US-Zeitungskrise:
Online geht’s weiter

Letzte gedruckte Ausgabe am Dienstag: Der Seattle Post-Intelligencer wird eingestellt. Dafür gibt’s in Denver, Seattle und San Francisco neue Ideen.


Die Geschichte wiederholt sich: Wieder eine Stadt, wieder zwei Zeitungen, wieder soll eine Zeitung mit fast 150-jähriger Geschichte nach Millionenverluste verkauft werden – und wieder findet sich kein Käufer, wird die Zeitung eingestellt. Erst war es die Rocky Mountain News in Denver, jetzt ist es der Seattle Post-Intelligencer in Seattle.

Nachdem das Blatt im vergangenen Jahr Monat für Monat eine Million Dollar Verlust einfuhr, stellte der Verlag Hearst den Seattle Post-Intelligencer im Januar zum Verkauf. Ein Käufer fand sich binnen der 60 Tage nicht, am Dienstag wird zum letzten Mal gedruckt. Die Abonnenten bekommen nun das ehemalige Konkurrenzblatt The Seattle Times zugestellt, mit dem man sich Druckerei und Vertrieb geteilt hatte.

Online geht’s weiter: Die Stimme des Seattle Post-Intelligencer soll im Netz erhalten bleiben, der Verlag plant eine Community-Plattform und will mit 150 “citizen bloggers”, Breaking News, Fotogalerien und Kolumnen berühmter Bürger Seattles das führende Online-Portal der Region werden – große Ziele. Von den 170 Mitarbeitern der Zeitung sollen nur 20 Redakteure und Web-Producer für die Website seattlepi.com übrig bleiben.

Denver: 4,99 Dollar für Meinungsvielfalt

Ehemalige Mitarbeiter der kürzlich eingestellten Rocky Mountain News gaben am Montag eine Pressekonferenz und stellten ihre Idee vor: Sie wollen im Netz weitermachen, wenn sich 50.000 Menschen finden, die im Monat 4,99 Dollar bezahlen. Stichtag ist der 23. April, an dem Tag wäre die Zeitung 150 Jahre alt geworden. Die News sollen umsonst sein, zahlende Leser einen exklusiven Zugang zur Redaktion bekommen, zusätzliche Analysen und Chats. Im Vordergrund dürfte aber die Gewissheit stehen, dass man mit 4,99 Dollar unabhängigen Journalismus ermöglicht. Wenn das klappt, kann es hier online weitergehen.

San Francisco: Vom Netz in den Druck

In San Francisco steht nicht nur die Meinungsvielfalt auf dem Spiel, hier könnte sogar die einzig verbliebene ernstzunehmende Zeitung ihr Erscheinen einstellen. Es steht schlecht um den San Francisco Chronicle, in der Redaktion herrscht Endzeitstimmung. Schon denkt man bei The Public Press, einem nichtkommerziellen Online-Portal, das von freiwilligen Lokaljournalisten befüllt wird, über eine gedruckte Ausgabe nach. Ohne Werbung und Anzeigen, ohne Boulevard, finanziert über Spenden und Abos. Die Zahlen ähneln denen aus Denver: 50.000 Menschen sollen ein Abo abschließen, für 100 Dollar im Jahr – mehr über das Projekt auf Spiegel Online.

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. mds
    schrieb am 17. März 2009 um 10:45 Uhr (#)

    Passend dazu: Auch für «CASH» in der Schweiz geht es nur noch online weiter …

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