Apples App Store:
Das iPhone als Zeitungsbote

Ole Reißmann, 19. März 2009 19:51 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Im Sommer gibt’s ein neues Betriebssystem für Apples iPhone – neben lang erwarteten Funktionen können dann Entwickler ihre iPhone-Applikation als Abonnement anbieten.


Einfach bezahlen mit dem iPhone: Das neue Betriebssystem für Apples Wundertelefon, das im Sommer kostenlos verteilt werden soll, bringt eine ganze Reihe neuer Funktionen – mehr dazu bei neuerdings.com. Eine weitere Neuerung hängt mit dem “App Store” zusammen, Apples Bauchladen für iPhone-Applikationen. Künftig kann man dort nicht nur Programme kaufen, sondern auch abonnieren. Außerdem können bestimmte Funktionen oder Inhalte innerhalb einer Applikation extra abgerechnet werden – etwa zusätzliche Funktionen, neue Spiel-Levels. Oder journalistische Inhalte …

Apple bezeichnet die Programme im App Store sowieso schon als “content”, als “Inhalte” für das iPhone. Mit den neuen Bezahlmodellen ist eine iPhone-Applikation vorstellbar, die automatisch das aktuelle Inhaltsverzeichnis einer Zeitschrift abruft und einzelne Artikel dann zum Kauf anbietet. Abgerechnet wird bequem über den längst eingerichteten Apple-Account. Oder eine Tageszeitung bietet ihren kompletten Inhalt schon um Mitternacht komplett für das iPhone an – gegen eine Abo-Gebühr. Dafür muss man dann nicht darauf warten, dass die Online-Redaktionen im Laufe des Tages die Print-Inhalte auf die Seite schaufeln. Und in einer Zeit, in der Nachrichtenagenturen mit Google zusammenarbeiten und direkt an Endkunden herantreten, scheint der personalisierte Reuters-Nachrichtenticker für das iPhone unausweichlich.

Die nicht ganz abwegige Idee: Die Medienbranche könnte sich von der Musikindustrie inspirieren lassen und Apples Plattform nutzen, um Inhalte an Endkunden zu verkaufen. Nach vielen kläglichen eigenen Versuchen der Labels ist der iTunes Store das Erfolgsmodell für den digitalen Vertrieb von Musik schlechthin. Dabei ist klar, dass Nachrichten im Internet ohnehin frei sind und Musik eine ganz andere Halbwertszeit hat. Aber ein intelligentes Abo-Modell für Inhalte, die es eben nicht immer schon sofort frei im Internet gibt? Videos, Kommentare, Analysen? Werbefrei gegen verschmerzbare Gebühr?

Das dass keine Utopie ist, macht Amazon mit dem Kindle vor. Auf den eBook-Reader des Versandhändlers lassen sich bereits diverse Zeitungen abonnieren, zum Beispiel die New York Times für schlappe 14 Dollar im Monat. Die neueste Ausgabe wird dann nicht länger für viele hundert Dollar im Jahr vor die Haustür geknallt, sondern morgens um vier drahtlos auf das Lesegerät gespielt. “Free wireless delivery via Amazon Whispernet” nennt sich die papierlose Auslieferung.

Besonders praktisch für Apple: 30 Prozent der Verkaufserlöse aus dem App Store verbleiben beim Technologie-Konzern, 70 Prozent gehen weiter an den Anbieter.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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5 Kommentare

  1. Peter Hossli
    schrieb am 19. März 2009 um 20:47 Uhr (#)

    Damit legt Apple den Grundstein für iTunes für Journalismus. Ist das gut? Wer an Content glaubt, für den Lesende bezahlen, muss das begrüssen.

  2. tony indian
    schrieb am 20. März 2009 um 11:28 Uhr (#)

    Weshalb sollte ich mir die Nachrichten als digitales Abo holen, wenn ich es sonst auch gratis bekomme? Wo ist da der Anreiz? Für welchen Content wäre ich denn bereit zu zahlen? Bestimmt nicht für einen typischen Zeitungsinhalt. Egal ob er fast gratis ist(was auch abstossend sein kann). Auch der Zeitfaktor ist irrelevant (wenigstens für 99% der Leser) denn niemand hat die Exklusivrechte auf den Ereignissen in der Weltgeschichte. Was macht es also aus, wenn ich als einer der 99% etwas erst um 09.00h erfahre oder bereits um 04.00h?

    Das Itunes-Modell oder das Kindle-Abo wird das alte Nachrichtenverwertungssystem nicht retten. Der Zeitschriftenbereich könnte profitieren.

    hier noch ein Artikel diesbezüglich, der die sache etwas ausführlicher darstellt: http://shirky.com/weblog/…r-the-news-business/

  3. Peter Hossli
    schrieb am 20. März 2009 um 16:16 Uhr (#)

    Richtig.

    News werden nicht über iTunes verkauft. Sie sind längst eine commodity ohne grossen wirtschaftlichen Wert. Wertvoll hingegen sind hochwertige Inhalte, Magazinstücke, Lesestücke, etc. Das trifft sowohl für die digitale wie die herkömmliche Verbreitung von Content zu.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 23. März 2009 um 04:53 Uhr (#)

    @Tony Indian:

    Weshalb sollte ich mir die Nachrichten als digitales Abo holen, wenn ich es sonst auch gratis bekomme?

    Äh. Grosse Teile dessen, was Apple auf iTunes verkauft (MP3), kannst Du anderswo kostenlos runterladen. Du musst es nur finden, runterladen, irgendwie auf Deinen Player muckeln und in Kauf nehmen, dass Du damit wahrscheinlich ein paar Gesetze brichst.

    Apple kommt das Verdienst zu, mit iTunes bewiesen zu haben, dass die Leute bereit sind, für Inhalte zu bezahlen, wenn sie sie dafür bequemer kriegen können als die kostenlose (Raub-) Kopie.

    Ich habe seit einer Woche einen Amazon Kindle und würde für die New York Times locker mehr bezahlen als die 14 Dollar, für die ich sie jeden Tag etwa um vier Uhr morgens auf das Gerät gebeamt kriege.

    Die Kombination von einem tollen Gerät und einem tollen Service allein wird die Zeitungen nicht retten. Aber es ist eindeutig eine Möglichkeit, Teile des Abonnement-Modells zu übernehmen.

  5. Bernhard Keim
    schrieb am 23. Juni 2009 um 12:53 Uhr (#)

    Wie gut man eine Tageszeitung auf ein iphone stellen kann macht gerade die New York Times vor. Der Reader kostet nichts, das ganze funktioniert hervorragend und zeigt Tageszeitungen, wie man es machen kann. Was spricht dagegen, dass man in den Artikel-Thread Werbeseiten (wie in einer richtigen Zeitung) einschaltet?

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