Musik und Internet:
Trent Reznors erfolgreiche Experimente (Video)

Mike Masnicks unzählige Artikel auf Techdirt zum Thema Musikbranche und Internet haben erheblich dazu beigetragen, dass ich die ökonomische Situation, in der sich Musiker heute und in der Zukunft befinden und die damit einhergehenden Möglichkeiten verstehen konnte.

Mike Masnick befasste sich in seiner Präsentation auf der MidemNet ausführlich mit NINs Trent Reznor und dessen Experimente im Umgang mit dem Web. Besonders für Skeptiker eine sehr sehenswerte Zusammenfassung.

Hier das Video der Präsentation:

(Englisch, 15:45 Minuten)

Das vereinfachte Modell, das Masnick noch einmal zusammenfasst:

Connect With Fans (CwF) + Reason To Buy (RtB) = The Business Model ($$$$)

Mit Fans verbinden + Einen Grund für Kauf finden = Das Geschäftsmodell

(Hinweis: In den Kommentaren auf Techdirt wird zu recht darauf hingewiesen, dass die Formel eigentlich eine Multiplikation und keine Summierung sein muss.)

Die vielen Experimente von Reznor zusammengefasst noch einmal zu sehen, ist ausgesprochen interessant. Trent Reznor geht dabei, wie Masnick ausführt, so viele unterschiedlichste Wege (Extrem limitierte, aufwendige LP-Editionen, Alternate-Reality-Games, freie Musik, etc.), dass man zu dem Schluss kommen kann, das Reznor vielleicht der erste Musiker ist, der wirklich begriffen hat, was das neue Umfeld für Musiker auch an Möglichkeiten bedeutet.

Masnick geht auf Techdirt auch noch einmal auf ein paar oft gemachte Kritikpunkte diesen neuen Geschäftsmodellen gegenüber ein.

Siehe zum Thema auch:

 

Mehr lesen

Linkwertig: Musik, Delicious, Google, Blogs

8.11.2012, 1 KommentareLinkwertig:
Musik, Delicious, Google, Blogs

t3n hat 10 Beispiele für gute Corporate Blogs aufgespürt und mehr.

Linkwertig: Musik, Tent, Google+, Facebook

24.8.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Musik, Tent, Google+, Facebook

Mit Payleven und Sum Up gingen gestern gleich zwei Square-Klone in Deutschland an den Start und mehr.

Videos und Musik: Toggla macht das Smartphone  zur Multimedia-Fernbedienung

4.6.2012, 22 KommentareVideos und Musik:
Toggla macht das Smartphone zur Multimedia-Fernbedienung

Das Krefelder Startup Tremeo hat mit Toggla eine Smartphone-Fernbedienung zum bequemen Abspielen von Medieninhalten über einen Computer entwickelt.

23 Kommentare

  1. Huhu Marcel.
    Schön, dass du das noch mal beackerst.

    …dass man zu dem Schluss kommen kann, das Reznor vielleicht der erste Musiker ist, der wirklich begriffen hat, was das neue Umfeld für Musiker auch an Möglichkeiten bedeutet.

    Ja. Toll. NIN hatten aber schon vor dem WWW eine riesige Fanbase. All die kleinen, anderen zerreiben sich zwischen Facebook, Virb und Maspace-Accounts, die zwar viel Arbeit machen, aber genau: nichts bringen.

    Jetzt hier das ultimative Angebot Marcel:
    Wollen wir gemeinsam eine Band gründen und beweisen, dass es möglich ist, damit Geld zu verdienen?
    Welches Instrument kannst du spielen? Bass geht immer…

  2. “Ja. Toll. NIN hatten aber schon vor dem WWW eine riesige Fanbase. All die kleinen, anderen zerreiben sich zwischen Facebook, Virb und Maspace-Accounts, die zwar viel Arbeit machen, aber genau: nichts bringen.”

    Ich wusste, dass genau so ein Kommentar kommt. Man könnte die Uhr danach stellen.
    Schau Dir bitte hier die Beispiele an, da sind auch Musiker dabei, die sich von Null ausgehend etwas aufgebaut haben. Mit dem Netz und freier Musik! Schock.
    Wenn das nicht reicht, findest Du hier in dem Kommentar auf Techdirt unzählige weitere Links zu weiteren Artikeln mit Beispielen, die Deine These “das geht nur bei bereits bekannten Musikern!” widerlegen.

