Mr. Zuckerberg tears down that wall:
Facebook öffnet Status-API

Marcel Weiss, 7. Februar 2009 21:40 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Facebook öffnet seine Programmierschnittstelle (API) noch ein Stück weiter. Updates können jetzt direkt von Drittanbieter-Applikationen gesetzt und angesprochen werden.

Facebook, das weltweit mitgliederstärkste Social Network, hat weitreichende Veränderungen an seiner API vorgenommen. Die wohl wichtigste Änderung ist die Öffnung der Status-Updates. Applikationen können jetzt direkt Status-Updates, Links und Notes abfragen und setzen. Ebenso ist es nun über die API möglich, Videos auf Facebook hochzuladen.

Auch wenn ich der Aussage zustimme, dass wir bald sehr viele Status-Tools sehen werden, die dem Ökosystem rund um die Twitter-API nicht unähnlich sind, so widerspreche ich der Annahme in einigen US-Blogs, Facebook wird hiermit Twitter die Luft abdrehen. Zu unterschiedlich sind die Möglichkeiten für die Nutzung des Microbloggingdienstes. Davon abgesehen ist Twitter primär eine zumeist öffentliche Veranstaltung, während Facebook als Social Network mehr privat und auf Bekanntenkreise beschränkt ist. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung innerhalb des Webökosystems bedeutend und etwas das wir hier Facebook bereits empfohlen haben .

Die Nutzung einer geöffneten Status-API beim größten Social Network der Welt öffnet weiterhin Nutzungsmöglichkeiten, die man bei Twitter etwa (noch) nicht finden kann. Ich denke da zum Beispiel an die Zusammenarbeit zwischen Facebook und CNN zur Vereidigung von Barack Obama, über die unsere Kollegen von medienlese.com geschrieben haben :

Der Nachrichtensender CNN zeigt auf seiner Seite nicht einfach nur den Livestream von Barack Obamas Amtseinführung, sondern daneben in Echtzeit, was Facebook-Nutzer dazu zu sagen haben. So wird die Fernsehübertragung zum Mitmachereignis.

Wie Florian Steglich in den Kommentaren auf medienlese.com außerdem anmerkte :

Es gab neben der Möglichkeit, die Kommentare _aller_ Nutzer anzusehen, auch noch ein Tab nur für die Kommentare der eigenen Facebook-Kontakte. Wer sich also von der Masse überwältigen lassen wollte, konnte das, wer ein virtuelles Fernsehsofa mit seinen Freunden wollte, konnte das auch.

Richtig ist die Entwicklung von Facebook, sich nach und nach weiter zu öffnen, allemal. Je weniger Facebook ein “Walled Garden” ist, desto nützlicher wird es für seine Mitglieder – und desto mehr kann man seine Position als Marktführer verfestigen. Facebook macht genau das Richtige an der richtigen Stelle: Durch Öffnung ein Ökosystem ermöglichen für kurze Statusmeldungen, die – das hat Twitter gezeigt – im Realtimeweb immer wichtiger werden.

Um das gesamte Bild zu betrachten, Facebook verfolgt damit weiter eine Strategie, die ich seit geraumer Zeit postuliere :

Als Social Network zum Infrastruktur-Anbieter für alles zu werden, was man mit dem Social Graph machen kann. Je mehr damit möglich ist – auf der Site selbst und an anderen Stellen im Web oder auf dem Desktop -, desto wichtiger wird für den einzelnen Nutzer der Social Graph auf dem Infrastrukturanbieter.

Facebook ist auf dem Weg zum Google der Social Networks zu werden. In ein, zwei Jahren könnte jeder, der täglich im Web ist und mit Freunden interagieren will, nicht mehr an einem Facebook-Account vorbeikommen. Weil die Mehrzahl der zwischenmenschlichen Online-Interaktionen dann über den auf Facebook hinterlegten Social Graph laufen werden.

Ob das eine wünschenswerte Zukunft ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Facebook aktuell und seit Jahren Innovation nach Innovation aneinanderreiht, sehe ich aktuell nichts, was diese Zukunft noch verhindern könnte.

