TV-Programmtipp:
Kai Diekmann und Henryk M. Broder

Kai Diekmann und Henryk M. Broder ziehen heute gemeinsam durch die Berliner Nacht. Auf Arte, um 23.40 Uhr – und im Internet.

Nachtrag: Die Sendung ist nun eine Woche online abrufbar!

Der Chefredakteur der Bild-Zeitung zieht mit einem von vielen argwöhnisch betrachteten Journalisten um die Häuser. Durch das 52-minütige Werk von Hasko Baumann sei, so behauptet es jedenfalls arte, “die Saat für eine Männerfreundschaft gelegt worden”.

“Durch die Nacht mit Henryk M. Broder und Kai Diekmann” wird heute Donnerstag, um 23.40 Uhr auf dem Sender arte erstausgestrahlt. Wer so spät kein Lichtlein mehr an hat, kann sich am 29.01.2009, um 5 Uhr früh, eine Wiederholung ansehen.

Wer sich diese beiden Typen sicher nicht ansehen will, aber trotzdem wissen will, was passiert ist, der kann schon mal etwas über den Inhalt lesen:


Das ambivalente Gefühl, das einen überkommt, wenn man Henryk M. Broder als netten Onkel über den Bildschirm lächeln sieht und danach ein paar seiner blöden Beleidigungen liest, der Anflug von Sympathie, die man für Kai Diekmanns scheinbare Unbekümmertheit empfindet und die einem peinlich wird, sobald man seine Zeitung aufschlägt – all dies lässt uns nach der Sendung eher rätselnd (und fast hätte ich geschrieben „bemitleidend“) als bewundernd zurück, aber garantiert nicht hassend. Das ist selten im Fernsehen. Und nicht nur da.

spreeblick.com, Johnny Häusler

Doch während man von dem einen, Broder, erfährt, was man eh schon weiß, weil er sich häufig in Szene setzt, erfährt man über den anderen, Diekmann, den Talkshow-Verweigerer, nichts: immer im Dienst, verlegen und verlegen um Antworten (zumindest solange ihm ein Mikro am Hemd klemmt und die Kamera läuft).

bildblog.de, Clarissa

Broder etwa, dem man vorwerfen kann, die Ressentiments, die er zu entlarven vorgibt, bisweilen auch zu bedienen, gewährt hier nebenbei einen Einblick in seine Provokationsmethodik. Er hat ein halbes Dutzend Accessoires mitgebracht, die er einsetzt, um Menschen kurz und gezielt zu verstören. Das Berliner Axel-Springer-Haus etwa, in dem er eine Sicherheitsschleuse passieren muss, betritt er mit einem Namensschild, das ihn als Islamgelehrten ausweist; ein türkisches Internetcafé besucht er mit schwarz-rot-goldener Baseballkappe und ein Westberliner Lokal mit einem marokkanischen Fes. Attacken auf die Gemütlichkeit, nicht unwitzig. Wie überhaupt der ganze Broder nicht unwitzig ist.

taz.de, Klaus Raab

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Herr Hase
    schrieb am 23. Januar 2009 um 13:23 Uhr (#)

    In ihren gesellschaftspolitischen Ansichten sind beide unerträglich. Der Unterschied ist, dass Diekmann zumindest zu seinem stramm konservativen Weltbild steht, während Broder sich selbst als missverstanden Linken darstellen will, während er gleichzeitig so ziemlich alles ins Lächerliche zieht, was Linkssein ausmacht (Man kann zum Beispiel nicht die BILD verteidigen oder gar gut finden, wenn man sich selbst ernsthaft als Linker sieht.). Im direkten Vergleich zum sich selbst viel zu wichtig nehmenden Broder mit seinen albernen Provozierungsgesten wirkt Dieckmann tatsächlich sympathischer. Obwohl man sich echt die Frage stellen kann, ob seine Redakteure den Laden nicht auch im Griff hätten, wenn er nicht auch noch in der Freizeit ständig in der Redaktion anrufen würde.

  2. guy lusignan
    schrieb am 24. Januar 2009 um 08:44 Uhr (#)

    Ich verstehe nicht, wie arte der personifizierten Gosse einerseits (Diekmann) und demjenigen, der die Gosse ins Feuilleton eingeführt hat (Broder) andererseits einen eigenen Filmbeitrag widmen kann.

    Dies beiden Herren leisten weder einen Beitrag zur Kultur dieses Landes, noch haben sie sonst irgendein Verdienst.

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