  3. @ Wolfgang
    Könnte es sein, dass ich Deinen Kommentar bereits 1988 wo gelesen habe?

    “All die kleinen, anderen zerreiben sich zwischen Mailorder-Labels, Demo-Tapes und A&R-freien Mini-Gigs, die zwar viel Arbeit machen, aber genau: nichts bringen.”

    @ Marcel
    Thanks for this…

  4. Die Formel CwF + RtB = $$$$ gab es ja schon lange vor dem Internet und da bringt er auch überhaupt nichts Neues. RtB kann durch ganz unterschiedliche Angebote ersetzt werden. Künstliche Verknappung ist so eines. Exklusiv-Boxen gibt es ja schon Ewigkeiten. RtB kann aber auch “Legalität” sein. Wenn ich den Konsumenten einschärfe, dass sie was Illegales machen, kauft der eine und der andere nur, damit er sauber da steht. Also die Formel hat noch nichts Neues.

    Was macht aber diese Ausführungen so besonders? Was können Musiker und Labels von Nin lernen? Hier hat einer bewiesen, dass er sich vom bestehenden System abkoppeln kann und massiv Geld verdient. Er verändert die Spielregeln und scheint mächtig zu profitieren. Dabei ist es egal, ob er vorher schon eine Fanbase hatte oder nicht. Er hat’s geschafft. Sollten weitere Bands/Sänger nachziehen, werden wir schon in Kürze Labels sehen, welche ihren Künstlern den phänomenalen Durchbruch dank Web 2.0 versprechen und es entsteht ein Wettbewerb zwischen den klassischen und den neuen Labels. Dann wird der Markt entscheiden, welches Modell sich durchsetzt. Wahrscheinlich werden es Mischformen sein und die wichtigsten Labels von heute werden weiterhin an vorderster Front stehen.

  5. Hey ihr,
    fand die Präsentation sehr interessant und anregend – viele wichtige Punkte zur Vermarktung von Musik im Internet. Ein paar Dinge möchte ich aber kritisch anmerken:

    1. Die Frage bleibt, welche Rolle das kostenlose Weitergeben von MP3s (ganzen Alben) für den Erfolg spielt. Ich denke: eine untergeordnete. Community im Internet, Merch, Remix-Contests, kotenlose Videos etc. und vor allem gute(!) Live-Shows(!) mit Gewinnspielen im Netz etc. funktioniert ja auch, wenn ich gleichzeitig mein Album ganz normal als MP3 online verkaufe – das macht TR ja auch noch nebenbei. Übrigens, Marcel, du hast schon Recht, dass das Argument “Der war schon vorher erfolgreich” kein Totschlag-Argument ist, aber man kann nicht abstreiten, dass er (wie auch Radiohead z.B.) aus der Welt der 90er-Major-Label-Stars kommt. Das heißt, er kann mit einer schon vorhandenen Marktmacht (+viel Geld, Agenturen, Labels etc.) eine erfolgreiche Internet-Strategie aus dem Boden stampfen und, was genauso wichtig ist, hat gleich eine PR-Kampagne nach dem Motto “Trent Reznor (Radiohead, Arctic monkeys…) verschenkt MP3s und revolutioniert das Musikbusiness”, was in der Presse und im Netz halt immer zieht, und was Label-Strategen bewusst einsetzen (damit sage ich nicht, dass das nicht vielleicht stimmt). Ich wage aber die These, dass – lässt man den grandiosen PR-Effekt weg – er genauso erfolgreich mit seiner Web-Strategie wäre, ohne seine aktuellen Alben zu verschenken. Übrigens wird ja heute auch von fast allen Labels und Bands in Kauf genommen, dass Alben bei P2P auftauchen und runtergeladen werden – ist natürlich besser als wenn Leute nicht an die Musik rankommen obwohl sie eigentlich wollen aber nix zahlen wollen. Denke, letztlich ist es eine individuelle Rechnung, inwieweit es Sinn macht Alben bewusst zu verschenken (obwohl man Fans hat, die auch dafür online zahlen würden).
    Jungen Bands übrigens, die noch keinen Erfolg haben, rate ich dringend aus dem Netz raus und in den Tourbus rein zu gehen, und natürlich ihre MP3s (sofern vorhanden) zum Download anzubieten, da eh noch keiner dafür bezahlen will. Bei einem gewissen (Live-)Erfolg und einem ersten richtigen Album mit entsprechender cleverer Vermarktung denke ich aber, dass momentan noch nach wie vor das “Album verkaufen”-Modell besser ist und dem Bekannheitsgrad nicht schadet.

