anderes als individualisierte Radiostreams. Dafür würde ich persönlich wirklich niemals zahlen. Das mag jeder anders sehen. Für mich ist es ein Witz, für Musik-Streaming Geld zu fordern, wenn ich nicht einmal einzelne Songs anwählen und ausspielen kann. Schon weil es eben andere Services gibt, die mir da erheblich mehr Freiraum lassen. Und weil ich eine eigene, große Musiksammlung habe. Noch mal Stichwort “Aufmerksamkeit”. Ich habe so viele verschiedene Möglichkeiten, Musik zu hören, dass mir 3 Euro für personalisierte Radiostreams im aktuellen Marktumfeld einfach nicht gerechtfertigt erscheinen.

  11. Martin, top Bericht – ich teile deine Meinung zu 100% – danke, weiter so…

  12. Rechtsunsicherheit killt Innovation

    Nachdem ich Rob Glaser ein Jahr wegen einem Realaudio-Server auf den Wecker ging, startete ich im Januar 1996 das erste Real-Audio Internet-Radio der Schweiz. Neben einem Musikprogramm gab es auch lustige Events wie eine Live-Übertragung aller Schweizer Fussballspiele der Europameisterschaft in England mit Live-Chat der User (war damals schon was spezielles…)

    Von Providerseite bestand grosses Interesse dieses Projekt zu unterstützen, vom Zuhörerstrom gar nicht zu sprechen. Als dann Sony Europa mir einen Brief durch eine angesehene Anwaltskanzlei zukommen lies, war schnell Sendeschluss. Mit dem was ein Anwalt dort in der Stunde verdient, kann man 10 Jahre last.fm hören.

    Jammern und lamentieren wie böse, böse die Contentindustrie ist, nützt nichts – bringt nichts. Es verlängert nur den Zustand der Rechtsunsicherheit und dieser killt Innovation.

    Eine Lösung die das streamen und saugen durch eine Pauschalabgabe erlaubt, würde die Anzahl neuer Dienste explodieren lassen und die User endlich Entkriminalisieren.

  13. @Daniel Niklaus: Es geht hier nicht um illegale Dienste sondern um exorbitante Lizenzforderungen der Musikindustrie, welche die legalen Dienste in die Knie zwingt.

  14. Klar. Die brauchen Zeit um ihre Geschäftsmodelle umzustellen. CDs sind nach wie vor deren Haupteinnahmequelle (so dämlich das klingt, nach ‘zig Jahren Web 2.0). Die müssen noch verkauft werden, da stören natürlich solche Dienste und müssen entsprechend zahlen.

    Blöd nur, dass wenn legale (gratis) Dienste ausfallen Leute wieder zu illegalen übergehen (Vermutung meinerseits), über die die Industrie kaum Kontrolle hat. “Three strikes” funktioniert ja bisher auch nicht.

    Mal davon abgesehen halte ich Benutzerfreundlichkeit und Übersichtlichkeit für entscheidende Faktoren bei Wahl von Musikdiensten. Und so wie mir das im Moment erscheint bekommt man das Beste am Einfachsten quasi Direkt Umsonst über irgendwelche Torrents, also illegal. Und zwar meist wohl nicht nur einzelne Tracks, sondern gleich ein ganzes Produktbundle, das Album nämlich. Und wenn ich dann auch noch sowas hier lese.. da schnallt man doch ab.

    Btw: Ich liebe und kaufe immer/noch CDs (so dämlich das klingt, nach ‘zig Jahren Web 2.0).

  15. Genau, es geht um die legalen Dienste.

    Wenn du eine Radiostation startest, bezahlst du in der Schweiz 7% der Werbeeinnahmen an die SUISA. Dieser Regelung gingen lange Rechtsstreitigkeiten voran. Es dauerte, bis Rechtssicherheit hergestellt wurde. Seit da, ist es für die Macher und Investoren klar, kein Major, kein Musiker kann mehr ein Tamtam machen.

    Im Internet fehlt diese Rechtssicherheit. Legale Dienste wie last.fm, youtube und Pandora müssen mit der Contentindustrie einzeln verhandeln. Und das kann zu unschönen Auswüchsen führen.

    Youtube muss Inhalte von Warner entfernen, weil es keine allgemeine Regelung gibt. Wie du in einem früheren Artikel berichtet hast, muss Pandora bis zu 70% ihrer Einnahmen abgeben. Statt das es eine 7% Regelung wie beim Radio gibt, kämpft(e) der Dienst ums nackte überleben. Und last.fm verlangt pro Monat 3 Euro womöglich wegen den Lizenzgebühren. Auch hier fehlt eine Regelung, die die Verhältnisse klärt.

