Hype um Blogverkauf:
Basic auf der Resterampe
Soll man Blödsinn auch noch kommentieren? Das war mein erster Gedanke, als Robert Basic seine Schnapsidee verkündete, sein Blog Basic Thinking zu verkaufen.
Die meisten Blogs funktionieren aber anders: Es sind ‘Autorenblogs’, ein einziger Mensch ist für die Inhalte verantwortlich, und wenn dieser Mensch aussteigt, dann zerstreut sich auch die bisherige Leserschaft in alle Winde. Denn der Erfolg des Blogs war ganz und gar von dem Können dieses Menschen abhängig, er erst hat das Blog zu dem gemacht, was es ist. Es wäre geradezu absurd, sich eine Blogbar ohne Don Alphonso, eine Indiskretion Ehrensache ohne einen Thomas Knüwer, eine Buzz Machine ohne Jeff Jarvis oder einen Journalistenschredder ohne Ugugu vorzustellen. Und das gilt eben auch für Robert Basic. Er könnte ebensogut seinen Kopf verkaufen, um wieder klarer denken zu können.
Blogs sind in der Regel ‘hochpersonalisierte Medien’ – der virtuelle Redaktionstisch ist ein verlängerter Teil der Persönlichkeit. Ich kann doch auch nicht sagen: ‘Hej, ich versteigere jetzt meine Ansichten! Wer kauft mir meine Weltsicht ab?‘. Basic Thinking ist ja nicht deshalb etwas wert, weil das Layout so schön blau ist oder die Blogroll wohlgeformt – sondern deshalb, weil hier jemand eine bestimmte Agenda setzt und sie redaktionell aufbereitet, die – aus welchen Gründen auch immer – dann viele Leser findet und aus Robert Basic den teutonischen Bloggott (Copyright lanu) machte.
Wenn also Robert Basic sein Angebot bei Ebay richtig rund und attraktiv machen wollte, dann müsste er sich in die Wundertüte schon höchstselbst hineinlegen. Genau das aber will er ja nicht.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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Mir aus der Seele geschrieben, Wort für Wort.
Ich habe meinerseits nur das “Ereignis” gebloggt, kann mich hier aber mit einem Gedanken anhängen:
Der Verkaufsversuch zielt ja darauf, dass ein Käufer scharf auf die Clicks und Verlinkungen des Blogs ist. Damit macht Basic seine Leserschaft zu Clickvieh-Vermittlern. Eine ziemliche Bankrotterklärung an jede Form von Content-Glauben.
Wobei ich vielleicht deswegen so schnöde reagiere, weil ich gar nie so richtig verstanden habe, weshalb ich dieses Blog brauchen sollte?
Tscha – bei mir stand BTh als ner
vdiges Blog für Trendjäger, Tekkies und Gadgeteere ja auch nicht im Feedreader. Trotzdem hatte der freundliche Robert eine geneigte Leserschaft – auch dank seines Könnens als Internet-Selbstvermarkter. Jetzt will er die leere Hülle verkaufen – ohne das Können, also ohne Inhalte. Seltsame Geschäftsidee, wie ich finde. Aber wer dafür bieten mag, soll dafür bieten.Er macht die Leserschaft übrigens nicht zu Klickvieh-Vermittlern. Sie wird selbst zu solchem …
Ein Geschäft ist das schon, auch für den Käufer: Er kauft eine tolle Verlinkung, einen Werbekundenstamm und viel Aufmerksamkeit. Wenn er schnell starten kann und ein Konzept hat, das den Namen basic thinking verdient – bisher war’s ja nur ein Namens-Wortspiel, viel basic thinking hab ich nicht entdecken können -, dann könnte das ein guter Start z.B. für eine journalistisch qualitative Website werden. Es könnte also schon was wert sein, so zu starten statt von null aus erst mal eine lange Durststrecke absolvieren zu müssen, um an die bereits etablierte Konkurrenz überhaupt heranzukommen. Hängt natürlich vom Verkaufspreis ab, ob die Kalkulation aufgehen kann.
Ich war Stammgast bei “Miss Snark”, einer bloggenden amerikanischen Literaturagentin, die nach zwei Jahren, in denen sie 2.5 Millionen Hits hatte, eines Tages erklärte:
Two years; two million hits (2.5 actually as of 5/20/07);
yes, Miss Snark has run out of new things to say.
It’s been an amazing run.
This blog wouldn’t have been any fun at all without you, my devoted readers.
I know I’ll miss hearing from you.
I hope you’ll miss hearing from me.
(Quelle: http://misssnark.blogspot…rk-is-retiring.html)
Sie hat mein Herz gebrochen, mir meine liebste Tageslektüre genommen, mit diesem Abschied eine Kommentarflut von 524 Kommentaren ausgelöst und ist nach ein klein bisschen Aufräumen gegangen. DAS hat Stil.
Bei der Blogbar haben früher durchaus viele mitgeschrieben, ich glaube also schon, dass da ein Übergang möglich wäre. Keiner ist unersetzlich. ich glaube auch, dass man, den Mix richtig analysiert, Basicthinking fortschreiben könnte.