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11 Kommentare

  1. Dani Schenker
    schrieb am 7. Februar 2009 um 23:11 Uhr (#)

    In ein, zwei Jahren könnte jeder, der täglich im Web ist und mit Freunden interagieren will, nicht mehr an einem Facebook-Account vorbeikommen.

    Das ist genau, was alle von Facebook erwarten. Und ich glaube dass es möglich ist, wenn Facebook das Potential voll ausschöpft.

  2. Ana
    schrieb am 8. Februar 2009 um 11:46 Uhr (#)

    Ich sträube mich noch immer gegen einen Facebook-Account – und kann damit momentan noch überleben. Aber zur Frage “Facebook-Updates versus Twitter”:

    Ist es nicht so, dass Facebook-Accounts nur für natürliche Personen (einzelne Menschen) gedacht sind, aber nicht für Institutionen (Organisationen, Parteien, Unternehmen, Medien oder auch Blogs etc.)?

    Bei Twitter gibt es ja mittlerweile doch etliche Medien, Parteien und viele Blogs. Und gerade deren Updates finde ich oftmals wesentlich spannender als die unsäglichen persönlichen Mitteilungen à la “ich gehe mir jetzt die Fussnägel schneiden”.

    Bitte um Feedback, wenn ich mich bei der Frage irren sollte, denn ich bin ja ein Geschöpf ohne Facebook-Erfahrung.

    Many thanks,
    Ana

  3. Stefan
    schrieb am 8. Februar 2009 um 12:28 Uhr (#)

    Das simple Aneinanderreihen von neuen Features bedeutet nicht zwangsläufig, daß hier ein neuer Quasi-Monopolist entsteht.

    fb erinnert doch immer mehr an die Microsoft-Featuritis: Wir können Twitter nicht übernehmen? Na, dann bauen wir es eben nach… Die Öffnung der Status-API ist doch eher aus der Not geboren, denn ein langfristig verfolgtes strategisches Ziel.

    Twitter ist mean, lean & schnell – sehr gute Voraussetzung im Wettbewerb der Ideen… :)

  4. Daniel Niklaus
    schrieb am 8. Februar 2009 um 13:44 Uhr (#)

    Interessant finde ich, dass die jüngere Generation eher auf Netlog setzt und Facebook sogar als uncool taxiert. Ich persönlich vermute, dass die jetzt 14-22 Jährigen den entscheidenden Ausschlag geben werden, wo wir in ein paar Jahren stehen. Demnach wäre das einer der wenigen Märkte, wo ich mir auf lange Zeit immer wieder neue Mitbewerber vorstellen kann.

    Was ich mich bis heute Frage, warum mischt Microsoft diesen Markt nicht auf? Mit MSN hätten sie in 0,nichts eine der stärksten Plattformen.

  5. Ralf
    schrieb am 8. Februar 2009 um 15:24 Uhr (#)

    @Ana: Auch Institutionen können sich bei Facebook anmelden und einen speziell dafür gedachten Account kreieren. Facebook Personen haben dann die Möglichkeit “Fan” zu werden von einer solchen Firma, Marke etc. Das heisst, wie beim “Freunde sein”, gibt Facebook auch hier vor, welche Beziehungen die verschiedenen User überhaupt eingehen können, mit der Absicht, damit die reale Welt möglichst genau zu modellieren. Im Vergleich dazu ist die soziale Architektur von Twitter natürlich viel offener (auch hier ist offen das Stichwort).

    Was ich von Facebook als nächstes gerne sehen würde ist, dass sie das Adressbuch per API öffnen, damit wir die Kontaktdaten unserer Freunde endlich dahin bringen können, wo wir sie brauchen (Handy, PDA, etc.). Ich befürche aber, es könnte noch eine Weile dauern, bis das passiert.

