Fusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

Die Nachricht des Tages: Tamedia (unter anderem Tages-Anzeiger, 20 Minuten) und Edipresse (unter anderem Le Matin, 24 heures) schließen ihre Schweizer Geschäfte zusammen. Die Fusion soll in drei Schritten stattfinden, zunächst wird Tamedia 49,9 Prozent an Edipresse übernehmen, bis 2013 sämtliche Aktien. Dafür wird Edipresse bedeutender Aktionär von Tamedia. Internationale Aktivitäten von Edipresse sind davon nicht betroffen.

Für die ersten beiden Schritte zahlt Tamedia 226 Millionen Franken, die dritte Rate soll abhängig vom Geschäftserfolg sein. Die Verwaltungsräte beider Häuser haben der Fusion bereits zugestimmt. Gemeinsam wolle man der strukturellen Veränderung der Mediennutzung und der Verlagerung der Werbeinvestitionen ambitioniert und auf nachhaltige Art und Weise begegnen, heißt es in der Pressemitteilung.

Auf nationaler Ebene wollen Edipresse und Tamedia ihre Zusammenarbeit im Bereich der Online-Rubrikenplattformen insbesondere im Stellenmarkt ausbauen, heißt es demnach. Bereits seit 2004 sind beide Unternehmen an der Schweizer Immobilienplattform Homegate beteiligt. Das hochprofitable Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilan wurde von Edipresse in den Geschäftsbereich Schweiz herausgelöst.

Durch den Zusammenschluss wird Tamedia hinter der Publigroupe, der SRG und Ringier zum viertgrößten Medienunternehmen der Schweiz. Wie tagesanzeiger.ch schreibt, werde die neue Mediengruppe 870 Million Franken Umsatz mit Tageszeitungen erwirtschaften, weitere 150 Millionen durch Zeitschriften.

Die Schweizer Mediengewerkschaft Impressum kritisierte den Zusammenschluss umgehend: Man sehe wenig nutzbare Synergien, zumal beide Verlagshäuser zur Hauptsache einen getrennten Medienmarkt bearbeiten, Edipresse in der Romandie und Tamedia in der Deutschschweiz. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Fusion mit Blick auf das Erlangen der kritischen Grösse im internationalen Medienmarkt Sinn mache.

Beunruhigt zeigte sich Impressum über mögliche negative Auswirkungen der Zusammenführung zweier völlig verschiedener Unternehmenskulturen auf die Sozialpartnerschaft. So sei die Tamedia AG keinem Gesamtarbeitsvertrag angeschlossen und lehne einen Firmenvertrag mit Impressum strikt ab, wohingegen bei Edipresse die Sozialpartnerschaft durch den geltenden CCT zwischen Presse Suisse und Impressum (contrat collective de travail) und zusätzlich durch eine interne Redaktionsvereinbarung hochgehalten werde.

Ein erster Synergieeffekt: In der Westschweiz soll es künftig nur noch eine Pendlerzeitung geben. 20 minutes (Tamedia) und Le Matin bleu (Edipresse) sollen zusammengelegt werden, dies geschehe mit Blick auf das Potential des Werbemarktes in der Romandie, heißt es. 20 Arbeitsplätze sollen kurzfristig eingespart werden. Frühestens in einem halben Jahr könnte das sein, zuvor muss die Schweizer Wettbewerbskommission das Geschäft genehmigen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. Netscout
    schrieb am 4. März 2009 um 08:55 Uhr (#)

    Auch Thomas Bornhauser, Chefredaktor der NLZ, meldet sich heute zu Wort. Mit einem Kommentar. Allerdings ein frommer Wunsch, dass die zusätzliche Grösse für mehr Qualität sorgen könne.

  2. Fred David
    schrieb am 4. März 2009 um 10:01 Uhr (#)

    Betriebswirtschaftlich macht das alles viel Sinn. Würde ich als Verleger sofort auch zugreifen.

    Was die sekundäre oder auch terziäre Ebene betrifft: die Publizistik, der Journalismus, ist das schon eine ganz andere Frage.

    Warum sollen Verlagsmanager in besseren Journalismus investieren? Es gibt dafür eigentlich keinen vernünftigen betriebswirtschaftlichen Grund. Und alle andern Gründe, die man anführen könnte – die zum Beispiel unmittelbar das Funktionieren der Demokratie betreffen – kann man als soft factors bezeichnen, nice to discuss, aber nach den Podiumsdiskussionen um “Qualitätsjournalismus” gehen wir wieder zum realen Geschäft über. Man sollte sich da keine Illusionen machen.

    Es hat natürlich auch mit den Leser zu tun. Die Leser kriegen, was sie verlangen, das ist ein ökonomisches Gesetz. Wenn sie Qualität verlangen und dafür auch genügend zahlen, kriegen sie’s. Sonst halt nicht. Es ist wirklich so einfach.

    Der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher äusserte sich letztes Jahr in der “Weltwoche”: “Je länger je mehr bin ich überzeugt, dass besonders die Kultur für eine kleine Schicht, für wenige Glückliche, gemacht wird (…) Auch im Journalismus gilt das wohl. Die kleine Schicht will eine anspruchsvolle Zeitung. Dem Rest genügen Gratisblätter.” Das sei, so Loetscher, durchaus demokratisch, weil ja jeder seinen Journalismus frei wählen kann, das habe nichts mit Stand, Herkunft oder Einkommen zu tun.

    Ich denke, Loetscher hat recht. Und so wird es kommen.

    Diese spektakuläre Uebernahme wird daran nichts ändern, weder positiv noch negativ.

  3. Hildebrandt
    schrieb am 4. März 2009 um 14:23 Uhr (#)

    Well put. Die Übernahme anders zu werten, wäre den falschen Massstab angelegt.

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