Bild-Videoreporter:
Wie Kai Diekmann zur Flip kam

Bild-Chef Kai Diekmann bekam 2008 die nur in den USA erhältliche Hosentaschen-Kamera “Flip” gezeigt – ein Jahr später hat er eigene Video-Paparazzi im ganzen Land, erzählt er im Video.


Anfang des Monats sagte John Chamber von Cisco in der stets sehenswerten Wirtschaftssendung von Peter Days auf BBC, ein Abschwung sei die Chance, neue Geschäftsfelder aufzutun. Etwa, indem man den Hersteller der erfolgreichen und simplen Videokamera Flip aufkauft. Ich denke, das könnte sich als genial erweisen. Flip steht für eine neue Art einfacher Kommunikation und Netzwerke. Die Kamera lässt sich auf vielfältige und bisher kaum bekannte Art einsetzen.

Ich habe Bild-Chefredakteur Kai Diekmann die Flip letztes Jahr in Davos vorgestellt. Er war begeistert und sagte, dass er sie einfach haben müsse: Bild hatte mittels MMS einen fantastischen Erfolg: Indem Handy-Nutzer Fotos per MMS an die Bild-Nummer 1414 senden können, wurde ein ganzes Land zu Paparazzi. Bild bezahlt für die gedruckten Fotos. Ihr solltet das gleiche mit Video machen, schlug ich vor. “Machen wir”, sagte er. “Aber haben Sie die Flip schon gesehen?”, fragte ich und zog eine aus meiner Tasche. Hier ist die Szene:

Danach, erzählten mir Bild-Mitarbeiter, habe Diekmann sie losgeschickt, um in den USA ein paar Flips zu kaufen (in Europa gab es die Kamera nicht). Daraus wurde ein faszinierendes Geschäft: Diekmann ging zu einem anderen Hersteller und gab eine eigene Bild-Videokamera in Auftrag, genau wie die Flip, und brachte sie für 69 Euro in den Handel. In fünf Wochen verkauften sich mehr als 21.000 Stück. Wohlgemerkt mit einer Software, die standardmäßig Videos an die Bild senden will. Dadurch hat die Zeitung jetzt Tausende Kameraleute in ganz Deutschland. Hier ist die Geschichte, aufgenommen mit meiner Flip in Davos – ein Jahr nach der obigen Szene:

Man beachte auch Diekmanns Hinweis auf „user-generated advertising“.

Das Original dieses Textes erschien am 20. März 2009 unter dem Titel “Flipping for the Flip” auf Buzzmachine.com.

Jarvis (wnyc, cc-Lizenz)
Jarvis (wnyc, cc-Lizenz)

Jeff Jarvis auf medienlese.com

Jeff Jarvis bloggt auf Buzzmachine.com, lehrt an der Graduate School of Journalism der City University of New York und ist der Autor von “What Would Google Do?” (Collins Business, 2009). Mit seiner Zustimmung übersetzen wir ausgewählte Beiträge von Buzzmachine.com hier ins Deutsche.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Medienjunkie
    schrieb am 25. März 2009 um 10:09 Uhr (#)

    Und das wird jetzt als großer Fortschritt verkauft, dass BILD ihren oft menschenverachtenden Inhalt nicht mehr nur von Journalisten, sondern auch von Lesern geliefert bekommt und das nicht nur in Text- oder Fotoform, sondern auch noch in Bewegtbild? Wenn das die Innovationen sind, die den Journalismus am Leben erhalten sollen, können wir uns auch gleich unser eigenes Grab schaufeln.

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