Regionalnachrichten:
Kein Spaß bei “Saarland Aktuell”

Saarbrücker Zeitung und Saar TV starten eine eigene Nachrichtensendung – im Fernsehen und im Internet. Noch ist das ganze aber herzlich langweilig.

Print-Redakteurin Karoline Roos
Print-Redakteurin Karoline Roos
Da bewegt sich was im Saarland: Die regionale Zeitung und ein kleiner Fernsehsender stemmen eine eigene Nachrichtensendung. “Saarland Aktuell” präsentiert täglich zwischen 18 und 21 Uhr zur vollen Stunde ein paar Minuten Nachrichten, berichtet der Branchendienst Kress. Wir haben uns “Saarland Aktuell” am Dienstagabend auf den Seiten der Saarbrücker Zeitung angesehen.

In den ersten 25 Sekunden nach dem Vorspann hört sich das so an:

Print-Redakteurin: “Guten Abend zu Saarland Aktuell. Die Landespressekonferenz kam heute in der Saarbrücker Staatskanzlei zusammen. Thema war das geplante Konjunkturpaket für das Saarland.”

Reporter: “Ministerpräsident Peter Müller hat ein eigenes Konjunkturprogramm für das Saarland angekündigt. Müller sagte vor der Landespressekonferenz, das Landesprogramm solle mit dem Programm des Bundes zu einem Konjunkturprogramm Saar zusammengeführt werden.”

Ich zähle innerlich mit – Saarland: 4x, Konjunktur: 3x, Programm: 4x – und schlafe fast ein. Die kurze Sendung hat insgesamt fünf Meldungen:

  1. Ministerpräsident Peter Müller: Konjunkturpaket für das Saarland
  2. Opelhaus beantragt Insolvenz
  3. ProEhrenamt wird Leuchtturmprojekt
  4. Ministerpräsident Peter Müller: Sternsinger zu Besuch
  5. Das Wetter im Saarland

Wen möchte man mit diesem explosivem Themenmix im Internet begeistern? Im Fernsehen mag es funktionieren, aber im Internet, wo es diese Meldungen auch in Textform gibt? Zumindest braucht es dann starke Bilder, es sollte einen Mehrwert geben. Leider gibt es die in der Ausgabe vom 6. Januar nicht zu sehen. Ob Jung oder Alt: So dermaßen trocken macht es keinen Spaß.

Gut: Die Kooperation zwischen Saarbrücker Zeitung und Saar TV: Hier wird etwas ausprobiert, ein Zeitungshaus ahnt, dass das Internet wichtiger wird. Video im Internet ist im Kommen, auch wenn man damit noch kein großes Geld machen kann. Deswegen ist die Zusammenarbeit mit einem lokalen Sender eine gute Wahl. Erfrischend auch, das es mal nicht der allgegenwärtig öffentlich-rechtliche Rundfunk ist. Nur mit der Umsetzung hapert es noch etwas …

Weniger gut: Die Themenwahl der Ausgabe vom 6. Januar; zuviel “Programm”, zuviel Peter Müller. Die Videoaufnahmen der Landespressekonferenz sind langweilig, wenn es dann für die Region richtig interessant wird – krasses Wetter, Autohaus geht in die Insolvenz – fehlen die Bilder, zu denen man eine emotionale Bindung aufbauen könnte. Stattdessen trockener Nachrichtentext, den man besser selber lesen kann. Wenn ich mir schon ein Video ansehe, dann sollte es auch etwas zu sehen geben! Dafür dann die Moderatorin im glänzenden Studio vor einer digital-drehenden Weltkugel: Das ist ein wenig too much. Warum nicht einfach aus dem Newsroom der Zeitung?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Tutsi
    schrieb am 8. März 2010 um 15:36 Uhr (#)

    Kann ich verstehen, dass man bei solchen Themen einschläft. Das Programm könnte man sicher spannender gestalten.

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