Sechsmal um den Blog:
Sechs zum Klicken
Die regelmäßige Blogschau auf medienlese.com – diesmal mit Zettelkästen, Wort-Schnitzeln, einer Gesprächszentrale und schwarzweißer Untergangssucht.
Da diesmal aus dem Publikum thematisch nichts Bestimmtes gewünscht wurde, gibt’s hier den gewohnten Pichelsteiner Topf – so wie Blogs ja am besten zu genießen sind. Wer will schon ewig das Gleiche aufgetischt bekommen? Los geht’s!
Frank Rawels Zettelkasten: Der Autor, Kabarettist und Kulturjournalist hat in der ‘Berliner Provinz’ sein Bloghaus eröffnet – mit kurzgefassten Anmerkungen zu Literatur, Sprache und Kultur, worunter natürlich spitze Bemerkungen zur Berlinale und zu den Amphetamine-Annies nicht fehlen dürfen, die dort wie aufgezogen über die roten Teppiche hoppeln: “Muss man das jetzt? Alles toll und super und supertoll finden? Nehmen die einen sonst nicht?”
Ostblog: Das Blog wird pseudonym von ‘Ferdinand Bardamu’ geführt (frei nach Célines ‘Reise ans Ende der Nacht’). Eine merkwürdig melancholische und gewissermaßen deszendente und untergangssüchtige Angelegenheit. Die Beiträge glänzen durch kurze Apercus – und vor allem durch ihre großartigen Schwarzweiß-Fotos.
Mein Vater wohnt im Altenheim: Auch wenn dieses Blog am Donnerstag, dem 12. Februar, die Pforten schloss, weil der Vater an diesem Tag dem Heim und dem Leben entkam, so bleiben die Texte ein großartiges Netzdokument und ein gutes Beispiel dafür, wozu die Blogosphäre eben auch taugt: Der Leser findet eine dichte und subjektive Studie über Altsein, Morbidität und Sterben in einer gleichfalls kranken Gesellschaft. In der Mitfühl-Intensität leistet keine der eingeführteren journalistischen Stilformen diese Vermittlungsarbeit. Wenn in derartigen Fällen das Bloggen zugleich zur Selbsttherapie taugt, als politische Dokumentation und als Gesprächszentrale zum Austausch mit anderen – umso besser.
Dimebag: Lustig und hart an der Grenze zum Wort-Comic bewegt sich Dimebag, die rothaarige Blog-Göre mit der ebenso blühenden wie kindlichen Phantasie: “Kommentieren Sie hier bloß ordentlich! …nicht dass mir Klagen kommen, sonst gibt’s was auf die Nuss! … Wenn Sie… männlich / weiblich / was-auch-immer sind und Anschluß / Liebe / Kontakt suchen, funken Sie mich bloß nicht an! Und NEIN! Ich möchte auch nichts kaufen oder Ihre privaten Filme / Fotos / Webcamera-Spielchen sehen“.
Alle Ausgaben unserer Serie “Sechsmal um den Blog” gibt es hier in unserem Archiv.
Gorillaschnitzel: Etwas kodderschnäuziger geht’s beim Gorillaschnitzel zu – aber wenn der geneigte Leser die Polemik erst einmal abgewischt hat, dann bleibt ihm doch immer genug Substanz zum Nachdenken übrig. Hier eine Stilprobe: “Ich bin ja Kind gewesen, als man noch “Mohrenkopf” oder “Negerkuss” sagen durfte, heute weiß ich nicht, ob “Schaumgebäck mit Migrationshintergrund” noch einigermaßen tolerabel ist. Früher sagte man ja auch “asoziales Dreckspack”. Heute nennt man das “Banker”. Nach Lektüre dieser Meldung muss ich sagen, dass ich mittlerweile erstere Bezeichnung eindeutig präferiere“.
Süsste woll – und schon habe ich Sechs gehabt – und ihr nicht! Natürlich nur, wenn ihr mir jetzt nicht hinterherklickt, heißt das …
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.






















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Den Zettelkasten finde ich ziemlich lesenswert, den Rest sehenswert, aber nicht so sehr, dass ich regelmäßig dort wieder hingehen würde. Insofern: Danke für den einen wertvollen Link :).
Was für ein gelungener Pichelsteiner Topf. Schmeckt vorzüglich. Danke für die Tipps! Der Zettelkasten ist mein absoluter Fave.
Der “Mein Vater ist im Altenheim Blog” ist sehr ergreifend. Hab nur ein paar Postings gelesen und mag eigentlich gar nicht weiter lesen. Ist aber sehr gut geschrieben. Das ist schon fast Stoff für Filmemacher.