    2. Ganz am Ende der Präsentation geht er mir zu weit – Eine tolle Internetstrategie eines einzelnen Künstlers (der in einem ganz bestimmten Segment der Branche mit einer ganz bestimmten Zielgruppe unterwegs ist) zu zeigen und dann die Überflüssigkeit von Verwertungsgesellschaften und Urheberrecht zu suggerieren halte ich für zu billig. So viel schlimmes man auch über GEMA und Co sagen kann, in vielen Bereichen der Musikbranche sind die einfach wichtig. Anders gesagt: Wenn MC Donalds oder ein Format-Radio oder ein Supermarkt oder ein Kommerz-Club Musik spielt und daraus Profit schlägt, muss der Künstler Kohle sehen, Punkt. Das mit der Praxis im Internet unter einen Hut zu bekommen ist halt nicht einfach.

  6. @Daniel Niklaus: Die Formel ist nicht neu und so simpel wie es eben nur geht. Trotzdem hat eine gesamte Industrie Probleme, sie auch nur ansatzweise anzuwenden. Ich finde das interessant. Du nicht?
    Ich fände es gut wenn die Labels, auch die großen, die hier beschriebenen Wege ausprobieren und beschreiten würden. Aber das wird nicht passieren. Wir sprechen hier von Entscheidungsträgern, die seit nun 11 Jahren ihre Lernunfähigkeit unter Beweis stellen. Ich bezweifle deshalb, dass in 10 Jahren noch viel von den heute wichtigsten Labeln vorhanden sein wird.

    @Lucien: Die Frage bleibt, warum man sich so strikt daran halten sollte, für jede Transaktion einer Kopie einer Musikaufnahme zum Hörer zu kassieren?

    “Wenn MC Donalds oder ein Format-Radio oder ein Supermarkt oder ein Kommerz-Club Musik spielt und daraus Profit schlägt, muss der Künstler Kohle sehen, Punkt.”

    Ja? Warum? Ist der Promotioneffekt immer praktisch null bei solchen Angelegenheiten? Oder hat der Künstler es immer verdient, doppelt zu profitieren – direkte Bezahlung und indirekt über mehr Bekanntheit, was zu mehr Einnahmen anderenorts führt-?
    Was glaubst Du, hätte Musikern mehr gebracht in der Zeit als MTV noch Musikvideos spielte:
    Direkte Bezahlung pro Videoaustrahlung oder Sicherstellen, dass das eigene Musikvideo möglichst oft gespielt wird?

    Ich widerspreche Dir nicht grundlegend. Beides kann Hand in Hand gehen, und macht es oft auch.
    Ich finde nur die Mentalität “Da muss immer Geld fließen. Punkt.” zu kurzsichtig.
    Das ist genau die Mentalität, die die Musikbranche im Web in solche Bedrängnis gebracht hat und ihr die Augen vor den Möglichkeiten verschließt.

  7. Mensch Marcel poste doch so einen Beitrag mal in diversen Musikforen und Dir wird ein heftiger Wind entgegen blasen! :-) Vermutlich eher sogar ein Orkan.

    “Einen Grund für Kauf finden”… der Grund sollte eigentlich einfach nur die “geile Musik” sein! Aber das interessiert die Raubkopierer und geizigen Penner ja nicht mehr.

    Du würdest ohne Witz gnadenlos floppen mit einer Band/Projekt. Theorie und Praxis passen nicht zusammen.

    Der Verweis auf die Beispiele ist lächerlich… wieviel Prozent der Musiker sind das? 0,01%? Wo kommen die her? Wieviel Support hatten die durch Vitamin B? …

    Stell Dir vor Du wärst Obsthändler und stellst 100 Äpfel ins Regal vor Deinen Laden und alle Leute finden die Äpfel toll und nehmen sie mit, zahlen aber nichts dafür.

    Würdest Du als Obsthändler dann auch “neue Ideen” suchen oder einfach “fuck you!” sagen und den Laden dichtmachen?

  8. ““Einen Grund für Kauf finden”… der Grund sollte eigentlich einfach nur die “geile Musik” sein! Aber das interessiert die Raubkopierer und geizigen Penner ja nicht mehr.”

