The New Basics:
Grundsätzliches über die Medien

Wie geht es dem Journalismus? Zwei aktuelle Studien zeigen, wie es um die Medien in Deutschland steht. Mit reichlich Zahlenmaterial belegen sie einen heftigen Strukturwandel.


Zwei grundlegende Texte gibt es in Deutschland, die jeder kennen und zur Hand haben sollte, der sich ernsthaft mit Medienfragen beschäftigt. Beide sind auch als kostenlose pdf-Dateien im Internet verfügbar. Zunächst einmal ist dort der zweiteilige Medienbericht der Bundesregierung, erstellt vom Hans-Bredow-Institut. In ihm finden sich alle relevanten Daten und Fakten zur Medienlandschaft, auf der statistischen Basis des Jahres 2008. Insbesondere der zweite Teil, das Gutachten, trägt auf knapp 400 Seiten alles zusammen, was heutzutage für die Zahlengarnitur eines fundierten Artikels zur Lage der Medien erforderlich ist – von der Marktentwicklung über die Studierendenzahlen bis hin zum grassierenden Titelschwund gerade auch in der Fläche.

Dann aber ist da zweitens noch das Friedrich-Ebert-Institut: Obwohl es sich hierbei um eine parteinahe Stiftung der SPD handelt, hat das Institut in Medienfragen sich längst einen überaus guten und parteifernen Ruf erworben. Auf wissenschaftlichem Grund, fern von Verlegerinteressen und Gewerkschaftspositionen, veröffenlichte es zuletzt wieder einen 120-seitigen Bericht über ‘internationale Trends und medienpolitische Problemfelder‘. Titel: “Das Verschwinden der Zeitung?” …

Uns erwarten dort nicht die üblichen Narhalla-Märsche und Durchhalteparolen der werten printgestützten Verlegerschaft, sondern faktisch und sachlich unterfütterte Befunde, die weitgehend ‘aus der Netzsicht’ heraus die These vom Untergang Holzhausens untermauern – und stellenweise ein wenig relativieren. Für beide Texte ergeht somit an alle einschlägig Interessierten ein ‘Lesebefehl’ – auch deshalb, weil beide Texte in ganz gewöhnlichen Worten ungewöhnliche Dinge sagen, so wie ein stilistisch gelungener Text dies tun soll.

Als Appetitanreger hier einige der Kernthesen aus der FES-Studie, so wie ich sie verstanden habe. Hinter sie kann in Zukunft keine Diskussion mehr zurückführen (S.4 ff.):

  • Auf dem Holzweg: Das Internet wird die Zeitung auf Papier verdrängen.
  • Mehr Demokratie wagen: Blogs und Social Communities stehen in einem notwendigen “Ergänzungsverhältnis” zum klassischen Journalismus, der zukünftig auf sehr viel mehr Plattformen tanzen muss.
  • Zeitungen sind Umweltferkel: Die klassische Zeitung in ihrer druck- und papiergestützten Vertriebsformen ist unökologisch, ineffizient und auch lesetechnisch die ergonomisch unsinnigere Lösung.
  • Das schmerzt: Einsparungen im journalistischen Bereich werden sich flächendeckend und dauerhaft fortsetzen.
  • Think crossmedial: Der Ausbildungsstand der meisten Journalisten hinkt der technischen Entwicklung meilenweit hinterher. Weiterbildung ist längst überfällig, wird aber aus Kostengründen von den Verlegern versäumt.
  • Information ist keine Ware: Information wird zunehmend zu einem Gratis-Angebot werden, das dem Menschen kostenlos zufließt. Verkäuflich wird das, was über den reinen Informationscharakter hinausgeht: Autoren, Erzählweisen etc.
  • Sugar Daddies gesucht: Journalistische Angebote müssen sich Sponsoren und Förderer suchen. Werbung und Verkauf leisten keinen zureichenden Beitrag zum Überleben der schreibenden Zunft mehr.

Links:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

Jahresrückblick 2008: Januar bis April

28.12.2008, 0 KommentareJahresrückblick 2008:
Januar bis April

Wahn in der Datenbahn, Scheiß-Privatfernsehen, Friedhof für Freie und noch viel mehr: Wir blicken zurück auf ein lesenswertes Jahr medienlese.com.

Folget der Box!

17.9.2008, 2 KommentareFolget der Box!

Öffentlich-rechtlich und einfallsreich geht nicht zusammen? Bei den Briten schon. Die BBC folgt für ein Jahr einem ISO-Container rund um die Welt.

27.5.2008, 2 KommentareDas Erfolgsgeheimnis von orf.at

Am Design hat sich über die Jahre hinweg aber kaum etwas geändert – trotzdem bleibt das Portal des ORF unangefochtener Sieger in der Gunst der Internetuser. Was ist das Erfolgsgeheimnis von orf.at?

Internet der Dinge: Gründer in Deutschland  verpassen ihre Chance

21.3.2012, 32 KommentareInternet der Dinge:
Gründer in Deutschland verpassen ihre Chance

Das Internet der Dinge wird real, und Konsumenten stehen immer mehr onlinefähige Hardwarelösungen zur Verfügung, die Alltag und Lebensqualität verbessern. Deutsche Startups scheinen diesen Trend jedoch zu verschlafen.

PR-Manager für DACH: Spotify bereitet sich auf Deutschlandstart vor

6.2.2012, 3 KommentarePR-Manager für DACH:
Spotify bereitet sich auf Deutschlandstart vor

Ein Start von Spotify in Deutschland ist nur noch eine Zeitfrage. Die Anstellung eines in Berlin ansässigen PR-Managers für den deutschsprachigen Markt signalisiert, dass es nicht mehr lange dauern kann.

Zweifelhafter Ruf der deutschen Internetwirtschaft: iversity beugt Copycat-Vorwürfen vor

1.2.2012, 3 KommentareZweifelhafter Ruf der deutschen Internetwirtschaft:
iversity beugt Copycat-Vorwürfen vor

Das Berliner Startup iversity hat einem US-Konkurrenten zu dessen Kapitalspritze gratuliert und nutzt die Gelegenheit, potenzielle Copycat-Vorwürfe frühzeitig zu entkräften

Social Web: Google+ disqualifiziert  Twitter als Diskussionstool

22.7.2011, 18 KommentareSocial Web:
Google+ disqualifiziert Twitter als Diskussionstool

Google+ eignet sich in seiner jetztigen Fassung wie kein anderes soziales Netzwerk für ausführliche Streitgespräche und Debatten. Twitter wird damit als Diskussionsinstrument endgültig disqualifiziert.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

Amok-Berichterstattung: Wie viel Twitter darf es sein?

12.3.2009, 1 KommentareAmok-Berichterstattung:
Wie viel Twitter darf es sein?

Dürfen und sollen sich Reporter zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen – und wenn ja, wann wird es pietätlos? Ein Blick auf die aktuelle Diskussion.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.