Hype Machine Zeitgeist:
Mehr als die Summe der
einzelnen Teile

Marcel Weiss, 14. Januar 2009 08:00 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die Hype Machine zeigt, wie raffiniert Aggregation eingesetzt werden und daraus etwas Neues entstehen kann.

Die Hype Machine ist ein Aggregator von Musikblogs und mehr, sehr viel mehr. Als ich die Version 2 der Hype Machine vor einem reichlichen Jahr auf meinem privaten Blog vorstellte, bezeichnete ich die Site als Das Beste seit geschnitten Brot. Meine Meinung hat sich bis heute über Jahre regelmäßiger Nutzung nicht geändert: Die Hype Machine ist die beste Möglichkeit, heutzutage Musik zu entdecken, von der man gar nicht wusste, dass man sie mag.

Wie bereits 2007 hat man bei der Hype Machine auch 2008 wieder die 50 besten Songs, Alben und Bands ermittelt:

Den sogenannten Music Blog Zeitgeist of 2008.

Das bedeutet im Hype Machine-Kontext, dass man die Musik ermittelt hat, die auf den von der Hype Machine überwachten Musikblogs rund um den Globus 2008 die meiste Beachtung fand. Die genaue Vorgehensweise kann man hier nachlesen.

Nun ist das alles schon bereits recht bemerkenswert wie aus kleinen, teilweise völlig von einander losgelösten Kleinstteilen (den Musikblogs) durch Aggregation etwas Größeres entsteht. Und die meisten von Euch werden bereits auf den Zeitgeist 2008 gestossen sein, aber ich will hier noch etwas genauer auf die Herangehensweise der Macher eingehen:

Die einzelnen Teile

Die Macher hinter der Hype Machine haben den Gedanken der Verbindung lose zusammenarbeitender Teile bei ihrer Präsentation des Zeitgeistes für 2008 noch weitergedacht und zeigen damit, was Tim O’Reilly meint, wenn er von Small Pieces loosely joined und den damit verbundenen Möglichkeiten spricht:

  • Mit Musebin, einer Art Twitterverschnitt für Musikreviews mit Voting-Funktion, werden kurze Statements zu den Alben angezeigt (zu Musebin siehe auch Epicenter und medienlese.com)
  • imeem liefert zu jedem Album die Musik zum direkten Anhören
  • Amazon liefert die Albumcover
  • Die Hintergrundbilder kommen von flickr

Die einzelnen Alben werden so auf eine ansehnliche Weise präsentiert, für die eine Redaktion im Alleingang sehr viele Ressourcen hätte einsetzen müssen. Man sollte bei all dem nicht vergessen: Hype Machine wird von vier Leuten betrieben.

Die Macht der Aggregation

Für alle, die glauben, dass es die klassischen Massenmedien braucht, um eine Öffentlichkeit zu schaffen, die sollten sich so raffiniert umgesetzte Aggregation wie den Hype Machine Zeitgeist genau anschauen. Das ist die Zukunft. Nicht umsonst wird die Hype Machine in den USA von einigen bereits als der Rolling Stone unserer Zeit bezeichnet.

Etwas, dass ich nun seit Jahren sage: Das Netz begünstigt Ad-Hoc-Zusammenarbeit über verschiedene Arten auf so effiziente Weise, dass Hierarchien (hier: Redaktionen von Musikmagazinen) dagegen oft alt aussehen müssen. Weil sie gegen die geballte Ressourcenmacht des offenen Webs gar keine Chance haben. Selbst und besonders dann, wenn diese ‘Zusammenarbeit’ auf einer nachgelagerten Ebene (hier: Aggregation auf Hypemachine) stattfindet, die die Aktionen auf der ursprünglichen Ebene (hier: das Posten von Musik auf den Blogs) gar nicht beeinflusst. Denn dann kommt es zu keinen Verzerrungen durch Gruppendenken.

Man sollte die Kraft und Macht intelligent umgesetzter Aggregation nicht unterschätzen. Rivva und Techmeme für Nachrichten und die Hype Machine für Musik sind da erst der Anfang.

Eine deutsche, ausführliche Erklärung der Funktionsweise der Hype Machine und aller Funktionen im Einzeln findet man auf dem Blog ‘Oh, what a world’ (via Spreeblick):

In Zusammenarbeit mit Blog Fresh Radio und imeem hat Hype Machine auch mehrere Radiosendungen über die Top-Alben erstellt. Hier die Top 10:


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3 Kommentare

  1. Aé
    schrieb am 14. Januar 2009 um 10:15 Uhr (#)

    Danke für die Zusammenfassung mit einigem Neuen!

    Eine Frage die ich mir bei der hypem oft stelle ist, warum mir die Bandbreite der Musik dort so gering vorkommt. Ist das mein persönlicher Eindruck, liegt es an den Bloggern, deren Herkunft oder an was?

  2. Matze
    schrieb am 15. Januar 2009 um 11:22 Uhr (#)

    hm… was meinst du mit Bandbreite? Die Ganze Palette aller Musikstile? Ich glaub man findet dort einfach überwiegend Sachen aus der nicht unbedingt kleinen Indie-Szene, was mir persönlich ausreicht und auch so bleiben soll. Vielleicht könnte es sein, dass Indie-Leute (Teil davon waschechte Prosumenten) viel offener mit neuen Kommunikationsmitteln sowie Vermarktungsstrategien umgehen?

  3. Matze
    schrieb am 15. Januar 2009 um 11:35 Uhr (#)

    ach ja und es gibt noch elbo.ws
    Funktioniert so ähnlich. Auch ein Aggregator, der aber nicht so eine tolle Benutzer-Integration/Personalisierung vorweisen kann und auf Dauer der Loser sein wird.

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