    ‘Wenn man etwas verkaufen will, dann sollte man etwas anbieten, für das die Leute auch bezahlen wollen. Aber das interessiert die raffgierigen Label und Musiker ja nicht mehr.’

    Kampfrethorik kann ich auch. Die bringt aber niemanden was. Solche Aussagen wie Deine oben und die dahinter liegende Mentalität sind genau der Grund, warum die Musikbranche heute dort ist wo sie ist.

    “Der Verweis auf die Beispiele ist lächerlich… wieviel Prozent der Musiker sind das? 0,01%? Wo kommen die her? Wieviel Support hatten die durch Vitamin B? ”

    Ab welcher Zahl an Beispielen akzeptierst Du denn, dass die aufgezeigten Wege funktionieren können? 100? 1000?

    Und wie kommst Du denn auf die absurde Annahme, dass alle Beispiele nur Erfolg über Beziehungen hatten? Und wie stellst Du Dir das online vor? Kannst Du das ausführen oder bist Du langsam verzweifelt auf der Suche nach Argumenten, um die Beispiele nicht akzeptieren zu müssen?

    “Stell Dir vor Du wärst Obsthändler und stellst 100 Äpfel ins Regal vor Deinen Laden und alle Leute finden die Äpfel toll und nehmen sie mit, zahlen aber nichts dafür.”

    Der Vergleich hinkt. Und zwar gewaltig. Muss ich das wirklich noch einmal ausführen? Müssen wir 2009 noch darüber reden, dass das Kopieren von Dateien nicht als Diebstahl bezeichnet werden kann?

    Dein Beispiel würde nur funktionieren, wenn die Leute die Äpfel mitnehmen und ich trotzdem die 100 Äpfel im Regal behalte. Wenn es unendlich viele Äpfel gibt, die nie alle werden.

    In einer Welt, in der unendlich viele Äpfel vorhanden sind, die nie alle werden, an jeder Straßenecke verfügbar sind, in dieser Welt will ich für den einzelnen Apfel aus meinem Regal bezahlt werden, nur weil ich die Sorte gezüchtet habe. Und ich habe, wie jeder, unendlich viele Äpfel auf Lager.

    Was glaubst Du, wie viele Menschen mich bezahlen würden? Würdest Du?

    Vielleicht wäre es besser, mit den Äpfeln etwas zu machen, dass es nicht an jeder Straßenecke umsonst gibt und dafür Geld zu verlangen, oder?

  9. Auch wenn die Business-Formel nicht unbedingt neu, einfach gehalten & ständig wiederholt wird, finde ich es in dem Vortrag gut Zusammengefasst, wie NIN mit kreativen Ideen immer wieder von sich sprechen lässt, die Fans an der Sache selbst beteiligt und somit auch verkauft.

    Mir kommts ja sehr bekannt vor, dass sich Musiker als Innovationsmuffel auszeichen. Ich erinnere zB. an Ende der 90er als die ersten virtuellen Synthesizer für PC auf den Markt kamen und ca. 2 Jahre lange geredet wurde wie viel besser doch die alten Analog-Teile sind und des alten Ataris Leistung mit Cubase eeewig reichen wird. Heute verstauben die Teile selbst bei den Freaks.

    Stell Dir vor Du wärst Obsthändler

    Ich stell mir das jetzt vor: der Apfel wurde von einem Designer entworfen und man kann diesen Apfel unendlich oft duplizieren. Dann bemerke ich, dass Dein Vergleich freundlich gesagt fiktiv ist.

    der Grund sollte eigentlich einfach nur die “geile Musik” sein!

    Im Fall von NIN kann man durchaus von einem Multimedia-Projekt sprechen und die Musik ist nur ein Teil des Ganzen. NIN verkauft ja auch (geile?) Musik, nur was soll daran schlecht wennman drumherum noch andere Ideen umzsetzt?

    Radiohead wäre ein Kontrast, die hatten einen sehr minimalen Ansatz, falls sich jemand von euch deren damalige Rainbow-Seite mal angesehen hat – man kann, nichts muss.

