Wochenrückblick:
NZZ, Heidenreich, Multikulti

Bei der NZZ wird das Sparen konkret, Elke Heidenreich fehlen im Internet die Zuschauer, Radio Multikulti geht ins Netz und mehr in unserem ersten Wochenrückblick 2009.

Harald Schmidt bald wieder ohne Oliver Pocher (Keystone)

Harald Schmidt bald wieder ohne Oliver Pocher (Keystone)

Endlich wieder Harald Schmidt: Im April endet die Late-Night-Show “Schmidt & Pocher”. Die ARD macht Hoffnung: Stattdessen werde Schmidt solo weitermachen, “Schmidt, politisch reloaded”. Leider ist die ARD weiterhin an Pocher interessiert, auch wenn Optimisten ihn schon als neues RTL-Gesicht sehen, könnte er dem öffentlich-rechtlichem Fernsehen erhalten bleiben.

Sparen in Zürich: Die Neue Zürcher Zeitung streicht 24 volle Stellen, 29 Mitarbeiter sind betroffen. Unter anderem wird das Korrespondentennetz ausgedünnt und die vakante Leitung des Wissen-Ressorts nicht extern besetzt. Mehr dazu von Martin Hitz auf medienspiegel.ch. Auf ein Portrait des Verlagschefs haben wir schon im November hingewiesen: “Wer spart denn da?”

Radio zieht ins Internet: Das öffentlich-rechtliche Berliner Radio Multikulti ist mit dem neuen Jahr eingestellt worden. Gegen die Sparmaßnahme des RBBs gab es öffentliche Proteste – genützt haben sie nichts. Einige Mitarbeiter machen jetzt im Internet unter dem Namen Radio Multicult 2.0 weiter. Aus passiven Hörern sollen Mitstreiter werden, außerdem werden Spenden gesammelt.

Quoteneinbruch bei “Lesen!”: Mehr als 90 Prozent ihrer Fernsehzuschauer sind Elke Heidenreich nicht ins Netz gefolgt. Durchschnittlich eine Millionen Zuschauer sahen ihre Literatursendung “Lesen!” im ZDF. Nachdem der Sender Heidenreich die Zusammenarbeit aufgekündigt hat – oder andersherum, je nach Perspektive – gibt es die Sendung unter eigener Regie im Internet. Wie Spiegel Online berichtet, haben die zweite Folge bisher 63.000 Zuschauer angeklickt und womöglich sogar komplett angesehen.

Kavaliersdelikt Schleichwerbung: Andrea Kiewel bekommt eine zweite Chance im ZDF. Trotz Schleichwerbeaffäre wird sie ab Mai wieder den Fernsehgarten moderieren, berichtet die Netzeitung. Im Dezember 2007 wurde sie gegangen, nachdem ein Vertrag mit der Firma Weight Watchers bekannt geworden war. Elke Heidenreich hingegen darf nicht zurück ins ZDF, zitiert die Netzeitung den Programmdirektor. Schlussfolgerung: Arbeitgeber kritisieren böse, Schleichwerbung nicht ganz so böse. “Scheinheilig”, schreibt das Fernsehblog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Mehr schlechte als gute Nachrichten: Uberblogger Jeff Jarvis hat in seinem Blog Fakten zur amerikanischen Zeitungsbranche gesammelt. Die Zahl der schlechte Nachrichten erdrückt zwei kleine positive Daten. Nicht vergessen: Ende Januar erscheint Jarvis’ Buch “What would Google do?”.

Auf medienlese.com haben wir die Feiertage genutzt und auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Von Januar bis April und von Mai bis August sind wir dabei gekommen, die übrigen vier Monate folgen!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

 

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Ein Kommentar

  1. Der Spiegel Online Artikel zu Elke Heidenreich Web-TV-Format geht leider auf zwei wesentliche webspezifische Faktoren nicht ein:

    1. Im Unterschied zur TV-Ausstrahlung (plus 7 Tage Abrufmöglichkeit in der ZDF-Mediathek) kann Heidenreichs Web-TV den Long-Tail-Effekt nutzen. Es kommt überhaupt nicht darauf an, wieviele Zuschauer ihr Format 24 oder 48 Stunden nach Einstellen der Folge hat. Die Folgen bleiben ja im Netz und können dort auch nach mehreren Wochen gefunden werden.

    2. Lit.Colony ist der irrigen Ansicht, es würde der Plattform schaden, wenn Lesen! auch noch über andere Plattformen zu sehen ist. Nur die erste Folge war versehentlich auch auf Sevenload zu sehen, musste dann aber auf Betreiben von Lit.Colony dort gelöscht werden. So verschenken die Macher die Chance, über neue Platformen neue Nutzer für das Format zu begeistern. Mehr dazu hier.

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