Six Apart Motion:
Lifestreaming-Communities für alle

Six Apart ermöglicht Bloggern und sozialen Netzwerken mit Motion, eigene Lifestreaming-Communities zu betreiben. Nicht schlecht, aber auch ein Symptom für die Probleme des offenen Webs.

Six Apart, die Firma hinter Movable Type, Typepad, Vox oder der Technologie von Pownce, hat vor ein paar Tagen eine eigene Plattform zum Lifestreaming vorgestellt.

Sie nennt sich Motion und ist eine Mischung aus Microblogging, Lifestreaming und einer abgespeckten Version von Movable Type, die man selbst betreiben kann.

Motion
Motion

Motion hat vier Komponenten:

User-Management: Mitglieder können sich registrieren, ihr Profil ausfüllen, anderen Usern folgen, eben die Standard-Features von sozialen Netzwerken. Die Liste an definierbaren externen Diensten ist beachtlich, an die 70 Sites werden angeboten. Auch beachtlich ist, dass obwohl die Ankündigung und die Selbstdarstellung vor Offenheit nur so strotzt, kein Mechanismus angeboten wird, ein existierendes Portfolio zu importieren.

Lifestreaming: Die Aktivitätsströme aller Mitglieder aller jeweils verknüpfter Dienste werden auf der Startseite aggregiert. So toll das ist, es erübrigt sich zu erwähnen, wie unübersichtlich das wird, wenn es mehr als 20 Mitglieder gibt. Die Möglichkeit nur die eigenen Freunde zu beobachten oder nach Diensten zu filtern, scheint (noch) zu fehlen.

Microblogging: Mit sogenannten Quickposts können kurze Texte, Bilder, Links, Videos oder Audio-Files gepostet und getaggt werden. Jeder so erstellte Beitrag erhält seine eigene URL und alle anderen Vorzüge eines vollwertigen Blogbeitrags. Vor allem:

Kommentare und Votes: Kommentieren und voten können nicht nur registrierte Mitglieder, sondern auch Besucher mit OpenID (inklusive den Derivaten von Google, Yahoo oder WordPress), Typepad und Facebook-Account.

Es gibt eine Demo von Motion zum herumspielen.

Alles nett, aber Motion hinterlässt bei mir doch etwas Kopfkratzen.

Motion hat zwar das Potential zu einer soliden Anwendung, auch die Akquise von Pownce dürfte dazu beitragen, aber sie lösen ein schon von anderen besser gelöstes Problem. Sie wissen das und setzen auf zwei Prinzipien: Eigene Kontrolle und Offenheit.

Motion läuft auf dem eigenen Server. Für Blogs, kleinere soziale Netzwerke oder Communities ergibt sich also durchaus die Gelegenheit, dem kollektiven Output der Leser oder Mitglieder eine neue – unter Umständen sogar monetarisierbare – Form zu geben. Warum sollten die Besucher auf Facebook, Twitter oder FriendFeed posten müssen, wenn man sie dies nicht auch auf dem eigenen Angebot machen lassen könnte?

Offenheit wird über zwei Aspekte definiert: Die Möglichkeit Motion auch ausserhalb eines anderen sozialen Netzwerkes zu betreiben, und die Möglichkeit via OpenID zu kommentieren. Beides ein bisschen schwach.

Ein Umstand wird leider wieder klar deutlich: Die Unfähigkeit des ‘offenen’ Webs den ‘Open Stack’ an Webtechnologien in ein konkretes Produkt zu verwandeln, das auch im Vergleich zu den proprietären Plattformen marktfähig ist und auch für normale User die bessere Alternative darstellt. Für diese bedeutet Motion in der jetzigen Form vor allem eine fragmentierte Erfahrung, bei der man auf unzähligen Seiten das gleiche machen kann.

Six Apart ist ein Unternehmen, dem im Vergleich zu anderen weder der Wille, noch die Kompetenz abzusprechen ist. Aber wenn Motion die aktuellen Möglichkeiten repräsentiert, dann hat der ‘Open Stack’ noch einen langen Weg vor sich.

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