  10. ähm, sorry, ich bin kein papgei, sondern ein nicht auf F5 drückender multitasker… :-)

  11. @Max: Also das mit der Innovationsfeindlichkeit von Musikern ist zu schnell geschossen. Ich kenne haufenweise Produzenten (auch sehr erfolgreiche), die heute analoge Synthies einsetzen, und hey, die Synthie-Plugins waren einfach Schrott früher, und ein Künstler, der keine Glaubenskriege führt sondern Musik macht, benutzt das Equipment, was er geil findet (egal ob aktuell oder 50 Jahre alt) und nicht das, was vielleicht in 10 Jahren mal geil sein könnte. Oft wird im Netz dümmliches (und marketing-gesteuertes) Gehype mit Innovation verwechselt. Übrigens nicht hier bei netzwertig, wie ich mittlerweile festgestellt habe ;)
    @Marcel: da habe ich auch dran gedacht, und das stimmt sicherlich mit dem Promo-Effekt. Aber eben auch nicht immer. Beispiele: 1. Supermarkt – bringt mir das Fans/Konzertbesucher? 2. Ein Song wird noch Jahre nach Veröffentlichung in Clubs gespielt – vielleicht gibt es die Band gar nicht mehr – sollten die Komponisten nicht trotzdem was davon haben? 3. Komponist und Interpret sind nicht identisch (kommt sehr oft vor) – wovon soll der Komponist leben? Aber in diesem Gefüge könnte sich einiges verschieben, das sehe ich schon auch.

  12. @Lucien
    Ich bin da mehr Glaubenskrieger:-) Die Artikel beziehn sich für mich auf die Zukunft. Mir fehlt die Demut für Argumente warum dies und das nicht funktionieren kann, weil es gestern oder heute nicht funktioniert.
    Zu den Synths noch: Da gings halt auch um viel Geld. Kurz bevor VST den Durchbruch hatte kosteten die Geräte richtig Asche. Kurze Zeit später einen Bruchteil und das war nicht schwer voraussehrbar. Wer heute noch analog dabei ist kommt im Vergleic noch billig weg (ausser bei seltenen Sammlerstücken).
    Sonst klar, Du triffts damit genau den Punkt, warum es die heftigen Music vs. IT Diskussionen gibt.

  13. @Marcel

    Ob ich es interessant finde, warum die Labels nicht lernen?
    Gewisse Dinge verstand ich erst mit der Zeit. Die Frage ist, läst du dich auf ein solches Gedankenexperiment ein? Dazu musst du dein mentales Korsett genauso sprengen, wie es die Majors heute tun müssen.

    Einer der wichtigsten Punkte warum sich die Labels sperren, ist die Verantwortung. Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitern, Künstlern, Aktionären, einer ganzen Verwertungskette und natürlich dem eigenen Job.

    Stell dir folgende Entscheidung vor: du führst ein Unternehmen mit 800 Millionen Umsatz. Nachgelagert werden nochmals 800 Millionen mit deinen Produkten generiert. Wir sprechen also von ca. 16’000 Arbeitsplätzen. Das bedeutet etwa 24’000 Personen, die direkt von deinen Entscheidungen abhängig sind. Jetzt kommt ein Konkurrent namens Napster daher und bedroht dein gesamtes Geschäftsmodell. Du siehst zwar, dass sich hier etwas Gewaltiges auftut. Nur ist noch völlig unklar, wie du in der neuen Welt Geld verdienen kannst. Vielleicht setzt du in 3 Jahren 40 Millionen um. Gleichzeitig wird aber dein Umsatz im traditionellen Geschäft um die Hälfte einbrechen. Du verlierst also potentiell 400 Millionen. Das können 8’000 Arbeitsplätze sein. Familienväter und Mütter. Solche kurz vor der Pensionierung, solche die gerade ein Praktikum starteten. Was machst du also? Setzt du auf den sicheren Weg und ziehst vorerst die Handbremse an oder riskierst du eine ganze Firma in den Ruin zu treiben?

    Selbst wenn dein Umsatz über die Jahre hinweg einbricht, du hast immer noch die Möglichkeit den Markt zu beobachten. Lässt kleine Labels experimentieren. Die einen scheitern, die anderen haben etwas Erfolg und die die richtig erfolg haben – kaufst du. Du sprichst mit Apple und redest über Kulturflatrate. Du schaust wie sich der Markt entwickelt und fängst dich „langsam“ an zu verändern. Sobald klar wird, welche Methoden Geld versprechen, veränderst du dein Geschäftsmodell und fängst an erfolgreiche Konzepte zu „kopieren“ und kaufst erfolgreiche Firmen/Künstler auf. Denn die machen aller Voraussicht nach immer noch massiv weniger Umsatz als du.

