Vision:
Das ideale Empfehlungsfeature
Je länger und intensiver unsere persönlichen Kontakte online sind, desto mehr interessante Surftipps erhalten wir durch unseren Social Graph. Doch das ideale Empfehlungstool fehlt bisher. So könnte es aussehen…
Es existieren bereits eine ganze Reihe von Diensten und Mechanismen, um sich unterschiedliche Inhaltearten von Kontakten vorschlagen zu lassen. Mit Hilfe von Social-Bookmarking-Diensten wie Mister Wong, delicious oder oneview erfährt man, welche Links die eigenen Freunde favorisieren.
Lifestreaming-Anbieter wie FriendFeed oder Lifestream.fm gehen einen Schritt weiter und informieren über Aktivitäten anderer Nutzer bei Dutzenden von Onlineservices – was nichts anderes ist als ein permanenter Strom von empfohlenen Sites und Content.
Vergessen darf man auch nicht die unzähligen Dienste, die themenspezifische Empfehlungen als Kern- oder zumindest Nebenfunktion einsetzen. Beispiele hierfür sind Last.fm, mufin oder Pandora für Musik, clerk dogs oder IMDb für Filme, ffwd für Webvideos oder das noch in geschlossener Beta-Phase befindliche welike, welches sich gleich auf mehrere Medienarten konzentriert.
Doch egal welches Verfahren man betrachtet – mindestens zwei nennenswerte Schwächen findet man immer: Zum einen ist stets die Registrierung bei noch einem Webservice erforderlich (sofern nicht OpenID & Co. unterstützt wird), zum anderen hat sich bisher kein System derartig durchgesetzt, dass – vom kleinen harten Kern der Web-2.0-Gemeinde eventuell abgesehen – ganze Freundes- und Familienkreise ein und das selbe Tool verwenden. Dabei sind es gerade Empfehlungen der einem nahe stehenden Personen, denen man in der Regel am meisten Gewicht zumisst.
Während die diversen Lösungen also noch daran arbeiten, einen bisher nicht existierenden Anwendungsbereich aufzubauen und sich dafür einen Markt zu schaffen, verfügen klassische soziale Netzwerke über einen entscheidenden Vorteil: Bei wer-kennt-wen.de, studiVZ/schülerVZ, Xing oder Facebook haben sich komplette Freundes-, Bekannten- bzw. Kollegenkreise miteinander vernetzt.
Dort stehen Internetnutzer (neben vielen flüchtigen Bekanntschaften) auch mit den Leuten in Kontakt, die ihnen am wichtigsten sind; deren Empfehlungen und Tipps sie am ehesten vertrauen. Doch selbst die innovativsten der führenden Social Networks haben diesen auch für sie potenziell lukrativen Bereich bisher vernachlässigt.
Beispiel Facebook: Zwar ist es möglich, Links, Fotos, Videos und andere Inhalte auf seinem Profil zu posten, doch im Newsfeed meiner Facebook-Kontakte tauchen diese nur selten auf. Das ist auch nachvollziehbar. Facebooks Newsfeed informiert Mitglieder über die für sie relevantesten Aktivitäten innerhalb ihres Netzwerkes. Damit es nicht zu einer Überflutung mit Informationen kommt, muss der Algorithmus permanent abwägen, priorisieren und die Ereignisse anzeigen, die vom User mit großer Wahrscheinlichkeit für wichtiger befunden werden als der neuesten YouTube-Link oder Blogartikel.
Was soziale Netzwerke brauchen, ist eine eigene, zentral platzierte Box für Empfehlungen von Freunden. Wenn ich auf meinem Profil z.B. den Link zu einem lesenwerten Text veröffentliche, möchte ich auswählen können, welcher meiner Kontakte dies als persönlichen Tipp erhalten soll. Empfängern werden auf ihrer Hauptseite dann z.B. die letzten fünf Vorschläge von Freunden angezeigt: “Artikel XYZ bei Spiegel Online von Martin Weigert”, “Song ABC bei Hype Machine von Marta Mustermann” usw.
Eventuell bin ich der einzige, der sich über ein solches Feature freuen würde. Wer sich von den Empfehlungen gestört fühlt, müsste die Möglichkeit haben, sie zu deaktiveren oder nur für bestimmte Kontakte freizuschalten.