Was ich aber nicht glaube ist, dass Blogwerk im aktuellen Zustand verkäuflich wäre. Zu viele mässige Autoren und Blogs, PR-Schlunzereien, Tralala das alle machen, und vor allem: kein Vermarktungskonzept für den grossen Markt Deutschland ausser den Adnation-Schaumschlägern. Neben dem Werbeblogger mit seiner Monopolstellung wäre basicthinking noch mit das plausibelste Kaufangebot.
Der erste hat schon bei Ebay ein eigenes Angebot reingestellt, in der Hoffnung auf ein paar, die nicht genau hinschauen und aufs falsche Blog bieten:
http://cgi.ebay.de/Basic-…0QQitemZ220341115104
@ Don: Beim RB ist es doch etwas mehr als nur der richtige Themen-Mix. Ich würde seinen Stil nicht unterschätzen, gerade dieses bewusst freundlich Unprätensiöse ist besonders schwer nachzuahmen, weil es immer einer Gratwanderung gleicht. Jeder Plagiator, möchte ich fast wetten, nimmt dann hier ein Gramm Werblichkeit zu viel, schmeckt dort mit einem Löffelchen Community zu deftig ab – weil er eben nicht der Robert Basic IST. Schon hört das scheue Wild ‘Publikum’ die Marketing-Glöckchen an der Tür des kleinen Gemischtwarenladens bimmeln – und es ist vergrellt …
Dass beim Namen Blogwerk nicht der Wiglaf Droste und der Friedrich Küppersbusch dahergerannt kommen, das liegt u. a. – wie überall im Online-Bereich – an dem, was in einem Umsonstmedium bezahlt werden kann, soll das Projekt überleben. Vor allem in einer Zeit, wo noch niemand den Hauch einer Ahnung hat, wie eine akzeptierte ‘Vermarktung’ jenseits der Tatütata-Werbung aus der Agenturszene 1.0 überhaupt aussehen könnte. So is dat nu mal … auch ein Goethe will Moos sehen.
@ Wolf-Dieter: Der Unterschied dürfte für den Käufer nicht sooo groß sein …
Einer der meines Erachtens unwichtigsten und nichtigsten Webangebote soll verkauft werden (dem Link im #6 gefolgt, ist die Sache irgendwie beendet) – das ist in etwa so interessant wie der sprichwörtliche Sack Reis, der in China umgefallen ist. Hieraus einen “Hype” zu konstruieren spottet eigentlich jeder Beschreibung.
@ Gregor: Das war ein Fake-Angebot. Hier ist das richtige. Was an der Einschätzung mit dem Sack Reis nichts ändern muss.
24′000 euro sind geboten. schnappsidee? mein tipp: 75′000 euro.
Schnapsideen, Irrungen und Wirrungen gibt es überall. Kapitalismus fließt in fast allen Adern; auch bth will mal an die Spritze. Schnell wird Beruhigung eintreten und auch die Blogosphäre kümmert sich wieder um wichtigeres.
Freundliche Grüße vom Bildungswirt
@ Moritz Zumbühl: Das sich jemand – sagen wir – ‘Blauäugiges’ finden würde, der dafür Geld ausgibt, das war doch klar. Ob’s aber klappt mit einer Investition ohne ‘core asset’, also ohne Autor, das war doch die Frage …
Wieso Blödsinn? Dieser Werbegag, hat Basic Thinking schon mehr Klicks gebracht, als die Technik verkraften konnte.
Die Liste der Bieter so geheim wie der noch nicht erreichte Mindestpreis. Da bin ich ziemlich sicher, daß es nicht zu einem Verkauf kommen wird.
@fellow passanger: Ja, natürlich – alles ein Werbe-Gag? Nur: Wozu werben? Welchen Text mit einem Hauch von Sinn hat dieser virtuelle Sandkastenspieler denn produziert – ausser sein selbstreferentielles Geplapper? Ein Egomane verkleidet seine Minderwertigkeitskomplexe als Grossmaul und das nennt man dann auf neudeutsch “Marketing”.
Ist es da ein Wunder, dass Blogs ein so schlechtes Ansehen haben, wenn ein solches Mogelprodukt als meistverlinkt letztlich die ganze Innung repräsentiert und blamiert?
@Gregor Keuschnig
Irgendwie sprechen Sie mir aus der Seele… Erst versuchte ich mich zu trösten: Ist halt wie mit der Bild-Zeitung bei den Printmedien. Aber der Vergleich passt ja gar nicht. Da gibt es so viel Blutleere statt zuviel Blut.
Ich denke: Der Erfolg beruht auf der selbstreferentiellen Denkweise von vielen Bloggern: Verlinken für den Gegenlink, den möglichen. Kommentieren, weil alle auch kommentieren. Treu trottendes Herdenvolk der Nerds auf der Suche nach Beachtung. Da sahnen dann ein paar wenige oben ab. Der Rest ist nur Erfüllungsgehilfe.
@ moritz zumbühl
75.000.-? Die Zeit der Blasen – zumindest der ökonomischen – ist vorerst vorbei.
PS Das angebliche Bloggertreffen von Robert Basic zum Thema “Politik und Web” fand leider nicht wie angekündigt im Lesecafe in Frankfurt statt. Das Terminchaos oder die Unorganisiertheit und Unverbindlichkeit hat mich mal nebenbei 200 Euro gekostet. Falls er seinen Blog doch wider Erwarten verkaufen sollte, kann er diese Kosten mal kurz übernehmen.