    Wie würdest du entscheiden. Volles Risiko oder doch eher den vermeintlich sicheren Weg?

  14. @Max2: Glaubenskrieg macht ja auch manchmal Spaß :) Das mit dem Geld war doch so: Normale Netz-User mit musikalischen Experimenten konnten (können) sich keine analogen Synthies leisten. Da reicht eine Pressemitteilung der Art: “Fender Rhodes jetzt originalgetreu als Plugin” und die Leute jubeln und verdammen alles, was jemals vorher war. Und geben Geld aus für Software, die das Heil verspricht. So ist das immer mit Hypes.

    @Daniel: Ein sehr schöner Punkt, der die Realität besser trifft als der ewige Zwei-Fronten-Krieg zwischen Netz-Ideologen und Piratenjägern.
    Die Wahrheit ist, dass sich der “Wandel der Institutionen” eben nicht radikal über Nacht vollzieht, und das aus gutem Grund – sonst wären Wirtschaft und Gesellschaft gar nicht funktionsfähig. An der Musikbranche (und an der Gesetzgebung zum Urheberrecht, Verwertungsgesellschaften etc.) hängen eben sehr viele Strukturen, ein ganzes Netzwerk an Firmen, Aufgabenteilung, Geldströmen, verschiedenen Interessen usw. Da zieht man halt eher die Handbremse und verschafft sich Zeit, als auf einen Wandel zu setzen, dessen Richtung noch nicht klar abzusehen ist. Genau so wie du es beschrieben hast. Im Rückblick ist es halt immer leicht zu sagen: Wir hatten Recht, die nicht.

  15. Disruption macht eine Dekade des Verklagens der eigenen Kunden nicht nachvollziehbar. Es ist ja auch nicht so, dass die Musikbranche viel gelernt hätte in den letzten 11 Jahren.
    11 Jahre.
    Lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen. Wir reden hier nicht von einer Veränderung über Nacht, die vor einem halben Tag hereingebrochen ist.
    Bei allen Schwierigkeiten, die es bedeutet, ein Großunternehmen durch einen Wandel zu leiten, der das alte Geschäftsmodell obsolet macht: ich kann nicht sagen, dass das Vorgehen der Musikindustrie nachvollziehbar und korrekt ist.

    Ich kann mich nicht entsinnen, jemals irgendwo gelesen zu haben, dass die Telegraphenhersteller über die Telefonbenutzer hergefallen sind.

    Also Daniel, zu Deiner Frage: Als CEO eines Majorlabels wäre ich auch nicht Ende der Neunziger oder Anfang des neuen Jahrtausends Kopf über in’s Netz gesprungen. Ich hätte aber auch nicht eine Dekade lang meine Kunden verklagt und zu meinen Feinden erklärt.

  16. Ab welcher Zahl an Beispielen akzeptierst Du denn, dass die aufgezeigten Wege funktionieren können? 100? 1000?

    Die Betonung liegt auf “können”. Das ist kein Garant. Insbesondere nicht von Dauer. Die 10 Beispiele stehen eben absolut in keinem Verhältnis zu den anderen Millionen Musikern.

    Und wie kommst Du denn auf die absurde Annahme, dass alle Beispiele nur Erfolg über Beziehungen hatten? Und wie stellst Du Dir das online vor? Kannst Du das ausführen oder bist Du langsam verzweifelt auf der Suche nach Argumenten, um die Beispiele nicht akzeptieren zu müssen?

    Bei allen Beispieln kann man feststellen, dass die Personen schon länger “dabei” sind oder jemanden kennen/kannten der Ihnen geholfen hat bzw. sonstige Faktoren wie “Glück/Zufall/Schicksal” mitgespielt haben.

    Der Vergleich hinkt. Müssen wir 2009 noch darüber reden, dass das Kopieren von Dateien nicht als Diebstahl bezeichnet werden kann?

    Als was dann? Warum bist Du überhaupt der Meinung das Musik nichts mehr wert sein soll und sich die Musiker gefälligst um andere Einnahmequellen kümmern sollen? Weil “alle” auf das Urheberrecht und die Arbeit des Künstlers sch**ßen und runterladen soviel wie geht?

