Web-Serien:
Ein paar Minuten Lucy, Piet und Jim

Ob “Deer Lucy” auf bild.de, die StudiVZ-Soap “Pietshow” oder das ambitionierte ProSieben-Projekt “Check it out”: Wir sehen nach den Web-Serien.

Gleich zwei neue Web-Serien sind im Februar auf MyVideo.de gestartet: “Mitten Jim” mit Florian Sump, früher Schlagzeuger bei der Teenie-Band Echt, und das von Hobbyfilmern produzierte “The Flat”. “Mit ‘The Flat’ wollten wir etwas ganz Neuartiges erschaffen – ein innovatives Online-Format, das sich von bisherigen, amerikanischen TV-Sitcom-Profilen abhebt”, sagt David Helmut, Produzent und Autor der selbst ernannten “ersten deutschen Online-Sitcom”. Dabei herausgekommen ist leider nur eine langatmige Serie, die ihren äußerst platten Humor vergebens unter eingespielten Lachern zu verstecken versucht. Dennoch wurde die erste Folge auf MyVideo bereits über 117.000 mal angeklickt.

Fortsetzung
(Ben Wolf, MySpace)
(Ben Wolf, MySpace)
Die MySpace-Serie “They call us Candy Girls” bekommt eine zweite Staffel: Ende April gibt es zehn neue Folgen zu je fünf Minuten.
Unter den Web-Serien sticht “Deer Lucy” auf bild.de eindeutig hervor. “Es ist herausfordernd, filmisches Erzählen, wie von der Kinoleinwand oder vom Fernsehschirm gelernt, in das Internet zu übersetzen. Und das, ohne dabei ins Stereotype zu verfallen. Nur wenn man Klischees nutzt, um sie zu verdrehen oder zu brechen, wird es spannend, entstehen wirklich gute Momente”, sagt Regisseur Wolf Gresenz, der schon Musikvideos gedreht hat und für zahlreiche Werbespots von McDonald’s bis Coca Cola verantwortlich ist. Zwar ist es ihm noch nicht gelungen, wirklich mit den Klischees zu brechen – die Drehbücher beispielsweise erinnern stellenweise an schlecht gemachte Dailysoaps -, aber “Deer Lucy” ist besser und aufwändiger produziert als andere Web-Serien. Neben dem Video flimmert gleich Werbung für Mode aus der Serie – und die aktuelle Single von Lucy-Darstellerin Graziella Schazad.

Klicks mit Candy Girls, Scheitern mit Ambitionen

Wenn die ebenfalls von Me, Myself & Eye Entertainment (MME) stammende Serie “They call us Candy Girls” im April in ihre zweite Staffel startet, sollte sie sich technisch und ästhetisch mal die ein oder andere Scheibe bei “Deer Lucy” abschneiden. Die Candy Girls bescherten MySpace im letzten Jahr 1,9 Millionen Views und einen irgendwie zu perfekten Skandal, als es nach einigen Folgen wohl noch nicht so gut lief, wie gewünscht. Jetzt gibt es zu Beginn der neuen Staffel einen Casting-Aufruf in Zusammenarbeit mit Werbepartner Ford.

Linktipp
Aktuelle Infos rund um das Marktsegement sammelt das Blog Webisodes & Webserien. Betrieben wird es von Jakuna Media, die Film- und Fernsehproduzenten in Sachen Online beraten.
Um Männergeschichten und das Leben ganz normaler Studenten geht es in der Internet-Serie “Sex and Zaziki”, die sich für ihren Namen -man hört es – von “Sex and the City” inspirieren ließen. Die Serie wird von Düsseldorfer Studenten produziert, die das so gut machen, dass “Sex and Zaziki” die bereits erwähnten MyVideo-Sitcoms locker in die Tasche steckt. Fast noch schöner war die von Grundy Ufa produzierte StudiVZ-Soap “Pietshow”. Die Idee – jemand filmt für ein Projekt sein Leben und daran hat der Zuschauer teil – erinnert an die frühere ProSieben-Nachmittagssendung “Abschlussklasse”. Ähnlich wie “They call us candy girls” mit MySpace-Profilen verknüpft war, sind auch die Charaktere der “Pietshow” im StudiVZ- und MeinVZ-Netzwerk zu finden. Ob es eine zweite Staffel geben wird, ist momentan noch nicht offiziell bekannt, ist aber angesichts der Zugriffszahlen zu erwarten.

Im letzten Herbst wagte prosieben.de ein besonders ambitioniertes Projekt: Die Geschichte der Web-Serie “Check it out” sollte vom Zuschauer interaktiv mitbestimmt werden. Trotz der vielversprechenden Besetzung (u.a. “Tatort”-Kommissar Dominic Raacke und Martin Semmelrogge) lief die Serie jedoch unter ferner liefen. Auf dem MyVideo-Kanal ist zu sehen: Die einzelnen Clips, aus denen die endgültige Geschichte entstand, hatten Zugriffszahlen in gerade mal dreistelliger Höhe.

Aus den USA: Porno-Persiflage und Sing-along Blog

Wie die Zukunft der Web-Serie aussehen könnte, zeigen zahlreiche gut gemachte Beispiele aus den USA: “Private High Musical”, eine Persiflage auf die populären “High School Musical”-Filme, “Star-Ving” mit David Faustino, dem “Bud Bundy” aus der Serie “Eine schrecklich nette Familie”, die Porno-Persiflage “PG Porn”, “Valley Peaks”, “Secret Girlfriend” oder “Quarterlife” . Letztere war vor rund einem Jahr für eine Folge auf NBC zu sehen, wurde dann aber abgesetzt, weil sie dem Sender die schlechteste Quote seit fast zwei Jahrzehnten bescherte.

Im vergangenen Jahr machte über die US-Grenzen hinaus die dreiteilige Web-Serie “Dr. Horrible’s Sing-along blog” von sich reden. Sie wurde unter anderem deshalb ein internationaler Erfolg, weil sie von dem bekannten amerikanischen Fernsehmacher Joss Whedon (“Buffy”, “Firefly”) stammt. Die taz sah in dem “Horrible”-Modell – erst erschienen die Folgen kostenlos im Internet, hinterher konnten sie bei iTunes heruntergeladen werden und seit Dezember gibt es die Serie in den USA auf DVD zu kaufen – den “Weg aus der Krise” der TV-Serie in den USA.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. sennhauser
    schrieb am 18. Februar 2009 um 07:28 Uhr (#)

    Schon verblüffend, wie die Konvergenz immer auch eine Reduktion mit sich bringt. Erst jagt das TV dem Kino die Zuschauer mit den Serien ab, dann versuchen die Web-Serien das gleiche beim TV, und jedes Mal muss aus technischen Gründen erst einmal verdünnt und reduziert werden. Zur Zeit versucht das Kino sein Glück wieder mit 3D, wie seinerzeit in den Anfängen des Fernsehens. Aber mit zwei synchron laufenden iphones lässt sich sicher auch 3D mobilisieren.

  2. Manuella
    schrieb am 13. März 2009 um 01:50 Uhr (#)

    Ich finde diesen ganzen Wahn schon ein wenig heftig lieblingsserien hin oder her!

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