Monty Python steigert DVD-Verkäufe um 23000 Prozent, dank kostenloser YouTube-Videos

Marcel Weiss, 23. Januar 2009 16:56 Uhr, 19 Kommentare Kommentare

Wenn wir hier immer wieder auf die Macht, kostenlos über das Internet verbreiteter Produkte verweisen, weil sie unter anderem hervorragende Werbung für den Rest des Angebots sind, werden immer wieder die Einwürfe gebracht:

  • dass niemand davon leben könne, Produkte zu verschenken,
  • dass man sich dann Peanuts begnügen müsste,
  • und das man das Freerider- bzw. Trittbrettfahrerproblem massiv bekämpfen muss, um maximale Gewinne einfahren zu können.

Die Kritiker ignorieren dabei natürlich die neuen Gesetzmässigkeiten des Internetmarktes und vor allem das Potential, das man bei einer intelligenten Herangehensweise abschöpfen kann.

Das jüngste Beispiel ist die UK-Komikergruppe Monty Python:

Nachdem sie festgestellt hatten, dass ihre Fans immer wieder Monty-Python-Sketche auf YouTube hochgestellt haben, haben sie kurzerhand einen eigenen Channel eingerichtet, auf dem sie selbst ihre Videos in besserer Qualität hochgeladen haben.

Das YouTube-Blog berichtet nun, dass Monty Python dadurch ihre DVD-Verkäufe um 23.000(!) Prozent steigern konnten.

Eine Steigerung war zu erwarten. Ein eigener, entsprechend aufbereiteter Channel bietet möglichen neuen Fans eine weitaus bessere Möglichkeit, eine Vorstellung vom Oeuvre der Komiker-Legenden zu bekommen und daraufhin die DVDs oder andere Produkte zu erwerben.

Ein Wachstum des Umsatzes in so einer Höhe ist allerdings wirklich bemerkenswert.

Und jetzt die 100.000€-Frage:

Wäre Monty Python besser damit gefahren, YouTube immer wieder um das Entfernen der Videos anzuhalten und auf keinen Fall Teile des eigenen Produkts kostenlos anzubieten?

You do the math.

(via mashable, via Twitter)

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Freeconomics: Märkte sind keine Nullsummenspiele

21.4.2009, 4 KommentareFreeconomics:
Märkte sind keine Nullsummenspiele

Wie man anhand einer Studie zu iPhone-Applikationen sehen kann, können mit kostenlosen Angeboten neue Märkte erschlossen und höhere Verkäufe erzielt werden.

Die Buchbranche im digitalen Zeitalter

17.4.2009, 11 KommentareDie Buchbranche im digitalen Zeitalter

Leander Wattig hat eine lesenswerte Analyse über die künftigen Rahmenbedingungen und Implikationen für die Buchbranche geschrieben, wenn E-Books über sie hereinbrechen werden und ihr Geschäftsmodell umkrempeln.

17.4.2009, 1 KommentareChris Anderson:
"Free" als Teil von Geschäftsmodellen (Video)

Chris Anderson erzählt in einem sehenswerten Video über Free als Teil von Geschäftsmodellen und wie dieser Teil immer wichtiger wird.

19 Kommentare

  1. steffino
    schrieb am 23. Januar 2009 um 17:49 Uhr (#)

    jetzt lese ich schon wieder von diesen ominösen drittbrettfahrern – was ist das? ich kannte bis dato nur trittbrettfahrer.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 23. Januar 2009 um 18:34 Uhr (#)

    Ah Mist, ich mache immer wieder diesen Fehler. Ist korrigiert. Danke!

  3. Jan
    schrieb am 23. Januar 2009 um 19:46 Uhr (#)

    Mh, Marcel, ich teile Deine Euphorie nicht.

    Der Grund: Die Videos waren in viel größerer Zahl bereits vorher bei YouTube zu finden, ohne die Verkäufe von DVDs angekurbelt zu haben. Nach Deiner Argumentation müssten sich Monty Python ja schon in den Jahren vorher dumm und dusselig verdient haben, weil es ihre Videos überall kostenlos gab. Ich weiß, dass es diese Videos gab, denn ich habe meine Lieblingssketche schon lange bei YouTube als Favoriten gespeichert. Viele Highlights gibt es nach wie vor nur über “inoffizielle Videos”. Im offiziellen YouTube-Channel hingegen gibt es nur eine eng begrenzte und selten erweiterte Auswahl.