    Wenn es unendlich viele Äpfel gibt, die nie alle werden.

    Die Anzahl und Form der Produkte spielt keine Rolle.

    Laut Deinen Thesen müßten dann auch Softwarehändler alle ihre Programme umsonst abgeben.

    Was kommt dann als Nächstes?

    Es startet doch keiner mehr eine Firma mit einem Produkt um sich durch irgendwelche unsicheren Umwege zu finanzieren. Wo ist da das Geschäftsmodell bitte?

    Ich zahle für Musiksoftware z.B. indirekt die Verluste durch Raubkopien mit. Was bringt es dem Hersteller wenn 2/3 der User eine Raubkopie benutzen? Soll er die Gleichgültigkeit der Leute auch noch belohnen und sie mit anderen Mittel darum betteln sein Produkt oder irgendwas anderes zu kaufen?

    Es ist kein Wunder das z.B. die Firma Access ( http://www.access-music.de/ ) Softwareversionen von Ihren Hardwarekisten verweigert, da diese sonst kaum jemand kaufen würde und die Firma dichtmachen könnte.

  17. Sprechen wir die unangenehme Wahrheit aus.

    Die alternativen Modelle erzielten den einen oder anderen Achtungserfolg. Mehr ist da aber noch nicht. Die Künstler versprechen sich heute grösseren Erfolg von einem traditionellen Major als von einem alternativen Label und unterschreiben lieber bei Sony & Co.

    Solange die Künstler keine Kursänderung verlangen und die alternativen Modelle auch nicht annähernd den drohenden Verlust kompensieren, gibt es keinen Grund für ein Major die Strategie zu wechseln. Erst wenn sich das Beispiel NIN nennenswert multiplizieren lässt, gibt es einen Wettbewerb der Systeme und dann sind die Majors UND die Künstler gefordert.

    Im übrigen klagt die Musikindustrie nicht ihre Kunden ein. Aus deren Sicht sind es eben die NICHT-Kunden, welche illegal die Musik saugen und verteilen. Auch wenn du das Apfel-Beispiel immer wieder bringst, solange die Gesellschaft keine neue Gesetze erlässt, bleibt das Saugen mit Upload eine Urheberrechtsverletzung.

  18. Laut Deinen Thesen müßten dann auch Softwarehändler alle ihre Programme umsonst abgeben.Laut Deinen Thesen müßten dann auch Softwarehändler alle ihre Programme umsonst abgeben.

    Undenkbar ist das nicht. Jenseits von Freeware oder Open Source (mit vielen profitablen Zweigen) zieht die Freemium genannte Preispolitik schon ziemlich große Kreise, selbst über ein kostenloses Windows 7 wurde viel spekuliert. Und abgesehen von den der ewigen IT-Legende, dass Hersteller absichtlich Lücken für Software-Hacks lassen, ist man im Bildungsbereich ohne Raubkopien im nirgendwo – die Profis (vormals kriminelle Studenten) bezahlen dann für Software sehr wohl.

    Was anderes noch, gerade frisch Angekündigt:
    istockphoto, die internetgrößte Foto- und Video-Agentur im Besitzt von von Getty Images, steigt jetzt in den Royality-Free Musikhandel ein:
    http://istockphoto.com/audio.php

  19. Solange die Künstler keine Kursänderung verlangen…

    Solange die Käufer keine Kursänderungen verlangen, wäre mein Standpunkt.

  20. Schöne Diskussion hier.
    @Marcel: Was die Majors da seit langem betreiben ist ärgerlich und wirkt aus unserer Sicht dumm. Aber ich möchte mal den frevlerischen Gedanken ins Spiel bringen, dass diese doppel-moralische Strategie in Zeiten des Umbruchs vielleicht sogar erfolgreich ist: Man versuche die Leute durch Abschreckung von P2P fernzuhalten. Tatsache ist: das funktioniert bei vielen (ich kenne haufenweise), insbesondere bei den nicht ganz so netz-affinen. Die haben tatsächlich Angst, illegal runterzuladen bzw. beschäftigen sich aufgrund der (auch durch Prozesse immer wieder betonten) Illegalität gar nicht erst damit. DRM entspringt derselben Idee, hat aber schlechter funktioniert.
    Auf der anderen Seite akzeptiere man die radikale Veränderung im Musikgeschäft und horche sich um, entwickle neue Strategien, profitiere davon etc. So bleibt der Umsatz etwas stabiler und man gewinnt Zeit vor der Neuordnung. Natürlich wurden dadurch Chancen verpasst, aber eben auch Risiken minimiert.

