The Printed Blog:
Zweitverwertung Mitmach-Zeitung

Carolin Neumann, 18. März 2009 11:45 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Alle beschwören das Ende vom bedruckten Papier, doch ein amerikanisches Start-up will es retten – mit einer wöchentlichen Gratiszeitung, die Blogeinträge recycelt.


Während alle anderen emsig überlegen, wie sie Print-Inhalte gewinnbringend online anbieten können, und selbst Bücher in Zukunft digital gelesen werden sollen, geht ein Start-up aus Chicago den entgegengesetzen Weg: vom Web aufs gedruckte Papier.

Acht Seiten, in Farbe: Die Gratiszeitung The Printed Blog besteht ausschließlich aus Web-Inhalten: Blogeinträgen, Website-Tipps, Fotografien. Sechs Ausgaben sind bereits erschienen. Blogger erlauben die Nutzung ihrer Inhalte und hoffen auf einen Anteil an den Werbeeinnahmen, Fixkosten für Autorentexte gehören damit der Vergangenheit an.

Verteilt wird The Printed Blog derzeit in gerade mal drei amerikanischen Metropolen an wenigen ausgewählten Orten, weswegen wohl vor allem die PDF-Online-Ausgabe viele Leser haben dürfte – noch nicht ganz im Sinne des Erfinders Joshua Karp. Der Verleger glaubt an die gedruckte Zeitung in dieser neuen Form, will seinen Printed Blog in Zukunft stark lokalisieren und durch hyperlokale Werbung finanzieren.

Usergeneriert ist auch das Stichwort bei zwei europäischen Versuchen, die gedruckte Zeitung am Leben zu erhalten: Im April soll in Berlin die personalisierte Tageszeitung niiu auf den Markt kommen, in der sich der Leser auch Blogeinträge oder Updates aus Facebook-Profilen hereindrucken lassen kann; in der Schweiz probiert ausgerechnet die Post etwas Ähnliches, bis Ende März läuft der Test von PersonalNews. Da steht dann also demnächst der Blogeintrag über den Wochenendausflug in die Eiffel neben dem kritischen Kommentar eines angesehen Wirtschaftsjournalisten – wenn der Journalist denn in der Wunsch-Zeitung der Zukunft überhaupt noch zu Wort kommt.

In Deutschland kommen Blogeinträge derzeit beim neuen Freitag prominent zu Papier – allerdings ganz altmodisch. Nämlich gegen das übliche Zeilenhonorar.

Links:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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8 Kommentare

  1. Klaus Jarchow
    schrieb am 18. März 2009 um 14:06 Uhr (#)

    Ein Problem dürfte wohl die Konvertibilität sein: Multimediale Blogtexte sind etwas anderes als eindimensionale Zeitungsartikel. Auf Holz lassen sich Verlinkungen, Videos, lebende Kommentarleisten, Trackbacks usw. gar nicht zureichend abbilden. Die Zweitverwertung auf Zellulose ist daher immer auch eine Verarmung des Ursprungs …

  2. Daniel
    schrieb am 18. März 2009 um 19:08 Uhr (#)

    Naja, wenn alle Artikel so lustig geschrieben sind, wie der auf der ersten Seite links oben, dann ist das schon lesenswert – auch ohne Verlinkungen and that stuff…

  3. Hildebrandt
    schrieb am 18. März 2009 um 22:59 Uhr (#)

    Das hat Rainer “Kult” Kuhn mit “Notebook” aber schon länger realisiert und dazu bemerkt, dass User Generated Content der heisse Scheiss sei.

  4. Jochen Siegle
    schrieb am 19. März 2009 um 11:31 Uhr (#)

    coole Idee! Media 2.0 rettet Media 1.0 …

  5. Patricia
    schrieb am 19. März 2009 um 11:34 Uhr (#)

    Die Rheinische Post hat mal eine regelmäßige Beilage mit Leserbeiträgen aus dem Onlineportal Opinio gebracht. Mittlerweile schmrumpfte diese zu einer in Abständen erscheinenden Seite in der regulären Printausgabe.

  6. martin
    schrieb am 19. März 2009 um 13:08 Uhr (#)

    der “blick am abend” in der schweiz versucht ja auch etwas ähnliches, wenn auch in viel beschränkterem umfang: seit einiger zeit werden jeweils twitter-posts auf seite 2 direkt im news flash abgedruckt. ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese rubrik in etwas umfangreicherer form, wie sie hier in den usa umgesetzt wird, einige leser finden könnte!

  7. Oliver Springer
    schrieb am 20. März 2009 um 17:24 Uhr (#)

    Für eine begrenzte Zeit könnte dieses Modell sehr erfolgreich sein. Während bei der Zweitverwertung im Online-Bereich die Duplicate Content-Problematik vor ist, spricht absolut nichts dagegen, eine Auswahl besonders guter Blogposts auch noch auf Papier zu drucken.

    Die Multimedialität, die dabei verloren geht, ist selten so stark ausgeprägt, dass der “Rest” sehr leiden würde. Außerdem könnten Leser des gedruckten Textes ja später online im Blog, aus dem der Artikel stammt, noch kommentieren. Oder den Artikel aus ihrem eigenen Blog verlinken.

    Es wird noch eine Weile dauern, bis elektronisches Papier die gedruckte Zeitung ablösen wird. Und selbst dann wäre eine Syndizierung der Bloginhalte in diesem Bereich ebenfalls möglich.

    Für die nächsten Jahre sehe ich bei diesen Modellen große Chancen vor allem für die Blogger, die damit gleichzeitig Werbung für ihren Blog machen und zusätzliche Einnahmen generieren können.

  8. Hendrik
    schrieb am 9. Juni 2009 um 14:18 Uhr (#)

    Bei blog2paper.net kann mich sich auch bereits seine eigene zeitung erstellen. Man kann verschiedene Quellen angeben, auch Blogs, und bekommt das dann als PDF per email. Kann man sich dann natürlich auch ausdrucken und unterwegs lesen oder so… SIeht auch aus wie ne Zeitung, mit Fotos und allem..
    Die Quellenangaben etc kann man jederzeit ändern, sowie die ZUstellhäufigkeit.

    Als Blogger kann man da sogar seinen gesamten Blog als Zeitung erstellen lassen und dann zum Download anbieten.

    Wie du schon sagst, Oliver, sehr reizvoll für Blogger.

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