Cash ohne Zeitung:
Schweizer Gratispresse -1

Ringier stellt die Gratiszeitung Cash ein – drei Jahre früher als geplant. Die Schweizer Wirtschaftszeitung erscheint künftig nur noch digital. 23 Mitarbeiter müssen gehen.

Es war sowieso vorgesehen: Cash, die tägliche kostenlose Schweizer Wirtschaftszeitung, verzichtet künftig auf Papier und wird zur reinen Online-Marke. Angesichts der Anzeigenkrise beschloss der Ringier-Aufsichtsrat am Dienstag das Aus der Gratiszeitung noch für Ende dieser Woche – drei Jahre früher als geplant. So konsequent der Schritt ins Netz ist, so bitter ist er auch für 23 Mitarbeiter, 16 in der Redaktion und 7 im Verlag: Sie verlieren durch die Umstellung ihren Job. Der Schweizer Journalistenverband impressum protestiert:

“Dass eine Wirtschafts- und Finanzplattform den Sprung in ein rein elektronisches Zeitalter wagt, kann angesichts des Bedürfnisses der globalisierten Märkte an raschen und weltweiten Wirtschafts- und Finanzinformationen Sinn machen. Dies darf aber nicht mit dem Abbau an journalistischen Arbeitsplätzen und damit an journalistischer Qualität einhergehen.” Man zeige sich “bestürzt, dass Ringier nun die Einstellung der Tageszeitung ohne Not um rund 3 Jahre vorgezogen hat”. Erleichtert sei man über die Existenz eines Sozialplans, heißt es in der Medienmitteilung.

Anfang nächster Woche, am 23. März, gibt es Cash erstmals nicht mehr gedruckt zum mitnehmen, sondern nur noch digital im Internet – “digital pure play”, wie es Ringier Schweiz-Chef Marc Walder in einem Interview mit persoenlich.com nannte.

Ohnehin war der Schritt ins Internet geplant – wer wollte schon auf ewig die Straßenbahnen mit Papier zumüllen. Wenn auch die Einstellung nicht überraschend kommt, dann doch, dass es ausgerechnet die Schweizer Gratiszeitung trifft, die mit Wirtschaft eine Nische besetzt hielt – weitgehend ohne Konkurrenz. Die verbleibenden Pendlerzeitungen unterscheiden sich nur marginal, das angebotene Fast Food pappt überall gleich stark.

Kostenlos liegt jetzt nur noch Boulevard aus, mal mit mehr, mal mit weniger Ketchup.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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  1. Fredy
    schrieb am 17. März 2009 um 23:33 Uhr (#)

    Dass Cash in Papierform eingestellt wird, ist in der Tat bedauerlich, und “Koller & Keller” werden wir auch vermissen. Ohne Cash werden die übrigen Gratisblätter aber keinen Leser mehr gewinnen – ich nehm dann halt einfach die Abozeitungen etwas früher zur Hand.

  2. ensuite
    schrieb am 18. März 2009 um 12:31 Uhr (#)

    …interessant ist doch, dass vor einem Jahr Ringier gross verkündete, dass Cash Daily die Mutterwochenzeitung Cash vom Markt verdrängt habe. Muss jede Mitteilung positiv gefärbt werden? – nur ein Jahr später dann das Aus. Ich glaube nicht, dass wir noch länger solche Meldungen der Leserschaft zumuten können. Das Mediensterben fängt aber hier an.

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