    @Daniel: Denke, es kommt darauf an, was man unter “alternative Modelle” versteht. Wenn damit gemeint ist, möglichst alle Geldquellen auszuschöpfen weil der Umsatz aus dem klassischen Verkauf zurückgeht, sind wir doch schon soweit (360 Grad-Verträge der Majors, Internetstrategien, Fokus auf Merch und Marke etc.) Wenn man damit das pauschale Verschenken von Musik meint: Das könnte noch ein bisschen dauern, da es einfach für die allermeisten Labels und Künstler noch keinen Sinn macht.

    Ein anderer Punkt noch. So einleuchtend das Apfel-Beispiel auch sein mag: Das sehr alte, aus dem Liberalismus kommende und in unserer Gesellschaft fest verankerte Konzept des geistigen Eigentums hat genau den Zweck, das Apfel-Beispiel auszuhebeln (eine Idee ist nichts mehr wert da kein knappes Gut, sobald sie ausgesprochen ist->Patente etc). Mag sein, dass das alles nicht mehr zeitgemäß ist, nur: Das sind Konzepte, die mit der traditionellen Vorstellung einer freien Rechtsordnung einhergehen und die nicht einfach abgeschafft werden können.

  21. @ Daniel Niklaus:
    “Auch wenn du das Apfel-Beispiel immer wieder bringst”

    Hm?
    Ich habe das Beispiel noch nie gebracht und hier nur auf Bernd reagiert, der das Beispiel gebracht hat..

    @Lucien:
    “Das sehr alte, aus dem Liberalismus kommende und in unserer Gesellschaft fest verankerte Konzept des geistigen Eigentums”
    Das gedankliche Problem der Gegner von P2P und den Möglichkeiten: Sie denken nur in schwarz und weiss. Wer sein Werk zB unter CC veröffentlicht, gibt nicht sein geistiges Eigentum auf. Er gibt ein paar Rechte auf, um daraus wiederrum Nutzen zu ziehen.
    Wer wie ein kleines Kind auf den Boden aufstampft und ohne Vernunft auf seine Rechte pocht, und dabei völlig ignoriert was seine Kunden wollen, schadet sich letztlich selbst.

  22. @Marcel: ich habe das Gefühl, du greifst dir in deinen Antworten nur bestimmte Aspekte heraus, wo du sofort losschießen kannst. Schade, dass du nicht auf interessante Aspekte eingehst, die ich und andere hier aufzeigen – insofern denkst auch du etwas schwarz-weiß, wie mir scheint. Ich möchte nicht alles wiederholen, nur soviel: Dass Bands und ihre Labels neue Wege gehen müssen um Märkte zu erschließen und Geld zu verdienen steht völlig außer Frage, aber das ist nur eine bestimmte Facette der Musikbranche (und hier sind die Labels doch schon länger auf dem richtigen Weg). Die Musikbranche ist aber halt sehr viel komplexer. Die immergleiche “Musikbranche verklagt Internet-Firma/Nutzer und ist deshalb dumm und böse”-Rhetorik der Netz-leute ist eben genauso unter dem Aspekt des Hangs der meisten Menschen zur schwarz-weiß-Malerei zu sehen wie das ewige “wo kommen wir denn da hin, der Song gehört mir und was ihr macht ist Diebstahl!” vieler Songwriter, Bands und Labels.

  23. Connect with Fans, in dem Zusammenhang ein Link auf die 2nullige Website von JohnB, ein Lehrbeispiel für Musiker, die sich mit Fans vernetzten wollen:
    http://www.john-b.com

2 Pingbacks

  1. [...] Rene Walter zeigt das Video der Präsentation über Trent Reznors Herangehensweise, das wir hier ebenfalls bereits behandelt haben, und fasst nochmal zusammen, was an der neuen Situation für den Hörer so toll ist und dass die [...]

  2. [...] ganzen Reihe von Artikeln unter die Lupe genommen und dabei meist die wirtschaftlichen Aspekte der veränderten künstlerischen Wertschöpfung hervorgehoben. Diese werde ich absichtlich in meiner Betrachtung ausblenden, da sie für die dem [...]