    Eine Regelung für die Urheber, Nutzer und User.

  16. Ich zahle seit einer ganzen Weile regelmäßig meine Subscriber-Gebühren für Last.fm. Eine 3 Euro Zwangsgebühr hätte mich nicht abgeschreckt.
    Es mag schade sein, dass nicht mehr jeder in den Genuss kostenlosen Neighbour oder Similar-Artist Radios kommt. Aber wirkliche Alternativen sehe ich trotzdem nicht. Deezer hat eine Scheiß-Soundqualität und miese Auswahl – ebenso wie so manch andere Quelle die sich die Tonspuren von Youtube holen etc. (siehe Songza, eh man da was “hörbares” gefunden hat…).

    @Martin: 3 Euro für gute Streaming-Qualität, ohne Werbung und garantiert mit Musik die mir gefällt – das gibt es sonst nur auf meiner Festplatte. Eine weltweite Alternative zu Last.fm gibt es meiner Meinung nach nicht.

  17. Hast du dann unbegrenzten On-Demand-Zugriff auf alle Songs? Dafür wären drei Euro natürlich in Ordnung. So wie ich das verstanden habe, werden in allen Ländern außerhalb UK, DE und US die drei Euro allerdings allein für das Streaming Radio fällig. Und dafür wiederum würde ich nicht zahlen.

  18. @Martin: Das weiß ich natürlich nicht. Aber auch Last.fm sollte bewusst sein, dass dann weitere 3 Euro für On-Demand-Streaming etwas heftig wäre (also 6 Euro für alles). Und dass kann ich mir einfach nicht vorstellen.
    Demzufolge gehe ich davon aus, dass die 3 Euro, die sie nun fordern, nix anderes ist, als alle Hörer aus den jeweiligen Ländern zu Subscribern zu machen – und die hätten nunmal auch on-Demand Zugriff.

    Übrigens: Cookies löschen reicht(e) bisher für ein wiederholtes Streaming nach den ersten drei Malen.

  19. Kann ich eigentlich last.fm Stations in WinAMP anhören?
    Das ist mein favorisierter Player, ich mag ungern einen last.fm Client installieren, höre ja auch shoutcast und MP3s per WinAMP. Gibt es eine Möglichkeit, last.fm auch über WinAMP abzuspielen (und nicht nur die in WinAMP abgespielten Titel zu scrobblen?)

    Yella

  20. Guter Artikel dazu gerade auf Techcrunch erschienen:

    “The Sorry State Of Music Startups”

    “The labels don’t care if the startups make money, lose money or go out of business. All they want is to make enough money to extend the ultimate surrender date as long as possible.”

    “The big music labels don’t like streaming music because it doesn’t help them offset declining CD sales, and the evidence now suggests that streaming doesn’t lead to music downloads. Everything we’re hearing says that the labels would like to see streaming music startups just go away for now so that they can focus on maximizing paid downloads and extend that ultimate surrender date.”

  21. @Yella: Ja, das geht. Ich hab gerade keine weiterführenden Links bei der Hand, aber das lässt sich schnell ergooglen.

  22. Hallo Martin,

    guter Artikel, Glückwunsch!
    Eine Sache möchte ich aber loswerden. Es ist nicht so, dass die Audiostreaming-Dienste keine Audiowerbung anbieten wollen. Vielmehr ist dieser Markt noch völlig unterentwicklelt. Frag mal bei den großen Vermarktern nach. Die bekommen einfach keine Audiowerbung im großen Stil an den Start. Woran das liegt darüber streiten sich die Geister. Fakt ist, dass viele Firmen noch Audiospots fürs Radio produzieren lassen, aber im Online Marketing Setup hat es kaum einer aufm Zettel. Ein großes Problem!
    Bei Display Werbung im Zusammenhang mit Audioangeboten wird sich die Situation meiner Meinung nach noch weiter verschärfen. Stimmen wie “wenn ich einen Audioservice nutze, dann lasse ich den Player im Hintergrund laufen und sehe die Werbung gar nicht” werden noch zunehmen. Damit wird die Vermarktung im Display Bereich noch schwerer.
    Videoads gibt es genügend. Hier liegt viel Potential. Aber ob sich Videowerbung mit Audiodiensten sinnvoll kombinieren lassen wird die Zukunft zeigen.
    Grüße
    Eric

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