Musikportal MX3:
Öffentlich-rechtliches MySpace

Ronnie Grob, 24. Februar 2009 14:46 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Radiosender der SRG SSR idée suisse betreiben ein eigenes Musikportal. Nutzer können eigene Songs hochladen, nachts läuft das Programm im echten Radio. Wir testen MX3.


“Sieg Heil” knallt es mir immer wieder entgegen – so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich meldete mich bei Mx3.ch an, startete den Player, wählte “Techno” aus und bekam das “Live Set 06.09” eines DJ Noize aus der Westschweiz zu hören. Dumpfes Zeug – ”Sieg Heil” inklusive. Der erste Versuch, bei dem Online-Portal der öffentlich-rechtlichen Radiosender der Schweiz interessante Musik zu hören, ging gleich daneben.

Bei MX3.ch steht das M für die Musik, das X für das Schweizer Kreuz und die 3 für die dritten (Jugend)programme. Es ist eine Online-Plattform der Sender DRS3, Virus, Couleur3, Rete3 und Radio Rumantsch. Das Ziel: Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit bieten, ihre Musik den fünf Radioredaktionen und dem Rest der Welt vorzustellen. Es können sich nicht nur Hörer anmelden, sondern auch Bands, Labels und Festivals.

Die offenbar mangelhafte Kontrolle der von den Usern hochgeladenen Dateien ist nur eines der Probleme des Portals. Es reibt sich wie viele die Sprachgrenzen überschreitenden Projekte auf an eingegangenen Kompromissen und ist darum etwas bemüht programmiert – für den Nutzer einigermassen anstrengend. Das beginnt schon bei der Anmeldung, die einen dazu zwingt, einen Kanton auszuwählen.

Wählt man dann frohgemut aus, was man gerne hören möchte, erscheint nachträglich eine Fehlermeldung die einen darauf hinweist, man dürfe “3 Styles Maximum” auswählen.

Gar kein guter Einstieg. Dennoch hat das schon seit dem 15. September 2006 bestehende Portal auch einige Sonnenseiten. Der externe Player zum Beispiel läuft auch ohne Installation von Software und ohne Anlegung eines Accounts – ob man das Popup-System mag, ist dann eine andere Frage, besser als ein auf der Website integrierter Player ist er bestimmt. Es können alle auf der Plattform verfügbaren Songs in voller Länge angehört und kostenlos heruntergeladen werden. Es gibt “Tags”. Und eine (kostenlose) iPhone Applikation.

Die Auswahl ist dafür überschaubar – nur etwas mehr als 30.000 Stücke sind derzeit verfügbar. Doch es kann sich lohnen, seine Tracks auf dem Portal zu hinterlassen. Denn jeweils am Dienstagabend um 19 Uhr lädt der auf 15- bis 25-jährige Hörer ausgerichtete Sender Virus einen Künstler oder eine Band von Mx3 für eine Stunde ins Radiostudio ein. Und das nächtliche Musikprogramm liegt gar ganz in den Händen der Hörer. Die können “zwischen 22 Uhr und 6 Uhr an Wochentagen und zwischen Mitternacht und 6 Uhr an Wochenenden” selbst bestimmen, was gespielt wird.

Wer gerne mal nur rätoromanischen Hip Hop hören will, ist mit MX3 bestens bedient. Man klicke im Player auf Radio Rumantsch (RR) und auf HipHop – zur Auswahl stehen 21 Songs.

Gut: Bislang unbekannte Schweizer Bands haben ein Portal, um ihre Musik vorzustellen – verbunden mit der Chance, mit ihren Songs ins Radio zu kommen.

Weniger gut: Neben der mangelnden Kontrolle der Inhalte die Usability. Vieles ist zu kompliziert, um intuitiv verstanden zu werden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. bugsierer
    schrieb am 24. Februar 2009 um 19:14 Uhr (#)

    noch nie gehört davon. zugegeben, ich bin kein drs3 hörer, aber als musikkonsument doch irgendwie zielgruppe. dass das portal drei jahre brauchte, bis ich davon erfahre, ist doch erstaunlich.

  2. Charly Zehnder
    schrieb am 1. März 2009 um 10:04 Uhr (#)

    Diese Story zu lesen in der Sonntagszeitung vom 1.März 09 (Seite 95)unter dem Titel “Trotz Kontrollen: “Sieg Heil”-Song auf Schweizer Musikplattform Mx3″
    Auf das Nachhacken der SonntagsZeitung wurde das Profil des Schweizer DJ gelöscht.

  3. pfaul_der_pfogel
    schrieb am 27. März 2009 um 14:07 Uhr (#)

    Mjä ich halte nicht viel von mx3. Viele meiner Bekannten sind in der Musikbranche tätig, seis als Booker oder als Bandmitglieder. Der grösste ihnen zu entnehmende gemeinsame Nenner ist, dass wenn eine Schweizer Musikplattform in Frage kommt, dies restorm.com ist. Als ich das Stichwort Creative Commons hörte, war ich auch einigermassen Ohr und setzte mich mit der Plattform auseinander und bin ebenfalls zum Schluss gekommen, dass sie solid und angenehm ist. Ich halte den Weg, den mx3 einschlägt, für falsch – es wird ja jetzt mit der Ifpi kooperiert, dabei, bläh. Also bitte. Lieber die CCs supporten, das Urheberrecht hat über früher oder später eh ausgedient.

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