    Ich könnte Deiner Argumentation folgen, wenn Monty Pythons die kompletten DVDs kostenlos zur Verfügung gestellt hätten und sie in der Folge trotzdem so viele verkauft hätten. Das haben sie aber nicht getan. Sie haben nur ein paar Appetithappen bereitgestellt und für viel Medienbuzz gesorgt.

    Aus meiner Sicht ist es lediglich eine geschickt in der Vorweihnachtszeit platzierte Werbemaßnahme, sich auf dem größten Videoportal der Welt zu präsentieren. Mehr nicht. Dass die paar Videos kostenlos sind, hat mit der Natur dieses Portals zu tun. Und: Das ist auch überhaupt nichts Neues. Kunden mit kostenlosen “Proben” zu ködern, dürfte man seit vielen Jahrhunderten kennen. Der Mann an der Käsetheke, der mir ein kostenloses Stückchen anbietet, tut nichts anderes.

    Du siehst darin vielleicht eine Weltrevolution. Ich sehe darin nicht mehr als einen uralten Marketing-Trick, den wahrscheinlich schon die Phönizier kannten und der lediglich auf das heutige Internet übertragen wurde.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 23. Januar 2009 um 20:13 Uhr (#)

    Jan: Der Channel hat die Kaufmöglichkeiten direkt mit den kostenlosen Videos verbunden.
    Erkläre mir bitte, wo die 23.000%-Steigerung herkommt, wenn nicht von dem erst vor einigen Wochen gestarteten Monty-Python-Channel.
    Zitat vom YouTube-Blog:

    “That’s why last year we launched our eCommerce platform for YouTube, which allows users to easily “click-to-buy” products — like songs and movies — related to the content they’re watching on the site. The past few months have demonstrated that great content on YouTube leads to increased sales. For example, when Monty Python launched their channel in November, not only did their YouTube videos shoot to the top of the most viewed lists, but their DVDs also quickly climbed to No. 2 on Amazon’s Movies & TV bestsellers list, with increased sales of 23,000 percent.”

    Du sagst außerdem:
    “Das ist auch überhaupt nichts Neues. Kunden mit kostenlosen “Proben” zu ködern, dürfte man seit vielen Jahrhunderten kennen.”
    Auf einmal? Bei der Musik hast Du dieses Prinzip, zu ende gedacht für die digitalen Gegebenheiten, noch für unerhört gefunden.

  5. Jan
    schrieb am 23. Januar 2009 um 20:44 Uhr (#)

    Marcel: Ja, es kommt natürlich vom YouTube-Channel. Das steht auch in meinem Kommentar.

    Aber: Haben Monty Python alle Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt, die es auch auf den DVDs gibt? Nein, nicht einmal annähernd. Es sind Appetithäppchen. Mehr nicht.

    Der YouTube-Channel ist ein Beweis dafür, dass kostenlose Proben noch immer funktionieren. Er ist auch ein Beweis dafür, dass ich meinen Verkaufsstand mit den kostenlosen Proben am besten an der quirligsten Ecke auf dem Marktplatz aufstelle. Das war’s aber auch schon. Und das ist, Entschuldigung, eben ein alter Hut.

    “Bei der Musik hast Du dieses Prinzip, zu ende gedacht für die digitalen Gegebenheiten, noch für unerhört gefunden.”

    Richtig. Für mich ist es eben nicht “zu ende gedacht”, sondern “falsch gedacht” oder “verkehrt abgeleitet”. Aber die Diskussion haben wir für mich ausreichend unter dem betreffenden Artikel geführt.

    Zwischen einer kostenlosen Probe, um den Verkauf des kostenpflichtigen Produkts anzukurbeln, und dem Ansatz, alles zu verschenken und das Geld mit irgendwas anderem zu verdienen, sehe ich außerdem einen gravierenden Unterschied. Ja. Das stimmt.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 23. Januar 2009 um 22:08 Uhr (#)

    “Zwischen einer kostenlosen Probe, um den Verkauf des kostenpflichtigen Produkts anzukurbeln, und dem Ansatz, alles zu verschenken und das Geld mit irgendwas anderem zu verdienen, sehe ich außerdem einen gravierenden Unterschied.”

    kostenlose Probe: digitale Kopie einer Musikaufnahme
    anzukurbelndes kostenpflichtiges Produkt: Die knappen Güter, die rund um den Musiker und seine Musik entstehen oder erschaffen werden können, wie etwa die Konzerte.