  6. Leander Wattig
    schrieb am 8. Februar 2009 um 17:05 Uhr (#)

    Neben weitgehender Zustimmung eine Anmerkung:
    Solange ich bei Facebook meinen Social Graph nicht stärker segmentieren bzw. Zugriffsrechte nicht noch feiner zuteilen kann, wird Facebook auch nicht alles dominieren (falls überhaupt möglich). Schließlich möchte ich nicht alles mit allen teilen: Meiner Oma erzähle ich sicherlich andere Dinge als meinen Kumpels. An dieser Stelle bleibt noch Raum für Innovation, denke ich.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 8. Februar 2009 um 17:10 Uhr (#)

    @Leander: Das geht seit geraumer Zeit. Freundeslisten erstellen, und die Zugriffe nach Listen oder Einzelpersonen in den Einstellungen vornehmen. Siehe dazu auch diesen Artikel hier auf ReadWriteWeb.

  8. Leander Wattig
    schrieb am 8. Februar 2009 um 17:15 Uhr (#)

    @Marcel:
    Dann hab ich ja zumindest in die richtige Richtung gezielt ;)
    Danke für den Hinweis!

  9. Leander Wattig
    schrieb am 8. Februar 2009 um 17:22 Uhr (#)

    @Marcel
    P.S.:
    Wäre es dann nicht konsequent, mit jedem eine Art von Basisfreundschaft zu haben und dann darauf basierend Zugriffsrechte zu vergeben:
    - diese Info für alle von meiner Schule
    - diese Info für alle in meiner Stadt
    - diese Info für meine Familie
    - diese Info für meine Arbeitskollegen
    - …
    Wenn man Facebook als DEN Infrastrukturanbieter denkt, wäre das doch erstrebenswert. Schließlich kann ich ja auch prinzipiell jedem einen Brief schreiben … Wird sicher auch deren Strategie sein. Deshalb legt Zuckerberg bestimmt auch so viel Wert auf Wachstum.

  10. Max2
    schrieb am 8. Februar 2009 um 18:39 Uhr (#)

    Livestreaming in Kombination mit Live-Messaging hat potential. Ustream und Justin haben zwar schon länger Chats integriert, der Ansatz von CNN und Facebook freilich weitaus Massentauglicher, danke für den Link.

    Ich selbst erinnere mich an einen Fußballspiel-Video-Stream, den ich einigen Monaten auf bwin.com gesehen hab. Der Live-Moderator des Spiels las dort selbst im integrierten Chat mit und konnte so während des Spiels auf Fragen von Zuschauern reagieren.

    Ende der 90iger als Premiere Pay-TV an den Start ging, hat mir jemand prophezeit, dass das individuelle Konzept von Premiere floppen wird, weil die Menschen sich gerne über medialen Konsum miteinander austauschen (also am Montag in der Arbeit mit Kollegen über den Tatort vom Vortag sprechen). Er sollte recht behalten, zu einem profitablen Massenmedium wie Free-TV wurde Premiere nicht.

    Solche “geoästhetischen Räume” wie sie ein Medienphilosoph einmal nannte sind nebenbei erwähnt auch ein Erfolgsfaktor für Google. Niemand spricht: “Gib mal XY in eine Suchmaschine ein”
    Google zu einem gemeinsamen Nenner unserer Kommunikation aufgestiegen. Wichtiger als die Qualität des Ranking ist die Gleichheit des Ranking für alle User – so zumindest meine Theorie.

  11. Lucien
    schrieb am 9. Februar 2009 um 14:36 Uhr (#)

    Schöne Analyse, ich sehe das genauso – FB ist technisch so weit vorne, dass es wirklich zum Google der Social Media-Welt werden könnte. Mir ist neulich aufgefallen, wie viel leistungsfähiger (bzw. unkomplizierter) die Feed-Funktion bei FB im Vergleich zu twitter ist: Baumansicht bei direkten Antworten, Kontrollmöglichkeiten für die Anzeige etc. Auch aufgefallen ist mir, wie schön und nützlich es ist, Gedanken von Leuten zu verfolgen, die man persönlich wirklich kennt – im Gegensatz zu Bloggerstars auf Twitter. Ich denke, dass FB durchaus zum Twitter-Killer werden könnte, außer Twitter findet für sich eine Nische, etwa die branchenorientierte öffentliche Kommunikation oder ähnliches…

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