Soziale Netzwerke hätten auf diesem Weg die Chance, sich eine zusätzliche Erlösquelle zu schaffen. So könnten Anbieter für Klicks oder Verkäufe von empfohlenen Produkten und Services eine Provision erhalten. Vorschläge, die zu Affiliate-Partnern führen, könnten speziell hervorgehoben werden.
Seid ihr mit den bestehenden Empfehlungssystemen zufrieden? Wie sieht eure Wunschliste für Social Recommendations aus?
(Foto: Flickr/jamingray; CC-Lizenz)












Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Friendfeed macht das, indem dort der Newsfeed mit einem Algorithmus verbunden ist, der Einträge, die die eigenen Bekannten interessiert, wieder hochspült. Einträge, die kommentiert werden oder mit “Like” empfohlen werden, werden über einen nicht ganz einfachen Algorithmus gewichtet und entsprechend wieder oben dargestellt. Das funktioniert schon ziemlich gut, dürft aber für Laien noch schwer nachvollziehbar sein.
Facebook hat sich das, wie damals die Kommentare im Feed, von FriendFeed abgeschaut. Vor ein paar Tagen ging durch die US-Blogs ein Screenshot, in dem man sieht, dass FB bald ein ebenfalls ‘like’-genanntes Bewertungs-Feature für Newsfeedeinträge einführen wird. Damit kommt dann Deine Empfehlungsengine zu Facebook.
@martin
absolut sinnvoll und auch notwendig, empfehlungen von freunden führen einen durchs leben wie die guten ratschläge von mutti :-)
aber eine sache sehe ich etwas anders als du, sowohl persönlich als internet-nutzer und auch von der strategie von xaegg her:
alles werkeln und verbessern in geschlossenen social networks macht doch wenig sinn für die nutzer im allgemeinen. als betreiber willst du deinen nutzern zwar mehr funktionen bieten, aber viel sinnvoller wäre es für diese, wenn die sn offener werden und man empfehlungen (freunde, content, news, etc. ) webseiten- und contentübergreifend bekommt.
am besten landen diese ganzen empfehlungen dann morgens bei dir auf dem desktop oder eine personalisierten startseite.
also keine empfehlungen in abgeschlossenen sn silos, sondern offene sn, die ihre news/daten veröffentlichen. geld verdienen kann man in beide richtungen, nicht nur über partnerprogramme.
@ Marcel
Genau und die Frage ist, wie sehr sich der Laie an derartige Funktionen gewöhnen wird. Ausgeschlossen ist es natürlich nicht. Aber ich denke, eine einfachere Lösung wäre ein besserer Anfang, um das Thema massentauglicher zu machen.
@ Marco
Irgendwo muss man eben anfangen. Es spricht ja nichts dagegen, so ein Feature später auch zu öffnen, über API zugänglich zu machen und mit einer Desktop-App zu verknüpfen – gerade wenn nämlich das SN Provision für Verkäufe bekommt, erhält es einen bisher nicht vorhandenen Anreiz, diese Daten auch nach außen zugänglich zu machen.
Ich gebe Dir völlig Recht, dass selbst die fortschrittlichsten Social Networks gerade hier Nachholbedarf haben. Ich habe in den letzten paar Wochen die “Like”-Funktion bei FriendFeed mal ausgiebiger genutzt und finde sie auch sehr gut. Ich denke, in diese Richtung wird es gehen.
Allerdings erscheint mir das Ganze noch viel zu kompliziert, um massentauglich zu sein/werden. Schließlich müssen das langfristig auch die “normalen” Internetnutzer verstehen. Das Problem heute: Entweder ich muss mich bei FriendFeed einloggen oder eines der dafür geschaffenen Tools nutzen. In letzterem Fall muss ich erstmal von dessen Existenz wissen, es installieren, es bedienen können, es immer öffnen … Das kostet alles auch viel zu viel Zeit. Allein, um sich auf dem Laufenden zu halten.
Da es ja hier ums Wünsch-Dir-Was geht:
Ich würde mir wünschen, dass ich auf netzwertig gehe und einen Artikel von Martin Weigert lese und diesen bei Gefallen direkt auf der Seite als “Like” kennzeichnen kann. Das Ganze fließt in einen zentralen Newsstreams (planen die nicht bei DiSo in die Richtung?) oder zumindest zu Beginn in beliebige von mir auszuwählende Newsstreams.