    Das ist beides eng beieinander. Man muss nur die freien und knappen Güter identifizieren. Die freien Güter hier waren quasi die Sketche auf YouTube (auch wenn freilich YouTube selbst die Auslieferung etwas gekostet).

    Und dass die Aufmerksamkeit geschickt kurz vor Weihnachten erzeugt wurde, tut dem keinen Abbruch. Auf keine andere Art (TV-Spots?) hätten sie ein auch nur annähernd vergleichbares Resultat erzielen können. Ganz zu schweigen davon, dass die Alternativen alle Monty Python selbst erst mal Geld gekostet hätten.

    Das zeigt meines Erachtens sehr gut, wie viel Potential solche Strategien haben, weil sie auf der besten Kommunikationsplattform stattfinden, die es jemals gegeben hat.
    Das wird in diesen Diskussionen von fast jedem unterschätzt (auch von Dir). Wenn man einen Weg geht, der aufgrund seiner Art noch Medienbuzz erzeugt: Perfekt. (Wobei ich nicht sicher bin, ob die MSM von einem Monty-Python-Channel auf YouTube berichtet haben..)

    “Haben Monty Python alle Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt, die es auch auf den DVDs gibt? Nein, nicht einmal annähernd.”

    Stimmt. Das mussten sie ja auch nicht, wie man sieht. Video funktioniert noch anders als Musik. Es gibt zb keine äquivalenten Angebote im Videobereich wie es in der Musik all die Dienste gibt, die wir hier auch auf netzwertig immer vorstellen (last.fm, hypem, songbeat, songza, skreemr, seeqpod etc.). Die P2P-Situation sieht auch noch leicht anders aus.

    (Davon abgesehen werden einige Fans den Kauf der DVDs als Spende angesehen haben. Aber das ist, wie bereits gesagt, ein äußerst ineffizienter Weg. Aber das hatten wir schon einmal. Belassen wir es dabei. :))

  7. Jan
    schrieb am 23. Januar 2009 um 22:51 Uhr (#)

    “Belassen wir es dabei.”

    Ja, in dem Punkt sind wir uns einig ;-)

  8. martin
    schrieb am 24. Januar 2009 um 01:25 Uhr (#)

    hehe .. ihr macht mir angst.

  9. Marc Pfeil
    schrieb am 24. Januar 2009 um 10:25 Uhr (#)

    @ Marcel
    @Jan

    Es geht hier doch gar nicht um Monty Python(MP)! Und auch nicht darum, ob kostenlose Videos den Abverkauf von DVDs etc. ankurbeln. Damit beschäftigt sich die Marketing-Abteilung oder der Bereich Sales von YOuTuuube. Das ist einfache klassische PR – über einen Corporate-Blog lanciert! Natürlich kann so auch das Marketing/Sales unterstützt werden…

    Wer hat den einen Vorteil durch die Nachricht? Wer hat die Nachricht lanciert? Wer möchte das der Markenname YouTuuube in den Blogs penetriert wird? MP ist nur der Aufhänger der Eigen-PR von YouTuuube. Funktioniert doch prima, oder?

  10. wolfgang
    schrieb am 24. Januar 2009 um 12:17 Uhr (#)

    Wie kann man die Zahl denn belegen?
    Das würde ja bedeuten:
    Im Oktober verkaufen MP 100 DVDs.
    Im November dann plötzlich 2.300.000 DVDs.
    Kann es sein, ähem, dass die DVD am 31. Oktober erschienen ist;)?
    Die Zahl ist absolut unglaubwürdig.

  11. Urs
    schrieb am 24. Januar 2009 um 12:29 Uhr (#)

    Ich finde es einwenig eine gar grosse Zahl. 23′000% Wachstum. Mit Zahlen ist dieses Wachstum auf dem YouTube Blog nicht belegt. Hätten sie vorher 1 Million Umsatz gemacht, würden sie nun 230 Millionen umsetzen. Irgendwie unglaubwürdig und vermutlich eher als PR für ihr Ad Programm zu sehen.

