News kostenlos:
“Wir haben einen Fehler gemacht”

Zu Gast in Jon Stewarts “The Daily Show”: Der ehemalige CNN-Chef und leitende Time-Redakteur Walter Isaacson bereut, dass im Internet News kostenlos sind und plädiert für Micropayment.

Walter Isaacson will die Zeitung retten, damit Medien wie die New York Times auch künftig Reporter nach Bagdad schicken können. Wie das funktionieren soll, nämlich über Micropayment für Texte im Internet, so wie es iTunes mit seinen 99-Cent-Musikstücken vormacht, hat er im Time-Magazin erklärt. Jetzt war er zu Gast in der “The Daily Show”, einer amerikanischen Comedy-Sendung, die oft mit politischen und erfrischend direkten Interviews überrascht.

 

Falls das nicht funktionieren sollte, hier der direkte Link auf thedailyshow.com.

Dass man Anfang der neunziger Jahre damit begonnen hätte, News kostenlos im Internet zu verteilen, ärgert Walter Isaacson im Nachhinein: “Wir haben einen Fehler gemacht.” Ausführlicher ist sein Artikel im Time-Magazine, in dem er verschiedene Bezahlmodelle vorstellt und die Paradoxe Situation beschriebt, dass Zeitungen gerade durch das Internet ihre Reichweite enorm steigern, ihre Einnahmen aber trotzdem sinken, bis hin zum Bankrott.

Aber deswegen jetzt (wieder) damit anfangen, für Artikel im Netz Geld zu verlangen? Funktioniert das denn? Nicht nur Show-Host Jon Stewart ist skeptisch, auch Medienexperten wie Jeff Jarvis. Der schreibt, auch hier auf medienlese.com, dass Verlage lieber mit dem Strom schwimmen sollten, um im Internet erfolgreich zu sein. Das heißt, die Gesetzmäßigkeiten der Online-Wirtschaft zum eigenen Vorteil zu nutzen und sich nicht dagegen positionieren, in dem man alte Geschäftsmodelle eins zu eins auf das neue Medium Internet überträgt. Bezahlmodelle wie Micropayment hätten so gesehen mehr Nach- als Vorteile.

In “The Daily Show” weist Jon Stewart auf einen wichtigen Unterschied zwischen 99-Cent-Songs auf iTunes und News hin: Musik bedeutet Menschen im Allgemeinen mehr, als eine Text. Das Lied kauft man, um es immer wieder zu hören. News, selbst wenn es sich nicht bloß um eine Nachricht, sondern um ein ausführliches Feature, eine tolle Reportage handelt, sind ein vollkommen anderes Produkt.

Mehr dazu:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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5 Kommentare

  1. mds
    schrieb am 11. Februar 2009 um 17:42 Uhr (#)

    Dass man Anfang der neunziger Jahre damit begonnen hätte, News kostenlos im Internet zu verteilen, ärgert Walter Isaacson im Nachhinein: “Wir haben einen Fehler gemacht.”

    Für 08/15-Inhalte musste noch nie bezahlt werden, auch nicht in gedruckter Form – verkaufen liessen sich immer schon nur besonders hochwertige Inhalte, beispielsweise für ein Fachpublikum. Wieso sollte dies im Internet anders sein?

  2. Klaus Jarchow
    schrieb am 11. Februar 2009 um 20:23 Uhr (#)

    Dieser Größenwahn! Wenn die Zeitungen keine kostenlosen Inhalte ins Netz stellen würden, dann wären sie einfach im Netz nicht dabei. Das ist auch schon alles …

  3. Lukas
    schrieb am 11. Februar 2009 um 23:27 Uhr (#)

    Ich finde Isaacsons Vorschlag gar nicht so schlecht – gerade, wenn man ein solches Micropayment-System auch auf andere Bereiche ausweiten könnte.

    Und auf einer freiwilligen Basis wäre es vielleicht schon mal ein Anfang: ich würde durchaus 10 Cent für einen Artikel bezahlen, der mir gefallen hat (übrigens auch in Blogs, nicht nur auf Nachrichtenseiten).

  4. Chemnitzblogger
    schrieb am 12. Februar 2009 um 15:10 Uhr (#)

    Das Problem ist doch dass die meisten Micropayment-Dienste einfach zu kompliziert sind. Man muss sich registrieren, einloggen, eine Kreditkarte oder ein Konto angeben und dann bestätigen dass man die Summe wirklich bezahlen will. Wenn es dagegen neben einer längeren gut geschriebenen Reportage einen Knopf geben würde: 5 Cent für diesen Artikel, Geld geht direkt an den Autor und mit einem Klick wäre alles erledigt, dann würde ich das glaube ich schon machen. Aber so ist selbst mit Paypal-Spenden außerhalb der USA (wo Charity einen größeren Stellenwert hat) wenig zu holen.

  5. Rainer L.
    schrieb am 12. Februar 2009 um 15:30 Uhr (#)

    Ich finde die Idee nicht schlecht. Ich wäre durchaus bereit, für gute, aktuelle und seriöse Nachrichtenseiten, die ich regelmäßig besuche, auch eine monatliche “Abo-Gebühr” zu zahlen. Schließlich habe ich keine längst keine Tageszeitung mehr, da mir das Internet die Informationen wesentlich aktueller, vielfältiger und besser aufbereitet bietet als eine Tageszeitung. Hintergrundinfos ohne Ende aus *verschiedenen* Quellen (statt nur aus der Sicht des Tageszeitungs-Redakteurs), das Nachschlagen älterer Artikel zum Thema innerhalb von Sekunden, schier unendliches Bild- und Videomatieral – das bietet Print in dieser Form NICHT.

    Der Werbemarkt als alleinige Quelle des Einkommens für Redaktionen führt zu Abhängigkeit, Einsparungen und somit zu schlechtem, von Lobbyisten getriebenen Journalismus. Da wäre es mir es durchaus wert, 99 Cent pro Monat für diverse Nachrichtenmagazine im Web zu zahlen. Sofort.

    Gruß
    Rainer

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