Weiterhin würde ich mir wünschen, dass mir schon vor dem Lesen direkt auf der Seite (z.B. in der Sidebar) angezeigt wird, welcher meiner Freunde (egal auf welcher Plattform) diesen Artikel empfiehlt. Gerade, wer ihn empfiehlt, ist auch wichtig, weil es bei nem Kumpel einen anderen Charakter hat als bei einem formaleren Xing-Kontakt.
Weiterhin würde ich mir wünschen, dass ich auf netzwertig gehen kann und die Inhalte auf der Startseite gleich nach den Empfehlungen meiner Freunde geordnet angezeigt werden.
Das alles als selbstverständlicher Bestandteil der Nutzung einer Seite. Sodass der Nutzer nichts extra tun muss. Und Facebook als Infrastrukturanbieter und Dienstleister bietet den Website-Betreibern die Tools, um das alles zu implementieren.
Die Infos wiederum können dann bei Facebook o.a. aggregiert angezeigt werden, man könnte Rechte zuweisen etc. pp. Auf jeden Fall müsste es so einfach sein, dass es auch bei der Zielgruppe von wer-kennt-wen funktioniert.
Wäre das nicht auch etwas, was für Feedreader interessant wäre. Dass auch dort die einfließenden Beiträge schon nach Empfehlungen gewichtet sind?
So, das war jetzt einfach mal laut gedacht …
Ich lasse bei Facebook sämtliche Blogupdates, tweets, geteilte google reader Artikel und last.fm Titel im Newsstream einbinden. Bisher hab ich von der Mehrzahl der Freunde gehört, dass sie da überhaupt nicht hinterher kommen. Für internet afine Nutzer wie uns sind das sicher tolle Sachen, und wir können gar nicht genug haben. Für die Mehrheit der (z.B. facebook) user ist das alles aber der reinste Overkill und völlig sinn- u. nutzlos. Leider
@ Leander
Laut gedacht, und zwar auf sehr interessante Weise. Sehr spannende Ideen. Ich glaube, ungefähr so wird es kommen. Wobei neben Facebook mindestens auch noch Google Ambitionen hat, die Rolle des Infrastrukturanbieters und Dienstleisters zu übernehmen.
Was Feedreader betrifft, war ich bisher sehr resistent gegen Vertreter, die meine Feeds auf irgendeine Weise gerankt haben. Noch will ich die Informationshoheit behalten. Aber das kann sich bei einer entsprechend guten und treffgenauen Lösung auch schnell ändern.
@ Holger
Deshalb mein Vorschlag für eine eigene “Box” für Empfehlungen. Das versteht nämlich jeder, und ist übersichtlicher, als wenn Empfehlungen den Newsfeed verstopfen (was bei zunehmender Anzahl an Kontakten leicht geschehen kann).
@Leander: Das gibt es doch schon: plista.com bietet genau so etwas an.
Das Ganze läuft aber nicht über eine direkte Integration auf der Webseite, sondern über ein Firefox-Addon, das den Quelltext ändert.
@Marco:
Das ist wieder das “Problem” mit diesen interessanten Tools. Niemand den ich kenne nutzt Plista. Ich habs mir installiert und es schaut auf den ersten Blick interessant aus. Aber es wird mir nichts bringen, da ich damit keine Empfehlungen bekomme für Webseiten, die ich nicht kenne/ nicht anschaue. Ich seh “lediglich” Rankings für Beiträge auf Webseiten, die ich sowieso benutze. Und dann sind das auch noch anonyme Empfehlungen, da ich niemanden der Empfehler kenne.
Also von der Idee her nicht schlecht, aber so richtig hilfreich auch nicht.
@ Holger
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Es gibt sicher viele tolle Dienste, doch wenn sie niemand bzw. nur mir nicht wirklich bekannte Personen nutzen, sind sie nur begrenzt tauglich. Um mich kurz selbst zu zitieren:
Dabei sind es gerade Empfehlungen der einem nahe stehenden Personen, denen man in der Regel am meisten Gewicht zumisst.