  12. Urs
    schrieb am 24. Januar 2009 um 12:33 Uhr (#)

    @wolfgang: Habe dein Post erst jetzt gesehen. Deine Rechnung ist falsch. Musste zuerst auch wieder überlegen, wie diese Prozentrechnung schon wieder geht. 100% ist eine Verdoppelung und keine verhundertfachung.

  13. wolfgang
    schrieb am 24. Januar 2009 um 22:35 Uhr (#)

    Stimmt natürlich.
    Trotzdem nicht belegt, total unglaubwürdig und ein Marketing-Gag.

  14. Marc
    schrieb am 25. Januar 2009 um 20:06 Uhr (#)

    Während ihr von 23.000 (dreiundzwanzigtausend) Prozent schreibt, neige ich eher zur Lesart von 23,000 (dreiundzwanzig) Prozent, da in der englischen Schreibweise lediglich die tausender mit einem Punkt getrennt werden, während ein Komma wie im deutschen die normale Dezimaltrennung beinhaltet. Andererseits gibt die Google-Übersetzung wiederum 23.000 (tausend) Prozent an (aus Punkt 6 dieses links http://www.scribd.com/doc/2090046/Textguidelines, ergibt sich eigentlich auch, dass es sich eher um 23 Prozent statt 23 tausend handelt.)

  15. Heinrich
    schrieb am 26. Januar 2009 um 08:51 Uhr (#)

    “Das YouTube-Blog berichtet nun, dass Monty Python dadurch ihre DVD-Verkäufe um 23.000(!) Prozent steigern konnten.”

    Hmm das glaub ich nicht, aber mal sehen..

  16. Daniel
    schrieb am 26. Januar 2009 um 09:27 Uhr (#)

    Würde gerne meine Meinung äußern, allerdings wäre das nur eine Copycat von dem, was Jan bereits geschrieben hat. Deshalb belasse ich es bei einem heiteren: “Ihr Luftkissenfahrzeug ist voller Aale” ;)

    So einfach wie hier beschrieben ist es sicherlich nicht.

    Kirche, Dorf,
    Daniel

  17. Carina
    schrieb am 29. Januar 2009 um 15:47 Uhr (#)

    Marc hat wohl Recht – ich bin auch direkt über die surreale Prozentzahl gestolpert und habe einen (klassischen)Übersetzungsfehler vermutet. YouTube legt das auch nahe.
    Anyway: Die Argumentation stimmt und eine Steigerung um ein Viertel ist durchaus beachtlich!

  18. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 29. Januar 2009 um 23:01 Uhr (#)

    Es handelt sich nicht um einen Übersetzungsfehler.

  19. Marc
    schrieb am 30. Januar 2009 um 19:47 Uhr (#)

    Also, der youtube Channel von Monthy Python ist seit 13.Jan 2006 online. Wir reden hier also von einer 3 jährigen Präsenz auf youtube. 23.000% sind ja ein Umrechenfaktor von x mal 230 . Auf drei Jahre gerechnet, haben sie eine Steigerung von 7600% pro Jahr gemacht (Umrechenfaktor 76). Will heißen, hätten MP im Jahr 1000 DVDs verkauft (müsste eigentlich drin sein), hätten sie durch die youtube Aktion auf Amazon 76.000 DVDs verkauft. Bei 2000 verkauften DVDs im Jahr vor youtube, wären es schon 152000 DVDs.
    Seit dem der Channel online ist, hat er 1,7 Millionen Besucher, macht im Jahr 566666 Besucher. Um auf 152.000 verkaufte DVDs im Jahr zu kommen, hätte demnach jeder dritte Besucher eine DVD kaufen müssen, bei 76.000 verkauften DVDs im Jahr jeder siebte. Also das könnte ich noch grade so nachvollziehen.
    Wenn das so hinkommt, dann würde es nach meiner Rechnung bedeuten, dass MP vor youtube im Jahr nicht mehr als 1000/2000 DVDs verkauft hat. Absurd wird es allerdings, wenn man davon ausgeht, dass MP vor youtube 5000 DVDs / Jahr verkauft hat. Da lägen wir nämlich be 380000 DVDs im Jahr und dies würde bedeuten, dass jeder 1,5 te Besucher bei amazon eine DVD gekauft hat.
    Meiner Meinung nach stimmen die 23.000% nur dann, wenn MP pro Jahr wirklich derart tiefe Verkaufszahlen hatte (1000/2000). Alles was drüber geht, würde ich gerne von amazon belegt sehen.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.